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Digitale Kompetenzen erfassen und dokumentieren: Der Europäische Referenzrahmen ist mehr als ein Selbsteinschätzungstool

Internet und Digitalisierung verändern unsere Gesellschaft  in ungeheurem Tempo. Der digitale Wandel wird in vielen Bereichen unseres Lebens sichtbar: Er beeinflusst die Art, wie wir arbeiten und lernen, wie wir unsere Freizeit verbringen und mit anderen interagieren. Digitale Kompetenzen sind daher wichtiger denn je, um an der digitalen Gesellschaft teilhaben und ihre Möglichkeiten ausschöpfen zu können.

 

Digitale Kompetenz erklären

Geschäftsmann mit Internet-Icons.
Was bedeutet es, digital kompetent zu sein? Iaroslav Danylchenko/Scanstockphoto.com

 

Die Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates von 2006 nannte die digitale Kompetenz als eine der acht Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen. Doch was bedeutet es, digital kompetent zu sein? Welche Kenntnisse und Fähigkeiten stecken dahinter? Antworten darauf gibt der Europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (European Digital Competence Framework for Citizens), der vom Joint Research Center im Auftrag der EU-Kommission und mit Unterstützung der Mitgliedstaaten entwickelt und 2013 veröffentlicht wurde. Er definiert fünf Bereiche, die für die Beschreibung von „digitaler Kompetenz“ relevant sind: Datenverarbeitung, Kommunikation, Erstellung von Inhalten, Sicherheit und Problemlösung. In diesen Bereichen beschreibt er Kompetenzen auf verschiedenen Niveaustufen und schafft damit – analog zum Referenzrahmen für Sprachen – ein Raster, das als Verständigungsgrundlage über Kenntnisse und Fähigkeiten dient. Darüber hinaus regt der Referenzrahmen dazu an, sich mit Themen wie Informationssicherheit im Internet, digitaler Identität oder der Entwicklung von digitalen Inhalten auseinanderzusetzen.

Seit Sommer 2015 können Bürgerinnen und Bürger ihre digitale Kompetenz anhand des Referenzrahmens einfach und schnell selbst einschätzen. Ein auf dem digitalen Referenzrahmen basierendes Online-Bewertungstool ist in den Europass Lebenslauf-Editor eingebunden und ermöglicht es, das persönliche Kompetenzniveau im Lebenslauf transparent darzustellen. Für die Selbsteinschätzung stehen den  die Nutzerinnen und Nutzer zu jedem der fünf Bereiche drei mögliche Antworten zur Auswahl, die den unterschiedlichen Niveaustufen – elementare Verwendung, selbstständige Verwendung, kompetente Verwendung – zugeordnet sind. Im Ergebnis erhalten sie eine kleine Tabelle als Bestandteil ihre Europass-Lebenslaufs, die ihre Niveaustufe in den einzelnen Bereichen nennt

Ein Raster mit vielen Einsatzmöglichkeiten

Online-Tool zur Einschätzung der digitalen Kompetenzen im Europass Lebenslauf.
In der digitalen Gesellschaft beeinträchtigt die fehlende oder geringe digitale Kompetenz die Beschäftigungsfähigkeit ihrer Bürger/-innen und damit auch ihre Lebensperspektiven. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung in Europa können momentan nicht mit dem digitalen Wandel Schritt halten, darunter viele ältere Menschen, schlecht ausgebildete jüngere oder Migrantinnen und Migranten (Digital Scoreboard, Europäische Kommission, 2015).

Der Referenzrahmen kann als Selbstbewertungstool nicht nur für die Bewerbung genutzt werden, sondern auch, um Wissenslücken zu identifizieren und gezielt abzubauen. Insofern unterstützt er Bürgerinnen und Bürger dabei, ihre Ziele in verschiedenen Lebensbereichen wie Arbeit, Ausbildung und Partizipation zu verwirklichen.

Unternehmen können auf den Referenzrahmen zurückgreifen, um bei Stellenausschreibungen genaue Anforderungen im Bereich der digitalen Kompetenzen zu formulieren. Auch im Bereich von Bildung und Ausbildung gibt es weitere Anwendungsmöglichkeiten, etwa die Entwicklung von Kursangeboten oder die Reflexion und Dokumentation von Fortschritten der Lernenden.

Der Referenzrahmen für digitale Kompetenzen ist somit nicht nur ein Selbsteinschätzungstool, sondern ein Instrument, das politische Ziele der EU wie zum Beispiel die Förderung von Beschäftigung und Wachstum unterstützt. Und er veranschaulicht, was es bedeutet, digital kompetent zu sein: in der Lage zu sein, digitale Technologien auf eine kritische und kreative Art zu nutzen.

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