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Blog

Das SCOUT-Toolkit – mit einem Methodenkoffer die Beratung von Neuzugewanderten verbessern

03/09/2019
od Goran Jordanoski
Jazyk: DE
Document available also in: EN EL ES SV SL

Lesedauer circa 6 Minuten – lesen, liken und kommentieren.


Beratung und Kompetenzerfassung bei Neuzugewanderten – was brauchen wir?

Für Neuzugewanderte ist die Integration in den Arbeitsmarkt eine entscheidende Voraussetzung, um in ihrem Gastland Fuß zu fassen. Die Erfassung von bereits erworbenen Kompetenzen und Arbeitserfahrungen, aber auch die Anerkennung von im Heimatland erworbenen Qualifikationen, stellen dabei entscheidende Herausforderungen dar. In diesem Rahmen werden Beratungsangebote benötigt, die auf Neuzugewanderte zugeschnitten sind und eine zielgruppengerechte Kompetenzerfassung ermöglichen.

Das Erasmus+ Projekt SCOUT („asSessing COmpetences for fUTure“), das vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in Kooperation mit Partnerorganisationen aus Österreich, Spanien, Schweden, Griechenland und Slowenien durchgeführt wird, nimmt diese Situation als Ausgangspunkt. Mit dem Ziel, die Kompetenzerfassung und die begleitende Beratung für Neuzugewanderte zu fördern, wurde ein Methodenkoffer für Beratende entwickelt – das SCOUT-Toolkit.

Eine umfangreiche Bedarfsanalyse in Form von Recherchen, Fokusgruppen und Experteninterviews in allen beteiligten Partnerländern bot zunächst Antworten auf die Frage, wie eine zielgruppengerechte Kompetenzerfassung aussehen kann. Neben einem Abbau der Sprachbarriere sollten zum Beispiel auch eine niedrigschwellige Zugänglichkeit sowie individualisierbare Zugänge gegeben sein. Diese und weitere Kriterien berücksichtigend wurde schließlich in allen SCOUT-Partnerländern eine Recherche bestehender Instrumente zur Kompetenzerfassung für Neuzugewanderte durchgeführt. Nach einem sorgfältigen Screening wurden 20 Instrumente für das finale Toolkit ausgewählt.

Für ein erstes Kennenlernen des Toolkits und der Inhalte gibt es auf der Projektseite ein interaktives Video. Das innovative Format bietet in nur 5 Minuten einen Rundumblick zum SCOUT-Toolkit.

Das SCOUT-Toolkit – welche Leistungen und Einsatzmöglichkeiten bietet es?

Das SCOUT-Toolkit bietet nicht nur eine lose Sammlung bestehender Instrumente zur Kompetenzerfassung für Neuzugewanderte. Vielmehr wurden die dort bereitgestellten Instrumente systematisch zusammengestellt und nutzerfreundlich aufbereitet. Jedes Instrument ist durch ein Infoblatt bzw. ein sogenanntes Fact Sheet repräsentiert. In den Fact Sheets sind die wichtigsten Informationen rund um das Tool überblicksartig zusammengestellt und es ist jeweils ein direkter Link zum Tool hinterlegt, der ein schnelles „Reinklicken“ und Austesten ermöglicht.


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Abbildung: Beispiel vom Fact Sheet aus dem Toolkit Seite 7

Abbildung: Beispiel vom Fact Sheet aus dem Toolkit Seite 7


Zwei große Kategorien („Instrumente zur Unterstützung des Beratungsprozesses“ und „Instrumente zur Selbsteinschätzung“) mit jeweils dazugehörigen Unterkategorien bieten Orientierung und ermöglichen es, schnell und einfach ein Tool zu finden, das für die jeweilige Beratungssituation passend ist. Eine Unterstützung bei der Gestaltung des Beratungsprozesses kann beispielsweise der ProfilPASS in Einfacher Sprache leisten. Der ProfilPASS ist ein Instrument zur Erfassung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen, das es seit 2006 in Deutschland und seit 2014 auch in anderen europäischen Ländern gibt. Für SCOUT wurde der ProfilPASS für die Zielgruppe der Neuzugewanderten angepasst. Der daraus entstandene ProfilPASS in Einfacher Sprache ist in Bezug auf Sprache, Inhalt und Layout auf deren besondere Lebenssituation und Bedarfe zugeschnitten. Der ProfilPASS in Einfacher Sprache kann hier kostenfrei heruntergeladen werden. Eine Druckversion auf Deutsch ist zudem über den Verlag wbv media erhältlich.

