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Wo tut es weh? - Lernen am Arbeitsplatz im Fokus

24/02/2020
minn Anildo Vedovatti
Lingwa: DE
Document available also in: HU EN

Originalsprache: Ungarisch

Lesedauer circa 8 Minuten – Lesen, liken und kommentieren!

Lernen am Arbeitsplatz im Fokus – Interview mit der Mitarbeiterin des Medizinischen Zentrums der ungarischen Streitkräfte

Die ungarische und deutsche Nationale Koordinierungsstelle für EPALE organisieren eine gemeinsame Themenwoche, in deren Fokus das Lernen am Arbeitsplatz steht. Annamária Kiss, die ungarische EPALE-Botschafterin, führte eine Reihe von Interviews mit fünf Organisationen durch, die auf dem Gebiet der Weiterbildung ihrer Arbeitnehmer* ernsthafte Anstrengungen unternehmen. (*Sofern im Interview Personenbezeichnungen in männlicher Form verwendet werden, sind mit diesen stets sowohl männliche als auch weibliche Personen gemeint.)

Folgendes Interview fand im Medizinischen Zentrum des Ungarischen Heeres (Militärkrankenhaus, auf Ungarisch: Honvéd Kórház) mit Leutnantin Edit Kiss statt, die seit fast 20 Jahren im Gesundheitswesen arbeitet und seit 2010 in der Einrichtung als Fachausbilderin tätig ist. Die Krankenhausmitarbeiter haben entweder einen militärischen Rang oder werden als zivile Angestellte der Armee beschäftigt. In der Einrichtung werden auch militärmedizinische Aufgaben wahrgenommen, was zahllose Vorteile hat, unter anderem können sich die Kollegen mit Instrumenten und Methoden vertraut machen, die im zivilen Gesundheitswesen nicht in jedem Fall zur Verfügung stehen.

Was für einen Stellenwert hat der Begriff Lernen in der Philosophie des Krankenhauses?

Ich denke, dass unser Krankenhaus auch diesen Aspekt besonders berücksichtigt und seine Mitarbeiter zum Lernen anregt. Wir legen großen Wert auf Möglichkeiten zur Weiterbildungen. Jedes Jahr erfassen wir, wie viele unserer Mitarbeiter lernen, also sich auf dem gleichen oder einem anderen Fachgebiet fortbilden möchten. Unser Krankenhaus fördert Lehrgänge sowohl auf sekundärer als auch auf tertiärer Ebene und wir erstellen sogar einen Schulungsplan. Aufgrund meiner derzeitigen Kenntnisse und Erfahrungen kann ich sagen, dass nur sehr wenige Krankenhäuser Zuschüsse zu solche Kursgebühren zahlen, während es bei uns einen gesonderten finanziellen Rahmen dafür gibt.

Wir schließen einen Bildungsvertrag mit den Lernenden, was bedeutet, dass wir sie an Schultagen und die Tage für die Praktika freistellen und diese auch als Arbeitszeit anrechnen. Das bedeutet eine logistische Herausforderung für die Abteilungen, aber dennoch hat sich jeder weisungsbefugte Leiter dazu bereiterklärt. Natürlich muss das Ganze auch real umsetzbar bleiben. Wie viele Personen von einer Abteilung in einem bestimmten Zeitraum fehlen können, wird durch die medizinische Tätigkeit bestimmt. Des Weiteren erhalten wir auch viele Anfragen zur Durchführung von Diplom-, Master- bzw. Doktorarbeiten oder an wissenschaftliche Studien anschließende Forschungsvorhaben in unserer Einrichtung. Nach einer strengen Datenschutzvereinbarung unterstützen wir in den meisten Fällen auch gerne diese Forschungen.

Welche weiteren Möglichkeiten gibt es bei Ihnen zum Lernen?

Unser Krankenhaus organisiert Fortbildungen für die einzelnen Berufsgruppen, und zwar sowohl obligatorische als auch frei wählbare.[1] Bei uns besteht für nahezu jede einzelne Berufsgruppe die Möglichkeit zur Fortbildung. Derzeit finden diese für 17 unterschiedliche Berufsgruppen statt. Ich denke, dass es sehr viel Arbeit und eine gewaltige Aufgabe ist, so einen Bedarf abzudecken. Zu den Fortbildungen kommen nicht nur unsere eigenen Mitarbeiter, sondern auch Interessenten aus verschiedenen anderen medizinischen Einrichtungen. Die Anmeldung erfolgt über ein zentrales System erfolgt, das sogenannte SZAFTEX-System. Unser Krankenhaus schenkt jedoch den Fortbildungswünschen unserer eigenen Mitarbeiter besondere Aufmerksamkeit.

Sind die Fortbildungen für die Mitarbeiter kostenlos?

Unter den obligatorischen berufsgruppenspezifischen Fortbildungen ist in jeder Weiterbildungsperiode eine Fortbildung kostenlos. Unter den frei wählbaren Fortbildungen gibt es eine breite Angebotspalette. Die Akkreditierung der Fortbildungen ist streng geregelt, es wird genau festgelegt, wer Vorträge halten darf und wie viele Vorträge eine Fortbildung enthalten muss.

