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Offene Bildungsmaterialien in Alphabetisierung und Grundbildung

Um Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen oder den Umgang mit digitalen Technologien von Erwachsenen in Deutschland zu verbessern, bedarf es guter und zahlreicher Lehr-/Lernmaterialien. Hier können offene Bildungsmaterialien einen Beitrag leisten.

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Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene sind spätestens seit der „LEO – Level-One-Studie“ von 2011 in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Seit 2016 läuft auch die „Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ (AlphaDekade), deren Ziel es ist, die Lese- und Schreibfähigkeiten sowie weitere Grundkompetenzen wie Rechnen oder Umgang mit digitalen Technologien von Erwachsenen in Deutschland zu verbessern. Um das zu ermöglichen, bedarf es – als einen Gelingensbaustein – auch guter und zahlreicher Lehr-/Lernmaterialien. Hier können offene Bildungsmaterialien einen Beitrag leisten.

Logo des Projekts OERinfo

Was sind OER?

Offene Bildungsmaterialien (OER) haben den Vorteil, dass sie frei und damit kostenlos zugänglich sind, bearbeitet und weiterverbreitet werden können. Für Lernende ist zunächst der erste Punkt wichtig, für Lehrende sind hingegen alle von großer Relevanz. Denn als Lehrkraft muss man die Erlaubnis zum Weiterverbreiten haben, um beispielsweise ein Arbeitsblatt im Kurs nutzen zu können, und die Erlaubnis für das Bearbeiten, wenn man ein solches an die Teilnehmenden anpassen möchte, wie etwa die Textschwierigkeit.

OER sind aber mehr als nur Arbeitsblätter. Es sind alle Materialien unabhängig von Art und Medium, die für Bildung genutzt werden können (Texte, Bilder, Musik, Videos, Spiele, Konzepte, Anleitungen, Methoden in digital oder analog) und die unter einer offenen Lizenz veröffentlicht sind. Die in diesem Zusammenhang genutzten Lizenzen sind die Creative Commons Lizenzen, wobei offene Bildungsmaterialien mit CC Zero, CC BY oder CC BY-SA gekennzeichnet sind (dunkelgrün in der nebenstelhenden Abbildung). Und darauf kommt es an. Denn als Faustregel gilt, dass Materialien ohne diese Kennzeichnung auch keine OER sind.

Was bedeuten die einzelnen Lizenzen?

CC-Lizenzen
Auch wenn man sich Arbeitsblätter, Bilder, Videos etc. im Internet anschauen kann, so sind diese aus der Perspektive der Lehrenden nicht ohne Weiteres nutzbar. Denn wenn sie nicht mit einer entsprechenden CC-Lizenz gekennzeichnet sind, unterliegen diese Materialien in der Weise dem Urheberrecht, dass der Urheber oder die Urheberin erst um Nutzungserlaubnis gebeten werden muss. Dabei muss auch genau geklärt werden, wie genau diese Nutzung aussehen darf. Darf nur kopiert werden oder darf auch ein Text verändert, dürfen Bilder eingefügt werden? Wenn man das als Lehrender nicht tut, dann verstößt man gegen das Urheberrecht und macht sich strafbar. Man kann sich nicht darauf berufen, dass kein Copyright-Zeichen oder ein sonstiger Verweis wie „Alle Rechte vorbehalten“ zu sehen war.

Nicht alle CC-Lizenzen gelten als offen. Die Module NC (keine kommerzielle Nutzung erlaubt) und ND (keine Veränderungen erlaubt) schränken die Nachnutzung so stark ein, dass nicht mehr von offenen Lizenzen gesprochen werden kann. Wenn Sie als Lehrende*r sicher sind, dass Sie in keinem Ihrer Arbeitskontexte kommerziell tätig sind, bzw. wenn Sie keine Veränderungen an den Materialien vornehmen wollen, dann können Sie auch Materialien mit den Lizenz-Modulen ND und NC verwenden. Aufgrund möglicher juristischer Unklarheiten gilt der NC-Baustein allerdings als problematisch.

Creative commons license spectrum von Shaddim, original CC license symbols by Creative Commons, Übersetzung ins Deutsche JoeranDE, Lizenz: CC BY 4.0. Abrufbar unter Wikimedia.

Welche Lizenz ist die Richtige für meine OER?

Für Plattformen oder Projekte aber auch einzelne Lehrende, die ihre Alphabetisierungs- bzw. Grundbildungsmaterialien zur Verfügung stellen wollen, kann an dieser Stelle daher empfohlen werden, dass Sie diese unter einer CC-Lizenz veröffentlichen. Das ist für die Nachnutzenden rechtsicher, da klar, ob und wie eine Weiterverwendung erfolgen kann. Ein gut gemeinter Verweis auf der Homepage, dass „irgendeine“ Nutzung des Materials möglich ist, lässt zwar eine Intention erkennen, wirft aber immer noch viele Fragen auf.

