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Blog

Ich möchte nicht lernen

09/12/2019
minn Gina Ebner
Lingwa: DE
Document available also in: EN RO ES EL PT CS PL HU FR FI

Lesedauer circa fünf Minuten – Lesen, liken und kommentieren!

Originalsprache: Englisch


/mt/file/unwilling-learn-0Unwilling to learn

Unwilling to learn

Selbst den stärksten Befürworter*innen der Erwachsenenbildung widerstrebt das Lernen manchmal. Wie können wir das Lernen am Arbeitsplatz und Erwachsenenbildung im Allgemeinen für Lernende wieder attraktiv machen? Gina Ebner lässt uns an ihren Überlegungen teilhaben.

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über die Europäische Woche der Berufsbildung in Helsinki schreiben. Aber dann habe ich bei einer der dortigen Veranstaltungen eine seltsame Erfahrung gemacht, von der ich Ihnen erzählen möchte.

Dazu muss ich erst ein wenig über mich berichten: Ich arbeite mittlerweile seit über 25 Jahren in der Erwachsenenbildung und das Lernen gehört bei mir zum Alltag dazu. Mein Lernen erfolgt meistens nicht-formal und informell, was großartig ist. Ich habe einen Ansteckbutton von der Plattform für Lebenslanges Lernen, auf dem steht „I‘m still learning“ (Ich lerne immer noch).

Aber nun zurück zu der Veranstaltung bei der Europäischen Woche der Berufsbildung: Bei der Diskussion ging es um Kompetenzen für die Zukunft (wobei Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz die Hauptschwerpunkte bildeten). Wir wurden gebeten, mithilfe unseres Smartphones anzugeben, ob wir der Ansicht seien, dass wir über alle notwendigen Kompetenzen für die Zukunft verfügen. Wie viele andere auch, habe ich geantwortet, dass ich einen Teil bzw. einige der erforderlichen Kompetenzen besitze. Und dann sagte jemand aus der Runde – ganz klar mit den allerbesten Absichten –, dass wir (genauso wie alle, die angegeben haben, nicht über die notwendigen Kompetenzen für die Zukunft zu verfügen,) noch viel lernen müssen, um für den Arbeitsmarkt der Zukunft gerüstet zu sein.

Und hier begann meine seltsame Erfahrung: Ich reagierte unmittelbar und beinahe körperlich auf diesen Satz, d. h. mir stockte kurz der Atem und mir schoss dann der Gedanke durch den Kopf: „Aber ich möchte das alles gar nicht lernen“ und dann: „Meine Zukunft auf dem Arbeitsmarkt ist eh begrenzt“ (ich bin 55 Jahre alt) und schließlich: „Wer hat denn Zeit dafür ?“. Ich war in gewisser Weise entsetzt. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich nicht lernen wollte (es hat auch Gelegenheiten gegeben, in denen ich nicht in die Schule gehen wollte, aber das ist etwas ganz Anderes). Zuerst dachte ich, dass meine Tage allmählich gezählt sind. Dass ich allmählich in das Alter komme, in dem die Leuten sagen, dass sie nichts mehr lernen müssen – wie diejenigen, die wir davon zu überzeugen versuchen, dass Lernen nützlich ist und Spaß macht.

In Wirklichkeit stimmt das gar nicht. Ich habe gerade mit einem Naturfotografie-Kurs begonnen, der zwei Jahre dauern wird. Ich denke auch darüber nach, einen Kurs über Fledermäuse zu belegen (ich mag Fledermäuse). Die Liste der Dinge, die ich gern tun und lernen würde (d. h. die ich informell lernen möchte), sobald ich die Zeit dazu finde, ist lang: Robert Musil lesen, Russisch lernen, ehrenamtlich arbeiten (vielleicht mit Fledermäusen), Niederländisch lernen und vielleicht endlich mit dem Singen anfangen – meine Familie hat mir, als ich sechs Jahre alt war, ziemlich überzeugend eingeredet, dass ich im Singen eine Niete bin.

