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Role Models in der Erwachsenenbildung: Wie wir von Vorbildern lernen können

Was macht ein gutes Vorbild aus? Und wie können Vorbilder im Erwachsenenlernen eingesetzt werden? Eine Übersicht mit Beispielen

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Role Model in der Erwachsenenbildung.

Bildnachweis: mohamed Hassan | Pixabay

 

Die meisten Menschen werden durch Vorbilder geprägt. Schauspieler*innen, Sportler*innen, Musiker*innen oder Models haben großen Einfluss auf unser Verhalten - mit dem, was sie tun, sagen und darüber veröffentlichen. Viele von ihnen vermitteln Wertvorstellungen, an denen sich die Menschen orientieren, indem sie sie sich als Vorbild nehmen. Was aber macht ein gutes Vorbild aus?

Wer oder was ist ein Role Model?

Der Begriff des „Role Models“ wurde Mitte des letzten Jahrhunderts von Robert K. Merton geprägt.  Merton verstand unter „Role Models“ diejenigen Vorbilder, die als Muster für bestimmte Rollen nachgeahmt werden, und unterschied sie von „Reference Individuals“ (Bezugsindividuen), die für die generelle Lebensweise nachgeahmt werden. Albert Bandura entwickelte Anfang der 60er Jahre die sozial-kognitive Lerntheorie (auch Lernen am Modell genannt). Damit werden Lernvorgänge beschrieben, die auf der Beobachtung des Verhaltens von menschlichen Vorbildern beruhen (Bandura/Walters: 1963). Insbesondere Kinder und Jugendliche orientieren sich an Vorbildern und übernehmen deren Denk- und Verhaltensweisen in ihrer Sozialisation. In den ersten Lebensjahren lernen Kinder vor allen Dingen von ihren Eltern und nahen Bezugspersonen, was für das Überleben und Funktionieren in der Welt wichtig ist. In der Pubertät wählen sich Jugendliche andere Vorbilder, die sie wegen ihres Erfolgs oder ihrer Attraktivität bewundern (Stangl, 2021).

Gute Werte vermitteln

Viele Vorbilder sind als Testimonials für Botschaften mit besonderem gesellschaftlichen, politischen oder sozialen Stellenwert gefragt, wie zum Beispiel der Kampf gegen Klimawandel, Rassismus, Sexismus und Homophobie. Eines der berühmtesten Role Models der jüngeren Zeit ist Greta Thunberg. Nach ihrem Vorbild gingen Schüler*innen weltweit auf die Straßen und protestierten. Unter dem Motto „Fridays for Future“ haben am ersten weltweit organisierten Klimastreik am 15. März 2019 fast 1,8 Mio. Menschen an Demonstrationen teilgenommen. Letztlich hat Greta Thunberg exemplarisch für eine der stärkeren gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre gestanden. Viele Menschen, darunter auffällig viele junge Mädchen und Frauen, übernehmen weltweit ihre Haltung und tragen die Grundideen Greta Thunbergs weiter. Das Beispiel zeigt: Menschen, die gute Werte vermitteln und für ihre Leidenschaft stehen, können keine schlechten Vorbilder sein. Es tut gut, ein solches Vorbild zu haben, solange man nicht versucht, es in Allem dem Vorbild möglichst gleich zu tun; denn auch Vorbilder sind „Menschen wie Du und ich“ mit allen ihren Eigenschaften und Fehlern. Auch Greta Thunberg wird nicht für alles gelobt, was sie sagt oder tut.

Influencer*innen: Mehr Schein als Sein?

Die heutigen - überregional bekannten - Vorbilder sind in den allermeisten Fällen auch als Influencer*innen in sozialen Medien unterwegs; einige haben sich dort erst zu Vorbildern für ihre jeweilige Netzwerkcommunity entwickelt. Sie posten Videos und Fotos auf Youtube, Instagram, TicToc und Co, reden über Alltägliches oder Besonderes und erreichen damit in vielen Fällen ein Millionenpublikum. Sie wirken wie enge Bezugspersonen, indem sie direkt in die Kamera sprechen und somit eine direkte Verbindung zum Gegenüber herstellen. Häufig zeigen die Posts von Influencer*innen eine Idealisierung ihres Alltags; daher ist es wichtig, nicht nur das einzelne Bild zu betrachten, welches die Influencer*innen ihren Followern vermitteln, sondern darauf zu achten, wie authentisch die Person in ihrer Gesamtheit ist. Viele Influencer*innen müssen von ihren Posts leben und werden dafür bezahlt, ein Produkt oder eine Idee ins rechte Licht zu setzen. Umso wichtiger ist es, vorbildliches Verhalten von wirtschaftlich geprägten Interessen trennen zu können. Es ist durchaus möglich, authentisch für eine gute Sache vorbildhaft einzustehen und trotzdem als Influencer*in Geld zu verdienen.

