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Ein Interview mit Chiara Borsini über die Charta der gemeinsamen Strategien für Geflüchtete

03/08/2020
de EPALE Deutschland
Limba: DE
Document available also in: EN IT FR

Lesedauer circa 5 Minuten - Lesen, liken, kommentieren!

Dieser Beitrag wurde im Original von Altheo VALENTINI in Englisch veröffentlicht.

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EPALE interviews: Chiara Borsini

Chiara Borsini ist eine Projektmanagerin und Trainerin, die sich auf digitalen Journalismus und neue Medien, digitales Storytelling und interkulturelle Kommunikation spezialisiert hat und über Erfahrungen mit der Beratung und Ausbildung in den Bereichen digitale und soziale Inklusion und Kulturerbe verfügt. Chiara hat einen Master-Abschluss in Internationalen Beziehungen und ein Diplom in Welterbe- und Kulturprojekte in der Entwicklungsarbeit sowie Storytelling & Darstellende Künste.

Welche Grundkompetenzen müssen Migrantinnen und Migranten und Geflüchtete Ihrer Erfahrung nach bei der sozialen und wirtschaftlichen Integration am dringendsten ausbauen?

In der „Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen“ wurden Schlüsselkompetenzen als Kompetenzen definiert, die alle Menschen für ihre persönliche Entfaltung, soziale Integration, Bürgersinn und Beschäftigung benötigen. Im Hinblick auf diesen Rahmen sind die Bereiche, in denen Migrantinnen und Migranten und Gefüchtete ihre Fähigkeiten meiner Erfahrung nach am meisten ausbauen müssen, die Bereiche Kommunikation (mit besonderem Schwerpunkt auf Lese- und Schreibkompetenzen und Sprachkursen), soziale Kompetenz und Bürgerkompetenz, Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit sowie digitale Kompetenzen. Bei Letzteren, die auch für die Gewährung des Zugangs zum Arbeitsmarkt unerlässlich sind, sind die Ausgangsbedingungen von Migrantinnen und Migranten, Geflüchteten oder Asylsuchenden oft ziemlich heterogen. Manche von ihnen haben nie einen Computer benutzt, andere wiederum verfügen über umfangreiche Computerkenntnisse. In diesem Zusammenhang sollte Kursen zum Erwerb von Computer- und Medienkompetenz größere Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Können Sie noch mehr über das CORES-Projekt und seine Bedeutung für den 20. Jahrestag des Bestehens der Charta der Grundrechte der Europäischen Union berichten?

„CORES: Charter of Common Refugee Strategies“ (2018-1-TR01-KA204-059635) ist ein europäisches Kooperationsprojekt, das im Rahmen von Erasmus+ finanziert wird und kürzlich eingereiste Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete und Fachkräfte, die mit ihnen arbeiten, unterstützen soll. Es befasst sich mit den Problemen von Geflüchteten, Asylsuchenden und Migrantinnen und Migranten und arbeitet mit Anbietern von Erwachsenenbildung, politischen Entscheidungsträgern, lokalen Behörden, NRO und Verbänden und Anbietern des Dritten Sektors in sechs verschiedenen Ländern zusammen – der Türkei, Bulgarien, Spanien, Italien, der Tschechischen Republik und Griechenland. Außerdem soll die durch die Flüchtlingskrise entstandene Belastung für die EU-Regierungen gemindert und zur gegenseitigen Akzeptanz der Neuankömmlinge und der Aufnahmegesellschaft beigetragen werden.
Zu diesem Zweck wird im Rahmen des Projekts CORES eine Charta gemeinsamer Strategien für Geflüchtete auf europäischer Ebene erarbeitet, die auf einer umfassenden Analyse der länderspezifischen Situation und Bedürfnisse sowie Fokusgruppen mit Geflüchteten, Asylsuchenden und Sozialarbeiter*innen, die den jeweiligen Integrationsprozess unterstützen, basiert. In der Charta kommen lokale Dynamiken und Werte für jedes Partnerland zum Tragen, um Leitlinien zu formulieren, die die Grundsätze und Werte berücksichtigen, die in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 und der Europäischen Sozialcharta von 1965 verankert sind.

