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Blog

Informationskompetenz - Der Umgang mit Informationen aus dem Netz

12/12/2019
de Susanne Witt
Limba: DE

Lesedauer circa sieben Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Informationen sind heute allgegenwärtig. Doch welche Informationen werden benötigt? Wo findet man entsprechende Inhalte? Welche Fundstücke sind vertrauenswürdig und verwertbar? Wie verarbeitet man die gefundenen und validen Informationen und stellt diese ggf. wieder zur Verfügung? Informationskompetenz ist die Schlüsselqualifikation, nicht nur in Studium, Forschung und Beruf, auch in der Erwachsenen- und Weiterbildung für Lehrende wie Lernende.

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Bibliothek - analog und digital
Die moderne Informationsgesellschaft ist einem Überfluss an Informationsflüssen ausgesetzt. Die Auswahl und Verwertung valider Informationen wird u. a. auch durch bewusst gestreute Falschnachrichten/-informationen erschwert. Die Kommission Informationskompetenz des Deutschen Bibliotheksverbands und des Vereins Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare definierte den Referenzrahmen Informationskompetenz mit dem Ziel die IK in der Gesellschaft zu fördern. Der Referenzrahmen definiert verschiedene Niveaustufen, vergleichbar mit dem Europäischen Referenzrahmen für Sprachen, von A1 bis C2. Die Vermittlung der Informationskompetenz ist eine Kernaufgabe wissenschaftlicher und öffentlicher Bibliotheken. Zur Förderung der Informationskompetenz in allen Bildungskontexten wurden Leitlinien erstellt und Checklisten erarbeitet. Diese finden Sie auf informationskompetenz.de.

Die Definition der Informationskompetenz verändert sich mit fortschreitender Entwicklung der Lebenswelt. Im Jahr 2006 wurde die IK definiert als Fähigkeit, bezogen auf ein bestimmtes Problem

  • Informationsbedarf zu erkennen
  • Informationen zu ermitteln
  • Informationen zu bewerten und effektiv zu nutzen

(http://www.informationskompetenz.de, Stand: 01.06.2006)

Im Fokus steht heute der selbstbestimmte, souveräne, verantwortliche und zielgerichtete Umgang mit Informationen. Dieser Umgang erfolgt nach grundlegenden Prinzipien ethisch, verantwortlich, ökonomisch, effizient und effektiv (Ballod, 2005). Als Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts wird die IK aufgrund der Möglichkeiten zum Austausch und zur Teilhabe weiter gefasst als der ursprüngliche Ansatz aus der Bibliothekswissenschaft.

Referenzrahmen Informationskompetenz

Anhand von fünf Teilkompetenzen kann laut Referenzrahmen die Abfolge der Lernschritte bei der Wissensaneignung beschrieben werden: Suchen, Prüfen, Wissen, Darstellen und Weitergeben. Jede dieser Teilkompetenzen wird wiederum in vier Arbeitsschritte bzw. Kriterien unterteilt. Jeder dieser Arbeitsschritte erfolgt auf einer der Niveaustufen A1 bis C2.

Die einzelnen Teilkompetenzen gliedern sich demnach in folgende Arbeitsschritte

  • Suchen: Wissensbedarf formulieren, Quellen finden, Quellen auswählen und Informationen isolieren
  • Prüfen: Thematische Relevanz, Sachliche Richtigkeit, Formale Richtigkeit, Vollständigkeit
  • Wissen: Formulieren, Vergleichen, Einordnen, Strukturieren
  • Darstellen: Einfachheit, Semantische Redundanz, Kognitive Strukturierung, Kognitiver Konflikt
  • Weitergeben: Nutzungsbedingungen klären, Zitate kennzeichnen, Quellen nennen, Netzwerke nutzen (Deutscher Bibliotheksverband, 2019)

Die vollständige Übersicht der Teilkategorien bis hinunter auf die Beschreibung jeder einzelnen Niveaustufe finden Sie auf der Seite Informationskompetenz.

Fake News erkennen

Die International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) entwickelte die InfografikFake News Erkennen“, die die Prüfung von Nachrichten und Informationen aus dem Netz erleichtert. Sie ist in 37 Sprachen erhältlich und darf laut IFLA gern geteilt werden. Acht Fragen stehen für die User im Fokus:

  • Beachte die Quelle!
  • Lies weiter!
  • Prüfe den Autor!
  • Bewerte die Quellen!
  • Achte auf das Datum!
  • Ist es ein Witz?
  • Was denkst du?
  • Frag einen Experten!

Das Schlüsselloch

Manchmal ist es so, dass die vermittelten Informationen in einem Beitrag stimmen, man aber dennoch falsche Schlüsse zieht, weil der Autor/ die Autorin nur einen Bruchteil der Information fokussiert und damit den Gesamteindruck verfälscht. Gerade in der aktuellen politischen Diskussion findet man hierzu Beispiele (s.u.).  So wurde von Seiten einer politischen Strömung in einem Facebook-Post (September 2019) die Anzahl der Straftaten begangen von Zugewanderten im Jahr 2018 als Beweis für eine Bedrohung betitelt. Unterschlagen wurde jedoch die Gesamtzahl der Straftaten aus dem Bericht des Bundeskriminalamtes.