Warum habe ich also unmittelbar so stark auf diese Aussage reagiert? Ich dachte weiter darüber nach und kam zu dem Schluss, dass es an dem „müssen“ in dem betreffenden Satz des Redners lag. Wir müssen aufholen. Wir müssen uns weiterbilden und neue Qualifikationen erwerben. Wir müssen über alle notwendigen Kompetenzen verfügen. Darauf habe ich mit einem lauten (innerlichen): „Nein, ich nicht“ reagiert. Wie so viele andere Menschen auch, habe ich viel zu tun. Arbeiten, reisen, Besorgungen machen, nervige Dinge erledigen wie mit Versicherungen verhandeln, Sport treiben, gesundes Essen zubereiten, sehr widerwillige Katzen zum Tierarzt bringen usw. Die Liste ist endlos und sobald ein Punkt erledigt ist, kommt ein neuer dazu. Dadurch bleibt für die schönen Dinge, die man gern tut, wie Freunde treffen, ins Theater oder Kino gehen usw. bereits wenig Zeit übrig. Wo bringe ich dann noch das Lernen unter, das ich erledigen MUSS?

Für mich stand das Lernen also plötzlich auf einer Ebene mit den nervigen Dingen, die ich tun muss – Versicherungen, Hypothekenbanken, Steuererklärungen, Sport. Hier wurde mir schlagartig klar, was so viele Menschen vom Lernen halten. Wir haben genug zu tun, gebt uns nicht noch eine weitere Aufgabe, die wir erledigen MÜSSEN. Noch schlimmer wird das Ganze, wenn man keine Vorteile erkennen kann. Werde ich dann befördert? Kann ich dadurch einen besseren Arbeitsplatz bekommen? Es gibt viele Menschen, die aus dem Lernen keine (unmittelbaren) Vorteile ziehen. Kein Wunder, dass ihre Antwort ein klares NEIN ist.

Nach diesem Exkurs über meine eigenen Erfahrungen nun ein paar rationale Überlegungen:

Lasst und die Art und Weise ändern, wie wir über die berufliche Aus- und Weiterbildung und Erwachsenenbildung sprechen. Hören wir damit auf, den Leuten zu sagen, dass sie lernen/Schulungen besuchen/sich weiterbilden/neue Qualifikationen erwerben müssen. Sprechen wir am Arbeitsplatz lieber über die großen Chancen, die mit dem Lernen einhergehen, und nicht darüber, dass „wir eine Schulung besuchen müssen“. Lasst uns mehr Lernen während der Arbeitszeit anstreben, um den Druck, der auf den Beschäftigten lastet, zu mindern.

Ändern wir unsere Argumente dahingehend, wie viel Spaß Lernen machen kann; wie viele Vorteile es mit sich bringt, auch wenn sie nicht finanzieller Art sind; dass Lernen keine Aufgabe ist, sondern interessant und lohnenswert.

Genießen wir alle Arten des Lernens und fördern wir sie.

Lernen macht glücklich.


Über die Autorin: Gina Ebner ist Generalsekretärin des Europäischen Verbands für Erwachsenenbildung (EAEA) und EPALE-Themenkoordinatorin für „Unterstützung für Lernende“.


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Qed jintwerew 1 - 8 minn 8
  • Petra Steiner, wba's picture
    Dear Gina!

