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Wie bewirkt AFEST ein Hinterfragen und Weiterentwickeln von Schulungskonzepten und -methoden?

15/04/2019
door CARINE MARGERIE...
Taal: DE
Document available also in: FR EN

[Übersetzung (Französisch - Deutsch) : EPALE Frankreich]

 

Während des thematischen Meetings „Am Arbeitsplatz lernen und sich weiterbilden“ am 6. Mai 2019 leitete Thierry ARDOUIN, Universitätsprofessor für Erziehungswissenschaften und Koordinator des Bereichs „Ausbildungstechnik und Ausbildungssysteme“ für EPALE Frankreich, einen Runden Tisch zu der folgenden Frage:

„Wie bewirkt AFEST ein Hinterfragen und Weiterentwickeln von Schulungskonzepten und -methoden?“ 

Die Moderation sah vor, dass sich jeder der vier Redner anhand eines Bildes zu diesem Thema äußern konnte.

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Die Soziologin Solveig GRIMAULT berichtete von einer Erfahrung mit der Begleitung von unternehmensgründenden Arbeitssuchenden.

Das NACRE-Programm (Neue Unterstützung bei Gründung und Übernahme von Unternehmen), das sich an Arbeitssuchende richtet, läuft für die Dauer von drei Jahren. Wie eine Studie aus dem Jahr 2013 ergab, sichert dieses System den Werdegang von Arbeitssuchenden ab, die ihr eigenes Unternehmen gründen, und unterstützt die Lebensfähigkeit ihrer Unternehmen.

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Die Ergebnisse der Studie führten zu der Frage nach dem Beitrag der Umwelt, des Gebiets und seiner Ressourcen in den Prozessen der Unterstützung der Unternehmensgründung, die Solveig Grimault während des Runden Tisches und in einem Artikel[1] erörterte. Eine Umfrage unter den am NACRE-System beteiligten Akteuren zeigt die Bedeutung einer Umfrage vor Ort über die Ressourcen, die zur Schaffung eines kohärenten Netzwerks führen, das direkt mit dem tatsächlichen Projekt des Gründers verbunden ist, und zur Territorialisierung dieses Netzwerks, was eine vorwiegend theoretische Marktstudie nicht ermöglicht hätte. Mentoren, die bereits ein Unternehmen gegründet haben, bieten den Gründern Unterstützung bei der Entwicklung einer analytischen und strategischen Sichtweise. Dieses Mentoring-System begleitet den Gründer bei der Entwicklung seines Unternehmens und weit über die Gründung hinaus. Solveig Grimaud nennt dies „befähigende Unterstützung“, bei der die Unwissenheit der Gründer kein Problem darstellt. Der aktive Blick des Mentors bringt den Gründer dazu, sich Fragen zu stellen, Perspektiven zu eröffnen, vernachlässigte Ressourcen zu entdecken, „seine Umgebung zu erweitern“ und die Nachhaltigkeit des Unternehmens zu gewährleisten.

So stützt sich dieses System auf zwei Konzepte, die es dem Unternehmensgründer ermöglichen, unterstützt zu werden und zu lernen, ein Unternehmer zu sein: Sein Projekt dem lokalen Kontext anpassen und gleichzeitig auf diesen Kontext einwirken, um ihn seinem Gründungsprojekt anzupassen.

Alain MEIGNANT ist ein unabhängiger Experte für Personalwesen und strukturelles Lernen. Der Aufbau einer Verbindung zwischen Ausbildung und Arbeitsplatz zählt schon lange zu seinen hauptsächlichen Reflexionsbereichen. Im Rahmen des Runden Tisches dreht er die Zeit um 15 000 Jahre zurück und führt uns in die Höhle von Lascaux. Am Beispiel der bereits in der Altsteinzeit praktizierten Weitergabe des Wissens, wie man zum Beispiel einen Aurochs zeichnet, führt er humorvoll vor Augen, dass der Gedanke, von jemandem zu lernen, der etwas beherrscht, nicht neu ist.

