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Die Zeit im „Häfn“ effektiv nutzen. Wie wirkt Erwachsenenbildung im Strafvollzug?

Erwachsenenbildung im Strafvollzug bietet Chancen, bringt aber auch Herausforderungen mit sich.

Inhaftierte Menschen sind eine spezifische Zielgruppe für die Erwachsenenbildung

Nach der Entlassung haben ehemalige Häftlinge angesichts gestiegener Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt häufig Probleme, einen Arbeitsplatz zu finden, der ihren Lebensunterhalt sichert. Die beruflichen und schulischen Abschlussraten der Inhaftierten in Österreich und Deutschland liegen im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt auf einem niedrigen Niveau. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bildungsbiografien Inhaftierter oftmals so viele Brüche und Negativ-Erfahrungen beinhalten, dass ihre Lernmotivation und auch ihre Fähigkeit zum Lernen im institutionellen Rahmen eingeschränkt sind. Daher stellen Straffällige eine besondere Herausforderung für die Erwachsenenbildung dar.

Weiterbildung im „Häfn" erhöht die Jobchancen und senkt die Rückfallquote

Laut Erziehungswissenschaftlerin Ariane von der Mehden erhöhen sich die Jobchancen für Gefangene, wenn sie sich während der Zeit in Haft weiterbilden oder gar eine Ausbildung absolvieren. Die Integration in den Arbeitsmarkt ist der wichtigste Faktor für die Reintegration in die Gesellschaft. Er senkt die Rückfallquote – dies hat wiederum positive Auswirkungen auf die Sicherheit der Bevölkerung. Für die Wissenschaftlerin ist die Aus- und Weiterbildung daher eine der wichtigsten Handlungsfelder im Strafvollzug. Es lohne sich auf alle Fälle, in die Bildung von Inhaftierten zu investieren, auch wenn dies vor dem Hintergrund sinkender staatlicher (Bildungs-)Budgets gesellschaftlich oftmals hinterfragt wird.

Gefangene erbringen in Haft oft bessere Lernleistungen

Prinzipiell fällt es Gefangenen oft leichter, sich auf das Thema Bildung in Haft neu einzulassen und die Zeit ohne Ablenkung effektiv zu nutzen. Dieser positive Trend kann aber selten in die Zeit nach der Haft übernommen werden, da sie hier mit all ihren Problemen (wie Wohnungssuche, Jobsuche, familiäre Beziehungen wieder aufbauen) meist alleine stehen. Überfordert von der eigenständigen Bewältigung des Lebensalltags fallen sie dann oft in ein emotionales Loch. Sie können die Formalitäten rund um die Fortführung der begonnenen Ausbildung oder die Arbeitsplatzsuche alleine nicht bewältigen. Gerade im Hinblick auf den schwierigen Übergangsprozess in die Freiheit ist es von der Mehden zufolge wichtig, bereits vor der Entlassung Alltagskompetenzen zu trainieren. Dazu gehört z.B. der Umgang mit Behörden oder die Lösung von Konflikten im persönlichen Umfeld.

Unterstützung beim Übergang in die Freiheit besonders wichtig

Während der Zeit in Haft bekommen Inhaftierte meist Begleitung in ihren Bildungsprozessen, sie werden vom Fachdienst bestehend aus SozialarbeiterInnen, PsychologInnen und LehrerInnen quasi „an die Hand genommen". Das ändert sich, wenn sie entlassen werden. Während das enge Netz an Unterstützung wegbricht, müssen neue Herausforderungen bewältigt werden. Erste kleine Bildungserfolge treten dabei in den Hintergrund. Resozialisierungsprogramme und ehrenamtliche Arbeit werden von freiwilligen NGOs wie dem Verein NEUSTART angeboten. Sie sind jedoch bei weitem noch nicht flächendeckend.

Sicherheitsbestimmungen im Gefängnis erschweren Reintegration

Für viele Gefangene ist es ein großer Schritt, selbständig Bewerbungen zu schreiben, die begonnene Weiterbildung erfolgreich zu beenden oder sich an einem Arbeitsplatz zurecht zu finden. Was zunächst einfach klingt, stellt alle Beteiligte bereits in Haft vor große Herausforderungen: „In Freiheit werden Bewerbungsunterlagen digital verfasst und verschickt. Bewerbungen im „Häfn" sind oftmals noch analog, denn digitale Speichermedien wie USB-Sticks sind nicht vorhanden – auch der Zugang zu Computern ist noch nicht flächendeckend ausgebaut" sagt Ariane von der Mehden. Die digitale Bewerbung könne somit nur schwer in die Freiheit überführt werden. Hier sei nicht selten die Kreativität und das Engagement der Bediensteten gefragt. Laut dem Kriminologen Bernd Maelicke ist es daher wichtig, dass Sozialarbeiter der Haftanstalten, Richter und Bewährungshelfer kooperieren, um eine netzwerkartige Betreuung zu gewährleisten.

Rückfallquote mit Bildungs- und Rehabilitierungsmassnahmen verringern

Nach der Haftentlassung ist die Gefahr eines Rückfalls in die Kriminalität besonders hoch. So wurde laut Website des Vereins NEUSTART in Studien innerhalb und außerhalb Österreichs eine Rückfälligkeit von 40 bis 70% festgestellt – je nach Beobachtungszeitraum und Rückfallbegriff. Die WiederkehrerInnenquote in Haft wird auf 40 bis 50% eingeschätzt. Daher ist es besonders wichtig, gemeinsam mit den betroffenen Personen an der Verantwortungsübernahme für das kriminelle Handeln zu arbeiten und Handlungsalternativen für zukünftige Risikosituationen zu erlernen.

Ariane von der Mehden ist Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet am Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft der Technischen Universität Berlin. Sie ist Projektleiterin des Projektes „e-Learning im Strafvollzug" (elis) - eine Lernplattform, die speziell für das digital unterstützte Lernen im Strafvollzug konzipiert und derzeit von elf deutschen Bundesländern und der Republik Österreich genutzt wird.


Weiterführende Informationen:


Text/Author of original article in German: Christine Bärnthaler/CONEDU

Redaktion/Editing of original article in German: Karin Kulmer/CONEDU

Titelbild: CC0 Public Domain, https://pixabay.com

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