Insgesamt wurden 296.226 Straftaten im Jahr 2018 mit einem Zugewanderten als Tatverdächtigen aufgeklärt (Schlüsselloch). Bei dem Post unberücksichtigt blieben oder besser verschwiegen wurde dabei folgender Tatbestand: Insgesamt wurden in dem Zeitraum 3.045.321 Straftaten aufgeklärt (Gesamtbild). Das heißt, dass der Anteil aller aufgeklärten Straftaten mit Zugewanderten als Tatverdächtigen im Jahr 2018 bei 9,73 Prozent lag (Quelle: BKA, 2018).


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Informationskompetenz_Bildmanipulation
Bei der Bildberichterstattung entscheidet die Kameraperspektive, was der Zuschauer bzw. Betrachter sieht. Historisch bestes Beispiel sind Staatsmänner, wie Adolf Hitler. Er ließ sich vorzugsweise von unten fotografieren und wirkte so größer. Der 1,75m große Mann stand zudem oft erhöht auf einem Podest.

Ähnlich zeigen heute viele Bilder den amerikanischen Präsidenten häufig aus einer niedrigeren Perspektive.

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Informationskompetenz_Trump_EPALE
Bei der Vogelperspektive würde jede Person kleiner erscheinen. Dafür stünde dem Betrachter eine Übersicht zur Verfügung. Auch unterscheiden sich die Kameraeinstellungen hinsichtlich Weite und Fokussierung, ebenso ist die Lichteinwirkung eine weitere zu berücksichtigende Komponente. Eine kurze Einführung in die Wirkung von Kameraperspektive bietet planet schule im Wissenspool „Bedeutung und Funktion der Kameraperspektiven“. Wie Bildmanipulationen entstehen, zeigt das folgende Video: „So täuschen uns Bilder | Bildmanipulation“ von Terra X.

Die technischen Möglichkeiten der Bildbearbeitung machen es Laien zunehmend schwerer, wenn nicht unmöglich, Veränderungen zu erkennen. Das folgende Bild verwirrt im ersten Moment oder lässt den Betrachter stutzen. Hier ist die Bildbearbeitung inhaltlich jedoch schnell zu erkennen.


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Informationskompetenz_Bildmanipulation_Tifersittich

Fotos und Bildmaterial geben den Meldungen Emotionen. Die Manipulation ist dabei so alt wie das Bild. Einen Einblick in die Welt der Fotokünstler und ihre Ziele gibt der Artikel „Diese Bilder lügen – manipulierte Bilder“, verfasst von David King.

Vorsicht bei Preprints

Auf Browsern wie Google Scholar finden Nutzer/innen wissenschaftliche Publikationen. Die Tatsache, dass diese veröffentlicht sind, ist dabei noch kein Qualitätsmerkmal. Erst mit dem Vermerk „peer review“ oder „Gutachter“ kann der / die Nutzer*in sicher sein, dass das Werk auf Qualität geprüft wurde. Preprints sind dagegen ungeprüfte Vorabveröffentlichungen, die ggf. noch einem Prüfverfahren unterzogen werden. Bei diesen kann der / die User*in erfahren, ob ein Preprint abgelehnt wurde.

Fazit

Heute erfordern Nachrichten in jedem Medium eine kritische Analyse des Adressaten hinsichtlich Quelle, Wahrheitsgehalt, Einordnung und Zuverlässigkeit. Die Informationsflut macht es dem Nutzer / der Nutzerin nicht einfacher. Dabei ist es egal, ob es sich um eine Infografik, einen Text oder ein Bild bzw. einen Film handelt. Der Rezipient ist dazu aufgefordert, jede Information zu hinterfragen.

Der Referenzrahmen des Deutschen Bibliotheksverbandes kann bei dem Erwerb der eigenen Informationskompetenz mittels des Fragenkatalogs der einzelnen Niveaustufen hilfreich sein. Die hier aufgeführten Fragen können als Leitfaden eingesetzt werden.


Über die Autorin: Susanne Witt ist Sportwissenschaftlerin und Journalistin. Sie arbeitet im Deutschen Institut für Erwachsenenbildung als Redakteurin für die Portale wb-web und EPALE. Seit 2019 ist sie zudem EPALE Botschafterin.


Lesen Sie hierzu auch:

Was müssen Sie beim Umgang mit Informationen aus dem Internet beachten? (Blogbeitrag)

Bürgerakademie für Medienkompetenz (Blogbeitrag)

Kritische Medienkompetenz und Erwachsenenbildung: Ein Dossier. (Ressource)

Quellenangaben / Bildrechte:

  • Deutscher Bibliotheksverband e.V. (Hrsg.). Informationskompetenz.de
  • International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) (Hrsg.). Fake News Erkennen.
  • Ballod, Matthias (2005). Informationskompetenz. Dimensionen eines Begriffs. In: Computer und Unterricht. Jg. 15, H. 59, S. 44–46.
  • Nando Stöcklin: Informations- und Kommunikationskompetenz – das «Lesen und Schreiben» der ICT-Kultur. In: MedienPädagogik – Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 22. Juni 2012
  • Abbildung: Facebook-Post vom 10. September 2019, Screenshot Facebook vom 9.12.2019 (Susanne Witt)
  • Abbildung: "Triumph des Willens". - Hitlers Hofberichtertatterin Leni Riefenstahl vom Reichsparteitag in Nürnberg 1934 / Flickr.com / quapan / CC BY)
  • Abbildung: Trump (Photo by Gage Skidmore, courtesy of Creative Commons)
  • Abbildung: Tigersittich (Bild: SarahRichterArt / Pixabay.com; Pixabay License)
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