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Blog

Lernen in der Arbeit als Grundlage kompetenzorientierter Bildung

23/10/2019
minn Anke Bahl
Lingwa: DE
Document available also in: EN HU RO FR

Lesedauer circa sechs Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


„Dieser Sammelband […] ist ein Beispiel dafür, dass Zukunftsfragen der Berufsbildung – trotz der Unterschiedlichkeit der Bildungssysteme – sinnvollerweise auf internationaler Ebene diskutiert werden sollten.“

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des BIBB

Das Stichwort „work-based learning“ ist derzeit in aller Munde. Es ist mit großen Erwartungen verknüpft, denn es verspricht Lösungsansätze für die Bewältigung der neuen Anforderungen in der Arbeitswelt durch die Digitalisierung als auch für die große Zahl an jugendlichen Arbeitslosen und gering qualifizierten Beschäftigten in vielen Ländern. Klassische Aus- und Weiterbildungsformate in Bildungsinstitutionen sind für viele Bevölkerungsgruppen nicht nur kaum zugänglich, sondern stoßen auch inhaltlich an ihre Grenzen. Durch arbeitsprozessnahes Lernen in der Arbeit könnte hier nicht nur flexibler und aktueller, sondern auch mit einem größeren Anwendungsbezug zu individuellen Herausforderungen im jeweiligen Arbeitsfeld reagiert werden.


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UNESCO UNEVOC

Das Lernen in der Arbeit hat viele Facetten. Es reicht vom informellen und eher beiläufigen Lernen im Prozess der Arbeit bis hin zu strukturiert angelegten Praktikums- und Trainingsplänen, die manchmal durch Seminare in schulischen oder hochschulischen Kontexten ergänzt werden.

UNESCO-UNEVOC-Handreichung des BIBB

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Berufsbildung der UNESCO einen Sammelband herausgegeben, der als Handreichung für Forschung, Praxis und Politik das breite Themenfeld beleuchtet. Primäre Adressaten sind die unterschiedlichen Mitgliedsorganisationen des weltumspannenden UNEVOC-Netzwerkes, die lokal und regional an der Umsetzung der Ziele der UNESCO-Strategie für Berufsbildung von 2016-2021 (UNESCO's Strategy for Technical and Vocational Education and Training) mitwirken. Damit sind die Inhalte aber zugleich auch für alle von Interesse, die sich innerhalb der Europäischen Union mit Fragen der Attraktivität und Qualität beruflich-betrieblicher Bildung befassen.

Zum einen sind in dem Band vielfältige Hinweise versammelt, wie das Lernen in der Arbeit aufgewertet und genutzt werden kann. Zum Beispiel, weil es

  1. der Kompetenzentwicklung der Betroffenen dient als auch der Innovation der Arbeit selbst zugutekommt,
  2. curricular in Aus- und Weiterbildungsgängen verankert werden kann,
  3. sich zu einem anerkannten Bestandteil im Rahmen des jeweiligen Bildungssystems entwickelt und damit dessen Qualifikationen als zukunftsfähige Bildungsabschlüsse nachhaltig aufwertet.

Forschungsergebnisse werden so aufbereitet und vermittelt, dass sie auch für Neueinsteiger in das Thema verständlich sind.

Zum anderen eröffnet der Band praktische Einblicke in konkrete Entwicklungs- und Forschungsarbeiten in ganz unterschiedlichen Settings. Diese verdeutlichen nicht nur, wie unterschiedlich die Ausgangsbedingungen für die Förderung des Lernens in der Arbeit in den unterschiedlichen Regionen der Welt sind, sondern helfen zugleich, die eigenen mit anderen Augen zu betrachten und zum Ausgangspunkt für eigene Pilotprojekte zu nehmen.

Die Autorenbeiträge stellen zum einen Analyseinstrumente vor, die sich für die Klassifizierung betrieblichen Lernens schon bewährt haben. Zum anderen werden Wege aufgezeigt, wie Arbeitsprozesse von Fachkräften und die Dynamik des kollegialen Lernens in Betrieben durch Interviews und Fragebögen erschlossen werden können.

Aufbau der UNESCO-UNEVOC-Handreichung

Der Band gliedert sich in fünf große Abschnitte. Der erste Teil führt in die zwei Schlagworte Lernen in der Arbeit und kompetenzorientierte Bildung ein: Stephen Billett stellt verschiedene Analyseperspektiven vor, mit denen der Arbeitsplatz auch als Lernort erschlossen und untersucht werden kann. Martin Mulder setzt sich mit der Genese des Kompetenzbegriffs im weltweiten Kontext auseinander und fasst die Erfahrungen mit der bisherigen Entwicklung kompetenzorientierter Bildungsgänge in unterschiedlichen Kontexten zusammen.