Blickt man in die Instrumente zur Selbsteinschätzung, so findet man in der Unterkategorie „Umfassende Kompetenzerfassung“ beispielsweise das „EU Skills Profile Tool für Drittstaatsangehörige“. Verschiedene Kompetenzbereiche können hier in einfacher Form online erfasst werden. Es ist sogar möglich, zwei Sprachen gleichzeitig am Bildschirm anzeigen zu lassen. So kann auch eine gemeinsame Bearbeitung mit der Beratungsperson erfolgen, ohne dass die Inhalte übersetzt oder erklärt werden müssen. Gleichzeitig kann und soll das SCOUT-Toolkit flexibel und offen in der Anwendung sein. Denn ebenso wie jede/r Ratsuchende ein individuelles Anliegen und je eigene persönliche Hintergründe mitbringt, so soll auch die Beratung individuell gestaltbar sein. Hier sind der professionellen Kreativität der Beratenden keine Grenzen gesetzt. Die einzelnen Tools oder auch nur Teilbereiche verschiedener Tools können daher frei miteinander kombiniert werden. Eine Besonderheit des SCOUT-Toolkits und des ProfilPASS in Einfacher Sprache ist die Verfügbarkeit in verschiedenen Sprachen. Zusätzlich zu den deutschen und englischen Versionen sind das Toolkit und der ProfilPASS in Einfacher Sprache auch in allen Sprachen der beteiligten Projektpartner verfügbar (spanisch, griechisch, schwedisch und slowenisch).

Um den Beratenden die Arbeit mit dem SCOUT-Toolkit zu erleichtern, wurden im Rahmen des Projekts zudem begleitende Materialien entwickelt. Diese sind ebenfalls in allen Sprachen der Projektbeteiligten und auf Englisch verfügbar. Das SCOUT-Manual ist eine Handreichung für Beratende. Hier wird erläutert, wie das Toolkit und der ProfilPASS in Einfacher Sprache aufgebaut sind und welche Anwendungsmöglichkeiten es gibt. Das SCOUT-Curriculum ergänzt das Manual und das Toolkit. Hier sind Richtlinien und Empfehlungen für ein Training von Beratenden zusammengestellt.

Perspektiven der Kompetenzberatung mit dem SCOUT-Toolkit – Wohin führt der Weg?

Auf der Grundlage dieser Materialien wurden in allen SCOUT-Partnerländern bereits über 30 Beratende für den Einsatz des SCOUT-Toolkits und des ProfilPASS in Einfacher Sprache geschult. Die Ergebnisse der Evaluation dieser Trainings zeigen, dass das Toolkit und vor allem der ProfilPASS in Einfacher Sprache sehr geschätzt werden. Die besondere Eignung und Nutzerfreundlichkeit für Neuzugewanderte wurden hervorgehoben.

Zudem läuft derzeit eine Testphase für das Toolkit und den ProfilPASS in Einfacher Sprache, im Rahmen derer Beratungen mit Neuzugewanderten durchgeführt werden. Erste Rückmeldungen zeigen auch hier, dass die Materialien eine sehr hohe Praxistauglichkeit aufweisen und die bestehenden Bedarfe gut bedienen.

Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Aktivitäten rund um die Integration und Beratung von Zugewanderten ein schnelllebiges Feld sind. Einige Instrumente zur Kompetenzerfassung sind beispielsweise aus Projektkontexten entstanden und konnten sich nicht langfristig etablieren. Auch im SCOUT-Toolkit sind wenige Instrumente enthalten, die aus verschiedenen Gründen – zum Beispiel durch das Ende einer Projektlaufzeit – nicht mehr verfügbar sind. Umso bedeutender ist es jedoch für die Beratenden, dass sie mit dem ProfilPASS in Einfacher Sprache ein institutionell angebundenes und somit langfristig bestehendes Tool nutzen können. Auch werden bereits jetzt Schulungen und Fortbildungen für die Beratungsarbeit mit dem ProfilPASS in Einfacher Sprache abseits des Projektrahmens angeboten. Langfristig wird sich auch im SCOUT-Toolkit ein Kern an Instrumenten herausbilden, die sich „am Markt“ etablieren und kontinuierlich Anwendung finden. Während die Nachhaltigkeit der SCOUT-Ergebnisse also auf einem guten Weg ist, wird es dennoch eine entscheidende Herausforderung bleiben, wertvolle Arbeitsergebnisse aus verschiedenen (Projekt-)Kontexten und Inhaltsbereichen langfristig zu implementieren und nutzbar zu machen.


Über die Autoren:

Eva Bonn ist wissenschaftliche Hilfskraft am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V.

Goran Jordanoski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. Seit 2017 koordiniert er das EU-Projekt SCOUT - „aSsessing Competences fOr fUTure“ (2017-1-DE02-KA204-004194).


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