Wie können sich die Mitarbeiter über die frei wählbaren Fortbildungen informieren?

Über den Kommunikationskanal unserer Einrichtung, der von jedem frei verwendet werden kann, bzw. über die Oberschwestern und -pfleger. Die Fachausbilder der Einrichtung helfen bei der Abwicklung.

Kann man sagen, dass die Organisation über die Fachausbilder so etwas wie eine interne Weiterbildungsabteilung darstellt, die diese Weiterbildungen organisiert?

Ja, als Fachausbilder erwarten uns hier umfassende Aufgaben. Eine unserer Hauptaufgaben ist die Organisation der Einschreibungen und Fortbildungen. Dabei halten wir es für eine besonders wichtige Aufgabe von uns, dass wir dabei denjenigen bei ihrer Arbeit helfen, die jeden Tag in der Krankenpflege – sei es in den Ambulanzen oder auf den Stationen – arbeiten. Auf diesem Gebiet werden auch unsere Aufgaben um die militärmedizinischen Aufgaben ergänzt. Wir tragen zur Erhaltung und Entwicklung der praktischen Fähigkeiten der Soldaten bei. Sie entwickeln ihre Fertigkeiten im Allgemeinen in den stationären Abteilungen unserer Einrichtung (Notfallmedizin, Intensivmedizin, OP-Dienst für Verbrennungen) und im Demonstrationssaal. Wir bemühen uns die Spezifikationen an das Gebiet anzupassen, auf dem der jeweilige Lernende arbeitet.

Ist das Krankenhaus für das ganze Land zuständig?

Auf dem Gebiet der Fortbildungen auf jeden Fall. Gleichzeitig können diese natürlich von jeder Einrichtung, die sich akkreditieren lässt und eine Berechtigung dazu erworben hat, organisiert werden. Wir stehen zu allen Ausbildungseinrichtungen in Kontakt, die auf sekundärer und tertiärer Ebene in Budapest medizinische Weiterbildungen durchführen, bzw. zu allen tertiären medizinischen Ausbildungseinrichtungen im Land und wir verfügen über Kooperationsvereinbarungen: Das ist schon allein deswegen nützlich, weil von den Weiterbildungen im Allgemeinen 50% praktischsind. So haben die Mitarbeiter unseres Krankenhauses intern die Möglichkeit Praxiserfahrung zu erwerben.

Bei uns hat schon jeder einmal an einer Schulung für Erwachsene teilgenommen. In Zusammenarbeit mit den Ausbildungseinrichtungen organisieren wir auch Weiterbildungen vor Ort. Der rechtliche Rahmen wird dabei von der Ausbildungseinrichtung gewährleistet, während wir die Ausbilder, den Ort und die Geräte zur Verfügung stellen. Dies hat in vielerlei Hinsicht positive Folgen. Unsere Fachkräfte erhalten die Möglichkeit zu unterrichten und aktuelles Wissen auf dem neuesten Stand weiterzugeben. Diejenigen, die bei ihnen ein Praktikum absolvieren, sollen unser Krankenhaus in Besitz von Fachwissen und zufrieden verlassen.

Es gab bei uns auch Erwachsenengruppen – wir sprechen von Gruppen von 40 Personen – in denen alle Berufe vom Englischlehrer über Polizisten bis zum Fahrstuhlbediener vertreten waren, und wir mussten sie individuell und separat schulen. Denjenigen, die bereits über viel Erfahrung verfügen, müssen anders unterrichtet werden. Bei jedem Menschen muss man schauen, wie er sich am effektivsten Wissen aneignen kann.

Welche Motivationsmethoden verwendet die Einrichtung?

Das Skill Labor selbst[2] dient der Motivation. In den Schulen gibt es gut ausgestattete, moderne Demonstrationssäle. Das Umfeld spielt aber auch eine wichtige Rolle, dass man in ein Krankenhaus kommen muss. Es ist etwas ganz Anderes, wenn man in eine Einrichtung geht, von der man weiß, dass hier wirklich Patienten versorgt werden. Auch die Ausstattung des Krankenhauses bietet einen hervorragenden fachlichen Hintergrund: Wenn für die Ausbildung ein modernes Beatmungsgerät oder ein Narkosegerät benötigt wird, bringen wir es einfach zum Ausbildungsort.

Das sogenannte Skill Labor wurde 2014 eingeweiht. Dessen Einrichtung wurde von der WHO (World Health Organization) angeregt. Das Ziel bestand darin, ein einheitliches System für die praktische Ausbildung und die Abnahme von praktischen Prüfungen zu gewährleisten. Es dient nicht nur zur Abhaltung von Schulungen und Fortbildungen, sondern hilft auch den Mitarbeitern der Einrichtung dabei, ihre Kompetenzen auf einem einheitlichen Stand zu halten bzw. weiterzuentwickeln. In unserer Branche ändert sich innerhalb kurzer Zeit viel hinsichtlich der Methodik, der Erwartungen und der Verfahren. So können wir gewährleisten, dass, falls es eine Neuheit gibt, unsere Mitarbeiter diese einüben können. Bzw. dass diejenigen, deren Abschluss schon lange her ist, die Möglichkeit erhalten, erneut Praxiserfahrung bei der Blutabnahme und der Venensicherung, also bei verschiedenen pflegerischen Eingriffen, zu erwerben.

