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Quo vadis, Erwachsenenbildung? Trends im Vergleich (Teil II)

Die Erwachsenen und -Weiterbildung ist wie jeder andere Wirtschaftszweig UND Bildungsbereich von neuen Entwicklungen abhängig: TRENDS aus berufenem Munde dienen als Hinweise für die eigene Ausrichtung. Dieser Beitrag bringt im Hinblick auf aktuelle Trends „Licht ins Dunkel“.

Lesedauer circa vier Minuten – Lesen, liken und kommentieren!


Anlass für den zweiteiligen Beitrag „Trends in der Erwachsenenbildung“ war das Erscheinen des Reports Nr. 8 „Innovating Pedagogy“ 2020. In diesem werden 10 „Trends“ vorgestellt. Es handelt sich dabei um Trends für die Erwachsenenbildung und andere pädagogische Bereiche. Was sagen uns diese Trends? Welche anderen Prognosen gibt es und was bedeuten diese für unser aller Arbeit in der Erwachsenenbildung: Eine Analyse von verschiedenen Trend-Ansätzen soll hier etwas „Licht ins Dunkel“ bringen.

OECD (2019): Trends für die Bildung der Zukunft

2019 hat die OECD 4 Mega-Trends (auf jeden Fall ist das ja für sich schon ein Trendwort!) vorgestellt, die die Bildung beschäftigen (werden). Diese Megatrends hat die OECD durch Zugriff aus eigenen Daten, aber auch aus Daten der Weltbank und anderer internationaler Organisationen herausgearbeitet. In dem Report „Shaping Education 2019“ sind folgende Trends benannt:

  1. Lernen für Demokratie: Hierzu gehört laut OECD auch der kritische Umgang mit Medien aber auch die Berücksichtigung von Bildungsinteressen aller Bevölkerungsgruppen und der Zugang zu Bildung.
  2. Nutzung neuer Technologien und kritischer Umgang mit Medien: Fast alle der oben genannten Trends finden sich hier wieder, vor allem wird aber der flexible und orts-und zeitunabhängige Zugang zu digitalisierten Lernangeboten als wichtige Herausforderung gesehen, ebenso wie der kritische Umgang mit Daten.
  3. Ältere Menschen noch mehr an Bildung heranführen oder wieder für Bildung interessieren: Diese Aufgabe formuliert die OECD angesichts der Bevölkerungsentwicklung und der verlängerten Lebensarbeitszeit als dringlich, auch das generationsübergreifende Lernen ist hiermit gemeint.
  4. Wichtig ist aus Sicht der OECD auch die Bildung für Nachhaltigkeit, denn die Veränderung des Konsumverhaltens, die Entwicklung von Kompetenzen für neue Technologien im Bereich Umwelt, aber auch die Stärkung von regionalen Bündnissen kann zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. Auch dies ist ein wichtiges Thema für die Bildung, und EPALE nimmt diesen Bereich während des gerade laufenden Themenschwerpunkts in den Blick.

Auch hier wird, mit Ausnahme vielleicht des 3. Trends, die Reichweite der Trends in allen Bildungsbereichen verankert, nicht nur in der Erwachsenenbildung.

Während also der Report von „Innovating Pedagogy“ vor allem von technikinduzierten Trends und Veränderungen ausgeht, weist die OECD auf globale Veränderungen und sich daraus ergebende Bildungsanforderungen hin.

Zukunftsforschung à la M. Horx

Als dritter „Trendbericht“ wird den beiden obigen ein Vortrag von Matthias Horx 2018 entgegengestellt. Diesen Vortrag hat Horx 2018 am 27.9.2018 bei der Festveranstaltung zur "25 Jahre EB-Forum OÖ Jubiläumsfeier" in Linz gehalten. Aufbauend auf die von ihm immer wieder vorgestellte Megatrend-Map, die Urbanität, Individualisierung, Gesundheit, Konnektivität, Globalisierung u.a. Trends als vorherrschend darstellt, wird für die Erwachsenbildung folgendes konstatiert:

Erwachsenenbildung wird nicht überflüssig, wird aber ihren Namen verlieren und viel mehr darauf rekurrieren, was im Vordergrund steht: die Entwicklung des Menschen über die gesamte Lebensspanne und die Förderung der Selbstwirksamkeit in der Auseinandersetzung mit anderen.

Daher sind wichtige Zukunftsaufgaben der EB:

  1. Konnektivität fördern;
  2. Entwicklung auch individualisiert ermöglichen;
  3. Digitale Angebote nutzen, als Anreicherung, dort wo repetitive Aufgaben erledigt werden müssen;
  4. Beziehungsarbeit leisten;
  5. Kompetenz zu Flexibilität vermitteln und fördern.

