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Blog

Henrik Zipsane, eine Community-Story aus Schweden

29/06/2020
de EPALE Österreich
Limba: DE
Document available also in: EN FR HU

Henrik Zipsane

Ich wurde 1956 geboren und leite seit 2019 die European Museum Academy. Von 2002-2019 war ich CEO der Jamtli-Stiftung, die sich der Pflege des mittelschwedischen Kulturerbes verschrieben hat und ein großes und drei kleinere Museen betreibt. 2005 war ich Mitbegründer und danach Forschungsleiter des Nordic Centre of Heritage Learning and Creativity, einer Forschungs- und Entwicklungsorganisation, die sich der Förderung des Lernens durch Engagement für das Kulturerbe verschrieben hat. Außerdem war ich von 1987 bis 2001 Leiter der örtlichen Archive und Museen in Farum in Dänemark.

Ich bin Gastprofessor für Heritage Learning und Regionalentwicklung der Universität Linköping, beigeordneter Sachverständiger des Pascal-Observatoriums der Universität Glasgow sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter des European Expert Network on Culture. Außerdem bin ich Experte der Europäischen Kommission und der schwedischen Regierung für Kultur und Erwachsenenbildung. Ich war Vorstandsmitglied von Culture Action Europe und der Dialogue Platform on Access to Culture der Europäischen Kommission und habe an der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Aarhus in Bildung und Geschichte promoviert. Seit einigen Jahren konzentriert sich meine Forschung vor allem auf Fragen der Nutzung des kulturellen Erbes in den Bereichen Regionalentwicklung und lebenslanges Lernen.

Ich bin seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung tätig, und meine Schwerpunkte liegen auf Einrichtungen im Bereich des Kulturerbes und auf Projekten im Rahmen von Programmen der Europäischen Union und des Nordischen Rates.

Von EPALE habe ich 2016 über die schwedische Nationalagentur erfahren. Ich bin seit 2017 bei EPALE tätig. In erster Linie nutze ich die EPALE-Community, um mich über die für meine Arbeit wichtigen Trends und Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. Ich freue mich sehr, dass die Website jetzt so gut funktioniert. Es ist sehr wichtig, mehr Kolleginnen und Kollegen für EPALE zu gewinnen – je mehr Aktivitäten und Beteiligte, desto wertvoller ist EPALE.

Die Lehren aus der Corona-Krise – interessante Museumspädagogik

Die Beschäftigten von Museen weltweit sind seit einigen Monaten von ihren Arbeitsplätzen verbannt. Abgesehen von den beruflichen und finanziellen Problemen, die sich daraus ergeben, sind für die Museen auch die leeren Ausstellungshallen ein Novum. Schließlich sind Museen doch für die Allgemeinheit da. Gemeinsam mit der Universität Padua und der Universität Glasgow beobachtet die European Museum Acacemy , wie die Museen auf die Covid-19-Situation reagieren, indem sie Technologie einsetzen. Obwohl wir erst seit zwei Monaten an dieser Initiative arbeiten, gibt es bereits einige interessante Beobachtungen, die aufzeigen, welche innovativen Funktionen Museen in Zukunft übernehmen könnten.

Erstens: Alle Museen sind heute im Web und in allen Arten von sozialen Medien aktiver denn je. Die Pandemie führte dazu, dass die Museen ihr Publikum viel stärker als zuvor durch digitale Mittel zu erreichen trachten. Der Boom ist beachtlich, und man könnte meinen, dass die Covid-19-Pandemie mehr für die digitale Entwicklung von Museen geleistet hat als die vielen Programme und Projekte der letzten zwei Jahrzehnte. Ziel der meisten dieser digitalen Initiativen ist es, die Sammlungen auf den Websites der Museen leicht zugänglich zu machen. Dazu gibt es natürlich eine Vielzahl von Möglichkeiten. Eines ist jedoch wichtig: Museen, die nicht nur eine kleine Elite, sondern die breite Öffentlichkeit ansprechen möchten, müssen Initiativen setzen, die der Forderung nach Interaktivität und partizipatorischer Leitung gerecht werden.

  • Ein interessantes Beispiel für die digitalen Kontaktinitiativen in der klassischen Atmosphäre eines Museums sind die Besuche, die die Direktorin des Designmuseums Danmark in Kopenhagen - Anne-Louise Sommer - den Museumsarchiven abstattet. Sie zeigt dem Publikum einige Zeichnungen und Aquarelle von Finn Juhl. Die Aufzeichnung dieses Archivbesuchs ist jetzt verfügbar auf YouTube. Die Direktorin geht in dem Video auf einen Teil der Sammlung ein. Das Museum hat eine Reihe ähnlicher digitaler Führungen zu bestimmten Sammlungsobjekten produziert. In den Videos erzählen Experten die Geschichte des Objekts und stellen es in seinen historischen Kontext – ein wichtiger Teil der klassischen Museumserfahrung.

Einfach großartig! Ich bin sicher, dass das auch anderen Museumsfreunden gefallen wird.