EPALE interviews: Chiara Borsini

Das zweite Ziel des Projekts besteht darin, die Neuankömmlinge über die Bürgerrechte und die Möglichkeiten für den Erwerb der Staatsbürgerschaft zu informieren und sie dadurch bei der Klärung grundlegender Fragen zu unterstützen, die beispielsweise die Unterbringung, das Recht auf Zugang zum Gesundheitssystem sowie das Recht auf und die Möglichkeiten der Grundbildung, Beschäftigung und sozialen Inklusion betreffen. Zu diesem Zweck wird eine Online-Lernplattform implementiert, um die oben genannten konkreten Ziele für Behörden, Anbieter von Erwachsenenbildung und Geflüchtete zu nutzen.
Angesichts dieses wichtigen Ereignisses, des zwanzigsten Jahrestags der Verkündung der Charta der Grundrechte, mit der Rechte geschützt und Werte wie Würde, Solidarität, Gleichheit und Bürgerrechte mit allen dazugehörigen Rechten und Pflichten gefördert werden, ist die Unterstützung von Initiativen dieser Art auf europäischer Ebene besonders wichtig. Es wird immer dringender notwendig, zu gewährleisten, dass alle Menschen in den Genuss dieser Rechte kommen können. Seit Jahren steht Europa vor der Herausforderung, angemessen mit dem Phänomen Migration umzugehen. Die im Rahmen von CORES durchgeführte Analyse hat ergeben, dass noch viele Initiativen ergriffen werden müssen, um stärker für den Erwerb von Grundrechten zu sensibilisieren und dafür zu sorgen, dass sie Teil konkreter Ausbildungspfade werden, bei denen dieselben Zielgruppen der Projekte als proaktive Akteure und Protagonisten dieses Prozesses angesehen werden.
Nähere Informationen zum Projekt finden Sie hier: http://coresproject.net/

Welche Initiativen haben Sie noch unterstützt, um den Erwerb von Grundkompetenzen für diese spezielle Zielgruppe zu fördern?

Durch meine Arbeit hatte ich die Gelegenheit, bei verschiedenen Projekten mitzuarbeiten, die sich an Migrantinnen und Migranten richteten, um für deren soziale und digitale Inklusion zu sorgen und zur Umsetzung verschiedener EU-Programme im Bereich Training und soziale Kommunikation beizutragen, die mit EU-Mitteln (AMIF 2014-1010) finanziert wurden. Außerdem bin ich Mitglied einer kulturellen Vereinigung, die jedes Jahr einen internationalen kulturübergreifenden Theater-Workshop namens Human Beings veranstaltet, an dem Menschen unterschiedlichster Herkunft wie Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete und Asylsuchende teilnehmen, die mithilfe der Theaterpraxis Kommunikationsfähigkeiten und Sprachkenntnisse, soziale Kompetenzen und Soft Skills sowie Kulturbewusstsein und kulturelle Ausdrucksfähigkeit erwerben.

EPALE interviews: Chiara Borsini

Um jedoch beim Thema dieses Interviews und der Bedeutung von Bürgerkompetenzen bei der Herausbildung einer neuen Identität für die Europäische Union zu bleiben, möchte ich insbesondere eine Erfahrung erwähnen, nämlich Digital Welcome. Bei diesem europäischen Projekt, das aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF-2016-AG-INTE-01 „Integration von Drittstaatsangehörigen“) finanziert wird und die soziale und digitale Inklusion von Drittstaatsangehörigen zum Ziel hat, wird ein Trainingsprogramm zu folgenden vier Hauptthemen angeboten: Digitaler Journalismus, digitales Geschichtenerzählen, Coding und Soft Skills. An Digital Welcome sind sieben Organisation aus fünf Ländern – Italien, Griechenland, Belgien, Spanien und Deutschland – beteiligt. Angeboten werden kombinierte Trainingsprogramme zu konkreten Kompetenzen im Bereich Digitales und IT sowie Soft Skills, die konkret Integrationswege in die Aufnahmegesellschaft fördern. Mithilfe von Interviews oder digitalem Geschichtenerzählen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Sprachkenntnisse verbessern, Strategien entwickeln, um sich mit den neuen Situationen vertraut zu machen, an Kleinstprojekten arbeiten, bei denen Ergebnisse erzielt wurden, die ihre Fortschritte bestätigten, und ihren eigenen Lebenslauf bereichern. Dadurch konnten sie auch Dynamiken verstehen, die sie vorher oft nicht kannten, und grundlegende Instrumente kennenlernen, die für den Zugang zum Arbeitsmarkt unerlässlich sind, wie beispielsweise die Erstellung eines Lebenslaufs. Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer wurden wiederum zu Mentorinnen und Mentoren für die jeweils belegten Themen und konnten das erworbene Wissen in für jeden frei zugänglichen, kostenlosen Workshops weitergeben.
Digital Welcome war sowohl für seine Teilnehmerinnen und Teilnehmer als auch für die Umsetzung eines Pilotprojekts, das vielen weiteren Initiativen als Vorbild dienen könnte, ein Erfolg. Außerdem hat das Projekt bei den LLLAWARDS 2019 der Europäischen Kommission den Preis für „Best practice in Promoting Values“ gewonnen.

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