Innovative betriebliche Weiterbildung mit Autorensystemen
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Ausgangslage
Empirische Ergebnisse zeigen, dass in der Produktion tätige und formal nicht qualifizierte Personen bislang bei der Teilnahme an Weiterbildung unterrepräsentiert sind. Dazu gehören in vielen Fällen geringfügig bzw. in Teilzeit Beschäftigte, Frauen, ältere Erwerbstätige und Migrant*innen. Für diese sehr heterogene Beschäftigungsgruppe fehlen passende Weiterbildungsmaßnahmen, was durch eine geringe Nachfrage verstärkt wird. Dadurch bleiben große Potenziale ungenutzt, die bei der oftmals als „stille Reserve“ angesehenen Beschäftigungsgruppe vorhanden sind.
Ziel des Forschungsprojekts
Das Forschungsprojekt innowas des Instituts für Arbeitswissenschaft und des Werkzeugmaschinenlabors der RWTH Aachen University setzt hier an und entwickelt ein Konzept zur betrieblichen Weiterbildung für den Produktionsbereich der manuellen Montage. Neben der sehr weitläufigen Zielgruppe der Weiterbildung liegen weitere Herausforderungen in der steigenden Relevanz der Gestaltung individueller Erwerbs- und Bildungsbiografien durch selbstorganisiertes lebenslanges Lernen und der Wahl der richtigen Ansprache der Teilnehmenden. Darüber hinaus liegen vor kleinen und mittelständischen Unternehmen zukünftig große Herausforderungen im Bereich der digitalen Transformation. Hierfür werden Wissensmanagementsysteme benötigt, die nur mithilfe aller Mitarbeitenden ihren vollen Nutzen erreichen können. Die manuelle Montage ist außerdem zukünftig von der Nutzung neuer Assistenzsysteme, Kollaboration in cyberphysischen Produktionssystemen, digitalisierter Prozesssteuerung und digitalisierten Arbeitsplätzen betroffen.
Methodische Konzeption im Forschungsprojekt
Um diese Problemstellung zielgerecht lösen zu können, nutzt innowas die Methode des Autorenlernens. Teilnehmende der Weiterbildung lernen zusätzlich zu einem Montageprozess die Erstellung von Video-basierten Tutorials mit einem Autorensystem, was einen parallelen Lern- und Reflexionsprozess zum Montageprozess ermöglicht. Sie erstellen somit Lernhilfen für komplexe Arbeitsprozesse, welche zusätzlich vorhandenes Arbeitsprozesswissen dokumentieren. Diese können im Anschluss in einem unternehmensinternen Wissensmanagementsystem genutzt werden. Zusätzlich erhalten Teilnehmende einen Einblick in den gesamten Produktionsprozess, den sie bisher auf ihre Tätigkeit beschränkt sahen.
Der innovative Ansatz der Weiterbildung ist gemeinsam mit dem Projektträger Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) im Wissenschaftsjahr 2018 – Arbeitswelten der Zukunft als Zukunftsort ausgezeichnet worden. Dies zeigt die hohe Relevanz des Vorhabens in der modernen beruflichen Bildung auf, welches den Ansprüchen der sich stetig ändernden Arbeitswelten gerecht wird.
Umsetzung im Forschungsprojekt
Im Verlauf des entwickelten Workshops setzen sich die Teilnehmenden intensiv mit dem zugrundeliegenden Arbeitsprozess auseinander, identifizieren Schwachstellen und lernen Grundlagen der Prozessoptimierung zur Behebung kennen. Dies ermöglicht es, die reflexive Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden zu fördern und zur kontinuierlichen Verbesserung der Arbeit beizutragen. Durch die Auseinandersetzung mit dem gesamten Produktionsprozess wird ein grundlegendes Prozessverständnis aufgebaut. Zusätzlich wird die Möglichkeit der horizontalen Mobilität der Beschäftigten innerhalb der Unternehmen ausgebaut. Teilnehmende lernen außerdem verschiedene Perspektiven und Interessenkonflikte in Bezug auf die Ausgestaltung der Arbeitsprozesse kennen. Das Autorensystem nutzt ein iPad, welches es ermöglicht, Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien an einem Arbeitsplatz zu erlangen und welches die digitale Grundkompetenz fördert. Dies eröffnet Teilnehmenden die Chance, zukünftig auch in digital unterstützten Prozessen oder an entsprechenden Arbeitsplätzen zu arbeiten.
Auf Basis von empirischen Arbeitsprozessstudien in Unternehmen des Forschungsprojekts sind objektive Anforderungen für eine Weiterbildung erhoben worden. Zusätzlich sind subjektive Anforderungen für die Zielgruppe erstellt worden.
In Erprobungsstudien haben Teilnehmende des Arbeitsmarkts, beruflicher Bildungsgänge an Berufskollegs und Mitarbeitende von Unternehmen die Weiterbildung durchlaufen. Die Weiterbildung ist ebenfalls innerhalb von Unternehmen erfolgreich durchgeführt worden. Es hat sich gezeigt, dass die Binnendifferenzierung für die sehr heterogene Zielgruppe durch das gewählte didaktische Konzept umsetzbar ist. Durch die Lernprozessbegleitung sind alle Teilnehmenden in der Lage die Weiterbildung mit einem fertigen Tutorial abzuschließen. Die Ergebnisse zeigen, dass die technischen Hilfsmittel in Form des iPads eine gute Akzeptanz erfahren und die Teilnehmenden die Weiterbildung als gute Interventionsmaßnahme einstufen.
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Über das Projekt:
Das Projekt „Innovative Weiterbildung mit Autorensystemen “ (innowas) wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ (innovatWB) gefördert und vom Bundesinstitut für Berufsbildung wissenschaftlich begleitet.
Über den Autor:
Marvin Goppold ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen.
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