chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

Pjattaforma Elettronika għat-Tagħlim għall-Adulti fl-Ewropa

 
 

Blog

Lernen am dritten Ort? Das Interview mit Denis CRISTOL

29/11/2019
minn André Chauvet
Lingwa: DE
Document available also in: FR EN

[Übersetzung (Französisch-Deutsch) : EPALE Frankreich]

Lernen am dritten Ort?  Dieses Thema fasziniert Denis CRISTOL, Direktor für Technik und Ausbildung bei CNFPT, Associate Researcher am Paris Ouest Nanterre und Experte für pädagogische Innovationsthemen.  Erstens, weil der Begriff des Lernens, den er entwickelt und umsetzt, sich mit allen Bedingungen befasst, die den Akt des Lernens erleichtern. Und auch, weil der Ort ein relevanter und aufschlussreicher Indikator für die Konzeption von Training und Lernen ist. Dass sich unsere Ausbildungsstätten und Aulen vom Mittelalter bis heute wenig verändert haben, muss vielleicht eine Bedeutung haben, sagt er uns in als Einleitung. 

 

/lv/file/people-workshop-class-725x482jpgpeople-in-workshop-class-725x482.jpg

 

1- Danke Denis, dass Sie mit uns über Lernen am dritten Ort sprechen. Was meinen Sie, was die Entwicklung dieser verschiedenen Orte uns über die Entwicklungen bei der Aktivität des Lernens sagt?

 

Die Entwicklung vieler neuer Orte fordert uns heraus darüber nachzudenken, wie Orte eine informelle Dimension bei der Beziehung zum Wissen darstellen. Dies bedeutet, dass sie ein Vektor für die Transformation dieser Beziehungen zum Wissen sein müssen. In diesem Sinne können wir eine Verbindung mit den sogenannten Nudges („Anstupser“) herstellen, die neue Verhaltensweisen im öffentlichen Raum einleiten können. Geht es darum, die Ausbildung anzustoßen? Auf jeden Fall ist die Frage nach dem Einfluss des Ortes auf die Haltung aller Menschen heute eine offensichtliche und reichlich dokumentierte Frage. Der Begriff des dritten Platzes bleibt zwar vage, wenig nachvollziehbar, führt jedoch wesentliche Ideen ein: Zusammenarbeit, Kooperation, aber auch Flexibilität und Offenheit. Kurz gesagt, der Ort ist Träger der Absicht. Wenn wir die Entwicklungen beobachten, erkennen wir, dass die Überlegungen zu dem Ort eine neue Form des Denkens über soziale Zusammenhänge und die Beziehung zum Lernen sind. Darüber hinaus betrifft es nicht nur städtische Orte, da es viele Initiativen in ländlichen Gebieten oder allgemein in allen Umgebungen gibt. Kurz gesagt, die Ausbildungsstätten, die monofunktional sind und sich auf die Vermittlung von organisiertem und a priori geformtem Wissen konzentrieren, stehen in klarem Wettbewerb mit polyfunktionalen Orten, an denen die Kommentionalität unerlässlich ist. In diesen Umgebungen gewinnen das Handeln und die Beziehung zur Arbeit in ihrer operativen Dimension wieder an Wert. Die Aktivität erfordert mehr „Hand in Hand“. Dies erinnert an Richard Sennetts Buch („The Craftsman (Handwerk)“) und schafft wieder den Zusammenhang mit der Aktion, die Tat im Herzen der Praxis.  Eine neue, frische Art zu lernen?

Gerüche, Bewegungen, Vibrationen, Stimmen....  an diesen Orten herrscht eine Atmosphäre, die eine weniger aseptische Umgebung erzeugt als sie in traditionellen Ausbildungsstätten herrscht, die manchmal mit „Eierkartons“ vergleichbar sind, in denen Raum und Zeit optimiert sind. Ich spüre frische Luft! Darüber hinaus ist es auch eine Wiederentdeckung für Ausbilder, die neue Regeln entwickeln, erfinden müssen, natürlich lesbar, aber flexibler. Dies kann für traditionelle Verwalter störend sein. Verwaltungskräfte selbst sind oft paradoxen Vorgaben ausgesetzt. Sie müssen das Aneignen von Wissen erleichtern, und innovative Systeme im Rahmen eines sehr rationalen Managements aufbauen. Diese Vorgabe zur Öffnung ist nur dann sinnvoll, wenn wir auf Indikatoren für Lernfortschritte und nicht auf Verwaltungs- und Anwesenheitskennzahlen Wert legen.

Im Grunde genommen geht es um die Gestaltung des Ortes, der die kooperative Produktion erleichtert, die sich auf das Gemeinsame und nicht auf das Äußere und Einzelne konzentriert. Erstens ist es ein auf jeden Fall ein Raum der Aktion, in dem wir zusammentreffen und gemeinsam gestalten können.

 

2- Was sind Ihrer Meinung nach die Bedingungen für einen Ort, an dem man lernen kann? Was impliziert das?

