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Emuārs

Anhaltender Wandel

30/03/2020
Linda Juntunen
Valoda: DE
Document available also in: FI EN SV RO HU ET FR

Bild 1: Kia Aarnio hält eine Rede bei einer Klimastreik-Veranstaltung (09/2019).
Bild 2: Bei einem Klimamarsch mit Megafon (04/2019)


Neben größerem Umweltbewusstsein und weitreichenden Abkommen zwischen Staaten braucht unsere Erde radikale Umweltmaßnahmen, die auf tiefgreifende Veränderungen und Erneuerung abzielen. Diese Veränderungen können nicht warten und die bürokratischen Mühlen mahlen langsam – aus diesem Grund sind viele Bürgerinnen und Bürger in Klimafragen selbst aktiv geworden. So war es auch bei Kia Aarnio, Doktorin der Psychologie und Autorin von Lehrwerken, und Anne Leppänen, Künstlerin und Kommunikationsforscherin. Von ihrem persönlichen Wandel berichten die beiden in diesem Blog-Text.

Erwachen und Veränderung

Aarnio und Leppänen sind nicht ganz plötzlich wie bei einem Blitzeinschlag auf Klimafragen aufmerksam geworden, sondern ihnen wurde die Problematik nach und nach, aber endgültig klar, was zu dauerhaften Veränderungen in ihrem Leben geführt hat.

„Ich bin bereits seit zehn Jahren vom Klimawandel überzeugt, dachte aber immer, dass schon etwas dagegen unternommen wird – von anderen Menschen. Vor rund einem Jahr haben Bekannte von mir die Bewegung Aktivistimummot (Oma-Aktivisten) [FI] gegründet, der ich mich angeschlossen habe“, so Leppänen. Sie verwaltet die Diskussionen in der Facebook-Gruppe der Bewegung, in der Informationen über umweltpolitische Ideen und einen moderaten Lebensstil sowie Zukunftshoffnungen nach Großmutterart verbreitet werden. Mittlerweile hat die Gruppe über 5.000 Mitglieder.

Für Aarnio begannen die Veränderungen damit, dass sie klimarelevante Nachrichten gelesen und angesehen hat. Dann nahm sie im Oktober 2018 an einem Klimamarsch und einer Challenge zur veganen Ernährung teil, veröffentliche Leserbriefe, organisierte den Wahlkampf für die finnischen „Klimawahlen“ und Flugsteuern und richtete eine Klimafront der Psychologen [FI] ein.

„Ich habe meinen CO2-Fußabdruck im Internet berechnet und festgestellt, dass aus ökologischer Sicht selbst ein einziger Flug pro Jahr inakzeptabel ist. Die erste große Veränderung in meiner Familie bestand also darin, den Winterurlaub in Portugal durch einen Spa-Urlaub in Finnland zu ersetzen“, so Aarnio.

Neben dem Verzicht auf Rindfleisch war die Reduzierung der eigenen Flugreisen eine der ersten klimafreundlichen Maßnahmen von Anne Leppänen.

„Letztes Jahr bin ich ein einziges Mal geflogen und habe mir Gedanken über eine CO2-Kompensation in Höhe von wenigen Euro gemacht. Wie kann die Kompensation so gering sein und wo geht das Geld hin?“

Der Umfrage Megatrends 2020 [EN] des finnischen Innovationsfonds SITRA [EN] zufolge bedeuten die Veränderungen der Umwelt eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft, damit ein Wandel herbeigeführt werden kann. Es ist immer schwierig, Alltagsgewohnheiten zu ändern, vor allem, wenn man nicht an die Gründe dafür glaubt bzw. die direkten Auswirkungen nicht nachvollziehen kann.

Leppänen ist der Meinung, dass Mülltrennung und der Verzicht auf Flugreisen oder Rindfleisch einfach umzusetzen sind, wie es auch die Forschung zeigt. Aber sie hätte gern noch mehr Informationen über Aspekte der Nachhaltigkeit bei zum Beispiel Strom und Heizung.

„Was am meisten davon abhält, etwas Konkretes für die Umwelt zu tun, ist, dass uns nicht klar ist, was die beste Alternative wäre. Ich brauche Informationen und muss davon überzeugt sein, dass meine winzige Entscheidung wichtig und richtig ist.“

Bild 3: Anne Leppänen. Planungstreffen der Oma-Aktivisten. 
Bild 4: Reijo Leppänen. Anne Leppänen.



Wenn der Wandel beunruhigt

Laut der Umfrage Megatrends 2020 von SITRA wird von der Philosophie, wonach die Natur als endlose, für den Menschen gedachte Ressource angesehen wird, Abstand genommen –  die Natur wird nun eher als Gesamtwert und der Mensch als Teil davon betrachtet. Die Wertvorstellungen der Bürgerinnen und Bürger sind in Bezug auf die Umwelt sehr unterschiedlich, was nicht nur Auseinandersetzungen und wachsendes Interesse, sondern auch Angst verursacht.

