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Blog

Keine Bildung, nirgends

17/03/2020
minn Maren Lohrer
Lingwa: DE
Document available also in: EN HR CS

Lesedauer circa fünf Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


"Das Sozialleben muss nun für einige Monate aufhören, dazu gehören auch Schützenfeste und Fußballspiele", sagt der Berliner Virologe Christian Drosten. Kontakte zu anderen sollten grundsätzlich minimiert werden. Dass es richtig und wichtig ist, Infektionsketten zu unterbrechen und so Menschen zu schützen, steht außer Frage.

Leere Kinosäle_Blogbeitrag "Keine Bildungs, nirgends" EPALE_ © mermyhh | Pixabay

Bild: mermyhh | Pixabay

Veranstaltungen in Sport und Kultur werden abgesagt oder finden vor leeren Zuschauerrängen statt, Messen werden verschoben oder vorzeitig beendet – wie die Maastrichter Kunstmesse Tefaf, Bildungseinrichtungen schließen.

Doch was heißt das für die Freiberufler in den unterschiedlichsten Bereichen, etwa für die  – ohnehin nicht üppig entlohnten – Dozenten an Volkshochschulen und anderen Einrichtungen der Erwachsenenbildung? So nachvollziehbar und richtig die Kursausfälle auch sind, so wirtschaftlich bedrohlich können sie sich auf den einzelnen Freiberufler auswirken.

Finanzielles Fiasko

VHS-Dozenten arbeiten oft auf Basis kurzfristig geschlossener Honorarverträge. Eine Entgeltfortzahlung – anders als beispielsweise an städtischen Schulen für das städtische Personal – existiert nicht. Es gibt wohl auch keinen Ausgleich des entgangenen Honorars.

Inzwischen haben sich schon einige Künstler zu Wort gemeldet. Sie fürchten eine dramatische Lage. „Irgendwie bezeichnend ist es, dass alle Welt nur über Fußball redet, aber dass momentan der deutschen Kulturszene ein enormer Schaden entsteht, daran denkt niemand”, so sagt Bernhard Paul, Gründer des Zirkus Roncalli. Er hat sich daher in einem offenen Brief an Armin Laschet gewandt, den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen. „Es gibt eine enorme private nicht-subventionierte Kulturszene, die sich von diesem Kulturschock jahrelang nicht erholen wird. Das wird von der Politik nicht bedacht”, so Paul weiter.

Kein Luxus

Ähnlich argumentiert auch der Moderator Jan Böhmermann. „Kulturstätten, Künstlerinnen, Künstler, Autorinnen, Autoren, Theater, Kinos oder Veranstalter werden in den kommenden Monaten unsere Solidarität und wirtschaftliche Unterstützung benötigen“, twitterte er. Und weiter: „Kultur und Kunst sind kein Luxus. Wer Banken rettet, muss auch jetzt helfen!“ Hier wäre zu ergänzen: Auch Bildung ist kein Luxus!

Leere Klassenzimmer_© Maren Lohrer

Bild: Maren Lohrer

Deutschlands größte Volkshochschule, die MVHS aus München mit jährlich rund 19.000 Angeboten, gibt auf ihrer Homepage bekannt: „Bis einschließlich 19. April 2020 finden keine Kurse und Veranstaltungen der MVHS statt. (...) Die MVHS bemüht sich darum, bis Ende März zu klären, ob und wenn ja, wie sie Teilnehmerinnen und Teilnehmer für bereits bezahlte Kursgebühren und Dozierende für die ausgefallenen Kurse entschädigen kann. Bitte sehen Sie hierzu derzeit von Einzelanfragen ab.“

Finanzminister Olaf Scholz erklärte am 13. März 2020, die Bundesregierung werde alles tun, um die Krise abzufedern. Es werde Steuererleichterungen in Milliardenhöhe für Firmen und unbegrenzte Kreditprogramme geben. Diese Kredite werden von der KfW-Bank bereitgestellt. Wirtschaftsminister Altmaier sagte, die Hilfszusagen würden für alle Unternehmen gelten, vom Klein- bis zum Großbetrieb. Auch Steuerstundungen sind angedacht. All diese Hilfen sollen vermeiden, dass Firmen aufgrund der Coronakrise das Geld ausgeht.