Erwachsenenlernen mit Role Models

In der Erwachsenen- und Weiterbildung können Vorbilder z.B. dort eingesetzt werden, wo durch die Orientierung am Modell bestimmte Verhaltensweisen oder Wertvorstellungen hervorgerufen beziehungsweise verstärkt werden sollen. In den vergangenen Jahren haben Vorbilder in vielen Bereichen des Erwachsenenlernens eine zunehmende Rolle gespielt. Als Beispiel können hier die Integration in Ausbildung und Arbeitsmarkt, die Integration von Migrant*innen und Flüchtlingen, die Gesundheitsbildung oder die Familienbildung genannt werden. Einige aktuelle Aktivitäten belegen dies:

Ehrenpreis des Deutschen Weiterbildungstages für Vorbilder der Weiterbildung

Den Ehrenpreis des Deutschen Weiterbildungstages erhalten Menschen und Initiativen, die dem abstrakten Begriff der Weiterbildung ein konkretes Gesicht verleihen und eine besondere Geschichte der Weiterbildung erzählen. Die Preisträger*innen 2021 in den Kategorien "Lernende", "Lehrende" und "Unterstützer" stehen für das Motto des 8. Deutschen Weiterbildungstages "Krisen meistern. Know-how sichern. Weiter bilden". In Videos werden die Preisträger*innen portraitiert.

https://blog.deutscher-weiterbildungstag.de/vorbilder-der-weiterbildung-2021-geehrt/

RefugeesIn

Was treibt Menschen zur Flucht aus ihrem Heimatland und wie gelingt es ihnen, in einem anderen Land wirklich „anzukommen“, dazuzugehören? Das Erasmus+ Projekt RefugeesIN hatte das Ziel, den interkulturellen Dialog zu fördern, die Diskriminierung von Geflüchteten zu bekämpfen und ihre soziale Inklusion zu unterstützen. RefugeesIN befördert Soziale Inklusion durch Medien, besonders durch Filme und Dokumentationen, die mögliche Vorbilder von und für Geflüchtete zeigen. Geflüchtete aus zwölf verschiedenen Herkunftsländern erzählen in dem Projekt der Hamburger Volkshochschule die Geschichte ihrer Integration. Daraus ist ein umfangreiches modulares Lernpaket entstanden.

https://www.refugeesinproject.eu/de/

Building Social Bridges through Entrepreneurial Thinking

Ziel des Erasmus+ Projektes ist es u.a., durch unternehmerisches Denken zu einer Stärkung des sozialen Kapitals von Migrant*innen beizutragen und ihre Chancen zu verbessern, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. In zahlreichen Videos und Interviewbeiträgen werden Migrant*innen aus 5 europäischen Ländern portraitiert und liefern Beispiele für eine gelungene soziale Inklusion. Die Videos stehen auf dem Youtube-Kanal des Projektes in verschiedenen Sprachen und mit englischen Untertiteln zum Abruf zur Verfügung.

www.buildingsocialbridges.eu

Ohne Fleiß keinen Preis

Viele Vorbilder, insbesondere Sportler*innen oder Künstler*innen, folgen ihrer Leidenschaft. Ihr Erfolg ist jedoch auch das Ergebnis harter und langwieriger Arbeit: Es ist noch kein Vorbild von Himmel gefallen, und der Erfolg baut in der Regel auf Erfahrung, Training, Durchhaltevermögen und auch ein wenig Glück an der richtigen Stelle auf. Gute Vorbilder wissen das und werden diese Haltung neben den von ihnen vertretenen Werten vermitteln - gerade auch in der Erwachsenenbildung.


Literatur

Stangl, W. (2021). Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik. Stichwort: Vorbild. https://lexikon.stangl.eu/8458/vorbild (07.06.2021)

Albert Bandura, Richard H. Walters: Social Learning and personality development. Holt, Rinehart and Winston, New York NY 1963.


Zum Autor

Tino Boubaris ist als Projektkoordinator im Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. in zahlreichen europäischen Projekten und Netzwerken im Erwachsenen- und Berufsbildungsbereich tätig. Darüber hinaus berät er Vereine und Initiativen u.a. in Organisations- und Finanzierungsfragen. Er engagiert sich ehrenamtlich als Vorsitzender des Vereins Bildungslabor e.V., der innovative Projekte an der Schnittstelle Kunst/Kultur/Bildung entwickelt und implementiert. Seit Sommer 2017 ist er als deutscher Botschafter für die e-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) aktiv.

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