European Commission logo
Anmelden Ein Konto erstellen

Popular searches on EPALE

EPALE - Elektronische Plattform für Erwachsenenbildung in Europa

Blog

Problem Plastik

Gelebte Nachhaltigkeit heißt auch „Ja“ zu weniger Plastik. Was bedeutet das für die Erwachsenenbildung?

Lesedauer ca. 4 Minuten - Lesen, liken, kommentieren!


Plastik vermeiden – dieses Thema gehört zum Kanon der Nachhaltigkeitsbildung. Denn das Erdölprodukt ist problematisch in Herstellung, Gebrauch und Entsorgung. Dennoch gehört es nach wie vor zum Alltag, ist oftmals bedenkenlos im Einsatz.

Die Problem-Palette ist breit: Niedrige Recycling-Quoten, Zerreibung zu Mikroplastik, Zusatz von Weichmachern und anderen problematischen Substanzen, Klimaschädigung bei Herstellung und Verbrennung, Vermüllung der Weltmeere, „Littering“ und wilde Deponien sowie ungebremste Neuproduktion.

Ungebremste Produktion

Mehr als 300 Mio. t Plastik werden weltweit jedes Jahr neu produziert. Die schiere Menge macht sprachlos. Und vermüllt unseren Planeten. Denn die synthetisch hergestellten Polymerprodukte können hunderte Jahre überdauern. Die Plastikwelt ist nur auf den ersten Blick schön, praktisch und bunt. Auf den zweiten ist sie lebensbedrohlich. Es geht uns wie Goethes Zauberlehrling: „Die Geister, die ich rief, die werd’ ich nicht mehr los.“

Plastik ist ein globales Problem und wir benötigen Lösungen – am besten schon gestern. Freiwillige Selbstverpflichtungen reichen nicht, wie zuletzt die 5. Tagung der Umweltversammlung der UN (UNEA-5) in Nairobi vom 28. Februar bis 2. März 2022 gezeigt hat und auf der daher die Weichen für ein verbindliches globales Abkommen gestellt worden sind. Gesetzliche Plastikverbote gehen in die richtige Richtung: Wo eine Notwendigkeit da ist, werden auch Alternativen zu Plastik entwickelt. Doch neben den drei großen „R“ – repair, reuse, recycle – steht noch ein viertes: reduce. Ohne Vermeiden kommen wir nicht zum Ziel.

Problem Plastik.

Und hierbei brauchen wir Verbraucher*innen auf niemanden zu warten: nicht auf die Unternehmen, bis sie ihre Herstellungsprozesse und ihre Lieferketten umstellen. Und auch nicht auf die Politik, um die Rahmenbedingungen zu setzen. Wir Verbraucher*innen können – davon unabhängig – ganz einfach bei uns selbst anfangen. Und unser Konsumverhalten ändern.

Änderung des Konsumverhaltens

Plastikvermeidung ist ein wichtiges und in der Vermittlung ein „dankbares“ Thema (wie ich bei meinen EB-Vorträgen „Plastik? Nein, danke!“ feststellen konnte): Es interessiert viele, lässt sich zielgruppenspezifisch multimedial aufbereiten, so dass die Referierenden ein passgenaues Programm entwerfen können, das Bedürfnissen, Wissensstand und Erkenntnisinteressen Rechnung trägt.

Die Ziele bleiben: Bewusstmachung der Probleme, Reflexion des eigenen Verhaltens und der Handlungsfolgen, Motivation zur Verhaltensänderung hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil. Denn nur ein verantwortlicher Umgang mit Ressourcen kann die Lebensgrundlagen für die folgenden Generationen sicherstellen. Das setzt ein Umdenken voraus.

Die Verbraucher*innen sollen Verantwortung übernehmen. Doch bei vielen Fragen rund um die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bestehen erhebliche Wissensdefizite. Die UN will diese Ziele - zu denen mit Ziel 12 auch „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ gehört - bis spätestens 2030 erreichen. Dieser große Wandel lässt sich jedoch nur mit Bildung stemmen.

Transfer von Nachhaltigkeit in die Bildungspraxis

Nachhaltigkeit ist somit in der Bildungspraxis zu verankern (berufliche Bildung und Erwachsenenbildung), ist ein Ziel des Nationalen Aktionsplans.

Doch rücken wir einmal die Bildungsanbieter selbst in den Fokus: Wie steht es hier um die Nachhaltigkeit? Gibt es eine Strategie? Und wie wird diese praktisch umgesetzt: Nach welchen Kriterien wird beispielsweise Material beschafft, wie wird entsorgt?

Coronabedingt finden aktuell vielerorts ganz überwiegend Online-Seminare statt. Doch sind die Bildungsanbieter auch gewappnet, wenn die Teilnehmer*innen wieder in Präsenz bei ihnen auftauchen? Und dann die übliche plastikbasierte Ausstattung vorfinden?

Bildungsstätten als lernende Organisationen

In diesem Zusammenhang ist auf den WIA (Whole Institution Approach) zu verweisen. Hierzu gehört das facility management: Neben Sparen von Wasser und Energie der Bereitsstellung von gesundem Essen fällt hierunter auch Müllreduzierung und damit das Plastikproblem.

Es erscheint dringend notwendig, die physischen Seiten des Lernens, also die Ausgestaltung der Lernorte, digital und grün zu transformieren. Die Lernenden sollen nicht nur Wissen über Nachhaltigkeit im Allgemeinen und Plastikvermeidung im Besonderen erwerben, sondern dies in einer nachhaltigen und plastikarmen Umgebung erlernen können.

Zum Schluss ein Beispiel, auf das mich mein EPALE-Botschafterkollege Tino Boubaris aufmerksam gemacht hat: Der VNB (Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V.) hat Leitlinien für eine nachhaltige Ausrichtung erarbeitet. Es reiche nicht, nur in Bildungsveranstaltungen über Nachhaltigkeit zu sprechen, so der Verein.

„Vielmehr ist es nötig, als Bildungsinstitution mit gutem Beispiel voranzugehen und neben den Lerninhalten auch die Lernumgebung – also alle Prozesse, Abläufe und Strukturen – nachhaltig zu gestalten. (…) Im Sinne dieses sogenannten ‚Whole Institution Approachs‘ hat sich der VNB auf den Weg gemacht, um sich nachhaltig weiter zu entwickeln. So haben sich Mitarbeiter*innen aus Verwaltung und Pädagogik in einer VNB-internen Arbeitsgruppe mit der Frage beschäftigt, wie Beschaffung und Veranstaltungsmanagement des VNB im Sinne der SDGs gestaltet werden können“, heißt es auf der VNB-Homepage. Und: „Wir sind auf dem Weg.“


Über die Autorin:

Wortbrücke e.V. Maren Lohrer. Maren Lohrer erstellt Verbrauchernews in Leichter Sprache für „Wortbrücke e.V.“. Sie hat einen M.A. in Germanistik und Politikwissenschaften der Universität zu Köln und ist zertifizierte Mediatorin (INA at FU Berlin). Sie ist zudem Botschafterin für EPALE Deutschland.

 

Likeme (3)
Themes (required)