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Emuārs

Kompetenzen von Freiwilligen sichtbar machen

16/12/2019
Sidorela Mirashi
Valoda: DE

Ein Blogbeitrag von Sidorela Mirashi und Amelie Henze

Lesedauer circa drei Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Das diesjährige Bamberger Forum für Erwachsenenbildung fand dieses Mal zum Thema „Zusammenarbeiten?! Interdisziplinär – Multiprofessionell – Kooperativ“ statt. Die Beschäftigung mit Kompetenzen im Freiwilligenbereich ist ein Thema,das den Diskurs der Erwachsenenbildung in vielen Bereichen beschäftigt. Es wird vor allem im Kontext des lebenslangen und informellen Lernens diskutiert, welchen in der Erwachsenenbildung unweigerlich eine immer größere Bedeutung zukommt und auch weiter zukommen wird.

Ein Blick auf das Thema „Lernkulturwandel in der Erwachsenenbildung“ macht deutlich,dass die Thematik zum informellen Lernen hier im Mittelpunkt steht. Eine im Diskurs bisher weniger präsente dennoch sehr spannende Perspektive bot die Arbeitsgruppe „Kompetenzen von Freiwilligen sichtbar machen“. In dieser Runde konnten sich die Teilnehmenden sowohl theoretisch als auch praktisch für das Thema sensibilisieren und sich neue Blickwinkel in anschließender Diskussion eröffnen.

Informelles Lernen

Einführend stellte sich erst einmal die Frage, was informelles Lernen ist oder was es nicht ist. Bildung ist ein weites Feld, das sich nicht nur auf formale Lernumgebungen wie Schulen, Universitäten, Kurse oder Workshops. beschränkt. Darüber hinaus können Kenntnisse und Kompetenzen durch informelle oder nicht-formale Erfahrungen im Alltag, im sozialen Umkreis oder eben in Tätigkeiten wie der Freiwilligenarbeit erlangt werden. Diese Kenntnisse unterliegen meist keinem offiziellen Nachweis - im Diskurs des Lebenslangen Lernens sind sie aber von großer Bedeutung. In unserer Gesellschaft, in der der Zertifizierung von Wissen eine große Bedeutung auch mit Blick auf Lebensverläufe und Bewerbungsabsichten zugeschrieben werden kann, besteht ein wachsender Bedarf an Anerkennung der Kenntnisse und Kompetenzen, die auch außerhalb von formalen Institutionen erworben werden.

Kompetenzerwerb in der Freiwilligenarbeit

Wissen und Kompetenzen können an vielen Stellen und in vielen Situationen erworben werden. Dies erhöht gleichzeitig die Schwierigkeit, sie nachzuweisen - wie auch im Setting der ehrenamtlichen Tätigkeit. Freiwilligenarbeit ermöglicht neben dem spirituellen Vergnügen, das man aus der gegenseitigen Hilfe gewinnt, den Erwerb vieler Kompetenzen, die für die berufliche Zukunft von Bedeutung sein können. Darum ist es notwendig, diese Kompetenzen anzuerkennen und zu zertifizieren. Und auch wenn Freiwilligenarbeit für die meisten Menschen primär mit dem Ziel geleistet wird, anderen zu helfen, bedarf es einer Möglichkeit, die zusätzlich erworbenen Kompetenzen, die im professionellen Bereich äußerst wertvoll sein können, sichtbar zu machen. Genau hier, so stellte die Arbeitsgruppe deutlich heraus, befindet sich auf mehreren Ebenen der „blindeFleck“.

Tools zur Kompetenzbewertung

Im Bereich der Kompetenzbewertung gibt es in einer „unüberschaubaren Vielfalt“ verschiedene Online-Apps, mit denen sich die Teilnehmenden des Workshops in der Praxisphase bekannt machen konnten. Die Apps oder auch Onlineplattformen bieten in unterschiedlicher Form die Möglichkeit, informell erworbene Kompetenzen bewerten, einordnen oder validieren zu lassen. Darüber hinaus können sie einer Herausforderung seitens der Freiwilligen entgegenwirken. Denn einer der am meist diskutierten Punkte in der Arbeitsgruppe war, dass die Freiwilligen oftmals viele der erworbenen Fähigkeiten nicht oder nur unzureichend schätzen oder benennen können. Hier können die Online-Anwendungen helfen und es den Betroffenen erleichtern, ihre erworbenen Kompetenzen zu spezifizieren.

