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Emuārs

Entdecken, lernen und auftanken im Museum – unabhängig von Alter und Bildungsgrad

16/02/2016
Christina NORWIG
Valoda: DE
Document available also in: EN

Dr. Matthias Hamann, Direktor des Museumsdiensts Köln, beantwortet Fragen von EPALE Deutschland zu zielgruppenspezifischen Lernangeboten.

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Foto

Foto: Museumsdienst Köln

 
Herr Hamann, Sie sind Direktor des Museumsdiensts Köln. Was ist das?

Der Museumsdienst Köln ist als zentrale Einrichtung verantwortlich für die Vermittlung in den neun Museen der Stadt Köln. Wir konzipieren, realisieren und evaluieren mit 23 festangestellten und  130 freiberuflichen Mitarbeitern die museumspädagogischen Angebote und Projekte in den neun Museen. Deren Sammlungen reichen von der römischen Antike bis zur Kunst der Gegenwart. Um uns nicht in der eigenen Vielfalt zu verlieren, haben wir unser Handeln unter ein Motto gestellt: „Wir machen Programm“.

 

Was macht der Museumsdienst im Bereich der Erwachsenenbildung?

Unserem Motto getreu sind die Angebote inhaltlich und methodisch programmatisch. Ebenso wie nachhaltig, qualitätsvoll, innovativ, nachfrageorientiert und bezahlbar. Ein Ziel der nächsten Jahre ist der Ausbau des „Lebenslanges Lernens“. Dazu gehören klassische Führungen, Angebote für arbeitende Menschen in der Lebensmitte genauso wie für Hochbetagte, für aktive, jung geblieben Senioren  wie für museumsunerfahrene Gäste.  Bei der Entwicklung hilft uns die Orientierung an Besuchertypen. Die Besucher möchten im Museum entdecken, lernen, auftanken, etwas erleben, sich wohlfühlen – unabhängig von Alter und Bildungsgrad.

 

Sie führen auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Deutschkursen durch die Kölner Museen. Inwiefern findet im Rahmen dieser Führungen ein interkultureller Austausch statt?

Die Einbindung  eines Museumsbesuchs in Deutschkurse für Migranten geschieht ab Kursniveau B2. Der Museumsbesuch dient dann der Erweiterung des Wortschatzes und dem Kennenlernen der neuen Heimat Köln. Die aktuellen Entwicklungen haben diese Systematik jedoch fast obsolet gemacht. Derzeit dient ein Museumsbesuch der Erweiterung des Horizonts – bei Vermittlern und Besuchern gleichermaßen. Wir alle müssen uns im transkulturellen Sehen üben, denn die Dinge haben in unterschiedlichen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen. Für den europäischen Kunstkenner ist die barocke Frauenfigur der „Veritas“ die nackte Wahrheit, für Menschen aus dem Orient eine nackte Frau, die man besser nicht ansieht. Daher ist es gut, wenn die Angebote auf symmetrischer Kommunikation basieren. Im Dialog auf Augenhöhe kann der kulturelle Background einfließen. Ein Hindu kann mir über seine aktuelle kulturelle Praxis mehr erzählen als ein Indologe.

 

Welche Möglichkeiten zum intergenerationellen Lernen bieten die Museen?

Ab Herbst 2016 starten wir ein Projekt, bei dem Jugendliche und Senioren zusammen Führungen entwickeln und  anbieten. Wir coachen den Prozess und zeigen, wie man Inhalte am besten an das Publikum heranträgt.

 

Können auch Menschen mit Demenz von einem Museumsbesuch profitieren?

Das Demenzprogramm gibt es in fünf Museen. Menschen aus Sozialeinrichtungen besuchen mit ihren Betreuern die Museen, erleben eine Führung und vertiefen da Ganze mit Malerei oder Musik. Der Erfolg ist messbar: Die Gäste haben danach über Tage hinweg gute Laune.

 

Sie haben auch Kreativkurse für Erwachsene im Programm. Inwiefern unterscheidet sich das „Learning by doing“ von einem klassischen Ausstellungsrundgang?

In einem Kurs stehen wenige Objekte im Zentrum. Sie werden intensiv analysiert, auf ihre Technik oder ihre Ausdruckskraft hin, und sind im Kurs Inspirationsquelle oder Vorbild für die eigene Kreativität. Es geht nicht um Wissenserwerb, sondern um den Ausbau eigener Fähigkeiten. Daher leiten Künstler diese Kurse. Die können das besser.

 

Welchen Mehrwert bieten Exkursionen in Ergänzung zu einem Museumsbesuch?

Der Besucher kann die Objekte, die er zuvor im Museum gesehen hat, im Originalkontext verorten. Geschichte wird als Prozess anschaulich, wenn ich zum Beispiel eine Kirche über einem römischen Friedhof in ihrer heutigen urbanen Umgebung verankere. Oder Designklassiker mit ihren preiswerten Verwandten in einem schwedischen Möbelhaus vergleiche.

 

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ihren Besucherinnen und Besuchern?

Wünsche nach noch mehr Angeboten. Das ist manchmal zu erfüllen, aber nicht immer. Aktuell bauen wir ein Programm auf, das Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Museumsbesuch verbindet.

 

Worüber würden Sie sich gerne mal mit Kolleginnen und Kollegen aus Europa austauschen?

Über kreative, non-verbale  Methoden innerhalb der klassischen Führung für Erwachsene. Kinder haben mit diesen spielerischen Elementen kein Problem,  Ältere schon. Und über das Thema „Geflüchtete und Museen“.

 

Vielen Dank für die Einblicke in die Kölner Museumswelt, Herr Hamann! Wir sind gespannt auf die Rückmeldungen der EPALE-Community.
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Tiek rādīts 1. - 1. no 1
  • Lietotāja Luisa Puppo attēls

    Many thanks to EPALE Germany and to Dr. Hamann for this interesting interview. I would like to know more about the Cologne experience and the development of creative, non-verbal methods into traditional tours for adults: I do think that - as a best practice - they could effectively fit in the planning of adult activities for tourism crafts tours connecting artisan workshops, museums etc., a topic on which I am working on account of CNA Liguria, the regional department of the Italian National COnfederation of Crafts and Small Businesses (see more here). I am willing to exchange views, experiences and ideas for further initiatives. Grazie e buon lavoro! Luisa Puppo