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Region Västra Götaland: Initiativen für Asylsuchende und Neuangekommene im Rahmen der Regionalentwicklung

09/03/2017
EPALE Österreich
Valoda: DE
Document available also in: EN

Zahlen und Fakten zu Schweden, Västra Götaland und Integration 2014-2016

  • Regionalverwaltung im westlichen Teil Schwedens, 1,7 Mio. Einwohner/innen (9,9 Mio. in Schweden), 130 Nationalitäten
  • Asylsuchende pro Jahr in Schweden:
    2014: 81.301 / 2015: 162.877 / 2016 (Sept.): 22.330
  • 2015 genehmigte Schweden 350 Asylanträge pro 100.000 Einwohner/innen – im Vergleich zu 180 pro 100.000 Einwohner/nnen in Deutschland, wo in absoluten Zahlen in der EU die meisten Asylsuchenden aufgenommen wurden.

 

Von Therese Ydrén

 

Dank ihrem robusten Arbeitsmarkt und ressourcenstarken öffentlichen Sektor ist die Region Västra Götaland gut positioniert, um mit der Herausforderung der Einwanderung umzugehen. Für die erfolgreiche Integration in die schwedische Gesellschaft ist eine enge Zusammenarbeit verschiedener lokaler Stakeholder notwendig. In diesem Text wird die Haltung der Region Västra Götaland gegenüber Asylsuchenden und Neuangekommenen aus der Perspektive der Regionalentwicklung dargestellt.

 

Ausgangspunkte für die Initiativen für Asylsuchende und Neuangekommene im Rahmen der Regionalentwicklung

Die Anzahl der in Schweden ankommenden Flüchtlinge ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Aufnahme von Flüchtlingen beruht vor allem auf humanitären Gründen, wobei die Region Västra Götaland Flüchtlinge und Neuankömmlinge auch als Gewinn für die Gesellschaft und als potenzielle Arbeitskräfte für ihre Unternehmen betrachtet. Eine gute und effektive Vorgehensweise hinsichtlich der Aufnahme von Flüchtlingen ist für die zukünftige Entwicklung von Västra Götaland von großer Bedeutung. Die Ambitionen und die unternehmerischen Fähigkeiten der Zuwanderinnen und Zuwanderer in Schweden sowie die am Arbeitsmarkt gefragten Fertigkeiten und Kompetenzen sind Ressourcen, die sicherstellen, dass die Region attraktiv und wettbewerbsfähig bleibt.

Die Umsetzung der Regionalentwicklungsstrategie ist ein wichtiger Aufgabenbereich der Regionalverwaltung der Region Västra Götaland. Das Ziel ist eine integrative Gesellschaft sowie die Schaffung von Bedingungen, die für das Wachstum und die Entwicklung von Menschen, Organisationen und Unternehmen förderlich sind.

Eine gute Gesundheitsversorgung, Bildung, Fachausbildung, kulturelle Aktivitäten und der Zugang zum Arbeitsmarkt sind die Grundvoraussetzungen, die es den Menschen ermöglichen, sich in das Gemeinschaftsleben einzugliedern, Eigenverantwortung zu übernehmen und ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

Die Umsetzung der Kernmaßnahmen, die den Weg zur Selbstversorgung beschleunigen sollen, verringert den Bedarf an Sozialhilfe und trägt dazu bei, dass Menschen sich nicht ausgegrenzt fühlen.

Die Aufgabe und Rolle der Region Västra Götaland aus der Perspektive der Regionalentwicklung

Als Gebietskörperschaft wurde die Region Västra Götaland mit der Durchführung des Regionalentwicklungsprogramms beauftragt. Sie ist mit ihren 53.000 Angestellten der größte Arbeitgeber in der Region.

Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Sektoren – von der Industrie über die Bildung bis hin zu den öffentlichen Einrichtungen, Gemeindebehörden und der Zivilgesellschaft – ist ein entscheidender Faktor, dass Geflüchtete in der Region Fuß fassen können.

Derzeit ist das Amt für Migration für Asylsuchende zuständig, während die Arbeitsmarktverwaltung und die Regionalverwaltung dafür verantwortlich sind, Neuangekommene, die bereits eine Aufenthaltsgenehmigung haben, dabei zu unterstützen, sich zu etablieren. Die Zivilgesellschaft spielt eine wesentliche Rolle bei der Integration von Flüchtlingen.

Ab 2017 werden die Provinzregierungen von der Regierung damit beauftragt sein, frühzeitige Maßnahmen für Asylsuchende zu koordinieren und zu organisieren, auch im Bereich des Sprachenlernens und der Beschäftigung.

Aufgrund seiner Verantwortung in der Regionalentwicklung spielt die Region Västra Götaland gemeinsam mit den lokalen Behörden eine wichtige Rolle in der Aufnahme von Flüchtlingen. Langfristige, strategische Arbeit und sorgfältig geplante Aktivitäten ergänzen einander. Zusätzlich werden die Rahmenbedingungen geschaffen, die die Effizienz in der Arbeit der Region Västra Götaland aufrechterhalten.

