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Blog

Neuer Drive für soziale Gerechtigkeit - wirtschaftlicher Nutzen durch innovative Bildungs- und Arbeitsmarktprojekte

09/01/2020
minn Manuela Vollmann
Lingwa: DE

Die Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen, neue Arbeitszeit- und (atypische) Beschäftigungsverhältnisse sowie eine anhaltende horizontale und vertikale Geschlechtersegregation am Arbeitsmarkt erfordern eine Bildungsberatung, die flexibel auf diese Veränderungen reagiert, gender- und diversitätssensibel konzipiert ist und empowernd wirkt. Um eine Win-win Situation zu erlangen, ist es wichtig, die Bedürfnisse aller Akteur/innen in die Konzeption und Weiterentwicklung von Angeboten miteinzubeziehen. Wie die Verbindung von sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlichem Fortschritt in der Berufs- und Bildungsberatung gelingen kann, möchte ich in diesem Beitrag zeigen. Als Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA arbeite ich nun seit mehr als 27 Jahren an der Schnittstelle zwischen Frauen, Wirtschaft und Politik und an der Verbindung von Beratung, Guidance, Arbeitsmarktpolitik, Bildungspolitik und wirtschaftlichem Nutzen. Diese Kombination ist notwendig, um die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt, in der Bildung und in der Wirtschaft nachhaltig zu fördern.

Aktuelle Herausforderungen für die Bildungs- und Berufsberatung

Wie kann Bildungsberatung gestaltet werden, dass sie für Menschen vor allem in ihren Umbruchsphasen unterstützend und lebensbegleitend wirkt? Wer hat Zugang zu lebensbegleitender Bildungsberatung? Welche Kompetenzen werden zukünftig am Arbeitsmarkt gebraucht? Wie können informelle und formale Kompetenzen in der Bildungsberatung sichtbar gemacht werden? Wie kann Bildungsberatung zu mehr sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe beitragen? Diese Fragen sind aktuelle Herausforderungen, denen sich die Bildungs- und Berufsberatung in Österreich stellen muss, um das Ziel „Zugang zur Bildung für alle“ nachhaltig erreichen zu können.

Die Situation von Frauen am Arbeitsmarkt – ein erhöhtes Armutsrisiko

Sowohl in der EU, als auch in Österreich sind 67% der Frauen erwerbstätig. Dies zeigt eine Steigerung in den letzten Jahren, die jedoch auch auf den Anstieg der Teilzeitquote zurückzuführen ist. 48% der Frauen in Österreich arbeiten Teilzeit - im EU Vergleich ist das eher außergewöhnlich. Gründe für eine derart hohe Teilzeitquote gibt es viele, aber als häufigsten Grund nennen Frauen die Betreuungspflichten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige. Ausschlaggebende Gründe für Teilzeit bei Männern sind der Wunsch nach Arbeitszeitreduzierung oder ein Aus- und Fortbildungsverhältnis. Darüber hinaus sind Frauen wesentlich häufiger in atypischen Beschäftigungsverhältnissen beschäftigt. Darunter fallen Formen wie Teilzeit, freier Dienstvertrag, Zeitarbeit, geringfügige Beschäftigung, Befristung (Statistik Austria)[1]. Dieser hohe Anteil an prekärer Teilzeitbeschäftigung wirkt sich letztlich auf das Einkommen, das Vermögen und auch auf die Pension von Frauen aus. So besitzen Frauen in Österreich im Durchschnitt um 23% weniger Nettovermögen als Männer.[2]
Dieses Ungleichverhältnis hat Auswirkungen auf der individuellen Ebene im Haushalt, aber auch auf gesellschaftlicher Ebene: Vermögen zu haben bedeutet Gestaltungsmöglichkeiten zu besitzen und Macht, im Kleinen wie im Großen.

Eine weitere alarmierende Zahl: Ein-Eltern-Haushalte verzeichnen mit einer Quote von 44% die höchste Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung. Das umfasst vorwiegend alleinerziehende Frauen mit Kindern. Auch bei alleinlebenden Pensionistinnen liegt die Armutsgefährdung bei 26% im Gegensatz zu alleinlebenden Pensionisten, wo sie bei 15% liegt.[3] Die Kombination aus Berufsunterbrechungen, Teilzeit und strukturellen Nachteilen wie der branchenspezifischen Segregation, führt zu einem höheren Armutsrisiko für Frauen. Für die Bildungs- und Berufsberatung bedeutet dies, dass die Themen Armut und Armutsrisiko immer mehr in Fokus genommen werden müssen, um ganzheitliche Unterstützung und Begleitung leisten zu können.