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In Bezug auf die Ausbildung am Arbeitsplatz (AFEST) wählte er einen Presseartikel mit dem Titel „Réflexions sur la gestion des personnels“ (Überlegungen zum Personalmanagement), der am 21. September 1989 in der Tageszeitung Sud Ouest erschienen war. Damals war Alain Meignant in einer Personalabteilung für die berufliche Weiterbildung zuständig. Die Geschäftsleitung schlug ihm vor, über das Thema nachzudenken und ein anderes Ausbildungskonzept vorzuschlagen, das nicht auf Kursen, sondern auf Erfahrung basiert. Dies würde es den Lernenden ermöglichen, einfacher eine Verbindung zu ihrem Alltag in der Praxis herzustellen. Alain Meignant fragte vor diesem Hintergrund gut dreißig HR-Leiter, wie sie gelernt haben, was sie wissen und was die Grundlage ihres Berufs ist. Allen Antworten war gemeinsam, dass sie sich als kompetent bezeichnen:

  • Weil sie Problemlösungen bieten und in ihrer Tätigkeit effektiv sind;
  • Weil sie in der Lage sind, aus ihrer Tätigkeit zu lernen;
  • Weil sie in der Lage sind, diese Erkenntnisse zu vermitteln und zu erklären.

Anhand von realen Situationen entwickelte Alain Meignant ein System für HR-Leiter und Assistenten der HR-Leitung in der Unternehmenszentrale, das lediglich ein Mindestmaß von Zusammenlegungen sowie Gruppenarbeit vorsah. Mit dieser Darstellung zeigt er, dass AFEST nicht nur manuelle, sondern auch geistige Aufgabenbereiche der Führungskräfte betrifft.

Carmen CAVACO ist Dozentin für Erziehungswissenschaften und wirft einen portugiesischen Blick auf AFEST. Die Grundlage hierfür sind ihre vor etwa dreißig Jahren zur Erwachsenenbildung in Portugal durchgeführten Untersuchungen. Basierend auf ihren Erfahrungen als Forscherin auf diesem Gebiet hatte sie erkannt, dass für die Mehrheit der Arbeitgeberorganisationen Weitergabe gleichbedeutend mit Ausbildung war. Sie hatte aber auch bewusste Mechanismen gesehen, die jedoch in den Unternehmen nicht als Schulung anerkannt waren. Zur Veranschaulichung zieht sie das Beispiel einer spezifischen Ausbildung heran, die geschaffen wurde, um das Fehlen einer Berufsschule für die notwendige Ausbildung von Bergleuten in Portugal zu kompensieren. Es wurde ein Tunnel für die Schulung in einem Bergwerk gebaut. Die Verantwortlichen der Ausbildung achteten auf die natürlichen Lernprozesse im Zusammenhang mit der Arbeit der Bergleute. Sie analysierten die grundlegenden, von einem Berufsanfänger zu erlernenden Aspekte und schufen nach einigen Überlegungen Arbeitssituationen, aus denen die Leute lernen können. Der Ausbilder ist stets ein erfahrener Bergarbeiter, der dem Berufsanfänger erklärt, wie und warum etwas getan wird. Der Anfänger ist ein Beobachter, sieht aber gleichzeitig, dass es unvorhergesehene Ereignisse gibt, die eintreten können und bewältigt werden müssen.

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Die Handlung wird so zu einem Lernraum und der Anfänger agiert mit Unterstützung des Experten, um zu lernen. Basierend auf realen Arbeitssituationen hat diese Formalisierung des Lernens am Arbeitsplatz in Portugal zu einer Diversifizierung der Ausbildungsmethoden, der Instrumente und der Strategien geführt und eine Aufwertung des aus der Erfahrung erworbenen Wissens bewirkt. Dieser Ansatz bekräftigte auch den Gedanken, dass Ausbildung etwas anderes ist als das, was aus dem formalen Lernen entsteht: Die Ausbildung ist im Kontext verankert und damit effektiver. Diese Art des Lernens hat zu mehr Gerechtigkeit beim Zugang der Arbeitnehmer zu Ausbildungen, aber auch zu einer Entwicklung der Fähigkeiten der Arbeiter geführt. Denn in Portugal hatte die Lese- und Schreibkompetenz von Bergleuten abgenommen. Das Lernen am Arbeitsplatz setzt die Kommunikation zwischen Bergleuten voraus und trägt somit zur Entwicklung ihrer Soft-skills bei.

