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Blogg

Soziale Eingliederung benachteiligter junger Menschen

09/03/2020
av David LOPEZ
Språk: DE
Document available also in: FR EN

[Übersetzung (Französisch - Deutsch) : EPALE Frankreich]

Sind Unterschiede in der Herkunft zwischen benachteiligten Menschen und ihren Betreuern ein Hindernis für die Eingliederung? Welche Validierungs- und Anerkennungsinstrumente gibt es?

Bei ERASMUS+-Projekten, wie auch bei Verbänden, die im Bereich der Bildung von unten / außerschulischen Bildung tätig sind, gibt es manchmal Verwirrung bei den verwendeten Begriffen: Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Jugendbetreuer, sogar Community-Betreuer (ein Begriff, der wohl eher aus dem europäischen Englisch entlehnt wurde). Doch zumindest in Frankreich setzen immer mehr Verbände, die im Bereich der außerschulischen Bildung tätig sind, Instrumente der Erwachsenenbildung für Ausbildung, Projektmethodologien und Verwendung von Referenzsystemen für Grundkompetenzen im Bereich der non-formalen Bildung ein.

Ich möchte das Projekt COMANITY vorstellen. Es brachte Organisationen aus 5 Ländern zusammen, darunter die Plattform für lebenslanges Lernen Lifelong Learning Platform.

Die Plattform für lebenslanges Lernen ist eine Dachorganisation von Netzwerken im Bereich Ausbildung (Berufsausbildung, Universitäten, non-formale Bildung, Eltern von Schulkindern, Studenten, Jugend, formale Bildung,...), die vor 15 Jahren gegründet wurde, um als Ansprechpartner die Zivilgesellschaft bei der Europäischen Kommission zu vertreten und Vorschläge für die Bildungspolitik in Europa zu machen.

Ich habe Pauline BOIVIN interviewt, die Projektleiterin der Plattform und verantwortlich für verschiedene europäische Projekte ist.

 

1) Pauline, die Plattform für lebenslanges Lernen war Partner des COMANITY-Projekts. Können Sie das Projekt und die Partner kurz vorstellen.

Das Projekt COMANITY ist die Antwort auf eine große Herausforderung: die soziale Eingliederung benachteiligter junger Menschen. Es zielt darauf ab, eine neue Rolle in der Jugendarbeit zu schaffen, nämlich die des Community Animator (Community-Betreuer). Es bietet ein innovatives Programm zur aktiven Einbeziehung junger Menschen in ihre Gemeinschaft(en). Der Betreuer würde somit als sozialer Vermittler fungieren und eine Brücke zwischen marginalisierten Jugendlichen und institutionellen Diensten im Bereich Jugendarbeit schlagen.

Diese neue Rolle ermöglicht es Jugendbetreuern, sich in die Lage von marginalisierten Jugendlichen zu versetzen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und ihnen glaubwürdige und verlässliche Unterstützung zu geben, um ihnen zu helfen, ihr Potenzial auszuschöpfen und eine aktive Rolle in ihren Gemeinden zu spielen. Das COMANITY-Programm besteht aus einem Kompetenzrahmen für Jugendbetreuer*innen, Training und einer Methodik , die es ihnen ermöglicht, die von ihnen betreuten Jugendlichen aktiv einzubeziehen.

Die Methodik ist die sogenannte „partizipative Aktionsforschung“. Das Ziel besteht darin, junge Menschen als „Koproduzenten von Wissen“ zu begleiten und Hand in Hand mit den Betreuern der Gemeinschaft an der Entwicklung lokaler Lösungen zu arbeiten. Aktionsforschung ist ursprünglich eine qualitative Forschungsmethode, die auf eine Vielzahl von Bereichen (Sozialsektor, Gesundheit usw.) angewandt werden kann. Im Rahmen von COMANITY wurde das Programm in vier europäischen Ländern (Griechenland, England, Italien und Spanien) mit großem Erfolg getestet!

Das Projekt COMANITY ist ein europäisches Projekt, das vonArcola Research (Großbritannien) koordiniert wird von Erasmus+ finanziert wird und an der acht weitere Organisationen in Europa (Griechenland, Spanien, Italien, England, Belgien) beteiligt sind, darunter die Lifelong Learning Platform. Es lief über zwei Jahre von Dezember 2017 bis Dezember 2019. Zu den Projektpartnern gehörten Organisationen verschiedener Art, darunter ein Forschungsinstitut, eine NRO, eine Kommune, eine Kooperative und eine Universität. 