Horx macht gerade in Bezug auf die Digitalisierung (und damit einhergehende Befürchtungen) deutlich: Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend, und erst in der Rekursion („Versöhnung von Trend und Gegentrend“) entstehen neue Entwicklungen, die ggf. auch bleibend sind.

Die oben beschriebenen Megatrends sind nicht unabhängig voneinander, an ihren Schnittpunkten („Map“) entstehen Bildungsthemen, wie z.B. Urban Farming als Schnittstelle zwischen Konnektivität, Urbanisierung und Eco-Movement.

Dieser Beitrag zur Zukunft der Erwachsenenbildung, auch wenn er aus 2018 stammt, macht auch heute noch gültige Aussagen, die aber deutlich mehr auf Werte und fundamentale Aufgaben der Erwachsenenbildung Weiterbildung abzielen.

Drei Trendreports: Was ist das Gemeinsame?

Stellt man die drei Ansätze nebeneinander, ergibt sich aus meiner Sicht ein vollständiges Bild:

Horx sieht die Erwachsenenbildung eingebettet in die gesellschaftliche Entwicklung und leitet daraus ihre Zukunftsaufgaben ab. Die OECD nimmt eher globale Bedürfnisse und Herausforderungen in den Blick und konstatiert daher Zukunftsaufgaben für die Erwachsenenbildung und der Report „Innovating Pedagogy“ zeigt die Veränderungen auf der technischen Seite und die damit verbundenen Veränderungen, denen sich die Erwachsenenbildung stellen muss und wird.

Übereinstimmend lassen sich in allen drei Trend-„Reports“ die Aspekte Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Individualisierung/Flexibilisierung des Lernens wiederfinden, darüber hinaus auch aber auch Teilhabe/Demokratiebildung. Sind dies also die Megatrends? Implizit wird klar, dass der Beratungsbedarf steigen wird (beim individualisierten, flexiblen Lernen ebenso, wie bei neuen Zielgruppen…); Wenn man sich in den Angeboten der Erwachsenenbildung umsieht, wird auch klar: keiner dieser Trends ist die „Zukunft“, wir sind  eigentlich schon mittendrin…

Es gibt weitere „Trend“-Berichte, die zum Teil andere Schwerpunkte legen. Hier zwei weitere Links:

Die Vorstellung von 12 Megatrends durch das Schweizer Zukunftsinstitut und swissfuture:  hier werden vor allem New Work, die Silver Society und Konnektivität in den Vordergrund gestellt und die daraus resultierende Notwendigkeit für die (wohl eher berufsbezogene) Weiterbildung, neue Formate zu entwickeln und neue Zielgruppen zu erschließen.

Ebenso eher bezogen auf die berufliche Weiterbildung gibt es die 6 wichtigsten Trends der WU Executive Academy aus Österreich: Aus der Sicht der beiden Autorinnen geht es vor allem um die Bildung/Förderung von Selbstverantwortung. Dafür ist maßgeschneiderte, individualisierte Bildung in neuen Formaten und mit begleitender Beratung wichtig.

Was bedeuten diese Trends bezogen auf die drei Bereiche Programm, Personal und Organisation (dargestellt in einem sehr simplifizierten Schaubild analog zum „Didaktischen Dreieck)?

 

Didaktisches Dreieck_Blogbeitrag

Bildnachweis: Heike Kölln-Prisner

Kein Trend fokussiert einen dieser drei (zusammenhängenden!) Bereiche isoliert. Es lässt sich aber schon feststellen, dass der Report „Innovating Pedagogy“ stärker das Programm (und damit auch das Wissen/die „Skills“ der Mitarbeitenden) in den Vordergrund rückt, während mindestens Horx‘ Ansatz vor allem von den (hier eher als Randbedingung) genannten gesellschaftlichen Veränderungen ausgeht und daher ein völliges Umdenken der Organisation als wichtig ansieht: Selbstverständnis und Ziel ändern sich, damit auch das Programm und das dafür erforderliche Wissen der Mitarbeitenden/Kursleitenden. Die OECD bindet die Bildung/die EB in globalen Herausforderungen ein, aber die Organisationsveränderungen, die sich daraus ergeben würden, sind deutlich weniger evident.

Lesen Sie hier auch den ersten Teil des Blogbeitrags "Trends in der Erwachsenenbildung"


Über die Autorin: Heike Kölln-Prisner ist seit 1986 in der Erwachsenenbildung tätig, spezialisiert auf Grundbildung, Projektmanagement und Bildung für Benachteiligte. Sie ist des Weiteren EPALE Botschafterin.

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