Wir können uns von Künstlerateliers inspirieren lassen. Diese Orte schaffen einen Lebensraum, der Ordnung und Chaos verbindet. Es geht darum, dass sich Blicke und Hände begegnen können, einen Ort zu schaffen, der uns inspirieren kann, in dem wir uns entfalten können. Diese Orte sind daher in erster Linie inspirierend, so wie die Natur es kann. Dies setzt Schwingungen, differenzierte, lebendige, flexible, anpassungsfähige Räume, mit Möglichkeiten zur Entwicklung voraus. Dazu gehört auch Multifunktionalität, ohne Rigidität. Aber es impliziert auch die Haltung der Menschen, die an diesen Orten tätig sind. Betreuer/Moderatoren, die anderen helfen, diesen Raum zu bewohnen, die sicherstellen wollen, dass der Ort für alle zugänglich ist und das bietet, was man braucht. Kurz gesagt, Dritte, die darauf achten, dass der Ort für alle zugänglich und angemessen ist, ob dass er den Zielen innerhalb einer Mediationslogik dient, sowohl in Bezug auf Beziehungen als auch auf Technologie.

 

Kurz gesagt, die Umgebung ist ermächtigend, wenn sie das Potenzial hat, zu stimulieren, motivierend ist. Dies ermöglicht es den Teilnehmern, auszuprobieren, sich zu versuchen. All dies schafft sowohl eine Form der Unordnung, die der Kreativität nicht schadet, sondern im Gegenteil eine Bedingung für sie ist. Es ist also eher ein Lebensraum, in dem Bewegung und Reorganisation einfach sind. Der Ort hat Gewicht, inspiriert uns und ist eine unbestreitbarer Teil des Prozesses. Er ist unser Verbündeter, wenn wir uns die Erlaubnis geben zu spielen. Und vor allem, wenn wir nicht versuchen, immer und immer wieder das Gleiche zu reproduzieren, egal, wo wir sind. Es gibt also in dieser Logik einen Zusatznutzen des Ortes, den wir im Dienste des gemeinsamen Bauens finden, verstärken und zähmen müssen. Kurz gesagt, ein Bienenstock-Effekt, der es ermöglicht, etwas Gemeinsames zu schaffen, das die kooperative Dimension des Ortes beleuchtet.

 

 

3- Welche Perspektiven ergeben sich daraus für die Arbeit in Bereichen mit den verschiedenen Akteuren?

Erstens eröffnet die einfache Tatsache, dass der Ort für die vorgegebene Nutzung nicht a priori definiert ist, Platz für Kreativität. Es kann natürlich auch Menschen zusammenbringen, die sonst keine institutionellen Gründe dafür haben.  Diese Orte können Menschen anziehen, die ihrem Ideenreichtum freien Lauf lassen können. An diesen Orten können sie in eine Art kreativen Untergrund eintreten, der es ihnen ermöglicht, Praktiken zu entwickeln, die bisher verborgen und vertraulich waren. Aber es kann auch Öffnung auf kollektiver Ebene zulassen. Bisher verborgene Praktiken können dann leichter geteilt und zu einer Ressource für andere werden. Dies stärkt die Logik der Peeragogy (Peer-Learning), die für die Innovation unerlässlich ist. Es kann daher sowohl einen Moment der Offenbarung kreativer Singularitäten durch das Kollektiv (Middleground) geben. Dann kann stärker werden uns sich als Upperground etablieren. Andere Akteure und Vermittler der Institutionen können sie dann nutzen, mit ihnen experimentieren und sie gelegentlich zu standardisierten Praktiken als Ressourcen für alle entwickeln.

Dies spielt eine wesentliche Rolle bei innovativen Praktiken. Einige Praktiken werden so durch einen Prozess der indirekten Dynamisierung wiederentdeckt, der auch mit der Flexibilität des Ortes verbunden ist. Dritte Orte können aber auch wesentliche organisatorische Auswirkungen haben, die es ermöglichen, Verwaltungs- und Bewertungsmethoden zu überprüfen. Denn es ist auch und vor allem ein Ort zur Schaffung neuer Möglichkeiten. Weil der Ort alles - Rollen, Arbeitsweisen, Atmosphäre - ändern kann, ist er per Definition unangreifbar. Das ist es. Es liegt an uns, es inspirierend und lehhreich zu gestalten.

Denis Cristol schließt mit dieser Formel, dem dritten Ort zur Schaffung einer neuen Lernlandschaft! Eine inspirierende Perspektive.

 

Vielen Dank an Denis CRISTOL für diese Brise frischer Luft!

Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn
Refresh comments Enable auto refresh

Qed jintwerew 1 - 2 minn 2
  • Philippe Ristord's picture
    Vous écrivez que le 1/3 lieux est polysémique mais regroupe plusieurs discriminants: "la collaboration, la coopération mais également la flexibilité et l’ouverture. En somme, le lieu est porteur d’une intention." 
    Je ne peux m'empêcher de penser à ce que sont depuis 1901, les associations. En tout cas celles qui respectent les valeurs initiales. Alors dans notre société de plus en plus individualiste, les 1/3 lieux; une opportunité pour revisiter les logiques d'éducation populaire ? 
  • André Chauvet's picture
    Oui Philippe. Cela pose clairement la question de l'affaiblissement possible des valeurs de solidarité (au profit peut être des enjeux de réussite individuelle comme nouvelle norme de reconnaissance ?). Et cela questionne à la fois les lieux et temps où se discutent, s'interrogent ce qui fait notre communauté de destin. Ce mouvement de tiers lieux, mais plus généralement tout ce qui touche aux espaces apprenants, peut sans doute se lire au prisme des principes et valeurs de l'éducation populaire. D'autres y voient aussi une modalité cachée d'un libéralisme qui met de la coopération partout. Le débat est important car il différencie le fond (les valeurs, la conception du commun...) et la forme (les modalités, les outils, les espaces). Or, c'est bien d'intention dont il est question....