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Meine Ziele - Zur persönlichen Kompetenzentwicklung von ErwachsenenbilderInnen

Passend zum Jahreswechsel: Warum nicht einmal selbst neue Wege des selbstgesteuerten und vernetzten Lernens ausprobieren?

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Der Jahreswechsel ist gemeinhin die Zeit, in der gute Vorsätze gefasst und neue Ziele gesetzt werden. Auch ErwachsenenbilderInnen haben gute Gründe, immer wieder einen Blick auf die eigenen Kompetenzen zu werfen und sich weiterzuentwickeln. Gerade die letzten beiden Jahre haben hier genügend Anlässe geboten. Das betrifft zum einen die Digitalisierung und mit ihr alle Fragen, Methoden und Tools, die es braucht, um die eigenen Lernangebote auch im virtuellen Raum umzusetzen. Von der technischen Infrastruktur im eigenen Office bis zu interaktiven Konzepten, um Workshops auch online durchzuführen. Das betrifft zum anderen die eigenen Geschäftsmodelle, die oft durch die Pandemie wackelig geworden sind. Braucht es jetzt vielleicht doch eine eigene Webseite, eine professionelle Präsenz in den sozialen Netzwerken und neue Angebote, die analog und online funktionieren? Und es betrifft die fachlichen Themen der Weiterbildung selbst, die sich ja  auch verändern und weiterentwickeln.

Es mangelt also in der Regel nicht an Themen und Aufgaben, die man sich vornehmen kann. Ein naheliegender Reflex führt viele von uns dann selbst zu einer Weiterbildung bei einem renommierten Bildungsanbieter und zu einem Zertifikat, das das eigene Profil optimiert, vielleicht sogar neue Kunden und Zielgruppen anspricht. Aber vielleicht können die neuen Ziele und Vorsätze in diesem Jahr ein Anlass sein, hier einmal neue Wege auszuprobieren? Dabei denke ich auch daran, dass wir nicht nur über das selbstgesteuerte Lernen lesen und sprechen, sondern es, wo möglich, auch vorleben sollten.

Ich möchte deshalb auf drei Konzepte hinweisen, die andere, alternative Lernwege skizzieren. Sie verbinden das selbstgesteuerte, informelle Lernen mit Formen des gemeinsamen Lernens bzw. des Peer-to-Peer-Lernens. Und sie versuchen, nicht bei der Wissensvermittlung stehenzubleiben, sondern die eigene Praxis und die Entwicklung von Kompetenzen im Blick zu behalten. 

1. Working Out Loud (WOL)

Working Out Loud beschreibt eine Haltung, die für das Teilen eigener Erfahrungen am Arbeitsplatz, für Offenheit und Vernetzung steht und von der viele sagen, dass sie in der heutigen Arbeitswelt unverzichtbar ist. Sie ist, wenn man so will, ein Baustein digitaler Kompetenz. Working Out Loud ist aber auch eine Methode, die von dem Amerikaner John Stepper seit 2015 systematisch dokumentiert und verbreitet wird.

Die Methode Working Out Loud sieht vor, dass sich Interessierte in kleinen Gruppen aus vier oder fünf TeilnehmerInnen in sogenannten Circles zusammenschließen. Die WOL Circles treffen sich zwölf Wochen lang jeweils für eine Stunde, entweder vor Ort oder virtuell. Jedes Mitglied setzt sich zu Beginn eines Circles ein eigenes Lernziel und nutzt den regelmäßigen Austausch und das Feedback der Gruppe, um das Ziel zu erreichen. Die Gruppe kann dafür auf die von John Stepper entwickelten wöchentlichen Circle-Leitfäden zurückgreifen. Dort finden sie konkrete Aufgaben und Arbeitshilfen, um sich schrittweise um das eigene Lernziel herum ein persönliches Expertennetzwerk aufzubauen.

Working Out Loud ist in den letzten Jahren vor allem in Deutschland sehr populär geworden. Es gibt Webseiten und Communities, um Gleichgesinnte zu finden und einen Circle zu starten. Working Out Loud ist allerdings als Marke eingetragen und die organisierte Nutzung der Leitfäden an den Erwerb von Lizenzen gebunden. Ein ähnliches Konzept unter offenen Lizenzen bietet lernOS, „ein offenes System für Lebenslanges Lernen und die Entwicklung von Lernenden Organisationen“. Hier steht eine wachsende Zahl von Leitfäden zu verschiedenen Themen zur Verfügung, die von einer interessierten Community genutzt und stetig weiterentwickelt wird.

 

Lizenz: CC0.

 

2. Learning Circles

Die erste Anlaufstelle für die Methode der Learning Circles bildet die Peer 2 Peer University (P2PU), eine gemeinnützige offene Bildungs-Community. Sie startete 2009 mit der Unterstützung verschiedener Stiftungen und bietet seitdem Nutzern weltweit die Möglichkeit, Kurse und Lerngruppen zu organisieren oder an ihnen teilzunehmen. Seit 2015 bildet die Organisation und Unterstützung von Learning Circles einen Schwerpunkt der P2PU.