Aber für die Öffentlichkeit ist dies ein Angebot wie jede andere Fernsehsendung, die man ansieht, wann und wo man möchte. Man hat keinen Einfluss auf den Inhalt, ist nicht in die Produktion eingebunden – und möglicherweise bleibt man mit einigen unbeantworteten Fragen zurück.

  • Das 360-Grad-Museumserlebnis des Rijksmuseum Amsterdam hingegen bietet ein vollkommen anderes, von Q42 produziertes Angebot. Hier können sich die Besucher digital durch die Sammlungen bewegen und die Objekte auf faszinierende Weise durch die Augen einer Roboterkamera erleben. Besucher können die Gemälde in ihrem eigenen Tempo betrachten und so viel Zeit in der Galerie verbringen, wie sie möchten. Hier hat wirklich der Besucher das Sagen, und das kann für Kunstbegeisterte ein großartiges Erlebnis sein. Doch die Besucher sind auf sich gestellt, da Führungen nur passiv in Textform verfügbar sind.

In der guten alten Zeit vor der Covid-19-Pandemie, als echte Besucher aus Fleisch und Blut die Museen bevölkerten, waren die beliebtesten Museen jene, die mit einem bestimmten Grad an Interaktivität ein nach Geschlecht, Alter, kulturellem Hintergrund, Bildung und sozialer Herkunft breit gefächertes Publikum anzogen. Zum Einsatz kamen meist Bildschirme oder andere digitale Geräte in den Ausstellungsräumen, auf denen die Objekte auf Knopfdruck zum Leben erweckt werden konnten und die dem Besucher beispielsweise Suchen und Blättern ermöglichten. Die Besucher konnten Fragen zu der Ausstellung stellen, die das Museum beantwortete, wodurch ein integratives Umfeld geschaffen wurde. In anderen Museen wurden die Besucher von realen Menschen – vielleicht sogar in Kostümen – betreut. Geschichte auf diese Weise zum Leben zu erwecken, ist eine Methode, die sich in Museen auf der ganzen Welt und nicht zuletzt in den beliebten Freilichtmuseen und archäologischen Parks zunehmender Beliebtheit erfreut. Aber wie lässt sich diese Art von Interaktivität in einen digitalen Museumsbesuch integrieren?
Die aktuelle Covid-19-Pandemie hatte zur Folge, dass die digitale Kontaktpflege der Museen mit ihren Besuchern exponentiell zunahm. Doch nach und nach beginnen sich auch interessante Möglichkeiten zur Einbindung der allgemeinen Öffentlichkeit herauszukristallisieren.

  • Ein interessantes Beispiel ist die Initiative Museum of Childhood Ireland, die Kinder einlädt, wöchentlich wechselnde Themen zu illustrieren. Diese Illustrationen werden dann in einer digitalen Ausstellung auf der Website des Museums präsentiert. So werden die Besucher zu Koproduzenten der Ausstellung und die Kinder sind ebenso stolz auf sich wie die Eltern. Doch die Einladung an die Öffentlichkeit, Beiträge zu leisten, muss sich nicht auf Kinder beschränken.
  • Ein weiteres interessantes Beispiel überträgt das Beste aus dem analogen Museumserlebnis in die digitale Welt. Randers Regnskov (Randers Regenwald) in Dänemark bietet über Facebook Biologieunterricht für alle Schulstufen an. Das Projekt, an dem Schulklassen aus dem ganzen Land teilnehmen, wurde zu einem großen Erfolg. Während des Unterrichts senden die Schülerinnen und Schüler oder ihre Lehrkräfte Textnachrichten an die Museumslehrkraft, die ihre Fragen in Echtzeit beantworten und das Publikum ebenfalls in Echtzeit um Reaktionen bitten kann. So wird der Museumsbesuch um Funktionen angereichert, die ansonsten in einer digitalen Umgebung vermisst werden: das Besuchserlebnis wird realitätsnah und interaktiv und bietet dem Museum die Möglichkeit, in direkten Kontakt mit den Besuchern zu treten. Dies ist eindeutig ein Durchbruch im Technologieeinsatz, und es wird interessant sein zu beobachten, wie weitere Erkenntnisse diese Entwicklung beeinflussen werden. Dieses Bildungsangebot braucht sich nicht auf die formale Bildung oder eine bestimmte Zielgruppe zu beschränken. Warum sollten nicht Gruppenbesuche, deren Ziel informelles Lernen für Erwachsene ist, auf diese Weise durchgeführt werden, oder warum sollten Museen keine informellen Lektionen anbieten, die der Integration von Zuwanderern dienen und interessante Erlebnisse anbieten?

Die Covid-19-Pandemie hat viel Unerfreuliches mit sich gebracht, aber es vielleicht können aus dem Jahr 2020 doch auch positive Lehren gezogen werden.

Der Fernunterricht kann weiterentwickelt werden, und es ist interessant zu beobachten, dass die Museen langsam, aber sicher beginnen, innovative und spannende Initiativen zu setzen.


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