Eine weitere Überlegung wäre dann für die Materialspenderinnen und Materialspender, welche Lizenz ausgewählt werden sollte. Die Problematik des NC-Moduls (keine kommerzielle Nutzung erlaubt) ist oben angedeutet worden. Kommerziell sollte bei der Lizenzentscheidung nicht in missbräuchlich umgedeutet werden. Lehrende an privaten Sprachschulen sind für eine kommerzielle Einrichtung tätig. Lehrenden an Volkshochschulen ist häufig unklar, ob sie nun „kommerziell“ tätig sind oder nicht. Zumal es unterschiedliche Rechtsformen von Volkshochschulen gibt. Sollten die ersten, wenn sie Grundbildungs- oder Alphabetisierungsarbeit leisten, durch eine NC-Lizenz benachteiligt sein? Die zweite Gruppe hingegen könnte Materialien mit einer NC-Lizenz aufgrund von Unsicherheit meiden. Und was passiert, wenn eine Honorarkraft vormittags im „kommerziellen Kontext“ arbeitet und nachmittags das gleiche Angebot „nicht-kommerziell“ durchführt?

Die Einfügung des ND-Moduls erlaubt keine Anpassungen des Materials seitens der Lehrkraft. Auch das kann problematisch sein. Um mit der Heterogenität der Teilnehmenden in entsprechenden Bildungsangeboten umzugehen, ist Binnendifferenzierung wichtig. Und diese kann beispielsweise über unterschiedliche Schwierigkeitsgrade von Lehr-/Lernmaterialien erfolgen. Da ist eine ND-Lizenz hinderlich.

Wo findet man OER für Alphabetisierung und Grundbildung?

Leider gibt es noch keine zentrale Plattform. Um allgemein nach OER zu recherchieren kann das OERhörnchen empfohlen werden, wofür es auch eine Handlungsanleitung gibt. Als Einstieg für den Bereich Alphabetisierung und Grundbildung kann das entsprechende Dossier von wb-web genutzt werden. Hier finden Sie Links zu Plattformen und Projekten, die zumindest in Teilen OER anbieten. OER für Alphabetisierung finden Sie im vhs-Ehrenamtsportal. Hier können Sie sich über die E-Mail-Adresse ehrenamtsportal@dvv-vhs.de an das Projekt wenden, wenn Sie Ihre eigenen Materialien als OER teilen möchten. Eine weitere Möglichkeit, die eigenen Materialien als OER, also mit einer offenen Lizenz zu veröffentlichen, stellt die Bildungsmaterialspende dar. Hier wird eine Überprüfung, ob urheberrechtlich geschützte Materialien irrtümlich verwendet wurden oder gegen sonstige rechtliche Bestimmungen verstoßen wurde, als Service von Bildungsengagierten ohne Entgelt angeboten. Als Lehrende*r an Volkshochschulen können Sie Ihre offenen Bildungsmaterialien in der VHS-Cloud hochladen. Das OERhörnchen bietet eine Hilfe, um eigene Materialien als OER zu lizensieren. Eine Handlungsanleitung dafür finden Sie hier.

Wenn Sie in der Alphabetisierung oder Grundbildung tätig sind und bereits Quellen für OER kennen, dann teilen Sie Ihr Wissen hier.  Wir – und vermutlich viele andere auch – würden uns sehr freuen.

Unter dem folgenden Link finden Sie außerdem als Beispiel für OER in der Alphabetisierung eine Vorlage für Silbenteppiche nach der silbenanalytischen Methode, mit denen das Lesen geübt werden kann.


Über die Autorin: Dr. Magdalena Spaude ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V.


Wollen Sie gerne mehr über die Herausforderungen und Möglichkeiten von OER erfahren und Ihre Kenntnisse und Kompetenzen weiter ausbauen?

Besuchen Sie das Barcamp: Digital und teilbar am 04. und 05. März 2020 in Fürth!


Lesen Sie hierzu auch:

Gedanken sind frei, Bildung auch - Open Education als neuer Bildungstrend

Informelle Lernräume in Einrichtungen der Erwachsenenbildung – oder: Lernen und Arbeiten in Zeiten des digitalen Wandels

Richtungsweisend aber nicht makellos: UNESCO-Empfehlung zu Offenen Bildungsmaterialen und ihre Definition

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