chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE - Pjattaforma Elettronika għat-Tagħlim għall-Adulti fl-Ewropa

Blog

ProfilPASS für die Selbstständigkeit - Erste Ergebnisse aus dem EU-Projekt DISCOVER

20/05/2020
minn Goran Jordanoski
Lingwa: DE

Lesedauer circa 6 Minuten – Lesen, liken, kommentieren!


Hintergründe – Daten & Fakten zum Unternehmertum

Logo Discover

Die Stärkung des Wirtschaftswachstums und des Arbeitsmarktes durch Unternehmensgründungen und Innovation nimmt spätestens seit den 1970er Jahren einen festen Platz auf der politischen Agenda der Europäischen Union ein.
Im „Aktionsplan Unternehmertum 2020“ forderte die Europäische Kommission mehr Unternehmerinnen und Unternehmer, denn das Unternehmertum wird als „kraftvoller Motor für wirtschaftliches Wachstum und Beschäftigung“ angesehen (Europäische Kommission 2013, S. 4).
Problematisch ist jedoch, dass weiterhin bedeutsame Hindernisse und Herausforderungen mit der Unternehmensgründung verbunden sind und viele die Risiken nicht eingehen wollen. Während beispielsweise in den USA und China mehr als 50% eine Selbstständigkeit der angestellten Arbeit vorziehen, sind es bei den Europäern nur rund 37% (vgl. Europäische Kommission 2013).
Bestimmte Gruppen – wie Frauen, Senioren, Arbeitslose und Menschen mit Behinderung oder auch ethnische Minderheiten und Zugewanderte – sind besonders unterrepräsentiert oder aber die Barrieren zur Selbstständigkeit sind für sie noch größer (vgl. OECD und Europäische Union 2017). Ein inklusives Unternehmertum, das jeder Person die Möglichkeit zur Unternehmensgründung bietet, ist daher die besondere Zielvision der Europäischen Kommission (2013). So sollen beispielsweise insbesondere Frauen, Senioren und Zugewanderte bei ihrem Weg in die Selbstständigkeit gefördert werden.

Die Bedeutung von Kompetenzen und Kompetenzerfassung

Besonders für diese Zielgruppen kann die Unternehmensgründung eine besondere Chance bedeuten, da sie oft Qualifikationen besitzen, die auf dem Arbeitsmarkt nicht als relevant angesehen werden. So können Mütter beispielsweise in vielen Fällen keine aktuellen Arbeitserfahrungen nachweisen, besitzen aber wertvolle Managementfähigkeiten, die sie über den Familienalltag erworben haben. Für Zugewanderte sind die Chancen am deutschen Arbeitsmarkt oft versperrt, da ihre Abschlüsse und Qualifikationen nicht – oder nur teilweise – anerkannt werden. Trotzdem können sie Kompetenzen und Ideen mitbringen, die sie für eine Unternehmensgründung qualifizieren. Senioren werden vielfach als ineffizient und nicht mehr produktiv genug angesehen, dabei können gerade ihre umfangreichen Erfahrungen und ihre langfristig ausgebauten sozialen Netzwerke besonders nützlich sein für den Weg in die Selbstständigkeit.
All diese Gruppen besitzen also einschlägige Kompetenzen für eine Unternehmensgründung. Allerdings müssen sie sich dieser Kompetenzen und Potentiale zunächst bewusst werden, um sie vollständig ausschöpfen und gezielt einsetzen zu können. Eine Erfassung und Bilanzierung der bisher erworbenen Kompetenzen ist also eine wichtige Voraussetzung. Hier wird auch direkt deutlich, in welchen Bereichen möglicherweise noch Bildungsbedarf besteht. Da die Unternehmensgründung und Selbstständigkeit vielfältige Anforderungen stellen – von Marketing und Buchhaltung bis Kundenservice u.v.m. – braucht es neben Fähigkeiten und Kompetenzen auch einschlägiges Wissen. Ein/e erfolgreiche/r Unternehmer/in braucht zudem eine spezifische Haltung beziehungsweise besondere Einstellungen und von nicht zu unterschätzender Bedeutung sind auch die Ressourcen einer Person, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf die zeitlichen oder sozialen Ressourcen (vgl. Van Lakerveld und De Zoote 2013). Somit sind vor allem die Kompetenzerfassung, aber auch die Analyse der weiteren Voraussetzungen und die Vorbereitung auf die Unternehmensgründung entscheidende Aspekte, die die Risiken minimieren und die Erfolgschancen steigern können.

