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Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung

Welche Kompetenzen sind nötig, um in Ausbildung und Beruf nachhaltig handeln zu können? Wie müssen „nachhaltige“ Lernorte aussehen? Die BBNE Modellversuche des Bundesinstituts für Berufsbildung liefern hier Antworten. Lesen Sie mehr!

Lesedauer circa fünf Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Logo_BBNE im BiBB
Welche Kompetenzen sind nötig, um in der Ausbildung oder im Beruf nachhaltig handeln zu können? Wie muss ein Lernort aussehen, in dem Nachhaltigkeit „gelebt“ wird? Diesen und weiteren Fragen gehen die Modellversuche und wissenschaftlichen Begleitungen im Förderschwerpunkt „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung“ nach, den das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) fördert.

  

Denn Nachhaltigkeit ist inzwischen eine der elementarsten Fragen unserer Zeit und längst kein Nischenthema mehr. Die „Fridays for Future“-Bewegung ist eines der prominentesten Beispiele, weitere wären unter anderem neue Gesetze und Richtlinien zur Reduzierung von Verpackungen, der Sicherung sozialer Standards in der Lieferkette oder der Berichtspflicht zur Nachhaltigkeit und „corporate social responsibility“ (CSR). Für Arbeitgeber, die Nachwuchs anwerben wollen, spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle, denn immer mehr junge Menschen erwarten von ihrem Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb eine sinnstiftende Tätigkeit, bei der sie die Arbeitswelt im Sinne der Nachhaltigkeit gestalten können. Und auf der Kundenseite wandeln sich die Anforderungen hin zu ökologischeren oder fair gehandelten Produkten.

  

Bewusstseinsbildung durch Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung

Screenshot Nachhaltigkeit in der Berufsbildung_BBNE BiBB
Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) muss dafür die notwendigen Kompetenzen fördern. Denn die Arbeitswelt wird als kritischer Ort identifiziert, in dem sich entscheidende Innovationen eines Transformationsprozesses vollziehen. So können z. B. Handelsunternehmen Einfluss auf die Entscheidungen und Gewohnheiten der Verbraucher/-innen nehmen. Möglichkeiten zur nachhaltige(re)n Gestaltung ergeben sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Produktion über den Transport bis zur Interaktion mit den Kunden am „point of sale“. Dazu zählt auch, Werte und Zielkonflikte einzubeziehen. Denn eine Berufsbildung, die auf nachhaltige Entwicklung und die Befähigung zu nachhaltigem Denken und Handeln abzielt, sollte nicht nur isoliert Fachinhalte aufgreifen, wie z. B. das Lernen von Bio- und Nachhaltigkeitssiegeln im Rahmen der Warenkunde. Regionale, saisonale Bio-Lebensmittel könnten Auszubildende auch verkaufen, ohne sich deren Bedeutung für den Klimaschutz bewusst zu sein. BBNE ist damit immer auch Bewusstseinsbildung.

  

Der Ansatz der BBNE ist, dass jeder Beruf und jedes Unternehmen nachhaltig(er) werden kann. Deshalb sollte Nachhaltigkeit nicht als zusätzliche allgemeine Lerneinheit „on top“ gesetzt werden. Vielmehr scheint ein induktives Vorgehen sinnvoll, bei dem bereits vorhandene Inhalte und Tätigkeiten eines jeweiligen Berufes „bottom up“ durch die „Nachhaltigkeitsbrille“ betrachtet werden. Kaufleute im Einzelhandel haben andere Ansatzpunkte als Stuckateur/-innen oder Hauswirtschafter/-innen. Diese Potenziale gilt es berufsspezifisch zu identifizieren, als Kompetenzen zu fördern und im Unternehmen zu ermöglichen.

  

BBNE durch Kooperation von Wissenschaft und Praxis

Genau an dieser Stelle setzen die Modellversuche zur BBNE an. Modellversuche können verstanden werden als auf Lernen und Veränderung angelegte Innovationspartnerschaften zwischen Wissenschaft und Praxis (und Politik), in welcher Verbesserungen der betrieblichen Berufsbildung entwickelt, erprobt und für den Transfer aufbereitet werden. Anders als klassische Forschungs- und Entwicklungsprojekten folgen Modellversuche damit einem gestaltungsorientierten Ansatz, bei dem Wissenschaftler/-innen und Praktiker/-innen ihr jeweiliges Expertenwissen in ein Projekt einbringen und damit gemeinsam und auf Augenhöhe innovative Lösungen für die Praxis entwickeln und erproben und gleichzeitig neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Theorien oder Modelle generieren und prüfen. Insbesondere für die großen gesamtgesellschaftlichen Fragen wie nachhaltige Entwicklung eignen sich Modellversuche somit in besonderer Weise.