Patrice LEGUY, Doktor der Erziehungs- und Ausbildungswissenschaften, ist Direktor eines Centre de Réadaptation Professionnel et de Formation (COS CRPF) und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centre Interdisciplinaire de Recherche Normand en Education et Formation (CIRNEF). Ausgehend von den Erfahrungsberichten dreier Handwerker mit der Auszeichnung Meilleur Ouvrier, untersuchte er insbesondere den Zusammenhang zwischen Ausbildung und Arbeit. Er leistet Beiträge zu dem Thema ‚Lernende Unternehmen‘ und dem Platz der Fachleute in Lernenden Unternehmen. Für ihn als Leiter stellte sich die Frage, anhand welcher Mittel das Ausbildungspotenzial von Unternehmen erschlossen werden kann, und er fand heraus, dass eine Veränderung der Arbeitsweise von Ausbildenden im Gange ist. Eine weitere Frage betraf die Steuerung der parallelen Entwicklung des Unternehmens und des Individuums. Wie Patrice Leguy betont, ist nicht unbedingt jeder Mitarbeiter willens, sich an AFEST zu beteiligen, da es auch hier um Kräfteverhältnisse geht. Tatsächlich büßt der Weitergebende an Macht im Unternehmen ein, was zu der Frage des Einflusses der verschiedenen Akteure in unseren Ausbildungssystemen führt.

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Patrice LEGUY sieht AFEST als ein Bindeglied zwischen Beschäftigung und Ausbildung. Tatsächlich ist das Lernen am Arbeitsplatz nicht selbstverständlich, denn die Arbeit an sich hat keinen ihr innewohnenden Lerneffekt. AFEST ermöglicht es, das Lernen am Arbeitsplatz und in einer Produktionssituation zu forcieren und zu artikulieren. Anhand von Bildern zeigt er die Möglichkeit einer persönlichen Modellierung von AFEST auf, die mit der Frage der Intentionalität sowie reflexiven und kritischen Prozessen in Sachen Erfahrung und Lernformen in einer vorgegebenen Arbeitsumgebung verbunden ist. Die Modellierung unterstreicht den zyklischen Aspekt von AFEST: Es geht nicht darum, alles über alles zu wissen, sondern um zyklisches, in Schleifen verlaufendes Lernen. Einige aus Erfahrungen abgeleitete Situationen können möglicherweise zu einem Verlernen führen, weil sie nicht vertieft und neu betrachtet wurden. AFEST hinterfragt generell die Bedingungen des Lernens. Patrice Leguy geht außerdem darauf ein, wie wichtig es ist, im Vorfeld die Arbeitsauffassung des Unternehmens zu klären und zu sehen, welche Funktion sie hat. Denn wenn wir uns in diesen Punkten nicht einigen, wird AFEST nicht funktionieren können. Mit der Unternehmensleitung und den Führungskräften muss also zuvor über deren Vorstellung von Arbeit und ihr eigenes Verhältnis zur Arbeit gesprochen werden.

 

Carine MARGERIE-LEMAY

Zuständig für Ausbildungssysteme und Studentin im Master2 SIFA an der Universität Tours - EPALE-Botschafterin

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1 - 2 van 2 weergegeven
  • afbeelding van Philippe Inowlocki
    Bonjour à tous, 
    Je remercie les organisateurs pour cette journée , je n'ai pu hélas assister qu'à la matinée, je voudrais savoir si les initiatives et structures présentes l'après midi avaient indiqué des sources d'information sur les expériences que vous pourriez partager ici ? Un grand merci par avance !
    Philippe Inowlocki
  • Bonjour, 

    Merci pour votre commentaire. Les restitutions de l'après midi sont en cours de rédaction et/ou de publication. Le 1er témoignage, de Frédérique GERARD, sur un accompagnement AFEST mené au sein d'ENEDIS vient juste d'être mis en ligne. Voici le lien pour y accéder: /fr/blog/recit-dun-accompagnement-afest