Auch der „Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt“[4], herausgegeben vom AMS Österreich, welcher als sogenanntes Gender-Barometer für den österreichischen Arbeitsmarkt gesehen werden kann, bestätigt die prekäre Situation von Frauen am Arbeitsmarkt. Der Gleichstellungsindex bündelt ein Set von Indikatoren in den Themenfeldern Arbeit, Einkommen, Bildung und Familie, in Summe flossen 30 Variablen in die Berechnung des Gleichstellungsindex Arbeitsmarkt ein. Die Ergebnisse vom Bericht 2017 zeigen, dass Frauen durchschnittlich nur 71% der Werte von Männern erreichen. Im Vergleich zur ersten Erhebung 2015 lässt sich nahezu keine Abweichung erkennen.

Der größte Unterschied ist im Themenfeld Familie ersichtlich. In den Kategorien „Wiedereinstieg nach Karenz“ und „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ erreichen Frauen nur 39% der Werte von Männern. Was heißt das für die Bildungs- und Berufsberatung, wenn gerade die Zielgruppe „Mütter“ mit solchen strukturellen Diskriminierungen konfrontiert ist? Diese Frage ist für zukünftige Bildungsberatung sehr wichtig.

Diese Ausführungen zur Arbeitsmarktsituation von Frauen zeigen, dass enorme strukturelle Ungleichheiten in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung, soziale Absicherung bestehen, an denen die Bildungs- und Berufsberatung ebenfalls ansetzen muss.

Wie verbindet ABZ*AUSTRIA den Anspruch auf soziale Gerechtigkeit mit ihrer täglichen Praxis? 

Alle Bundesministerien in Österreich wurden am 12. Jänner 2016 zur Umsetzung der "Agenda 2030" beauftragt. Die insgesamt 17 Ziele definieren zukünftige Anforderungen für eine sozial gerechtere, nachhaltigere Gesellschaft. 

In den nachstehenden spezifischen Zielen werden Fragen aufgeworfenen, mit denen wir uns in unserer täglichen Arbeit als auch innerhalb unserer Angebote beschäftigen.

  • Ziel 4: Hochwertige Bildung

Hier spielen vor allem die Fragen nach zukünftig relevanten Kompetenzen und Formen der Weiterbildung eine Rolle. Welche Kompetenzen werden für den zukünftigen Arbeitsmarkt wichtig sein? Wie beeinflusst die Digitalisierung die Kompetenzanforderungen? Wie können Weiterbildungsangebote effektiv gestaltet sein? Wer profitiert von Weiterbildungen? Wie kann Life-Long-Learning wirklich umgesetzt werden?

  • Ziel 5: Geschlechtergerechtigkeit

Bei diesem Ziel stellen sich die Fragen nach Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, nach gleichem Lohn, nach Chancengleichheit bei Wiedereinstieg, nach gleicher Repräsentation in Führungs- und Leitungspositionen, nach Möglichkeiten der Karriereförderung und nach dem Recht auf (betriebliche) Weiterbildung.

  • Ziel 8: Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Zu diesem Ziel trägt ABZ*AUSTRIA in den Auseinandersetzungen zu New Work, New Leadership, Gendermainstreaming und Diversitymanagement bei. In der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Regionen begleitet ABZ*AUSTRIA strukturelle und kulturelle Veränderung. 

  • Ziel 10: Weniger Ungleichheit

Dieses Ziel beinhaltet die Fragen nach inklusiver digitaler Bildung, Teilhabemöglichkeiten aller Personen an hochwertiger Bildung und Weiterbildung, gleichem Lohn für Frauen und Männer, Abbau von genderbedingten Barrieren am Arbeitsmarkt und innovativer Regionalentwicklung sowie der Integration von Geflüchteten.

Bildungs- und Berufsberatung bei ABZ*AUSTRIA – Chancengleichheit und Gleichstellung

ABZ*AUSTRIA orientiert sich an dem Ziel des Bundesministeriums für Bildung und Frauen, „Zugang zu Bildung für alle zu ermöglichen, d.h. ungeachtet des Geschlechts, ethnischer Zugehörigkeit etc. unterschiedliche Hindernisse zu überbrücken und ‚Barrierefreiheit‘ auf allen Ebenen zu erreichen.“[5]