Die grundsätzliche Idee der Learning Circles: Menschen, die sich für ein gemeinsames Thema interessieren, schließen sich als Gruppe zusammen und schreiben sich für einen offenen Online-Kurs ein, um das Thema ihrer Wahl zu vertiefen. Die Gruppen können zwischen vier und neun Lernende umfassen. Es gibt einen Facilitator, der die wöchentlichen Treffen des Learning Circles moderiert.  

Die P2PU hat eine Reihe von Materialien entwickelt, die die Learning Circles bei ihren Treffen methodisch unterstützt. Diese Materialien stehen inzwischen auf den Seiten der Hamburg Open Online University (HOOU) unter einer offenen Lizenz Interessierten zur Verfügung.

Einer der ersten Orte in Deutschland, die mit Learning Circles experimentierten, war die Stadtbibliothek Köln. Sie organisiert seit 2018 Lernteams, in denen die Mitglieder ihrer Bibliothek zusammenkommen können. Auch die Hamburg Open Online University (HOOU) hat das Konzept erprobt. Weitere Bildungsanbieter, die sich mit der Idee der Lernbegleitung anfreunden wollen, können folgen und mit den Materialien der P2PU zum selbstgesteuerten Lernen in kleinen, agilen Gruppen einladen.

3. #MeinZiel22

Jedes individuelle Lernvorhaben beginnt mit einem Ziel, das man sich setzt: Was will ich bis wann erreichen? Hier setzt die Idee der Corporate Learning Community an. Sie hat in diesen Tagen die Mitglieder ihres Netzwerks unter dem Hashtag #MeinZiel22 aufgerufen, „persönliche Kompetenz-Entwicklungs-Ziele“ zu formulieren. Die Kompetenz-Entwicklungs-Ziele sollten im ersten Quartal 2022 umsetzbar sein, denn Jahresziele laufen häufig Gefahr, zu groß und zu vage formuliert zu werden. Die anvisierten Ergebnisse sollen demgegenüber möglichst konkret beschrieben werden und eine erworbene Kompetenz demonstrieren.  

Idealerweise halten die Mitglieder des Netzwerks ihre Kompetenz-Entwicklungs-Ziele offen fest. Das bietet ihnen die Möglichkeit, sich mit anderen Mitgliedern, die ähnliche Themen oder Ziele verfolgen, zusammenzuschließen. Hier treffen sich #MeinZiel22 mit Konzepten des Peer-to-Peer-Lernens wie WOL, lernOS oder die Learning Circles. Damit verbunden ist auch die Hoffnung, dass die Mitglieder der Community ihre Lernfortschritte reflektieren, die Prozesse des selbstgesteuerten Lernens transparent machen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen.  

Der offene Austausch der individuellen Kompetenz-Entwicklungs-Ziele öffnet der Corporate Learning Community einen Weg, die erworbenen Fähigkeiten auch auszuzeichnen. Das soll mit Hilfe von Open Badges geschehen, also virtuellen Abzeichen, die für informell erworbene Kompetenzen stehen. Die Idee: Die Lernenden demonstrieren am Ende des Quartals, dass sie eine bestimmte Kompetenz erworben haben, dass sie zum Beispiel einen ersten Podcast entwickelt, einen Online-Workshop durchgeführt oder einen Fachartikel geschrieben haben. Mitglieder der Corporate Learning Community vergleichen Ziele und Ergebnisse im Rahmen einer schlanken „Plausibilitätsprüfung“ und stellen einen Badge aus, den die Lernenden mitnehmen und auf ihren sozialen Netzwerken anzeigen können.        

Fazit          

Die geschilderten Methoden bieten einen Rahmen für selbstgesteuerte, vernetzte und informelle Lernaktivitäten. Idealerweise steht es auf jeder Agenda von ErwachsenenbilderInnen, Menschen bei der Entwicklung von Selbstlernkompetenzen bzw. von Kompetenzen für das selbstgesteuerte Lernen zu unterstützen. „Learning to Learn“ heißt der entsprechende Kompetenzbereich im Europäischen Rahmen für persönliche, soziale und lernbezogene Schlüsselkompetenzen (LifeComp). Das setzt natürlich voraus, dass man auch selbst Erfahrungen auf diesem Weg sammelt. 

 


Links:

Working Out Loud: https://workingoutloud.com   

lernOS: https://cogneon.github.io/lernos/de

Learning Circles (P2PU): https://www.p2pu.org/en

Learning Circles (Hamburg Open Online University): https://www.hoou.de/projects/learning-circles/preview

Learning Circles (Stadtbibliothek Köln): https://www.stadt-koeln.de/artikel/66407/index.html

#MeinZiel22 (Corporate Learning Community): https://colearn.de/clc-projekt-meinziel22

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