Aarnio zufolge ist das Wichtigste, was jemand, der sich sehr um die Umwelt sorgt, tun kann, andere Menschen zu kontaktieren, denen es ebenso geht, und gemeinsam etwas zu unternehmen. Angesichts der Größe des Problems in Schockstarre zu verfallen, macht die Menschen hoffnungslos, während selbst eine winzige Veränderung Hoffnung bringt.

Aber selbst dabei ist Geduld gefragt:

„Klimaaktivist(inn)en ermüden leicht, weil es so viel zu tun gibt. Auch ich musste lernen, eine Grenze zu ziehen, um meine Gesundheit nicht zu gefährden. Wenn man sämtliche Wochenenden damit verbringt, sich in sozialen Medien über Umweltfragen auszutauschen und auf der Straße Unterschriften für Petitionen zu sammeln, erlebt man einen Ehrenamts-Burnout.“

Leppänen empfiehlt den Besuch der Website der Oma-Aktivisten und die Teilnahme an deren Diskussionen in der Zentralbibliothek Oodi in Helsinki. Als Lesetipp nennt sie „Valot päälle!“, ein leicht verständliches Sachbuch von Tuomas Vanhanen.

Wer seine eigene Einstellung ändern möchte, dem empfiehlt Aarnio Naomi Kleins internationalen Bestseller „Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima“. An finnischen Büchern sind Panu Pihkalas „Päin helvettiä“ und „Mieli maassa“ empfehlenswert.

„Im Frühjahr werden Iina Soininen und Anna Pulkka im Rahmen des Climate Citizen's Guide, der von der Kone Foundation finanziert wird, eine niedrigschwellige Website erstellen, bei der es um klimafreundliche Handlungsweisen geht“, so Aarnio.

Die Klimawahlen haben stattgefunden, ebenso die Bürgerinitiative zur Flugsteuer, der finnische Psychologenverband ist tätig geworden und die Oma-Aktivisten sind auf dem Vormarsch. Was haben Aarnio und Leppänen als Nächstes vor?

„Klimaaktivismus ist für mich noch immer relativ neu, es gibt also viel zu lernen. Ich möchte Menschen wie mich dazu inspirieren, sich damit zu befassen, was sich auf die globale Erwärmung auswirkt, und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Darüber hinaus wird von unserer Wohnungsbaugesellschaft ein neuer Müllplatz gebaut, für den ich eine Recyclingstelle beantragen möchte“, so Leppänen, die seit noch nicht einmal einem Jahr Klimaaktivistin ist.

Aarnio, deren Erwachen schon länger zurückliegt, entgegnet sofort:

„Eine Bewegung der 3,5 %. Das Ziel soll also darin bestehen, mindestens 3,5 % der Bevölkerung zur Teilnahme an einer Klimademonstration zu bewegen. Der Forschung zufolge würde dies wahrscheinlich ausreichen, um Veränderungen herbeizuführen. Finnlands größter Klimamarsch ist für den 5. September 2020 geplant, an diesem sollen möglichst alle teilnehmen.“

Die Veränderung zum Guten kann man auch unterstützen, indem man seine Konsumgewohnheiten beurteilt und überprüft. Den eigenen CO2-Fußabdruck kann man mithilfe des Ilmastodieetti.fi (Klimadiät) [EN] berechnen und so zum Beispiel im Alltag nachhaltiger leben.
 


Text: Linda Juntunen


Der Blog-Beitrag ist Teil der von Januar bis März durchgeführten EPALE-Mini-Reihe zum Thema „Erwachsene und Umweltbewusstsein“. Die Themen des Blogs in dieser Reihe sind: Entwicklung von Umweltbewusstsein im Erwachsenenalter, Übernahme einer nachhaltigen Lebensweise, Umweltmaßnahmen von Arbeitsgemeinschaften, Organisationen und ganzen Städten sowie Bemühungen um die Vermittlung von Umweltbewusstsein.

Über die Autorin: Linda Juntunen ist freiberufliche Journalistin und fotografiert neben dem Schreiben auch. Von 2017-2019 war sie als Leitende Programmberaterin der finnischen Nationalen Bildungsagentur zuständig für den Internationalisierungsdienst im Bereich Allgemeine und Berufliche Bildung. Juntunen hat einen Master in Erwachsenenbildung und liebt das internationale Leben.

   

 Lesen Sie auch den Blogbeitrag "Nachhaltige Erwachsenenbildung in Finnland" aus dieser Serie

oder schauen in die spannenden Beiträge zum ersten Quartalsthema 2020 "Umweltbewusstsein und Umweltschutz" rein!

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Tiek rādīts 1. - 1. no 1
  • Lietotāja Elza Seile attēls
    This article is a very good example of how "Think globally, act locally" approach can help tackle global issues from an individual viewpoint. It is not really possible for a single individual to have a global impact on climate change and it is overwhelming thus no action is taken even if there is a willingness to make a change. However you can make local contributions as illustrated in article by avoiding flying and demanding recycling points in local waste shelters. When enough people (only 3.5% actually required according to article) make these local actions then major global shifts can happen.