Bei ABZ*AUSTRIA wird Bildungsberatung mit verschiedenen Zielgruppen und in verschiedenen Formaten umgesetzt. Als Querschnittsmaterie fließen Gender Mainstreaming und Diversitymanagement in verschiedenste Ebenen hinein: Individuell in unsere Arbeit mit Frauen und Mädchen, in unsere Öffentlichkeitsarbeit, über Kampagnen, Veranstaltungen und Medienarbeit als auch in der Beratung von Unternehmen. Während Gender Mainstreaming darauf abzielt, in allen Bereichen Geschlechtergerechtigkeit herzustellen und Strukturen zu schaffen, in denen Frauen und Männer gleichwertig auf allen Ebenen beziehungsweise Unternehmensebenen agieren können, steht im Diversitymanagement die Anerkennung und der Nutzen der verschiedenen Potenziale und Möglichkeiten aller Kundinnen und Mitarbeiterinnen im Mittelpunkt.

Das bedeutet zum Beispiel im Bereich der Bildungsberatung, dass die Perspektive „Geschlecht“ auf allen Ebenen und in allen Phasen miteinbezogen wird und auf Chancengleichheit und Gleichstellung ausgerichtet ist. Die Fähigkeit der Berater/innen, unterschiedliche Perspektiven zum Thema Gender einzunehmen schafft die Voraussetzung für eine weitreichende Durchdringung von Lebens-, Berufs- und Bezugssystemen. Dadurch kann eine weitreichende Wirkungsentfaltung erzielt werden, die gender- und diversitätsspezifische Stereotypisierungen entgegengewirkt, damit Gleichstellungsziele erreicht werden.

„Ich konnte mit professioneller Begleitung mein Leben zu einem besseren verändern. Stetes Arbeiten an mir selbst mit dem Glück einen Coach an meiner Seiter zu wissen ermöglichte mir persönliches und berufliches Weiterkommen: Mehr persönliches Wohlbefinden, Wohnungsverbesserung und besser bezahlte Arbeit.  Das FBZ ist unverzichtbar, informativ und frauenspezifisch.“ (Teilnehmerin ABZ*Frauenberufszentrum)

Wie wir arbeiten: Grundprinzipien und Methoden

Soziale Teilhabe an Gesellschaft und Arbeitsmarkt sind nur durch die Erweiterung und den Erwerb vielseitiger Kompetenzen möglich. Daher arbeitet ABZ*AUSTRIA in Form von Einzelcoachings und Gruppensettings in einem ressourcen- und kompetenzorientiertem Rahmen. Kompetenz ist das Zusammenspiel von individuellen, fachspezifischen theoretischen, praktischen Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. [6]

ABZ*AUSTRIA arbeitet mit einem Kompetenzbegriff, der formale, non-formale als auch informelle Bildung und Fertigkeiten umfasst. Erkennen, Benennen und sich verschiedene Kompetenzen anzueignen steht in allen Angeboten im Mittelpunkt. Die Erfassung von non-formalen und informellen Kompetenzen unterstützt die Teilnehmerinnen nicht nur bei ihrer Jobsuche, sondern stärkt auch erheblich ihren Selbstwert, erhöht ihre Selbstwirksamkeit und erweitert ihre gesellschaftliche Teilhabe (vgl. Eichberger-Jesenko/Pretterhofer 2007, S. 8f.).

Genderhomogene Gruppen für erfolgreiches Lernen

Fast alle Angebote finden in genderhomogenen Räumen statt, um den Teilnehmerinnen einen „safe space“ zu gewährleisten, in dem sie lernen, fragen, reflektieren und sich austauschen können. Gerade die Reflexion von traditionell geprägten Geschlechterstereotypen ist im Bildungsbereich von hoher Wichtigkeit. Die Geschlechtersegregation in Ausbildungs- und Berufsverläufen ist in Österreich immer noch sehr ausgeprägt. Dies zeigt sich deutlich bei den Lehrberufen: Drei der zehn häufigsten Lehrabschlüsse (Einzelhandel, Bürokauffrau/-mann und Friseurin/Friseur) werden hauptsächlich von Frauen gewählt (Frauenanteile zwischen 68,7% und 94,5%), während die Lehrberufe Metalltechnik, Elektrotechnik, Kraftfahrzeugtechnik, sowie Installations- und Gebäudetechnik oder Maurerin/Maurer in fast nur von jungen Männern gewählt werden.[7]

In den Gruppenworkshops haben Frauen Raum und Zeit, um subjektive Erfahrungen einzubringen und die Erfahrung zu machen, dass ihre Stimme gehört und ihre Kompetenz gesehen wird. Auf diese Weise können sie sich als Wissende und nicht nur als Lernende erfahren. Das übergeordnete Ziel ist es, das Selbstbewusstsein der Frauen so zu stärken, dass sie ihre Kompetenzen und Ressourcen entdecken und benennen können. Das Wissen um gesellschaftliche Zusammenhänge ist in der heutigen Zeit wichtig, um sich auf dem Arbeitsmarkt und im Ausbildungsbereich zu orientieren, aber auch um zukünftige Entwicklungen einordnen zu können und eigene Handlungsspielräume erkennen zu können. 

