chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE - Elektronisch platform voor volwasseneneducatie in Europa

Blogs

INEBB – Lernaufgaben des Modellversuchs

24/03/2020
door Ursula Voßwinkel
Taal: DE

Lesedauer circa sieben Minuten – Lesen, liken und kommentieren!


Lernaufgabe: Werte bestimmen das Handeln.

Strategische Entscheidungen werden von Menschen getroffen und basieren auf einem Wertegerüst. Unternehmen als Teil der Gesellschaft orientieren sich an allgemeinen Grundwerten und geben sich eine innere Verfassung in Form eines Leitbildes. Das System aller Werte ist aber nicht widerspruchsfrei. So wird nachhaltiges Wirtschaften und Gewinnerzielung oft als Widerspruch gesehen.

Mit dieser Lernaufgabe wird folgende Kernkompetenz gestärkt:

  • Soziale Sensibilität, interkulturelle Kompetenz und Bereitschaft zu globaler Perspektive individuellen Handelns.

  • Werteorientierung im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung, wie Wirtschaftsethik, Solidarität, Toleranz, Verantwortungsbewusstsein.

BIBB_Modellprojekt INEBB_Lernaufgabe

 

Abb. Das Szenario verdeutlicht eine Dilemmasituation, für die mögliche Lösungen gesucht werden.

  
Was wird gelernt?

An der Situation und Problemstellung der Familie Baumann wird deutlich, in welches Dilemma Unternehmen geraten können und dass es zumeist verschiedene Handlungsoptionen gibt. Als Einstieg in das Thema Werte diskutieren die Teilnehmenden zunächst in Form einer Partnerarbeit, wie sie in der Lage von Frank Baumann handeln würden. Die Lösungsvorschläge werden im Plenum diskutiert und bewertet: Welche sind im Sinne der Nachhaltigkeit vertretbar? Und warum hat das eigene lokale Handeln globale Auswirkungen?

Die Teilnehmenden sollen erkennen, dass oft nur als Schutzbehauptung vor Verantwortung geäußert wird, dass der Wert des Wohlstands im krassen Widerspruch zum Wert Nachhaltigkeit steht. Am Beispiel der Familie Baumann soll deutlich werden, dass ein solches Konkurrenzverhalten nur scheinbar existiert und aufgelöst werden kann. Die Teilnehmenden reflektieren Lösungsansätze an weiteren Best- und Bad-Practice-Beispielen und berichten über eigene Erfahrungen. In Zusammenhang mit der Leitbildentwicklung lernen die Teilnehmenden auch die Grundsätze des Ehrbaren Kaufmanns und den Unterschied zum Nachhaltigkeitsmanagement als ganzheitlichen Ansatz kennen.

  

Lernaufgabe: Verantwortung übernehmen – neues Verpackungsgesetz

Das Thema Verpackungen ist für den Handel wesentlich und birgt für die Kreislaufwirtschaft großes Potenzial. Mit dem Verpackungsgesetz vom 1. Januar 2019 müssen Hersteller von Verpackungen mehr Verantwortung übernehmen. Ziel ist es, das Recycling – aber auch die Vermeidung – von Verpackungsabfällen noch stärker zu fördern. Mit dieser Lernaufgabe wird folgende Kernkompetenz gestärkt:

  • Verstehen kreislaufwirtschaftlicher Strukturen und Lebenszyklen.

Kundinnen und Kunden achten nicht nur auf die Herkunft der Waren, auf fairen Handel, Gütesiegel, sondern auch auf die Verpackungen. Denn die Herstellung von Verpackungen ist stets mit großen Umweltbelastungen verbunden.

BIBB_Modellprojekt INEBB_Lernaufgabe 2

Abb. Das Szenario verdeutlicht die komplexe Situation mit Verpackungen und deren Recycling

  

Was wird gelernt?

An Beispielen werden zunächst die Folgen des Verpackungsmülls verdeutlicht, allem voran Plastik in den Meeren, auch in Form von Mikroplastik. Es werden die Strategien zur Vermeidung, zur Minimierung und zur Wiederverwendung von Verpackungen im Handel an konkreten Beispielen besprochen. Die Teilnehmenden lernen, dass das Vermeiden von Verpackungen die größten Effekte bringt, danach kommen die Wiederverwendung und das Recycling.

Die Teilnehmenden benennen Verpackungen aus ihrem Unternehmen und bewerten diese nach Recycelbarkeit und umweltgerechter Entsorgung. Sie lernen Alternativen zu Kunststoffverpackungen kennen und setzen sich mit umweltgerechtem Verpackungsmaterial und deren Zielen auseinander. Sie lernen, dass Verpackungen wichtige Wertstoffe sind, die wieder in den Stoffkreislauf zurückzuführen sind. Besonders Verpackungen aus Kunststoff müssen nicht nur sparsam und sinnvoll eingesetzt werden, sondern auch frei von giftigen Chemikalien sein, damit sie sortenrein recycelt werden können. Anhand von Videos wird das Prinzip der Kreislaufwirtschaft verdeutlicht. An Best-Practice-Beispielen lernen die Teilnehmenden CO2-neutrale Verpackungen und solche aus nachwachsenden Rohstoffen sowie innovative Verpackungslösungen kennen.

Mit dem Verzicht des Handels auf die kostenlose Abgabe der Plastiktüten wird auch ein Zielkonflikt sichtbar, wenn stattdessen Papiertüten verwendet werden. Denn für die Herstellung von Papier werden ebenso wie für Plastik natürliche Ressourcen verbraucht.