Projekt DISCOVER – Entwicklungen und Ergebnisse

Das EU-Projekt "DISCOVER – Identify your entrepreneurial skills and start-up!“ setzt genau hier an und zielt darauf, die Beratungsangebote für an einer Unternehmensgründung interessierte Personen zu fördern, zu unterstützen und auch zu professionalisieren. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Anpassung des ProfilPASS als Instrument zur Kompetenzerfassung für die Zielgruppe der potentiellen Gründer/innen. Der ProfilPASS wurde vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung in Kooperation mit dem Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung entwickelt und wird seit 2006 bundesweit eingesetzt. Seit 2013 findet der ProfilPASS zudem Anwendung in zahlreichen weiteren europäischen Ländern. 

ProfilPASS für die Selbstständigkeit

Die Entwicklung eines „ProfilPASS für die Selbstständigkeit“ orientierte sich dabei grundlegend an gängigen Kompetenzmodellen aus dem Entrepreneurship-Diskurs, z.B. dem EntreComp-Modell des Joint Research Centre der Europäischen Kommission aus dem Jahre 2016 (vgl. auch Van Lakerveld und De Zoote 2013, Soos 2017, Erpenbeck und Heyse 2007). Ziel einer Beratung mit dieser Version des ProfilPASS ist es, aus den (berufs-)biographischen Erfahrungen der Ratsuchenden diejenigen Kompetenzen herauszufiltern und zu dokumentieren, die für eine erfolgreiche Unternehmensgründung und -führung relevant sind.
Hierzu werden im ProfilPASS für die Selbstständigkeit insgesamt 13 unternehmerische Kompetenzen in jeweils einem eigenen Kapitel genau unter die Lupe genommen. Der oder die Ratsuchende kann anhand gezielter Frage- und Hilfestellungen ermitteln, inwiefern er oder sie die jeweilige unternehmerische Kompetenz besitzt und wo sich diese bereits im bisherigen beruflichen oder privaten Leben gezeigt hat. Anschließend wird noch bewertet, welches Kompetenzlevel man im untersuchten Bereich bereits erreicht hat. Somit werden einschlägige unternehmerische Kompetenzen ermittelt und gleichzeitig kann festgestellt werden, in welchen Kompetenzfeldern noch ein potentieller Bildungs- und Entwicklungsbedarf besteht. Dies geschieht im Rahmen einer finalen Kompetenzbilanz, die alle Kompetenzen und die jeweiligen Niveaus auf einen Blick zusammenstellt und so eine gezielte weitere Verwertung dieser Ergebnisse ermöglicht. In Zusammenarbeit mit den ProfilPASS-Beratenden kann so ermittelt werden, welche (Bildungs-)Maßnahmen ergriffen werden könnten, um eine gezielte Förderung bisher eher unterentwickelter Kompetenzen zu erreichen. Zusätzlich dazu berücksichtigt der ProfilPASS für die Selbstständigkeit aber auch die Tatsache, dass unternehmerische Kompetenzen alleine noch keinen Gründungserfolg prädestinieren. Neben grundlegenden Persönlichkeitsmerkmalen und einem gründungsrelevanten Basiswissen z.B. in betriebswirtschaftlichen Bereichen ist es auch von Bedeutung, sich über die eigenen Interessen, Träume und Visionen bewusst zu werden. Diese Bereiche werden ebenfalls durch je eigene Kapitel im ProfilPASS für die Selbstständigkeit abgedeckt. Die Bearbeitung erfolgt dabei nicht gleichermaßen tiefgehend wie die Ermittlung der Kompetenzen, da auf letzterem der deutliche Fokus des ProfilPASS für die Selbstständigkeit liegt. Dennoch werden diese Grundvoraussetzungen mitberücksichtigt und auch die Rahmenbedingungen und Ressourcen für eine Gründung kann der oder die Ratsuchende für sich analysieren und anhand einer Checkliste feststellen, inwiefern die Rahmenbedingungen noch nachjustiert oder Ressourcen akquiriert werden müssen. Unterstützt wird die Bearbeitung des ProfilPASS für die Selbstständigkeit von so genannten Testimonials. Die Testimonials sind biographische Beispiele, das heißt, sie sind durch reale Personen und deren Gründungserfahrungen repräsentiert. Hierfür wurden Interviews mit drei Gründer/innen geführt, um authentische Einblicke in die Gründung und Unternehmensführung in verschiedenen Kontexten zu ermöglichen. Die Testimonials helfen den Nutzenden dabei, den Bearbeitungsmodus des ProfilPASS für die Selbstständigkeit zu verstehen und trägt vor allem aber dazu bei, dass ein Transfer auf die eigene Lebens- und Gründungssituation vereinfacht wird. Gleichzeitig bieten die Testimonials wertvolle Hinweise, Ratschläge und auch Inspiration für potentielle Gründer/innen.