Damit sie die in der Thematik eingebundenen Praktika durchführen können, haben wir ein Mentor-Pfleger-System ausgearbeitet. Dieses System besteht im Wesentlichen darin, dass es für jeden Lernenden eine Person gibt, die für ihn verantwortlich ist, ihn als Mentor betreut, ihm während des Praktikums hilft und im Blick behält, dass er die für die jeweilige Tätigkeit erwarteten Aufgaben erlernt. Wir haben ein sehr gutes Programm erarbeitet, in dessen Rahmen wir unsere Kollegen darauf vorbereiten, wie sie die Praktikumsteilnehmer betreuen sollen. Da drin ist alles zu finden: welche Unterstützerrolle sie an der Seite eines „Praktikanten“ übernehmen, welche gesetzlichen Vorschriften sie einhalten müssen, welche Tätigkeiten sie durchführen usw. Das vor anderthalb Jahren eingeführte System wird von unseren Studierenden als großer Erfolg angesehen.

Auf welcher Grundlage erarbeitet ihr die Ausbildungsinhalte?

Es gibt sogenannte fachliche Empfehlungen, die wir befolgen. Wenn wir die fachlichen Verfahrensordnungen ändern – auf der Ebene unseres Krankenhauses – dann unterrichten wir diese. Wenn außerdem die Leiter der Krankenhausabteilungen und Ambulanzen sehen, was in der einen oder anderen Abteilung Probleme verursacht, erhalten wir in solchen Fällen eine Benachrichtigung darüber, was man verbessern müsste, und dann organisieren wir dazu eine Schulung. Wir planen immer so, dass wir die Mitarbeiter der jeweiligen Abteilung mit einbeziehen. Wir arbeiten also in Kooperation mit ihnen. In jedem Fall organisieren wir Weiterbildungen, die wirklich helfen sollen.

Worin siehst du die Hauptvorteile vom Lernen am Arbeitsplatz?

Auf jeden Fall darin, dass man die Arbeit der Fachkräfte würdigt. Auf allen Gebieten, auf denen wir sie auch in ihrer individuellen Entwicklung unterstützen können, müssen wir das tun. Wenn man den einzelnen Mitarbeiter beruflich fördert, so hilft ihm das nicht nur bei seinem persönlichen beruflichen Aufstieg, sondern das lohnt sich auch für die Einrichtung. Jede Schulung, jeder Lehrgang, ja sogar alles, was wir lesen oder lernen – wir lernen nämlich lebenslang, nicht nur in organisierter Form, sondern auf ganz unterschiedliche Weise –, lohnt sich, weil es auch eine persönlichkeitsformende Wirkung hat. Eine solche Tätigkeit, die der eigenen Entwicklung dient, wirkt sich auch auf die übrigen aus, weil die Mitarbeiter ihr Wissen und ihre Erfahrungen einander weitergeben. So können nicht nur sie bessere Arbeit leisten, sondern auch ihre Umgebung. Und last but not least erhöhen wir die Patientenzufriedenheit und -sicherheit.

Lesen Sie auch die anderen Beiträge der Themenwoche
"Work-based Learning - treibende Kraft für das Lebenslange Lernen?"


[1] Wir denken dabei an eine Weiterbildungsperiode von fünf Jahren für Mitarbeiter im Gesundheitswesen: In dieser Weiterbildungsperiode müssen sie obligatorische berufsgruppenspezifische Fortbildungen für 30 Punkte und außerdem frei wählbare Fortbildungen für mindestens 20 Punkte absolvieren.

[2] Ausbildungsort zur Entwicklung von Kompetenzen

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Qed jintwerew 1 - 3 minn 3
  • Péter Éva Kovácsné's picture
    Igazán nagyon érdekes a riport. A munkáltató által alkalmazott motiválási és mentorálási rendszer jó példája a munkahelyi tanulás elősegítésének.
  • Erika Kiss's picture
    Általában a kórházakra, mint az egészségügyi ellátás helyszínére szoktam gondolni. Érdekes volt betekintést nyerni, milyen szervezett munkát végeznek az oktatás terén.

  • Eszter KARVAZY's picture
    Igazán tartalmas interjú, jó volt elolvasni, hogy a mind a munkáltató, mind a munkavállaló részéről megvan az igény arra, hogy a munkához szükséges ismereteket gyakorlatorientált képzőhelyen sajátítsák el. Emellett nagy részük nem csak a kötelező minimumot akarja teljesíteni, hanem azon túlmenően is szeretné képezni magát, hogy minél szélesebb ismeretanyaggal rendelkezzen. A naprakész ismeretekre pedig nagy szükség van, hiszen az egészségügyi ellátásban is szinte naponta jelentkeznek új kihívások.