Petition gestartet

Doch die beiden Regierungspolitiker sprachen nur von Firmen, nicht von Freiberuflern. Ob das aktuelle Maßnahmenpaket erweitert wird, muss sich zeigen.
David Erler, ein freiberuflicher Sänger aus Leipzig, hat am 11. März 2020 eine Petition gestartet: „Hilfen für Freiberufler und Künstler während des #Corona-Shutdowns“

Erler schreibt: „Ich fordere daher von der Bundes- und den Landesregierungen, sich bei den angedachten Finanzhilfen und Unterstützungen nicht nur auf Unternehmen und Firmen sowie deren Angestellte, also v.a. abhängig Beschäftigte zu konzentrieren, sondern vor allem auch die mitunter wesentlich prekärere Lage der o.g. Freiberufler/Kunstschaffenden zu berücksichtigen, die Finanzhilfen mithin ausdrücklich auch auf diese auszuweiten, und dies so unbürokratisch wie möglich, also möglichst ohne Kopplung an Bonität, eventuelle Sicherheiten o.ä.“ Am 14.März 2020 haben bereits über 134.000 Personen diese Petition, die sich an den Bundestag und das Finanzministerium richtet, unterschrieben.

Warten

„Kurzfristig wird es schon zu einem deutlichen Rückschlag kommen“, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Aber nach der Eindämmung des Virus wird sich die Wirtschaft wieder erholen. Allerdings ist derzeit schwer abzusehen, wann dies der Fall sein wird.“ Doch was bedeutet das für den Einzelnen? Wer als Freiberufler ohnehin hart am Wind segelt, kann nicht auf ruhigeres Fahrwasser warten. Der braucht rasch Unterstützung.

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Wortbrücke e.V. Maren Lohrer

Über die Autorin: Maren Lohrer erstellt Verbrauchernews in Leichter Sprache für „Wortbrücke e.V.“. Sie hat einen M.A. in Germanistik und Politikwissenschaften der Universität zu Köln und ist zertifizierte Mediatorin (INA at FU Berlin). Sie ist zudem Botschafterin für EPALE Deutschland.


Lesen Sie hierzu auch:

Corona und die Weiterbildung – Krise oder Katalysator?

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  • Maren Lohrer's picture
    Betrifft soloselbständige Künstler / Publizisten: In Bayern können freischaffende Künstlerinnen und Künstler einen Antrag auf Gewährung einer finanziellen Hilfe aus dem Künstlerhilfsprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst stellen. Vorausgesetzt wird, dass sie eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausüben aufgrund Corona Einkommensausfälle haben. Zudem müssen sie in Bayern mit Hauptwohnsitz gemeldet und Mitglied in der Künstlersozialkasse (KSK) sein (beides spätestens seit dem 1.4.2020). Wer nicht KSK-Mitglied ist, muss andere Nachweise erbringen. Genaueres findet sich hier
  • Tino BOUBARIS's picture
    Von den unmittelbaren  finanziellen Folgen für (freiberufliche) Lehrende mal abgesehen: Je länger der Zustand einer bewussten physischen Distanz andauert, desto mehr kann er zu einer sozialen Entwöhnung bei den Lernenden beitragen, die erheblichen Einfluss auf zukünftige Bildungsangebote haben wird. Viele Freiberufler*innen haben in der Vergangenheit innovative (und wichtige) Lernformen entwickelt und verbreitet, die in der aktuellen Situation wenig bis gar keinen Sinn machen. Das lässt sich nur zu einem geringen Teil durch Lernen im digitalen Raum kompensieren.
  • Maren Lohrer's picture
    Noch ein Nachtrag für Solo-Selbstständige / Freiberufler: Die Bundesförderung (und auch die meisten Landesrichtlinien, die die Bundesförderung nun umsetzen) sehen vor, dass die Soforthilfen nur für die Betriebskosten gelten. Persönliche oder betriebliche Mittel werden nicht mehr angerechnet und müssen daher nicht mehr angegriffen werden. Doch jetzt kommt das große ABER: Eine Abdeckung der Lebenshaltungskosten ist nicht Bestandteil der Förderung (außer Baden-Württemberg. Das Land berücksichtigt noch das fiktiven Einkommen.... ) Sollten die Lebenshaltungskosten nicht gedeckt sein, ist ergänzend die Grundsicherung nach ALGII zu beantragen. Viele freiberufliche Dozenten in der EB haben kaum Betriebskosten (Vorbereitung im Homeoffice, Veranstaltung in den Räumen des Kursträgers), Honorarausfall wird aber von der Bundesförderung nicht abgedeckt. Also bleibt ALGII – hier aber gibt es eine Grenze bei „erheblichem“ Vermögen. Siehe die Ausführungen von verdi