Ausblick – Wohin führt der Weg?

Der ProfilPASS für die Selbstständigkeit ist im Open-Access auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Polnisch und Rumänisch verfügbar und stellt den Ausgangspunkt für weitere Entwicklungen im Rahmen des Projekts DISCOVER dar. Die Kompetenzbilanz als Ergebnis einer Bearbeitung des ProfilPASS für die Selbstständigkeit bietet eine fundierte Basis für einen individuellen (Weiter-)Bildungsplan. Bisher noch eher gering ausgeprägte unternehmerische Kompetenzen können durch gezielte Bildungsprogramme gefördert werden. Hierfür werden im Rahmen des DISCOVER-Projekt passgenaue Online-Trainingsmaterialien erstellt, die im Anschluss an den ProfilPASS für die Selbstständigkeit kostenfrei genutzt werden können.

Rahmenbedingungen des Projekts

Am 1. Oktober 2018 startete das EU-Projekt „DISCOVER – Identify your entrepreneurial skills and start-up!“ im Programm Erasmus+ und es endet am 31. Januar 2021 (Projektnummer: 2018-1-DE02-KA204-005095).  An DISCOVER sind neben dem Koordinator Wisamar Bildungsgesellschaft gemeinnützige GmbH und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) als Partner weitere Organisationen aus Spanien, Irland, Rumänien und Polen beteiligt.


Über die Autoren:

Goran Jordanoski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V.

Eva Bonn ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität zu Köln, Humanwissenschaftliche Fakultät, Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung.


Verweise:

Europäische Kommission (2013). MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN. AKTIONSPLAN UNTERNEHMERTUM 2020. Den Unternehmergeist in Europa neu entfachen.

OECD & Europäische Union (2017). The Missing Entrepreneurs 2017. Policies for Inclusive Entrepreneurship. DOI: https://dx.doi.org/10.1787/9789264283602-en

Van Lakerveld, Jaap; De Zoote, Joost (2013). Acquiring the key competence of a sense of initiative and entrepreneurship. Retrieved from http://yedac.eu/media/2555/Acquiring-the-key-competence-Jaap-lang-udgave5.pdfAug 23, 2019.

Bacigalupo, Margherita; Kampylis, Panagiotis; Punie, Yves; Van den Brande, Godelieve (2016). EntreComp: The Entrepreneurship Competence Framework. Luxembourg: Publication Office of the European Union.          

Soos, Julia (2017). Motive und unternehmerische Kompetenzen von GründerInnen technologie-orientierter Unternehmen. Graz: Verlag der Technischen Universität Graz.

Erpenbeck, J.; Heyse, V. (2007). Die Kompetenzbiographie: Wege der Kompetenzentwicklung, 2., aktualisierte und überarb. Aufl. ed. Münster: Waxmann.


Weitere Beiträge zum ProfilPASS finden Sie hier:

COmpetence Oriented COUnselling for cognitively impaired people – Erste Ergebnisse des Erasmus+-Projekts „COOCOU“

Wissen transferieren, Erfahrungen teilen, voneinander lernen. Vom deutschen ProfilPASS zum Pasos kompetencija in den Ländern des Westbalkans

Lernen im Arbeitssetting – Gedanken und Anregungen für die lern- und integrationsförderliche Beschäftigung Geflüchteter

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn