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Blog

Wie motivieren wir Kinder und Erwachsene, zu lebenslangen Leserinnen und Lesern zu werden?

05/10/2015
de Katrin Handler
Limba: DE
Document available also in: EN

Die negative Entwicklung des Leseverständnisses und des Leseverhaltens junger Leute ist nicht unbemerkt geblieben. Bedenken hinsichtlich unterdurchschnittlicher Literalitätsniveaus und abnehmender Lesegewohnheiten haben zu einem Aktionsaufruf zahlreicher Expertinnen und Experten im Bereich der Bildung wie in anderen Bereichen, einschließlich des Swedish Arts Council (Schwedischer Kulturrat), geführt. Seit den 1990ern hat der Schwedische Kulturrat verschiedenen Projekten zur Leseförderung Gelder zugeteilt. Eine Reihe erfolgreicher Projekte hat es bereits gegeben, aber die Herausforderungen sind immer noch sehr hoch, vor allem wenn es darum geht, Kontakt zu benachteiligten Gruppen und/oder unwilligen Leser/innen herzustellen. Aus diesem Grund sollte man nun innehalten und überlegen: Was ist das Ziel der Leseförderung, welche Strategien zur Leseförderung gibt es, und was wissen wir über die Auswirkungen? Im Auftrag des Schwedischen Kulturrates habe ich nun die Möglichkeit, über diese Fragen nachzudenken, einen Teil der existierenden Recherche diesbezüglich zu überprüfen, und mir die vielen Tätigkeiten anzusehen, bei denen es darum geht, Kinder und Erwachsene zu motivieren, lebenslange Leserinnen und Leser zu werden.

Die grundlegenden Faktoren, die nötig sind, um die Lesemotivation der jungen Leute zu erhöhen, sind laut den Forschenden in diesem Bereich folgende: Die Relevanz der Literatur und der Leseaufgaben zum eigenen Leben der Lesenden, Zugang zu einer großen Auswahl an Lesematerial, viel Zeit zum Lesen, Entscheidungsfreiheit sowie die Möglichkeit, sich mit anderen über den gelesenen Text zu unterhalten. Ich habe mir eine umfangreiche Zusammenfassung der Recherche über Leseunterricht in schwedischen Grundschulen angesehen, die im Auftrag der Nationalen Agentur für Bildung in Schweden erstellt wurde. Interessanterweise stellte ich fest, dass der Leseunterricht in schwedischen Grundschulen das komplette Gegenteil von dem ist, was Forscherinnen und Forscher als besonders wichtig für die Lesemotivation junger Leute erachten. Auch zahlreiche Studien belegen, dass die Eltern und das Wohnumfeld eine essenzielle Rolle spielen, wenn es um das Leseverhalten der Kinder und ihre Einstellung zum Lesen geht. Durch dieses Bild der Lesegewohnheiten in Schweden wird deutlich, dass die soziokulturellen Faktoren entscheiden, wer zu einer Leserin oder einem Leser wird, und wer nicht. Kurz gesagt gibt es gute Gründe, warum man sich mit Aktionen zur Leseförderung außerhalb der Schule beschäftigen sollte. Es gibt auch einen guten Grund, die Resultate zu bewerten.

Also, wie motivieren wir Kinder und Erwachsene, zu lebenslangen Leserinnen und Lesern zu werden? In meinem Buch habe ich Aktionen zur Leseförderung in sechs grundlegende Kategorien unterteilt: Frühe Literalität, Lese-Vorbilder, Beratung und Buchpräsentationen, soziales Lesen, Lesen im Sommer, und Strategien, um Bücher verfügbar zu machen. Die folgenden allgemeinen Empfehlungen, basierend auf den Resultaten meiner Recherche, können angewandt werden, um weiterhin das Lesen außerhalb der Schule zu fördern.

 

  • Fangen Sie früh an (und machen Sie weiter). Die Bedeutung der Literalität in jungen Jahren kann nicht genug betont werden, und Initiativen für Literalität innerhalb der Familie sind empfehlenswert. Das Ziel, Menschen anzuregen und über die Bedeutung des Vorlesens zu informieren, ist eine besondere Priorität. Vor allem Männer sollen dazu motiviert werden, ihren Kindern laut vorzulesen.
  • Identifizieren Sie relevante Zielgruppen, um Lücken zu schließen.
  • Bieten Sie eine große Auswahl an Lesematerial. Dies hat einen guten Einfluss auf die Lesemotivation. Wenn man reichhaltiges und vielfältiges Lesematerial zur Verfügung stellt, zeigt das auch, dass Lesen eine wertvolle und bereichernde Tätigkeit ist.
  • Fördern Sie soziales Lesen. Die Lesemotivation und die Möglichkeit, mit Texten sozial zu interagieren, sind eng miteinander verknüpft. Soziale Interaktion bedeutet, mit anderen über Bücher zu reden, gemeinsam zu lesen, Bücher zu verleihen und auszuleihen, und Texte, die über Bücher geschrieben wurden, mit anderen zu teilen.
  • Verwenden Sie Lese-Vorbilder. Alle, und vor allem Männer, sollten dazu ermutigt werden, Lese-Vorbilder für ihre Kinder zu sein. Fördern Sie Aktivitäten wobei ältere Kinder den jüngeren etwas vorlesen. Diese Art von Mentoring hat einen doppelten Nutzen: Jüngere Kinder bekommen die Aufmerksamkeit der Älteren, die wiederum ihr eigenes Selbstwertgefühl stärken, indem sie zu Lese-Vorbildern werden.
  • Betonen Sie Entscheidungsfreiheit. Lesemotivation hängt von der Möglichkeit ab, sich selbst auszusuchen, was man lesen möchte. Beachten Sie, dass die freie Wahl des Lesematerials nicht zwangsläufig bestimmen muss, wie viel gelesen wird.
  • Richten Sie Ihre Arbeit nach den (Lese-) Interessen der verschiedenen Zielgruppen.
  • Wählen Sie Leseprogramme für den Sommer. Sorgen Sie für die Zusammenarbeit zwischen Schulen und öffentlichen Bibliotheken. Machen Sie den Eltern den pädagogischen Nutzen bewusst.
  • Setzen Sie klare, erreichbare Ziele und bewerten Sie.

 

Jonas Andersson arbeitet beim Schwedischen Kulturrat (Swedish Arts Council) im Bereich Leseförderung und hat einen Ph.D. in Vergleichender Literaturwissenschaft. Er ist auch der Autor eines neuen Buches, das sich mit Methoden und Recherche im Bereich Leseförderung in Schweden beschäftigt: The Target of Reading (Das Ziel des Lesens).

 

 

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