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Bürgerschaftliche Bildung neu gedacht: Demokratie-MOOC

30/05/2019
door Gerhard Bisovsky
Taal: DE
Document available also in: CS

/nl/file/citizenship-education-3Citizenship education

Citizenship education

Als Praktiker wissen wir, dass politische Bildung nicht leicht umzusetzen ist. Zu sehr ist politische Bildung ideologisch behaftet, oft wird sie mit Parteipolitik gleichgesetzt und häufig hören wir, dass sich die Menschen zunehmend weniger für Politik interessieren.

Erwachsenenbildung, wie wir sie in den Volkshochschulen verstehen, ist damit verbunden, dass wir die Menschen ermächtigen wollen, ihre Rechte wahrzunehmen und an der Gestaltung gesellschaftlicher Entwicklungen mitzuwirken. Denn wie wir die Gegenwart und die Zukunft gestalten wollen, das hängt von uns selbst ab. Gleichzeitig gibt es viele Möglichkeiten der Mitgestaltung. Auffällig ist allerdings, dass es überwiegend die höher Gebildeten sind, die diese in Anspruch nehmen.

Die Europäische Wertestudie zeigt in Österreich hohe Werte für Demokratie. Sie zeigt uns aber auch, dass die Akzeptanz während der Wirtschafts- und Finanzkrise abgenommen hat. Der im November 2018 im österreichischen Parlament vorgestellte Demokratie Monitor Österreich weist darauf hin, dass Menschen, die ihre ökonomische Sicherheit als „sehr gut“ einschätzten, mit 61 Prozent wesentlich häufiger angeben, dass die Demokratie im Land „eher lebendig“ ist. Hingegen erleben Personen mit „sehr schlechter“ ökonomischer Sicherheit dies nur mehr zu einen Viertel und bereits ein Drittel von ihnen erlebt die Demokratie persönlich als „eher tot“.

Demokratie muss immer wieder gelernt werden

Es gibt Menschen, die der Meinung sind, dass sie ohnedies nichts bewirken können. Das ist aber ein Fehlschluss, denn wie wir an den verschiedensten Beteiligungsverfahren sehen, sind Erfolge möglich. Daher kann ich der Aussage „Leute wie ich haben keinen Einfluss darauf was die Regierung macht“ auch nichts abgewinnen. Wiewohl wir beobachten können, dass beispielsweise NGOs oder Bürgerinitiativen in vielen Fällen von Mittelschichten in Anspruch genommen werden bzw. nur deren Interessen zu vertreten scheinen. Aufgabe der Bildung ist es daher, alle Menschen mit den Möglichkeiten der Mitgestaltung vertraut zu machen. Dazu ist Wissen eine von mehreren Grundvoraussetzungen.

Gerade Demokratie ist ein gutes Beispiel, sie ist keine Selbstverständlichkeit und sie hängt davon ab, dass sie von den Menschen gewollt werden muss. Und sie muss immer wieder aufs Neue gelernt werden. Demokratie ist nicht nur eine Regierungsform, sondern sie ist auch eine Lebensform, nach der auch das Zusammenleben in Familien funktioniert. In der Erwachsenenbildung haben wir dazu die unterschiedlichsten Angebote zur Kommunikation, zu Familienkonferenzen und für das Zusammenleben. Diese gehen weit darüber hinaus, was wir üblicherweise unter politischer Bildung verstehen und könnten ein Ansatzpunkt für ein breiteres Verständnis sein.

Ein MOOC für Demokratie

Gerade weil politische Bildung schwer umzusetzen ist, haben wir uns gemeinsam mit unserem Partner, dem Demokratiezentrum Wien, überlegt, wie können wir Leitende, Programmplanende und Lehrende in der Erwachsenenbildung erreichen, wie können wir sie unterstützen, dass die Auseinandersetzung von Gesellschaft und Politik wieder vermehrt Eingang in die Programme und in den Unterricht finden.

Im Jahre 2018 wurde in Österreich der Gründung der Republik 100 Jahre davor gedacht. Dazu wurden überall im Land zahlreiche Veranstaltungen in und durch Volkshochschulen durchgeführt, die bis auf wenige Ausnahmen auch gut besucht waren. Daraus folgern wir, dass das Interesse an zeitgeschichtlicher Bildung und gesellschaftspolitischer Bildung vorhanden ist und insbesondere dann gerne realisiert wird, wenn es von Bildungsorganisationen angeboten wird, die – wie die Volkshochschulen – in der Bevölkerung ein hohes Vertrauen genießen.

Mit dem online-Angebot des Demokratie-MOOC wenden wir uns an LeiterInnen, ProgrammplanerInnen und an Unterrichtende und bieten eine fundierte gesellschaftspolitische Bildung. Der Demokratie-MOOC ist jederzeit und von überall zugänglich, er wird auch dauerhaft geöffnet bleiben, aber laufend aktualisiert. Beispielsweise hat sich der Österreichische Rundfunk bereit erklärt, uns Sendungen zur Verfügung zu stellen, die einzelne Themengebiete vertiefend behandeln. Konkret starten wir mit Themen, die in Radiosendungen aufbereitet wurden. Neben der orts- und zeitunabhängigen Erreichbarkeit bietet der MOOC auch die Möglichkeit, laufend zu ergänzen, aktualisieren und zu vertiefen. Somit ist der Demokratie-MOOC auf Nachhaltigkeit angelegt.

Mit dem Demokratie-MOOC stellen wir Demokratie auch in den unterschiedlichsten Kontexten dar, zum Beispiel mit den Medien, der Wirtschaft, aber auch im historischen Zusammenhang. Das Selbstverständnis der BürgerInnen als aktiver, gestaltender und handelnder Teil der Gesellschaft wird betont und gestärkt.

Die ersten Erfahrungen sind sehr positive. Lehrende und Programm-ManagerInnen haben die ersten drei Module des Demokratie-MOOC besucht. Sie haben über Videos und schriftliche Materialien gelernt und haben ihr Wissen mit Multiple-Choice-Test überprüft. Wir werden jedoch auch begleitend Workshops und Veranstaltungen anbieten, in denen mit dem MOOC gearbeitet werden wird und die Umsetzung im Unterricht erarbeitet wird.

Konsultation für Demokratiebildung

Gesellschaftspolitische Bildung und Bildung für Demokratie kann jedoch nicht alleine von Bildungsinstitutionen gestemmt werden. Dazu ist ein breites Vorgehen gesellschaftlicher Akteure notwendig. Das österreichische Parlament hat eine öffentliche Konsultation zu Demokratiebildung gestartet. Mit dem Demokratie-MOOC arbeiten wir an der Entwicklung der Demokratiebildung mit.

Erwachsenenbildung kann Politik nachvollziehbar machen. Ihre Aufgabe ist es, unterschiedliche Positionen verständlich zu machen und einen positiven Zugang zur Mitgestaltung zu vermitteln. Gleichzeitig geht es auch darum, die Kritikfähigkeit zu fördern und ein Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachten zu können. Multiperspektivität und Reflexionsfähigkeit sind elementar für die Mitgestaltung in Politik und Gesellschaft, denn Demokratie bedeutet immer auch, dass viele Interessen, auch und gerade die von Minderheiten, einbezogen werden.

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Gerhard Bisovsky, Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen. 1996-2012 Direktor der Wiener Volkshochschule Meidling, 2009-2012 Leitung des Netzwerks „Bildungsberatung in Wien“. 2012-2017 Vorstandsmitglied des Europäischen Verbandes für Erwachsenenbildung (EAEA). Chefredakteur von Die Österreichische Volkshochschule

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