  

qr-code_BBNE BiBB
Der Förderschwerpunkt BBNE brachte bereits vielfältige innovative Lösungen hervor. Darunter befinden sich beispielsweise berufsspezifische Lehr-Lern-Materialien für Auszubildende unterschiedlicher Berufe, z. B. in der Spedition/Logistik oder im Einzelhandel, ganze Curricula mit Trainerleitfäden, Handbüchern und Seminarunterlagen zur Qualifizierung von Ausbilderinnen und Ausbildern oder unterschiedliche Innovations-Tools und praxisgerechte Gestaltungshilfen zur Weiterentwicklung nachhaltiger (betrieblicher) Lernorte. Solche und weitere Ergebnisse und Produkte der Modellversuche sind über die BBNE-Homepage des BIBB oder direkt über den nebenstehenden QR-Code zumeist als „open access“ kostenfrei als Download oder Verlinkung abrufbar.

  

Im Folgenden werden drei der BBNE-Modellversuche genauer vorgestellt, die für EPALE besonders spannend sind:

  • Geschäftsmodell- und Kompetenzentwicklung für nachhaltiges Wirtschaften (GEKONAWI): Unter der Schirmherrschaft der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg wurden zusammen mit der Universität Oldenburg Fortbildungsmodule für Ausbilder/-innen im Bereich nachhaltiges Wirtschaften im Einzel- sowie Groß- und Außenhandel entwickelt, bereits in mehreren Durchläufen durchgeführt und evaluiert. Die Module sind auch für Geschäftsführungen oder Berufsschullehrkräfte geeignet. Zentrale Produkte des Modellversuchs sind das Handbuch zur Fortbildung sowie eine Praxishandreichung mit Selbstlernmaterialien für Ausbildende und Auszubildende.

  • Integration Nachhaltiger Entwicklung in die Berufsbildung (INEBB): Die Bundesvereinigung Nachhaltigkeit e.V., comkomm Unternehmenskommunikation und Markenführung GmbH und das Institut für Zukunftsorientierte Arbeitsgestaltung gGmbH entwickelten ein Weiterbildungsangebot für betriebliches Bildungspersonal im Handel. Die Weiterbildung wurde bereits mehrfach über die IHK Magdeburg durchgeführt, die Teilnehmer erhalten die IHK-Zertifizierung „Fachkraft Ausbildung für nachhaltige Entwicklung (IHK)“. Als zentrale Ergebnisse stehen die sehr anschaulichen und praxisnahen Seminarunterlagen und Kompetenzbeschreibungen als Lernziele kostenfrei zur Verfügung.

  • Ausbildung fördert nachhaltige Lernorte in der Industrie (ANLIN): Die Verbundpartner Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH, Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services GmbH, Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft e.V. und Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH fördern nachhaltige Lernorte in der chemischen und metallverarbeitenden Industrie durch miteinander verknüpfte Maßnahmen der Organisations- und Personalentwicklung. Dazu zählen unter anderem Qualifizierungen für das Ausbildungspersonal und die Auszubildenden, die mit jeweils schon über 100 Teilnehmenden erprobt wurden. Ein weiteres zentrales Ergebnis von ANLIN ist ein Branchenleitfaden für die chemische Industrie, den das Projekt zusammen mit der Brancheninitiative Chemie3 veröffentlichen konnte.

  

Was an den Modellversuchen fanden Sie spannend? Wozu hätten Sie gerne noch mehr Informationen oder zu welchen Punkten haben Sie Anmerkungen?
Melden Sie sich bei uns oder schreiben uns Ihre Rückmeldung in den Kommentaren!

  


Über den Autor: Christian Melzig ist Diplom-Psychologe und arbeitet seit 2012 als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Seit 2016 leitet er den Förderschwerpunkt der Modellversuche zur „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE)“.

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