  • Maren Lohrer's picture
    Nachtrag 1: Wer eine Übersicht zu den einzelnen Programmen sucht, ist mit der Info aus dem Bundesfinanzministerium womöglich gut bedient: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Fin...
  • Michael Sommer's picture
    Liebe Maren, danke für den aktuellen Beitrag! Ich kenne sehr viele in der Weiterbildungsszene, die total kreativ und kompetent mit der Situation umgehen, ob Online-Sprachtraining im Bereich Deutsch als Fremdsprache, Yoga per Skype oder Lernberatung mit Telefon: Von heute auf morgen! Und man muss auch sagen, viele Teilnehmer/-innen und Kostenträger machen mit und unterstützen das. Aber natürlich ist die Not auch groß, und wir können nur hoffen, dass möglichst alle gut durch die Krise kommen. 
  • Maren Lohrer's picture
    Lieber Martin,
    das stimmt. Es ist toll, wie schnell und kompetent neue Digital-Angebote fertig gestellt werden. Ich habe es auch bei einer VHS in der Nähe sehr positiv erlebt: Die VHS SüdOst im Großraum München bietet direkt zahlreiche Webinare an.
    Generell ist es gut, dass neue Wege der Wissensvermittlung entstehen.
    Dennoch sind tatsächlich viele Freiberufler aktuell in Existenznot, wird ihr Angebot nicht (genügend) nachgefragt. Das liegt teilweise an der Konsumzurückhaltung der Interessenten, teilweise auch daran, dass wegen der Shutdowns die Angebote nicht stattfinden können. Wenn die Staaten hier unbürokratisch und schnell mit Hilfen / Zuschüssen / Darlehen einspringen, so ist dies existenzsichernd. Und es tut sich ja was...
  • Hans Georg Rosenstein's picture
    Danke für die gute Analyse der Situation der Freelancer in DE. Es sind jetzt Hilfen für Freiberufler und Selbständige möglich, aber bei der Summe der Betroffenen wird es auch mit diesen Hilfen eng werden. Der Hinweis auf alternative Möglichkeiten im digitalen Raum sind hilfreich, danke auch hierfür.
    Gibt es eine Zusammenstellung/Übersicht, wie die Situation für Freelancer in anderen europäischen Ländern aussieht?
  • Maren Lohrer's picture
    Lieber Herr Rosenstein,
    besten Dank. Eine solche Übersicht wäre in der Tat interessant. Leider ist mir keine bekannt.
    Eine Übersicht für Deutschland (nach Bundesländern geordnet) bietet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK unter https://www.dihk.de/de/aktuelles-und-presse/coronavirus/welche-behoerde-...
  • Marlene Röder's picture
    für den tollen Beitrag, die wertvollen Hinweise und den Link zur Petition!
  • Maren Lohrer's picture

    Besten Dank fürs Lesen!

    Es gibt Neuigkeiten. Die Bundesregierung plant nun auch Hilfen für Freiberufler und Selbstständige.

    Auf der Homepage des Finanzministeriums finden sich nun auch Infos für diese Berufstätigen. Unter „Was muss ich als Freiberufler, Selbstständiger oder Unternehmer jetzt konkret tun?“ sind die Schritte zur Kreditvergabe erläutert.

    Zudem ging heute durch die Presse, dass die Regierung über Hilfen für „Solo-Selbstständige“ berät. Ein Teil der Mittel soll als direkte Zuschüsse vergeben werden, ein Teil als Darlehen.