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Wie kommt wissenschaftliches Wissen in die Praxis von Weiterbildungsanbietern?

05/06/2019
by Julia Lyß
Sprache: DE

Lesedauer circa 3,5 Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Das Thema Wissenstransfer erfährt aktuell starken Aufwind. In der Wissenschaft und vor allem in der Forschungs- und Projektförderung wird es zunehmend wichtiger. Allgemein geht es beim Wissenstransfer um den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Allerdings liegen bislang noch wenige fundierte Erkenntnisse dazu vor, unter welchen Voraussetzungen wissenschaftliches Wissen im Bildungsbereich erfolgreich angewendet werden kann (vgl. Schrader 2014). Um mehr über diese Transferprozesse im Bereich der Erwachsenenbildung/Weiterbildung zu erfahren, ging die wbmonitor Umfrage 2018 im Rahmen eines Themenschwerpunkts der Frage nach: „Wissenstransfer – Wie kommt die Wissenschaft in die Praxis?“ Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e. V. (DIE) haben dazu 1.267 Weiterbildungseinrichtungen aus dem gesamten Spektrum der Anbieterlandschaft befragt.

Kriterien für die Nutzbarkeit von wissenschaftlichem Wissen

Ergebnisse der Befragung zeigen, dass in fast zwei Dritteln der Einrichtungen (64%) Bedarfe an wissenschaftlichem Wissen in Form von Forschungsergebnissen und wissenschaftlich fundierten Konzepten bestehen. In etwa 70% der Einrichtungen werden Forschungsergebnisse zudem als wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung ihrer Angebote gesehen. Es kann also durchaus davon ausgegangen werden, dass in der Weiterbildungspraxis ein grundsätzliches Interesse an wissenschaftlichem Wissen besteht.

Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit wissenschaftliches Wissen erfolgreich in die Weiterbildungspraxis integriert werden kann? Hierzu wurden die Einrichtungen um ihre Einschätzungen zur Frage gebeten, wie wichtig bestimmte Kriterien sind, damit Forschungsergebnisse für ihre Praxis hilfreich sind.
Bei nahezu allen Anbietern (97%) werden einfache Wege zur Informationsbeschaffung als wichtig erachtet (wobei dieser Wert der Gesamtsumme aus den Anteilswerten für die Abstufungen „sehr wichtig“ und „eher wichtig“ entspricht). In diesem Zusammenhang ebenfalls hoch geschätzt werden kostenfreie Zugänge zu Forschungsergebnissen, die 90% als relevant einstufen. Damit ist der weitere Ausbau freier (digitaler) Zugänge zu Forschungsergebnissen eine wichtige Rahmenbedingung.
Mit Blick auf Forschungsinhalte sollte sich Wissenschaft den Einrichtungen zufolge vor allem an aktuellen, für die Praxis relevanten Fragen orientieren. Danach werden praktische Relevanz in 97% und Aktualität der Ergebnisse in 96% der Einrichtungen als wichtige Transfervoraussetzung gesehen.

Diese Erkenntnisse sind nicht überraschend. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse in der Praxis wirksam machen möchten, weisen sie aber auf einen wichtigen Punkt hin: Wissenstransfer beginnt nicht erst, wenn die Ergebnisse vorliegen, sondern idealerweise bereits zu Beginn des Forschungsprozesses, indem die Bedarfe der Praxis systematisch berücksichtigt werden. Ein weiteres Ergebnis, das diesen dialogischen Ansatz von Wissenstransfer bestärkt, sind die 71% der Einrichtungen, die die Möglichkeit des direkten Austauschs mit Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern aus der Wissenschaft als wichtig erachten.

Informationsquellen zum Bezug von wissenschaflichem Wissen

Das Leitungspersonal in Organisationen der Weiterbildung kann die Verbreitung von wissenschaftlichem Wissen gestalten, bspw. indem Strukturen und Prozesse der Wissenskommunikation und des Wissensmanagements gefördert werden (vgl. Wohlwender 2015).

Durch diese Schlüsselposition für Wissenstransferprozesse ist es naheliegend, das Informationsverhalten des Leitungspersonals mit Blick auf Zugänge zu wissenschaftlichem Wissen zu beleuchten. Diese nutzen zum einen recht klassische Formate wie Fachliteratur, was in 45% der Einrichtungen sogar häufig der Fall ist (siehe Abbildung). Ebenfalls beansprucht werden Präsenzveranstaltungen wie bspw. Tagungen und Kongresse, an denen in 27% der Einrichtungen häufig teilgenommen wird. Aber auch Online-Zugänge, die eine stets aktuelle sowie orts- und zeitunabhängige Verfügbarkeit von Inhalten ermöglichen, sind für die Beschaffung wissenschaftlichen Wissens von zentraler Bedeutung. Zum Standardrepertoire gehören vor allem Suchmaschinen, die in nahezu allen und in 43% der Einrichtungen häufig genutzt werden, um einen Überblick über wissenschaftliche Wissensbestände zu erhalten. Eine häufige Nutzung von Fachportalen im Internet und Internetauftritten von wissenschaftlichen Institutionen findet in 28% bzw. 22% der Einrichtungen statt. Einen vergleichsweise geringeren Stellenwert haben Formate im Rahmen sozialer Medien bzw. Web 2.0.

Diese Nutzungsmuster geben Wissenstransfervorhaben wichtige Hinweise auf geeignete Transferkanäle. Vertiefende Ergebnisse zur Nutzung von bestimmter Fachliteratur, Statistiken und Studien sowie Fachportalen im Internet und sozialen Medien durch das Leitungspersonal sind im Ergebnisbericht zu finden.

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Nutzung von Kommunikationsformaten zum Bezug von Forschungsergebnissen durch das Führungspersonal

Neben dem Themenschwerpunkt wurden auch strukturelle Informationen zu den Einrichtungen sowie das Wirtschaftsklima für die Weiterbildungsbranche erhoben. Der vollständige Ergebnisbericht zur wbmonitor Umfrage 2018 ist online verfügbar.

Lesen Sie auch den Blogbeitrag von Dr. Kilian zum wbmonitor 2018 auf EPALE!


Über den Autor: Johannes Christ ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. in Bonn.


Literatur:

  • Schrader, Josef: Analyse und Förderung effektiver Lehr-Lernprozesse unter dem Anspruch evidenzbasierter Bildungsreform. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft 17 (2014) 2, S. 193–22
  • Wohlwender, Alexander: Analyse der Wissenskommunikation in einer Matrixorganisation. Wiesbaden 2015

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