Auch Verfahren wie biologisch abbaubare Kunststoffe oder nicht recycelbare Verbundstoffe werden kritisch betrachtet. So ist Bioplastik in der Herstellung nicht energieeffizienter als Plastik aus Erdöl und verbraucht zudem landwirtschaftliche Flächen. Bioplastik mutet zwar ökologisch an, gehört aber weder auf dem Kompost noch in die gelbe Wertstofftonne. Ebenso wie aluminiumbeschichtete Verbundstoffe werden biologisch abbaubare Kunststoffe nur energetisch verwertet.

Zum Abschluss diskutieren die Teilnehmenden anhand von Best-Practice alternative nachhaltige Lösungen und Modelle wie z. B. Share-Produkte oder Geschäftsmodell der Unverpackt-Läden. Ausbilderinnen und Ausbilder werden motiviert, durch eigenes nachhaltiges Alltagshandeln Ressourcen zu schonen und ihre Auszubildenden ebenfalls dazu anzuhalten.

  

Lernaufgabe: Nachhaltigkeits-Kommunikation und Greenwashing

Diese Lernaufgabe knüpft unmittelbar an die vorangegangene – Arbeitgebermarke entwickeln – an und vertieft Wissen aus dem Modul Positionierungsstrategie. Es werden folgende Kernkompetenzen gestärkt:

  • Kommunikations- und Beratungskompetenz zur Gestaltung von Netzwerken sowie Fähigkeit zum konstruktiven Umgang mit Konflikten und scheinbaren Widersprüchen.

  • Werteorientierung im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung, wie Wirtschaftsethik, Solidarität, Toleranz, Verantwortungsbewusstsein.

BIBB_Modellprojekt INEBB_Lernaufgabe 3

Abb. Das Szenario verdeutlicht, dass Nachhaltigkeitskommunikation auf Werten basiert und gelbt werden muss.

  

Was wird gelernt?

Die Teilnehmenden lernen, dass eine Firmen-Homepage ein wichtiges Leitmedium in der Nachhaltigkeitskommunikation ist. Diese dient nicht nur der Absatzwerbung, sondern sollte auch einen Bereich für die Kommunikation mit den übrigen Stakeholdern beinhalten und Einblicke in die Arbeitswelt geben. Auch soziale Medien spielen dabei eine wichtige Rolle.

Als Einstieg in das Thema bewerten die Teilnehmenden die Karriereseiten der Homepages sowie entsprechende Printmedien aller anwesenden Firmen. Für die Bewertung verwenden sie das Aufgabenblatt aus der Arbeitsmappe mit den Bewertungskriterien. Nach dem Durchlauf werden die einzelnen Websites aufgerufen und im Plenum ausgewertet. Positive Aspekte, Anregungen und Defizite werden jeweils diskutiert und vom Betreffenden aufgenommen. Die Bewertungsbögen zu den einzelnen Websites dienen als Gedankenstütze, um im Unternehmen Verbesserungen anzuregen.

Die Teilnehmenden tauschen sich auch darüber aus, welche Bedeutung die sozialen Medien im Rahmen der Arbeitgeberkommunikation spielen und wie man die Auszubildenden sinnvoll einbinden kann. Im zweiten Teil der Lernaufgabe werden zur Vertiefung Best-Practice und Bad-Practice-Beispiele anderer Unternehmen präsentiert und bewertet.

  

BIBB_Modellprojekt INEBB_Lernaufgabe 4

Abb. Das Szenario regt zum Nachdenken über verantwortliches gesellschaftliches Handeln an

  

Was wird gelernt?

Die Teilnehmenden verstehen, dass Nachhaltigkeitskommunikation eng mit den Unternehmenszielen und einer nachhaltigen Unternehmensführung verknüpft ist. Sie ist kein Marketinginstrument, sondern soll Vertrauen in die Unternehmensführung aufbauen, indem sie die Interessen der Stakeholder im Blick hat. Dazu ist ein Perspektivwechsel erforderlich.

Die Teilnehmenden lernen am Beispiel der Baumanns den Begriff Greenwashing (also sich

grün waschen) kennen, der das Gegenteil von Nachhaltigkeitskommunikation ist. Greenwashing betreibt, wer zu Unrecht nachhaltiges Engagement für sich in Anspruch nimmt. Oft wird z. B. einfaches Sponsoring, was nicht mit dem Kerngeschäft verbunden ist, mit echtem gesellschaftlichem Engagement verwechselt und medienwirksam in Szene gesetzt.

Der Weg zu einer nachhaltig orientierten Unternehmensführung ist weit und beginnt mit kleinen Schritten. Die Teilnehmenden lernen, dass Vertrauen und Glaubwürdigkeit nur von innen nach außen entwickelt werden können. Oft klafft noch eine Lücke zwischen selbstdefiniertem Anspruch und den Strukturen oder der Umsetzung im Unternehmen. Wie damit umgehen? Die Teilnehmenden erkennen, dass man mit einer transparenten Kommunikation auch Defizite oder ungelöste Probleme ansprechen kann. Wichtig ist, im Leitbild also nur solche Ziele und Versprechen zu machen, die der Überprüfung Stand halten.

  

Lesen Sie auch den Blogbeitrag zum Modellversuch „INEBB – Integration nachhaltiger Entwicklung in die Berufsbildung“!

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn Share on email