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Leben und Lernen nur noch in hippen Megastädten?

04/02/2020
door Michael Sommer
Taal: DE

Lesedauer circa drei Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


ELM

Schätzungen zufolge werden bis 2050 6,5 Milliarden Menschen in städtischen Zentren auf der ganzen Welt leben - das sind zwei Drittel der projizierten Weltbevölkerung. Die Urbanisierung und Modernisierung bringt viele neue Lernmöglichkeiten hervor und verändert bestehende Orte. Ein Beispiel sind die Stadtbibliotheken, die sich zu urbanen Lernzentren wandeln.
Urban Learning in modernen Stadtbibliotheken

Stadtbibliotheken wurden schon immer als als Beispiele für städtisches Lernen angesehen. Urban Learning kann jedoch auch ausgefallene urbane Lernzentren, ungezwungene Begegnungen auf einem Universitätsgelände, Cafés mit Veranstaltungen, Grundschulausflüge in die Stadt und Menschen am Rande des Überlebens umfassen, die sich in den Warteschlangen treffen.

Besser im urbanen Lernort als alleine mit seinem Smartphone

In der neuen Ausgabe von ELM (European Lifelong Learning Magazine) zeigt Richard Stang, Professor an der Hochschule der Medien Stuttgart, wie in Städten in ganz Europa solche Häuser für Bildung, Kultur, Kommunikation und gemeinsame soziale Aktivitäten entstanden sind. „Der physische Raum erlangt seinen Status als Erfahrungsraum zurück, während sich der digitale Raum als weitgehend unbewohnbar und für den menschlichen Körper größtenteils unempfindlich erwiesen hat.“ Das bedeutet für Stang: das echte Miteinander im urbanen Raum ist für viele Menschen ein besserer Ort als die stillen Stunden mit einem digitalen Gerät. Menschen suchen nach nichtkommerziellen Räumen, so der Autor, in denen sie sich auf sinnvolle soziale Interaktionen und neue Erfahrungen einlassen können. Dies hat zur Entstehung städtischer Lernorte geführt, die zufälliges Lernen initiieren, anstatt die Besucher zu belehren.

Beispiel Dokk1 in Aarhus

Eines der jüngsten Beispiele für einen solchen Ort nennt Stang das Dokk1 in Aarhus, Dänemark.

Direkt am Wasser gelegen bietet dieser siebeneckige Bau offene Räume für Lernen, Kultur, Kommunikation und soziale Interaktion. Hier finden sich eine Bibliothek, Lernräume, Arbeitsplätze, einen Raum zum Spielen und Toben für Kinder, Computerspiele, ein Café und einen spektakulären Blick über das Wasser. Die mit modernster Ausstattung ausgestatteten Seminarräume stehen Bürgergruppen zur Verfügung.

Neben anderen Beispielen beschreibt er auch ein Projekt in Deutschland: das DAStietz in Chemnitz. Das ehemalige Kaufhaus beherbergt heute eine Bibliothek, eine Volkshochschule, ein Naturkundemuseum und die Neue Sächsische Galerie, ein Museum für zeitgenössische Kunst.

Helsinki als innovative Pilotstadt für lebenslanges Lernen

Lernen ist stark in die Stadtstrategie von Helsinki eingebunden. Die finnische Hauptstadt möchte eine innovative Pilotstadt für lebenslanges Lernen werden und die gesamte Stadt als Lernort für alle Altersgruppen nutzen, schreibt Gilbert Granholm in seinem Beitrag. Er zitiert Pia Pakarinen, die stellvertretende Bürgermeisterin für Bildung und Erziehung in der Stadt Helsinki: "Wir wollen ein Testgelände für alle Arten von Experimenten sein." Seit 2016 steht auf dem Lehrplan „phänomenbasiertes Lernen“, die die staatsbürgerlichen Kompetenz fördern soll, sich außerhalb der eigenen Nachbarschaft zu bewegen.

„Es gibt viele Kinder, die niemals mit ihren Eltern die Innenstadt von Helsinki besuchen. Ein Teil der staatsbürgerlichen Kompetenz besteht darin, sich außerhalb der eigenen Nachbarschaft zu bewegen. Es ist wichtig, in die Innenstadt zu gehen und kulturelle und künstlerische Einrichtungen zu erkunden.“ Die spektakuläre neue Oodi-Zentralbibliothek in Helsinki ist ein besonderer Anziehungspunkt für eine solche Lernumgebung.

Weitere Artikel der Ausgabe beschäftigen sich mit Storytelling als Methode, die Geschichte in der Stadt erlebbar zu machen, mit einem offenen Café, das sich als niederschwelliges Modelprojekt in Bratislava für Toleranz und Miteinander einsetzt und mit Forschungen zum Thema Lernen in Ballungszentren.

Neu: wissenschaftliche Artikel von jungen Forschern

Das Onlinemagazin ELM, das von der finnischen Stiftung für Erwachsenenbildung Kansanvalistusseura (KVS) herausgegeben wird, entwickelt derzeit einen neuen Bereich, in dem wissenschaftliche Artikel von jungen Forschen veröffentlicht werden (peer reviewed). Dieser Bereich wird vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) betreut. Das DIE sponsert außerdem ELM, das hauptsächlich vom finnischen Bildungsministerium finanziell gefördert wird. Die nächste Ausgabe dreht sich um das Lernen Älterer.

Das vierteljährlich erscheinende Magazin beschäftigt sich jeweils mit einem Hauptthema und veröffentlicht darüber hinaus aktuelle Beiträge zur Erwachsenenbildung. Es kann kostenfrei genutzt werden.

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Über den Autor: Dr. Michael Sommer ist Diplom-Journalist und war fünf Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter für Journalistik und Pädagogik. Seit 1993 ist er für die Akademie Klausenhof und die Katholische Erwachsenenbildung Deutschland (KEB) als Journalist, Pressereferent, verantw. Redakteur der Zeitschrift „Erwachsenenbildung“, in der medienpädagogischen Bildungsarbeit und in europäischen Projekten tätig. Er ist des Weiteren EPALE Botschafter.


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