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Blogg

Warum ich EPALE Botschafterin bin

04/12/2019
av Dörte Stahl
Språk: DE

Lesedauer circa fünf Minuten - Lesen, liken, kommentieren!


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EPALE Botschafterin Dörte Stahl

Ich bin ein Kind der Erwachsenenbildung mit einer starken Tendenz zur Bildungssucht: Mein Abitur habe ich auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und nach einigen spannenden Umwegen und etlichen Fortbildungen bin ich nun freiberufliche Trainerin / Referentin / Seminarleiterin in der beruflichen Bildung. Das mögen ja schon mal brauchbare Voraussetzungen für eine EPALE Botschafterin sein, doch es gibt noch mehr, was mich für diese Aufgabe motiviert. Und das möchte ich hier beschreiben.

Warum Erwachsenenbildung?

Zum Glück ist meine Arbeit in der Erwachsenenbildung vielfältig: Ich konzipiere Bildungsveranstaltungen in verschiedenen Lernsettings und führe diese selbstständig durch. Und egal, ob ich mich dabei in digitalen oder geografischen Räumen befinde: Ich kann meine Ideen umsetzen, Neues ausprobieren und dabei lernen. Denn ich arbeite mit unterschiedlichen Teilnehmenden zusammen, die mir Einblick in viele Lebenswelten geben. Und immer wieder zeigen sie mir, wie unterschiedlich ihr Lernen ist und wie groß die Freude sein kann, wenn man Ziele erreicht und auf einem manchmal steinigen Weg Neues erfahren hat. Man könnte auch sagen: Wenn wir uns durch Weiterbildung ein Stück weiterentwickelt haben. 

Ich teile die Sorge, dass Erwachsenenbildung auf "Bildung für den Arbeitsmarkt" bzw. "Beschäftigungsfähigkeit" reduziert wird. Bildung, die kein Selbstzweck ist sondern mit Freude angeboten wird, die Menschen ermutigt und ihre Selbstbestimmung unterstützt, dient meiner Meinung nach immer einer positiven Entwicklung: der Entwicklung des Individuums und der Gesellschaft. Und darum liegt mir die Erwachsenenbildung am Herzen und darum halte ich sie – gerade jetzt, in einer Zeit starker, schneller Veränderungen – für besonders wichtig.

Doch, dass Erwachsenenbildung ihre Bedeutung behält, ist nicht selbstverständlich. Unsere lebendige, vielfältige Erwachsenenbildungslandschaft wird die gegenwärtigen Herausforderungen annehmen müssen, damit sie ihre gesamtgesellschaftliche Rolle nicht verliert. 

Herausforderungen der Erwachsenenbildung

Ich möchte hier nur die Bereiche nennen, die mir unter den Nägeln brennen; abschließend ist meine Beschreibung sicher nicht.

Eine Herausforderung ist meiner Meinung nach die Gestaltung von Bildung für eine demokratische und pluralistische Gesellschaft in einer Zeit, in der die Werte dieser Gesellschaft zunehmend in Frage gestellt werden. Damit einher geht auch – jedoch nicht nur – die Frage, wie wir Medienkompetenz als Querschnittskompetenz verankern. Medienkompetenz im Sinne der in der Medienpädagogik etablierten Definition nach Dieter Baake zielt auf einen kritischen und kreativen Umgang mit allen Medien ab. Als pädagogisches, handlungsorientiertes Konzept beinhaltet sie die Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Wer mehr darüber wissen möchte schaut hier oder hier. Natürlich gibt es  bereits Bildungsangebote, die zumindest Teile dieses Konzepts aufgreifen und implementieren. Doch in der Breite der Erwachsenenbildung werden wir es wohl nur verankern können, wenn wir Ideen für eine erwachsenengerechte Medienkompetenzbildung entwickeln.

Eine zentrale Herausforderung ist sicher die Digitalisierung, besser gesagt die digitale Transformation. Sie fordert alle Bereiche der Gesellschaft und daher auch die Erwachsenenbildung in vollem Umfang. 