Im Folgenden finden Sie ein paar Links zu nützlichen Tools zur Kompetenzbewertung:

Lever up

Europass

Reveal 2

Über diese Anwendungen, die zum Großteil im Rahmen von Erasmus+-Projekten entstanden sind, können Nutzer*innen ihr eigenes Profil erstellen, indem sie ihre in unterschiedlichen Erfahrungen erworbenen Kompetenzen und Fähigkeiten einfließen lassen können.

Die Etablierung Lebenslangen Lernens als eine Lernkultur – nicht nur eine gesellschaftliche Aufgabe

Im Mittelpunkt der Diskussion auf dem Bamberger Forum steht zusätzlich die Haltung der anwesenden Studierenden. Diese betonen, dass sie sich von der Wahrnehmung etwas so „Reines“ wie Freiwilligenarbeit in einen Job zu verwandeln, in dem angesammeltes Wissen neu bewertet, zertifiziert, verifiziert und von zusätzlichem bürokratischem Aufwand begleitet wird, fernhalten möchten. Auf der anderen Seite der Argumentation stehen die Arbeitgeber*innen, die die besagten Kompetenzen schätzen.

Auch dieTatsache, dass sie diese Kompetenzen als äußerst wertvoll und notwendig für die berufliche Zukunft der und des Einzelnen bewerten, bewegt sie dazu, eine Zertifizierung zu fordern. In der Dynamik des Themas wird im Laufe der Diskussion deutlich herausgestellt, dass sich trotz aller Komplexität des Themas die Anerkennung informellen Lernens nicht nur zu einer gesellschaftlichen, sondern darüber hinaus auch zu einer politischen Aufgabe entwickelt. Daraus ergibt sich ein Handlungsbedarf zur Etablierung dieser neuen Lernkultur.

Folgende Ebenen und Handlungsfelder konnten herausgestellt werden:

Auf gesellschaftlicher Ebene, gerade auch mit Blick auf den demografischen Wandel und die ehrenamtliche Tätigkeit im sozialen Sektor, besteht die Notwendigkeit einer lernfähigen und lernbereiten Gesellschaft, die ihre Kompetenzen und ihr informell erworbenes Wissen selbst einschätzen, einsetzen und bewerben lernt. Mit Bezug auf ehrenamtlich tätige Personen, das heißt auf der individuellen Ebene, sollte ein Bewusstsein für die eigenen Kompetenzen und ein damit einhergehendes Selbstvertrauen geschaffen werden. Auf organisationaler Ebene, also der Betriebe, Arbeitgeber, Verbände und Organisationen, besteht ein Interesse an der Nutzung und des „Sichtbarmachens“ informell erworbenen Wissens.

Welche Aussichten gibt es also?

Eine Lösung, so konnte in der Diskussion herausgestellt werden, wäre das EINE Tool - das es bisher jedoch noch nicht gibt. Dieses Tool sollte idealerweise die Möglichkeit bieten, Kompetenzen und Wissen zu erfassen und diese darüber hinaus in einer bestimmten Form zu zertifizieren und zu verifizieren. In der Idealvorstellung würde dies ohne großen bürokratischen Aufwand und mit einer Einheitlichkeit passieren, die es auch Betrieben und Verbänden ermöglicht, das Wissen und die Kompetenzen der Bewerbenden gebündelt zu erfassen und diese für die internen Interessen als nutzbar oder wertvoll begreifen zu können. Als ein gemeinsames Ergebnis der Diskussion konnte festgehalten werden, dass es für eine realistische Umsetzung in die Praxis einer Zusammenarbeit von Politik und Organisationen bedarf.


Lesen Sie auch die Blogbeiträge zu den anderen Arbeitsgruppen auf dem III. Bamberger Forum für Erwachsenen- und Weiterbildung 2019.

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