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Bildungswandel statt Klimawandel!

09/07/2020
door EPALE Österreich
Taal: DE
Document available also in: EN HR

Klimawandel – eine weltweite Herausforderung

Wir leben im Zeitalter des Anthropozäns, in dem die Menschheit sich angeschickt hat, das Klimasystem in hoher Geschwindigkeit massiv aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dieser Prozess verändert planetarische Bedingungen wie das kritische Gleichgewicht der Ökosysteme, die biologische Vielfalt und die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen. Der Schutz dieser Systeme und Ressourcen ist für die Menschheit unverzichtbar, bilden sie doch die Grundlage unseres Lebens. Wenn wir wie in den letzten zwei Jahrhunderten an unserem Tun festhalten, besteht die Gefahr, dass die Durchschnittstemperaturen der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis fünf Grad über den Temperaturen des vorindustriellen Zeitalters liegen werden. Anders ausgedrückt: Der Temperaturunterschied zwischen unserer Periode und der letzten Eiszeit, in der ein großer Teil unseres Kontinents von einer massiven Eisschicht bedeckt war, beträgt fünf Grad Celsius. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unser Kontinent und unsere Welt ihr Gesicht in den nächsten Jahrzehnten vollkommen verändern werden und dass wir mit einer Vielzahl von systemischen Klima-, Gesundheits- und Biodiversitätskrisen rechnen müssen.

Bildung, ein wichtiger Faktor zur Eindämmung des Klimawandels und zur Anpassung

Die Prämisse der Bildung über den Klimawandel (Education for Climate Change, ECC) lautet, dass es zwar notwendig ist, innovative technologische Lösungen zu entwickeln, verbindlichere Gesetze und Vorschriften zu beschließen und frische finanzielle Mittel bereitzustellen, dass dies aber nicht ausreicht, um die gesellschaftliche Anpassung an den bestehenden und zukünftigen Klimawandel erfolgreich zu bewerkstelligen. Dazu ist es unerlässlich, einen Wandel der Werte, Einstellungen und Fähigkeiten der Menschen herbeizuführen – und dieser Wandel kann nur durch Bildung (ob formell, nicht formell oder informell) erreicht werden. Die bildungsbasierte Strategie ist besonders wichtig für gefährdete Gemeinschaften (definiert durch soziale, wirtschaftliche und geographische Parameter), da in diesen Gruppen alternative Strategien, die auf dem Zugang zu innovativen Technologien und finanziellen und administrativen Ressourcen basieren, per definitionem weniger realistisch sind.  

Erasmus+-Partnerschaft „Fertigkeiten für die Bildung über den Klimawandel in gefährdeten Gemeinschaften“

Im Jahr 2017 riefen die rumänische NGO REPER21 (Koordinator) und ihre Partnerorganisationen Connected by Nature (Frankreich) und Fondazione Ecosistemi (Italien) eine strategische KA2-Partnerschaft mit dem Titel „Fertigkeiten für die Bildung über den Klimawandel in gefährdeten Gemeinschaften“ ins Leben. Ziel des Projekts war es, eine offene Bildungsressource zu schaffen, die ein Kompetenzprofil (definiert als eine Reihe von Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen) vermittelt, über das Lehrende/Ausbildende/Aktivistinnen und Aktivisten verfügen sollten, um ECC erfolgreich in ihre Bildungsaktivitäten einzubauen. Die offene Bildungsressource ist verfügbar unter www.competencesclimatiques.eu.

Die Begünstigten des Projekts – 12 rumänische Lehrkräfte, 12 französische Gemeindeaktivistinnen und ‑aktivisten und 12 italienische Umweltberater/innen – führten auf der Grundlage des Programms über 100 Bildungsmaßnahmen in verschiedenen gefährdeten Gemeinschaften in ihren Ländern durch, von denen über 5.000 Begünstigte profitierten. Im Zentrum standen Mitigations- und Anpassungsmaßnahmen sowie theoretische und erfahrungsorientierte Aktivitäten.

Auf der jüngsten EPALE Online-Konferenz 2020 wurde das Kompetenzprofil anhand des 3H-Modells (Head, Heart, Hands) diskutiert. Dabei wurden die Teilnehmer/innen gebeten, in Word-Clouds die wichtigsten Kenntnisse, Fertigkeiten und Einstellungen zu nennen, über die Erasmus+-Trainer/innen verfügen sollten, um ECC in ihre Schulungskurse zu integrieren. Das waren die Ergebnisse:

Werte vorleben

Dem Projektteam war es wichtig, nicht nur theoretisch über den Klimawandel zu sprechen, sondern auch praktische Maßnahmen zu setzen. Die Aktivitäten beruhten auf den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung und des Instruments „Societal“, das von 2010 bis 2013 von REPER21 gemeinsam mit ANPCDEFP (der rumänischen Erasmus+-Agentur) entwickelt worden war.

Einer der beiden im Rahmen des Projekts durchgeführten Schulungskurse fand in der Bergerie de Villarceaux (Frankreich) statt. Die Bergerie steht im Eigentum der Stiftung Charles Léopold Mayer für den Fortschritt der Menschheit (FPH). Nach dem Erwerb des einstigen Schafstalls durch die Stiftung entwickelte sich das Gehöft im Laufe von zwei Jahrzehnten zu einem Ort der Reflexion und der Ausbildung für die französische und die europäische Zivilgesellschaft. Heute ist die Bergerie de Villarceaux ein sogenanntes Ökozentrum, umgeben von rund 600 Hektar nachhaltig genutzten Wäldern und biologisch bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen. Der Ansatz der FPH ermöglichte es den Organisatoren, die Teilnehmer/innen mit lokalen, saisonalen Lebensmitteln zu versorgen, deren Transportweg kaum einen Kilometer betrug. Außerdem wurden die Teilnehmer/innen gebeten, umweltfreundliche Transportmittel (Carsharing, Busse, Züge) zu nutzen, und für die Veranstaltung wurden keine Unterlagen gedruckt.

Autorinnen: 

Ana-Maria Marinescu-Pălăduș ist Inhaberin eines Research-Master-Abschlusses in Internationalen Beziehungen vom Institut für politische Studien Paris. 2006 war sie Mitbegründerin der rumänischen NGO REPER21 (Europäisches Netzwerk zur Förderung einer verantwortungsbewussten Wirtschaft, 21. Jahrhundert). Seitdem ist sie als Vizepräsidentin verantwortlich für die verschiedenen nationalen und EU-weiten Programme der Organisation, vor allem in den Bereichen Klimawandel und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Gabriele Slezak promovierte in Afrikanistik an der Universität Wien, wo sie derzeit als leitende Wissenschaftlerin und Dozentin tätig ist. In der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) leitet sie ein Projekt zum Thema Global Citizenship Education mit besonderem Fokus auf den Bereichen nachhaltige Entwicklung und transdisziplinäre Forschung.

Der Artikel basiert auf den Ergebnissen des Erasmus+ KA2-Projekts „Fertigkeiten für die Bildung über den Klimawandel in gefährdeten Gemeinschaften“, welches im Rahmen der EPALE-Konferenz 2020 in einem Ideen- und Networkingpools vorgestellt wurde. 

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