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Blog

Professionalisierung Finanzieller Grundbildung – Herausforderungen und Chancen eines Fortbildungskonzepts an der Schnittstelle von Erwachsenenbildung und Sozialer Arbeit

29/08/2019
od Julia Lyß
Jazyk: DE

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


In den letzten Jahren hat Finanzielle Grundbildung zunehmend an Bedeutung gewonnen. Kompetent die alltäglichen finanziellen Angelegenheiten zu regeln, ist eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe. Für die OECD gehört Financial Literacy zu den „essential life skills“ (PISA Programme, OECD, 2014) – und fördert und fordert daher weltweit die kontinuierliche Implementierung von Financial-Literacy-Programmen. Auch die aktuellen Ergebnisse der Studie LEO 2018 zeigen die zunehmende Bedeutung der finanziellen Praktiken im Alltag und der Lebenswelt. Allerdings hinkt die Professionalisierung in diesem Bereich national und international hinterher; es bedarf der Entwicklung entsprechender effektiver Professionalisierungskonzepte wie Compen, de Witte und Schelfhout (2019) in einem systematischen Review aufzeigen konnten. Für den Bereich der Erwachsenenbildung kommen zudem weitere spezifische Herausforderungen hinzu, insbesondere im Kontext der Ansprache und Gewinnung von potenziellen Teilnehmenden für (Grundbildungs-)Angebote. 

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte und vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung durchgeführte Projekt „Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung – CurVe II“ greift diese Herausforderungen auf, indem u.a. ein Curriculum für die Finanzielle Grundbildung entwickelt und beforscht sowie begleitend ein Professionalisierungskonzept bereitgestellt wird. 

Professionelles Handeln an der Schnittstelle von Erwachsenenbildung und Sozialer Arbeit

Die Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung betrachtet professionelles Handeln an der Schnittstelle von Erwachsenenbildung und Sozialer Arbeit, zwei Handlungsfelder, die sich professionstheoretisch vergleichbar diskutieren lassen und zudem oft als randständige Professionen betrachtet werden.

Notwendig sind Aushandlungs- und Diskussionsprozesse, in denen Probleme kommuniziert und Lösungswege erarbeitet werden. Während in der Erwachsenenbildung pädagogisches Handeln meist in Form von Lehren/Lernen oder Unterrichten stattfindet – es sich also um eine kollektive Problemerarbeitung handelt –, steht in der Sozialen Arbeit hingegen die Einzelfallbetreuung im Vordergrund. Es zeigen sich Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten der beiden pädagogischen Bereiche; insbesondere der Bereich der Grundbildung/Alphabetisierung weist im Feld der Beratung eine deutliche Nähe zu den Aufgaben der Sozialen Arbeit auf.

An der Schnittstelle, die das Thema Finanzielle Grundbildung vorgibt, sollten sich die jeweiligen Expertisen ergänzen, um Empowerment und die Hilfe zur Selbsthilfe zu fördern. Mitarbeitende aus der Beratung (Schuldnerberatung, Sozialberatung, Jobcenter) könnten zum Beispiel für ihre Klient/inn/en und Ratsuchende präventiv Angebote zur Stärkung der Finanziellen Grundbildung planen und anbieten, wenn sich beispielsweise bei mehreren Personen vergleichbare Schwierigkeiten beim Ausfüllen eines Formulars, beim Lesen eines Vertrags etc. herausstellen sollten. Lehrende und Planende in der Erwachsenenbildung stehen oft vor der Herausforderung, ihre Kursteilnehmenden und Lernenden individuell zu beraten und zu betreuen, wenn etwa im Integrationskurs Fragen zu Rechnungen des Stromanbieters oder Verträgen des Mobilfunkanbieters auftauchen.  

Das Professionalisierungskonzept CurVe II

Von daher berücksichtigt das Professionalisierungskonzept im Projekt CurVe II beide Handlungsfelder und versucht durch den gemeinsamen Austausch sowie durch gezielte Kooperationen und Vernetzung Synergien zu schaffen und Ressourcen zu bündeln. Ziel ist, professionelles Handeln zu ermöglichen, über den Tellerrand zu schauen und bereichsübergreifend die Teilhabechancen an der Gesellschaft zu erhöhen.

So ist in einem ersten Schritt ein Sensibilisierungskonzept entwickelt worden, das die Teilnehmenden-Ansprache über Multiplikatoren in den Mittelpunkt stellt und die Bedeutung der disziplin- und trägerübergreifenden Kooperation und Vernetzung thematisiert. Die Notwendigkeit von Sensibilisierung wurde hier bereits in einem anderen Blogbeitrag dargestellt. Für eine vertiefende Beschäftigung wird hier auf die im August 2019 erscheinende Handreichung „Sensibel für Finanzielle Grundbildung? Studienmaterialien und Handlungsempfehlungen“ verwiesen, die hier zum Download zur Verfügung steht.

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CurVe II © DIE

Aktuell entsteht ein Fortbildungskonzept, das sich an Lehrende und Planende in der Grundbildung richtet sowie an Fachkräfte aus dem Bereich der Beratung (Schuldnerberatung, Sozialberatung, Verbraucherberatung) und von Jobcentern und Arbeitsagenturen, die Bildungs- und Präventivangebote im Bereich Finanzieller Grundbildung anbieten möchten. Ziel ist es, die Teilnehmenden zu befähigen, Lehr- und Lerneinheiten zu Inhalten der Finanziellen Grundbildung zu planen und durchzuführen. Theoretisch orientiert sich das Fortbildungskonzept am Angebots-Nutzungs-Modell der Lehrkräftefortbildung (Lipowsky 2014, Lipowsky & Rzejak 2015) und inhaltlich am CurVe Kompetenzmodell Finanzielle Grundbildung sowie am Curriculum Finanzielle Grundbildung. Das Curriculum basiert auf dem Ansatz des Anchored Instruction und hat dessen Prinzipien für die Erwachsenenbildung (Grundbildung) adaptiert. Somit ist ein Ziel der Fortbildungen, auch auf die veränderte Rolle    der Lehrenden vorzubereiten, die bei diesem lernerorientierten Ansatz in erster Linie Lernsituationen ermöglichen, motivieren und begleiten sollten. 

Vorgesehen ist, die Fortbildung in drei Stufen zu evaluieren unter Anwendung eines Mixed Methods Design. Die Fortbildungen werden ab September in Kooperation mit verschiedenen Trägern bundesweit in Deutschland angeboten, weitere Informationen sind auf der Projektwebseite zu erfahren.


Über die Autorinnen

Monika Tröster ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) und Projektkoordinatorin im Projekt „Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung“ (CurVe II), Abteilung „Programme und Beteiligung“.

Beate Bowien-Jansen ist Wissenschaftliche Assistentin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE), im Projekt „Curriculum und Professionalisierung der Finanziellen Grundbildung“ (CurVe II), Abteilung „Programme und Beteiligung“.


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