Regionale Aktivitäten für Asylsuchende und Neuangekommene

Die Wartezeit für die Prüfung der Anträge von Asylsuchenden wird immer länger, da mehr und mehr Flüchtlinge in Schweden eintreffen. Bevor der Asylantrag entschieden ist, befinden sich die Asylsuchenden im Niemandsland und haben sehr begrenzte Möglichkeiten, sich aktiv am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. Um das Risiko einer wachsenden Ausgrenzung zu verringern, konzentriert sich auch die Region Västra Götaland auf Flüchtlinge, die sich in der Asylantragsphase befinden. Die Gebietskörperschaft bemüht sich darum, diese Wartezeit sinnvoll zu gestalten und die Bedingungen für Asylsuchende und Neuangekommene zu verbessern, indem ihnen ermöglicht wird, selbstständig zu leben. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich die Region Västra Götaland dazu entschieden, ihre Mittel in den folgenden Bereichen einzusetzen:

  • Bereitstellung von Sprachkursen während des Asylverfahrens
  • Ermöglichung der Teilnahme am kulturellen Leben, an Sport- und Freizeitaktivitäten
  • Zugang zur Zivilgesellschaft und zu Netzwerken
  • Erleichterung der Mobilität durch spezielle Vereinbarungen für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel
  • Förderung des interkulturellen Dialogs
  • Möglichkeiten für Berufspraktika, Anstellungen oder Selbstständigkeit
  • Arbeitsvermittlung in Berufsfelder mit Fachkräftemangel anhand eines Validierungsverfahrens mitgebrachter Kompetenzen von Fachkräften
  • Erarbeitung von Plänen, um Arbeitsplätze für Neuangekommen auch innerhalb der Verwaltung der Region Västra Götaland zu schaffen
  • Beteiligung am „Fast-track“-Programm der Arbeitsmarktverwaltung, das Neuangekommenen dabei helfen soll, sich zu etablieren
  • Förderung des Unternehmertums und unternehmerischer Initiativen

Beispiele für freiwillige Initiativen in Västra Götaland für Asylsuchende

Von der Region Västra Götaland werden Projekte zur Stärkung der Integration gestartet, weiterentwickelt und mitfinanziert. Zur Aufgabenstellung der Region Västra Götaland gehört es, bewährte Verfahren, die von Stakeholdern in Västra Götaland initiiert worden sind, zu identifizieren und anzuwenden. Die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und die Anerkennung von Freiwilligen-Initiativen sind hierfür von großer Bedeutung.

Einige Freiwilligen-Initiativen, die sich in Västra Götaland bewährt haben, spielen eine wichtige Rolle dabei, die Wartezeit während laufender Asylverfahren sinnvoll zu gestalten und die Integration der Geflüchteten zu stärken. Eine solche Maßnahme ist das „Support Group Network“ – ein Netzwerk aus Flüchtlingen, die mit der schwedischen Zivilgesellschaft zusammenarbeiten, um anderen Asylsuchenden sowie Migrantinnen und Migranten während der langen Wartezeit, in der die Entscheidungen zum Aufenthaltsstatus getroffen werden, zu helfen. Diese Gruppe bietet psychosoziale Unterstützung durch bedarfsgerechte Aktivitäten und ist sinnstiftend während der Wartezeit.

Das „Support Group Network“ wurde im August 2014 in Restad Gård in Vänersborg gegründet – der größten schwedischen Aufnahmestelle für Asylsuchende, wo ungefähr 1.300 geflüchtete Menschen untergebracht sind. Dieses Modell wird inzwischen in 13 weiteren Städten und 16 Aufnahmezentren in Schweden angewandt. Das „Support Group Network“ ist zu einer Dachorganisation für Vereine, Gruppen und Einzelpersonen geworden, die Asylsuchende, Flüchtlinge sowie Migrantinnen und Migranten in Schweden und im Ausland befähigen und unterstützen möchten, indem sie eigenständige Maßnahmen fördern und lokale Unterstützungsgruppen in ihren temporären oder permanenten Wohnorten gründen.

Eine weitere Freiwilligen-Initiative, die vom lokalen Wirtschaftsrat in der Stadt Trollhättan – zwanzig Kilometer von Restad Gård entfernt – eingeführt wurde, ermöglicht im Rahmen des Projekts „DoubleCup“ Zusammenkünfte zwischen Firmen und Migrant/innen. Der Grundgedanke von „DoubleCup“ ist das einfache Konzept, sich zum Kaffeetrinken zu treffen. Asylsuchende und Neuangekommene werden dazu eingeladen, sich mit dem Vertreter oder der Vertreterin eines Unternehmens direkt an deren Arbeitsplatz zu treffen. Diese Zusammenkunft wird durch ein IT-Tool arrangiert. Die freiwillige Unterstützungsgruppe (Restad Support Group) und das Arbeitsamt suchen und finden die Kandidat/innen für dieses Programm.


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Therese Ydrén

Department of Regional Development, Region Västra / Götaland, Schweden

Therese Ydrén arbeitet seit 2007 im Bereich Regionalentwicklung in der Region Västra Götaland in Schweden mit dem Fokus auf Integration, Skills und Inklusion am Arbeitsmarkt sowie internationale Koordination. Ihre Berufserfahrung umfasst die Tätigkeit bei der Ständigen Vertretung Schwedens bei der Europäischen Union, die Beschäftigung an der Universität West in Trollhättan im Bereich der Forschungsförderung sowie die Koordination eines Forschungsnetzwerks im Bereich der Berufsforschung. Ydrén hat Politikwissenschaften, Rechtswissenschaften und Französisch an Universitäten in Schweden sowie dem Institut d’Études Politiques de Lille in Frankreich studiert.

 

E-Mail: therese.ydren@vgregion.se

Webseiten: www.vgregion.sewww.supportgroup.se; www.doublecup.se

Film über Restad Support Group und DoubleCup, produziert von der Region Västra Götaland: www.youtube.com/watch?v=_qHWXQhLHW4


Den Veranstaltungsrückblick zur Konferenz "Nachhaltige Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Migration", welche am 24.11.2016 in Wien stattgefunden hat, finden Sie auf der Seite der Nationalagentur Erasmus+ Bildung: bildung.erasmusplus.at.

Zur Publikation "Nachhaltige Erwachsenenbildung im Kontext von Flucht und Migration" (Deutsch)


Foto: (c) OeAD-GmbH/APA-Fotoservice/Hörmandinger

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