Für die berufliche Bildung wissen wir, dass wir Menschen auf Berufe vorbereiten sollen, die noch niemand kennt, in einer Arbeitswelt, die einem ständigen Wandel unterliegt. Meistern werden wir das wohl nur, indem wir Kompetenzen in den Mittelpunkt stellen (siehe dazu Werner Sauter: Kompetenz zählt - Die Zukunft des Lernens, Folge 1 – 6). Kompetenzen - stark verkürzt beschrieben als Handlungsfähigkeit in unsicheren Situationen – werden individuell erworben; auch durch informelles Lernen und Erfahrungen. Daher verlangt eine Fokussierung auf Kompetenzen von uns andere pädagogische Herangehensweisen und Konzepte als das bisherige Vermitteln von Fähigkeiten und Wissen in traditionellen Lehr-Lern-Prozessen. Wir werden meines Erachtens Antworten auf Fragen finden müssen wie: Wie befähigen wir Menschen Problemlösungskompetenzen zu entwickeln, die Kreativität und kritisches Denken voraussetzen? Wie unterstützen wir Selbstlernkompetenz, die mit Reflexion und Selbstmotivation einhergeht und uns Erwachsenenbildner*innen in unserem bisherigen Rollenverständnis überflüssig machen wird? Diese Fragen berühren nicht nur die berufliche Bildung sondern die Erwachsenenbildung insgesamt. 

Und natürlich stehen Erwachsenenbildner*innen auch ganz persönlich vor den Herausforderungen, die ein notwendiger Rollenwandel mit sich bringt: Wie werde ich als Lehrende zur Lernbegleiterin und wie werde ich als Bildungsplanerin zur Communitymanagerin? 

Auch der Bildungsmarkt wird durch die digitale Transformation aufgewirbelt: Traditionelle, etablierte Institutionen, die einerseits große Erfahrung und starke Wurzeln, andererseits recht starre Strukturen haben, sehen sich neuen Bildungsanbietern gegenüber, deren Strukturen flexibel sind und die erfolgreich neue Angebotsformate und Geschäftsmodelle (z.B. Abo-Modelle) etabliert haben. Es scheint mir eine Mammutaufgabe, dass Institutionen voneinander lernen und sich entwickeln statt im Konkurrenzdenken zu verharren.

Warum EPALE?

EPALE ist nicht einfach eine Plattform, auf der man Informationen findet oder die als Projektdatenbank dient. EPALE ist ein – nein, EPALE ist DAS Netzwerk der Erwachsenenbildung. Hier können wir diskutieren, reflektieren und so gemeinsam voneinander und miteinander lernen.

Ich bin überzeugt davon, dass wir den Anforderungen, die die Gegenwart an die Erwachsenenbildung stellt, durchaus gerecht werden können. Wenn wir über unseren institutionellen, kommunalen, nationalen Tellerrand blicken und positive wie negative Erfahrungen teilen, können wir Ideen für die Zukunft entwickeln und Antworten auf drängende Fragen finden.

Und gerade eine europäische Perspektive mag uns in Deutschland helfen, unser bisheriges Erwachsenenbildungssystem weiterzuentwickeln. Wir können sicher viel lernen von Ländern, in denen die Erwachsenenbildung keine so tiefen Wurzeln hat. Diese Länder haben oft andere, manchmal flexiblere Strukturen und weniger Hemmnisse, sich auf Veränderungen einzulassen.

Darum EPALE!

Ich wünsche mir, dass die Herausforderungen mit Freude angenommen werden und dass wir sie als Chance zur Mitgestaltung wahrnehmen. Und wenn wir EPALE als Netzwerk, als lebendige Kommunikationsplattform nutzen, dann kann Erwachsenenbildung ihre Vielfalt und ihre gesellschaftliche Bedeutung nicht nur erhalten sondern stärken. Daran möchte ich mitarbeiten und deswegen bin ich sehr froh, EPALE Botschafterin zu sein.


Lesen Sie auch die anderen Beiträge der Botschafter*innen von EPALE Deutschland.

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