Die nächsten vier Kapitel bündeln Beiträge aus unterschiedlichen Teilen der Welt– von Argentinien bis Australien über China, Nigeria und Subsahara-Afrika, die Niederlande, Großbritannien, Deutschland und Singapur – unter thematischen Oberbegriffen, wie:

  • Lernförderliche Bedingungen auf der Ebene des Einzelnen und auf der Ebene der Arbeitsumgebung
  • Curriculum-Entwicklung für arbeitsprozessorientierte Bildungsgänge
  • Die Rolle von Ausbilder*innen, Mentoren und Kolleginnen und Kollegen für das Lernen
  • ‚Boundary Crossing‘: Transfer und Anerkennung von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen

Der Band schließt mit einem Ausblick der UNESCO im Hinblick auf die strategischen Bildungsziele und die hierfür noch zu bearbeitenden Forschungslücken.

Die unterschiedlichen Beiträge bilden die Vielfalt der Perspektiven auf die Thematik ab. Leser*innen, die sich spezifisch über aktuelle Entwicklungen im deutschen, chinesischen, argentinischen oder nigerianischen Bildungssystem informieren möchten, werden genauso fündig, wie Forscher*innen, die nach neuen Ideen suchen, wie arbeitsplatzbezogene Forschung zur Unterstützung von Bildungspersonal konzipiert werden kann.

Eine Grundlage, auch den eigenen Arbeitsplatz kritisch zu hinterfragen

Der Band bietet aber auch eine Grundlage dafür, den eigenen Arbeitsplatz kritisch zu betrachten. Alison Fuller und Lorna Unwin liefern hierzu die passenden Fragen:

  1. Wie ist mein Arbeitsplatz als Lernumgebung?
  2. Gibt es Möglichkeiten zur gemeinsamen Reflexion, Problemlösung und Zielsetzung im Team?
  3. Wie viel Kontrolle habe ich über die Art und Weise, wie meine Arbeit organisiert, ausgeführt und bewertet wird?
  4. Wie viel Spielraum habe ich, um selbstständig Entscheidungen und Urteile zu treffen?
  5. Wie kann ich meine Expertise bei der Arbeit weiterentwickeln und inwieweit kann ich dabei auf die Unterstützung und Expertise von Kollegen zurückgreifen?
  6. Inwieweit habe ich die Möglichkeit, in einem "multidisziplinären Umfeld" zu arbeiten und von Kollegen mit unterschiedlichen Fachgebieten und Erfahrungen zu lernen?
  7. Gibt es an meinem Arbeitsplatz eine Wertschätzung für  kollegiale Unterstützung?
  8. Würdigt mein Arbeitsplatz Lernmöglichkeiten außerhalb dieses Rahmens, z.B. durch Konferenzteilnahme, Entsendung, Studienaufenthalte etc.?

Wie dieser kleine Auszug bereits erahnen lässt, eignet sich der Band für unterschiedliche Zwecke – zum Beispiel auch als Reader in einem Seminar. Der Zugang auch für größere Gruppen von Leser*innen ist durch Open Access gesichert. Die pdf-Datei kann aufgrund ihrer geringen Datengröße problemlos überall auf der Welt heruntergeladen werden.

Laden Sie hier die UNESCO-UNEVOC-Handreichung auf EPALE runter.

Wir würden uns dazu sehr über Ihre Rückmeldungen freuen:

Wie gefällt Ihnen das Buch? Welche Beiträge fanden Sie interessant und warum?

Bitte berichten Sie uns ein wenig über die Zusammenhänge, in denen Sie dieses Buch nutzen möchten oder bereits konnten.

Vielen Dank und viel Erfolg bei Ihren ganz persönlichen Projekten im weiten Feld der beruflichen (Weiter-)Bildung!

Mit herzlichen Grüßen aus Bonn,

Anke Bahl und Agnes Dietzen

bahl@bibb.de und dietzen@bibb.de


Über die Autorinnen:

Dr. Anke Bahl ist seit 18 Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn tätig. Sie hat dabei in ganz unterschiedlichen Projekten auf nationaler und internationaler Ebene mitgewirkt und reiche Erfahrungen an der Schnittstelle von Wissenschaft, Praxis und Politik gesammelt. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Feldern Betriebliche Kompetenzentwicklung, Lernen am Arbeitsplatz, Berufliches Bildungspersonal, Betriebliche Rekrutierung, Ethnografische Berufs- und Branchenforschung. Folgen Sie Anke Bahl auch auf Twitter @anke_bahl

Dr. Agnes Dietzen ist Leiterin des Arbeitsbereichs „Kompetenzentwicklung“ im Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn. Ihre Forschungsarbeiten beziehen sich auf verschiedene Fragestellungen im Themenbereich der Kompetenz und der betrieblichen Berufsbildungsforschung. Dazu gehören Arbeiten zur Messung von beruflichen Kompetenzen insbesondere der sozialen und kommunikativen Kompetenzen. Im Bereich der betrieblichen Forschung liegen ihre Arbeitsschwerpunkte im betrieblichen Management von Kompetenzen, der Aus- und Weiterbildung, des Lernens in der Arbeit, der Rekrutierung und der Personalentwicklung.


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