 

 

2) Erweist sich die Funktion des Community Animator in den verschiedenen europäischen Ländern als wirksam? Und worin bestehen die Unterschiede zu Sozialarbeitern oder Pädagogen?

Ich glaube ja. Einige Länder verfolgen bereits einen ähnlichen Ansatz für das Projekt, indem sie Aktionsforschung betreiben. In Großbritannien ist das nicht neu! Und außerdem gibt es auch innerhalb eines Landes keine gemeinsamen Regeln. Einige Organisationen sind mit den Methoden des COMANITY-Programms gut vertraut, andere weniger gut. In allen Fällen erlebten die Partner, ob erfahren oder nicht, ein großes Interesse an dem Projekt.

Was wir auf europäischer Ebene beobachten, ist, dass es oft zwei Ausbildungswege gibt, um mit Jugendlichen zu arbeiten. Sie können sich an der Universität ausbilden lassen, was sich hervorragend eignet, um etwas über gesellschaftliche Themen, Fragen des sozialen Determinismus oder der Ungleichheit zu lernen. Aber das sind Kurse, denen oft die praktischen Aspekte fehlen. Letztlich beginnen einige der Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter mit marginalisierten Jugendlichen zu arbeiten, da sie, weil sie nicht aus der gleichen Welt kommen, nicht über die praktische Erfahrung verfügen, die nötig ist, um das Vertrauen der Gemeinschaften zu gewinnen.

Der andere Ausbildungsweg besteht natürlich in der praktischen Erfahrung auf dem Gebiet, d.h. Jugendbetreuerinnen und -betreuer, die sich ein sehr gute praktische Kenntnisse angeeignet haben. Allerdings fehlt diesen Jugendbetreuern und Freiwilligen manchmal der Überblick über gesellschaftliche Themen und sie haben möglicherweise einen eingeschränkteren Zugang oder Kenntnisse über die ihnen zur Verfügung stehenden öffentlichen Ressourcen (Finanzierung, Sozial- und Jugendhilfe, psychologische Unterstützung usw.).

Mit COMANITY haben wir versucht, die Kluft zwischen diesen beiden Wegen zu überbrücken und vor allem die Einbeziehung marginalisierter junger Menschen als Jugendarbeiter zu fördern. Es ist offensichtlich, dass das Teilen einer Lebenserfahrung in den Augen der Gemeinschaft viel glaubwürdiger und zuverlässiger ist, als wenn man einen anderen Hintergrund hat. Letztlich geht es um Vertrauen. 

 

3) Sie haben Trainingsmodule entwickelt, die auf 3 Hauptthemen basieren. Können Sie sie kurz vorstellen? Und vor allem: Welche Kompetenzen haben Sie feststellen können? Wie können diese Kompetenzen mit möglichen Validierungen oder Anerkennungen verknüpft werden?

Die drei Hauptaspekte sind: emotionale Kompetenzen, spezifische Kompetenzen von Community-Betreuern und digitale Kompetenzen. Für jeden dieser Aspekte wurden eine Reihe von zu entwickelnden Kompetenzen und Unterkompetenzen aufgelistet. Ein paar Beispiele:

Unter „emotionale Kompetenzen“ fallen intrapersonale Kompetenzen (emotionales Bewusstsein, Selbstvertrauen) und zwischenmenschliche Kompetenzen (Einfühlungsvermögen, soziale Verantwortung...), Anpassungsfähigkeit (Belastbarkeit, Initiativgeist...) und emotionale Kompetenzen (Stressmanagement, Optimismus...). Zu „Spezifischen Kompetenzen des Betreuers“ gehören Organisation und Verwaltung von Informationen und Ressourcen, „Kartierung von Gemeinschaften, interkulturelle Fähigkeiten, Gemeinschaftsmediation“. Zu „digitalen Kompetenzen“ gehören „Erstellung digitaler Inhalte, Online-Kommunikation, digitale Kompetenz, Nutzung digitaler Ressourcen“.