Vernetzung und Unternehmensarbeit für nachhaltige Veränderungen

ABZ*AUSTRIA agiert in einem großen Netzwerk bestehend aus Ansprechpartner/innen in der Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Medien. Als Social Profit Organisation ist ABZ*AUSTRIA Mitglied bei verschiedenen Netzwerken wie zum Beispiel arbeitplus – Dachverband soziale Unternehmen Wien, Netzwerk Unternehmen für Familien oder der Social Charta. Darüber hinaus engagiert sich ABZ*AUSTRIA in dem European Institute for Gender equality.

ABZ*AUSTRIA ist als Organisation mit den unterschiedlichsten Multiplikator/innen und Kooperationspartner/innen verbunden. Dazu gehören Sozialpartner/innen, wissenschaftliche Fachkreise sowie Journalist/innen. Die Vielfalt an Auftrageber/innen und die Vielfalt an Adressat/innen ist seit den Anfängen ein Charakteristikum für ABZ*AUSTRIA und die Basis für eine qualitätsvolle, professionelle und nachhaltige Arbeit in der Erwachsenenbildung. Auf diese Weise können wir auf zukünftige Trends schnell reagieren und diese beeinflussen.

Die Unternehmensarbeit umfasst die Akquise von Unternehmen, das Matching potentieller Arbeitnehmerinnen/Unternehmen, die Organisation von Arbeitstrainings mit Übernahmeoption und die Vermittlung in den Job.

Die enge Zusammenarbeit zu Unternehmen ermöglicht eine „Win-win“ Situation zwischen unseren Teilnehmerinnen und den Unternehmen. Die Kooperationen führen zu existenzsichernden Jobs für die Frauen und zu neuen Arbeitskräften für die Unternehmen.

Darüber hinaus ist die enge Unternehmensarbeit auch eine Qualitätssicherung unserer Bildungsangebote. Wissen unsere Kundinnen nach den Kursen, die Sachen, die am Arbeitsmarkt gebraucht werden? Wir müssen wissen, was Unternehmen brauchen, um unsere Kundinnen bestmöglich darauf vorzubereiten und sie beim (Wieder)Einstieg unterstützen zu können. Zentrales Thema sind digitale Kompetenzen. Viele Frauen sind privat mit digitalen Medien sehr fit, aber haben großen Respekt vor beruflichen Anforderungen im Zusammenhang mit Digitalisierung. Durch Exkursionen zu Unternehmen, Schnupperpraktika und Arbeitstrainings können sie, begleitet durch die Trainerin, ihre ersten Zweifel abbauen, die realen Arbeitsanforderungen kennenlernen und ihr Selbstbewusstsein stärken. Gerade das vom AMS angebotene Arbeitstraining und die Arbeitserprobung sehen wir als gute Instrumente für die Teilnehmerinnen, als auch für die Unternehmen. Unsere Unternehmenskontakterinnen wählen bewusst Unternehmen aus, die an einer längerfristigen Zusammenarbeit mit den Frauen interessiert sind.

Die Begleitung von Unternehmen und Regionen, um gezielt genderbenachteiligende Strukturen und Kulturen zu verändern, hat darüber hinaus einen nachhaltigen Impact auf die Erreichung von Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft. Die Qualifizierung unserer Kundinnen ist wichtig, aber es braucht auch die Offenheit und Veränderungspotenziale der Unternehmen.

Bildungs- und Arbeitsmarktprojekte: – Unsere „good practices“

Wie die Verwobenheit von Bildungs- und Berufsberatung mit  Unternehmensarbeit und arbeitsmarktrelevanten Entwicklungen aussehen kann, zeigen die folgenden good practices, die bis in das Jahr 1999 zurückreichen. Dies zeigt, dass ABZ*AUSTRIA diese Notwendigkeit der Vernetzung auf allen Ebenen schon früh erkannt und umgesetzt hat.