    Thanks so much for this article, I fully can unterstand what you mean. For me it seems to be a kind of pressure and its exhausting adults. What came into my mind, when you told about your experience is: isn´t it a question what we want (and have to) learn? ... More than just a question of whether we have to learn or not? Following this question it becomes important to think about our opportunity and freedom to choose, what we want to learn and which subject we would rather like to leave out. Many topics concerning every day management and "digitalisation" seem to not allow freedom of choice. Or is it possible to shape this external pressure als Community of adult educators?
    Best regards and a successfull 2020!
    Petra H. Steiner, Austria
  • Halmos-Németh Ágnes's picture
    Most ébredtem rá, hogy legtöbbször engem is a KELL zavart és zavar. Persze előfordul sokszor olyan is, amikor a kell címszó alatt elkezd érdekelni az, amit meg kell tanulnom és meg kell csinálnom a kell-en belül. Ugyanakkor azt gondolom, hogy egy bizonyos kor felett (szerencséseknek ehhez nem kell bizonyos kor) tényleg akkor okoz igazi örömöt a tanulás, ha az belső indíttatásból jön, azzal kezdek el foglalkozni, ami igazán érdekel, de eddig nem tehettem meg, hogy erre időt szakítsak. Akkor biztosan nagyon felszabadító lehet elhagyni a KELL-eket és válik igazi élménnyé a tanulás. A legjobb viszont az lenne, ha már a gyerekkortól megtanulnánk az örömtanulást. 
  • Claudio MARQUES's picture
    Je ne sais pas si je suis d'accord avec l'idée de ne pas vouloir apprendre. Je pense que c'est même impossible. Je pense qu'on aime tous apprendre car on pense. Les connaissances rentrent tous les jours dans notre vie. Pour moi apprendre c'est ma manière d'être avec moi et le monde mais nous sommes bien-sûrs tous différents. L'apprentissage peut-être récréatif, social, culturel ou technique mais je pense que tout apprentissage est important. 
    Obliger à apprendre, non? C'est comme obliger à manger.
  • Marzena Woch's picture

    W dzisiejszych czasach coraz mniej ludzi chce się uczyć, już dzieci od najmłodszych lat okazują niechęć do nauki. 
    Przyczyn może być wiele, jedni gonią za kariera, pieniędzmi, inni zniechęcają się w szkołach, przez forme prowadzonych zajęć, podejścia nauczyciela do ucznia. 
    Z kolei też brak checi do nauki wynika z naszego lenistwa, niechęci, również z przykładu znajomych, rodziny, którzy po skończeniu studiów nie potrafia znaleźć pracy w danym zawodzie. 
    Nauka jest ważnym elementem każdego z nas, uczy nas życia, pracy, relacji międzyludzkich, warto mimo wszystko uczyć się, i zdobywać nowe doświadczenia.
  • Krisztina Kotlárné Varga's picture
    Köszönöm a cikket, frissitő élmény volt olvasni. Ahogy a gyerekek is egyre kevésbé szívlelik, hogy megmondják nekik, hogy mit KELL csinálniuk, úgy a felnőtekre ez hatványozottan igaz. A prespektíva váltás, az új csomagolás lehetne egy jó megoldás erre, ahogy Ön ezt írja. Köszönöm!
  • EPALE SK's picture
    Dear Gina, 

    thank you for this article. We face it everyday and should be aware of this kind of "selling" adult learning almost exclusively in the context of labor market. Values, joy, personal fulfillment, social contacts and much more is what we also need to stress about further learning. And we often don´t.
  • Katrin Echtermeyer's picture
    Many thanks for the very personal insight. I think this kind of self-reflection is very important in education in general and in adult education in particular. This is not about "us" (the teachers) on the one hand and "the others" (the learners) on the other. We are all the "adults" to whom adult education is directed. If we reflect on what causes contradiction in us, we can avoid it for our offers - no MUST in connection with learning, for example. If we reflect on what appeals to us, what arouses our curiosity, what makes us want to learn, then we know better what is interesting for others. Certainly not for everyone, but for some more.
  • Anastasija Kravcenoka's picture
    Pilnībā piekritu par to, ka mācīšanās jābūt interesantai un aizraujošai aktivitātei, tad cilvēki mācīsies arī papildus, viņus nevien nespiedīs to darīt, bet viņi to darīs paši! Tas ir pats galvenais.