Es wurde der Versuch unternommen, einen umfassenden Kompetenzrahmen zu entwickeln, der es den Community-Betreuern ermöglicht, auf die spezifischen Bedürfnisse marginalisierter Jugendlicher einzugehen. Insbesondere die emotionale Belastung der Ausgrenzung (Wut, Frustration, mangelndes Selbstvertrauen) kann bei marginalisierten Menschen sehr stark sein, daher ist es sehr wichtig, dass Jugendbetreuerinnen und -betreuer in diesen Bereichen geschult werden. Darüber hinaus wissen einige Jugendbetreuerinnen und -betreuer nicht unbedingt, wie sie digitale Ressourcen und neue Technologien (wie z.B. soziale Netzwerke) in ihrer Arbeit mit jungen Menschen einsetzen können. Es erschien uns daher wichtig, alle nützlichen Kompetenzen zu ermitteln, die diese künftigen Führungskräfte erwerben und an die jungen Menschen weitergeben können, um deren Emanzipation zu erleichtern.

Für einige der Projektpartner waren trotz ihrer langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen bestimmte Kompetenzen völlig neu oder noch nie in Betracht gezogen worden. Dies zeigte die Relevanz des Kompetenzrahmens.

Daraufhin wurde eine Ausbildung auf der Grundlage dieses Kompetenzrahmens geschaffen. Die Projektpartner sind überzeugt, dass dieses Programm bestehende Trainingsprogramme für Jugendbetreuerinnen und -betreuer inspirieren könnte oder von öffentlichen Verwaltungen angeboten oder von NRO verwendet werden könnte. In mehreren europäischen Ländern gibt es immer noch keine Berufsausbildung für Jugendbetreuerinnen und -betreuer. Es ist jedoch eine europäische Priorität. Beim COMANITY-Programm geht es nicht darum, das Rad neu zu erfinden. Das Programm kann von jeder Organisation frei verwendet werden! Das Projekt ist nicht an eine spezifische Validierung oder Anerkennung gebunden. Dennoch kann jeder auf der Website einen kostenlosen Test zur Bewertung seiner Kompetenzen absolvieren.

 

4) Warum wurde KA3 gewählt und wie wurde die Arbeit mit den öffentlichen Stellen durchgeführt?

Bei der Lifelong Learning Platform sind wir von dem Zusatznutzen der Zusammenarbeit auf europäischer Ebene überzeugt. Dies ermöglicht es allen, voneinander zu lernen und bewährte Praktiken auszutauschen. Einige europäische Länder sind in diesem Bereich weiter fortgeschritten und inspirieren andere Länder zu Verbesserungen. Es ist auch eine großartige interkulturelle Erfahrung. Bei der Abschlusskonferenz kamen junge Menschen aus vier europäischen Ländern zusammen, um ihre Erfahrungen mit dem Projekt zu präsentieren. So konnten sie feststellen, dass die Situation in vielen Ländern ähnlich ist.

Wie es der Zufall wollte, trafen sich die ständigen Delegationen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union am Tag der Abschlusskonferenz des Projekts in Brüssel, um ein Dokument zu verabschieden, das die Bedeutung der Verbesserung der Qualität der Ausbildung im Jugendbereich unterstreicht. Eine der Empfehlungen war, einen Kompetenzrahmen zu entwickeln! Eine großartige Gelegenheit, bei den politischen Vertretern der EU-Mitgliedstaaten für COMANITY zu werben. Es wurde auch empfohlen, die Ergebnisse des COMANITY-Projekts nach Kroatien zu senden, das derzeit den Vorsitz im Rat der Europäischen Union innehat.

 

5) Was würden Sie Besonderes erwähnen, was an diesem Projekt bemerkenswert ist?

Der Projektansatz ist insofern innovativ, als er nicht den jungen Menschen als Individuum in den Mittelpunkt stellt, sondern die Bedeutung der Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Gemeinschaften betont. Das Programm verbindet Theorie und Praxis und behandelt ein Thema, das auf der öffentlichen politischen Agenda noch nicht weit oben genug steht.

David LOPEZ (Koordinator Education Populaire EPALE Frankreich) und Pauline BOIVIN

 

Website des Projekts https://comanity-project.eu

Website der Plattform für lebenslanges Lernen http://lllplatform.eu

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