Fancy – Mobiles Internet für Frauen

Das Projekt fancy hatte sich im Rahmen des EU Stadtteilentwicklungsprogramms URBAN zur Aufgabe gemacht, Frauen in der URBAN-Zone Wien den Computer und das Internet näher zu bringen. Das Konzept beruhte auf dem Prinzip der Niederschwelligkeit, mit dem frauenspezifische Barrieren der Weiterbildung abgebaut werden sollen. Ausschließliche Beteiligung von Frauen, Kostenlosigkeit der Kurse, keine vorausgesetzten EDV Kenntnisse, Kursort möglichst im Wohnumfeld der Frauen und ein Gestaltungsmodell, in dem der weibliche Lebenszusammenhang Berücksichtigung findet, sollten möglichst viele Frauen zur Teilnahme motivieren. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Einbindung von Klein- und Mittelbetrieben der URBAN-Zone durch die Schulung ihrer Mitarbeiterinnen.

Bimm – Berufliche Integration und Mentoring für Migrantinnen.

Dieses Projekt setzte ABZ*AUSTRIA im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit im Zuge der EQUAL Entwicklungspartnerschaft InterCulturExpress um.

Der ausbildungsadäquate Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt stellt für qualifizierte Migrantinnen eine enorme Hürde dar.  Oft ist es die fehlende formale Anerkennung von mitgebrachten Ausbildungen, die einen Arbeitsmarkteinstieg schier unmöglich machen. Aber selbst, wenn die Ausbildung formal anerkannt ist, schaffen es Migrantinnen kaum einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job zu finden.  Es fehlen ihnen zumeist die Kenntnisse über die „Spielregeln“ am österreichischen Arbeitsmarkt und entsprechende berufliche Netzwerke und Kontakte. Hier setzte das Mentoringprogramm an. Berufserfahrene Frauen begleiteten und unterstützen neueinsteigende Migrantinnen auf ihrem Weg zum Berufseinstieg.

KuCk-  Kompetent und Gesund

Das Projekt verfolgte von 2011 - 2013 das Ziel, beschäftigte Frauen in der mobilen Pflege ab 35 Jahre zu unterstützen, ihre Motivation und Arbeitszufriedenheit langfristig zu erhalten, Möglichkeiten der Arbeitsgestaltung zu finden, die vorhandene Kompetenzen wertschätzend wahrnimmt, Weiterbildungsmöglichkeiten über Fachqualifikationen hinaus zu nützen sowie körperliche und psychische Belastungen zu reduzieren. Es ist gelungen, vier Unternehmen der mobilen Pflege in Wien als Kooperationspartner/innen für die gemeinsame Projektentwicklung und Umsetzung zu gewinnen.

Für Frauen in Schnittstellenfunktionen wurden modulare Workshops angeboten. Die konkreten Inhalte und die organisatorische Umsetzung wurden gemeinsam mit den Kooperationspartner/innen konkretisiert. Im Rahmen des Projekts wurde eine App entwickelt, die den Mitarbeiterinnen die Auseinandersetzung mit und die Umsetzung von gesundheitsfördernden und belastungsreduzierenden Strategien erleichtert und zeitflexibel nutzbar ist. Die Entscheidung für dieses konkrete Produkt wurde gemeinsam mit den Kooperationspartner/innen getroffen.

Zur Autorin:

Mag.a Manuela Vollmann ist Gründerin und Geschäftsführerin der 1992 gegründeten Social Profit Organisation ABZ*AUSTRIA, welche sich die Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt, in der Wirtschaft und Bildung zum Ziel gesetzt hat. Ihre Expertise zu Chancengleichheit, Arbeitswelt 4.0 und innovativen Führungsmodellen gibt sie in vielzähligen Vorträgen und Podiumsdiskussionen weiter. Sie beschäftigt sich intensiv mit der bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Integration und der Karriereförderung von Frauen. Sie ist Autorin und Herausgeberin zahlreicher Fachartikel zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Wirtschaft und Gesellschaft, Vorstandsvorsitzende von arbeit plus sowie Vertreterin von arbeit plus im Vorstand des European Network for Social Integration Enterprises, Mitglied im Beirat für erwachsenenbildung.at und im Beirat der Bildungsberatung Wien.

Der vorliegende Artikel basiert auf der Vorbereitung sowie dem Transkript des Key Note Vortrags im Rahmen der Euroguidance Fachtagung „Opening Opportunities – Der Beitrag von Guidance zu sozialer Gerechtigkeit“ am 7. November 2019 in Wien.


[5] Götz, Rudolf (2013) „Dialog zum Themenbereich Gender & Diversity und Bildungsberatung“, in: Bildungsberatung im Fokus: Fachmedium der Bildungsberatung Österreich. Ausgabe 1/2013 „Anders anders“ ösb. http://erwachsenenbildung.at/service/bildungsberatung_fokus.php

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