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Emuārs

Literalität für den Rest des Lebens

25/09/2015
Katrin Handler
Valoda: DE
Document available also in: EN ES

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Die Weltalphabetisierungswoche wurde dieses Jahr unter dem Schirm des European Literacy Policy Network ELINET (dem EU-Netzwerk zur Leseförderung) organisiert, dessen Ziel es ist, die Politik bezüglich Literalität in den Mitgliedsstaaten zu verbessern, um die Anzahl an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit niedrigem Literalitätsniveau in Europa zu senken. Maria Toia, EPALE-Redakteurin für „Lebenskompetenzen“, hat David Mallows interviewt; er ist Leiter der Forschungsabteilung des Forschungs- und Entwicklungszentrums NRDC und Koordinator des Teams für Erwachsene bei ELINET, und teilte seine Gedanken zum Thema Literalität bei Erwachsenen im Kontext der gesamten „Alphabetisierungsproblematik“.

Welche Rolle spielt das Team für Erwachsene im ELINET Netzwerk?

Erwachsene werden beim Thema Ausbildung häufig übersehen, und Literalität ist da keine Ausnahme. Allerdings hat es sich das ELINET-Netzwerk zum klaren Ziel gemacht, das zu ändern, indem der Erwachsenenbildung dieselbe Aufmerksamkeit gegeben wird wie der Schulbildung für Kinder und Jugendliche. Das Team für Erwachsene bei ELINET ist dafür verantwortlich, dass Erwachsene ein Mitspracherecht innerhalb des Netzwerks haben. Vor allem wollen wir so viele politische Akteure wie möglich beteiligen und ihre Denkweisen sowie die Regelungen, die sie veranlassen, beeinflussen – auf der transnationalen, nationalen, regionalen und lokalen Ebene.

Welche Ergebnisse werden vom Team für Erwachsene erwartet?

Momentan arbeiten wir an Länderberichten, welche das Literalitätsniveau und die Regelungen der ELINET-Mitgliedsstaaten beschreiben; und wir werden uns bald daran machen, die politischen Handlungen zu erläutern, die Mitgliedern dabei helfen sollen, die Voraussetzungen für den Erfolg der „EU High Level Group of Experts on Literacy“ (einer Gruppe hochrangiger Experten im Bereich Literalität) zu gewährleisten: eine lese- und schreibkundige Umgebung; hochqualitatives Lernen und Lehren; Mitwirkung und Eingliederung. Des Weiteren veröffentlichen wir schon bald die Zusammenfassung einer europäischen Umfrage zum Thema Fachvokabular der Literalität und ein Statement, das die Richtlinien für die Verwendung von Fachausdrücken im Englischen erklärt. Beides spielt eine wichtige Rolle, wenn es um die Kommunikation zwischen Partnern, um effektives politisches Lernen und um Zusammenarbeit geht.

Was sagen die vorläufigen Ergebnisse aus? Wie geht es EU-Ländern mit der Politik zur Literalität Erwachsener?

Wir haben mit vielen Partnern zusammengearbeitet, um die Daten für die ELINET-Länderberichte zu sammeln; es ist viel Energie und Engagement innerhalb der Gemeinschaft, die Politik zur Literalität Erwachsener schafft und implementiert, zu erkennen. Allerdings sind viele dieser Bemühungen unkoordiniert und den Systemen dahinter mangelt es an Zusammenhalt.

In vielen Ländern werden mehr und bessere Ausbildungssysteme gebraucht, sowie neue Strategien, um Erwachsene zum Lernen zu motivieren und ihnen beim Durchhalten zu helfen. Allerdings ist der Gedanke, das Qualifikationsangebot durch formale Lernmöglichkeiten zu erhöhen, wohl nicht der richtige Weg, um die Bedürfnisse der meisten Erwachsenen mit niedrigem Literalitätsniveau zu befriedigen. PIAAC-Statistiken zeigen, dass viele Erwachsene trotz niedrigem Literalitätsniveau überleben und sogar erfolgreich sind. Die Mehrheit wird sich kaum für formales Lernen interessieren, stattdessen brauchen sie informelle Lernmöglichkeiten, die ihnen die Unterstützung geben, die sie brauchen, um die Forderungen des belesenen Umfelds, in dem sie leben, zu erfüllen.

Wo liegt die Politik zur Literalität Erwachsener im Vergleich zu der Politik zur Literalität anderer Altersgruppen? Brauchen wir mehr Politikkohärenz zwischen den verschiedenen Altersgruppen?

Es gibt viele Synergiepunkte zwischen den ELINET-Teams der anderen Altersgruppen und unserer Arbeit zum Thema Literalität Erwachsener, hinsichtlich des Verständnisses für Literalität, der Lernansätze, und der Qualität der Lehrenden und des Programms. Allerdings ist das schwierigste Thema, mit dem wir umgehen müssen, wenn wir die Vorteile dieses Engagements erweitern wollen, folgendes: Erwachsenenbildung im Allgemeinen, und speziell die Literalität, ist bei jeder Besprechung eine Minderheit. Schulen und Schulpolitik dominieren die Aufmerksamkeit und auch die Finanzierung. Politische Entscheidungsträger müssen lernen zu verstehen, dass Erwachsenenbildung ein notwendiger und permanenter Teil des Bildungssystems ist. Erwachsene werden immer Unterstützung brauchen, um ihre Fähigkeiten im Laufe ihres Lebens weiterzuentwickeln, während sich die Forderungen an sie ändern, weil sich ihr Leben, ihr Arbeitsplatz oder die Gemeinschaft, in der sie leben, ändert.

Machen wir eine Übung und stellen wir uns vor, dass die Regierungen in 10 Jahren Richtlinien zur „Literalität für den Rest des Lebens“ angenommen und implementiert haben. Wie hätten wir das geschafft?

Erfolgreiche, einheitliche Politik in diesem Bereich kann nur dann erreicht werden, wenn klar und deutlich ist, wie die aktuelle Politik aussieht; wie die aktuelle Politik gestaltet ist und welche politischen Hebel es gibt. In Diskussionen über Richtlinien zur Literalität Erwachsener mangelt es oft an einem gemeinsamen Verständnis der Interessenvertreter. Durch ELINET, EBSN und EPALE haben wir die Möglichkeit, etwas zur besseren Übersichtlichkeit und zur Effizienz unserer Kommunikation beizutragen, und so zu einem besseren gemeinsamen Verständnis der Situation der Literalität Erwachsener in unseren Ländern zu kommen. Das hätte zu unserem Erfolg beigetragen.

Wir wären alle außergewöhnlich ausdauernd gewesen in unserer Verfechtung der Literalität Erwachsener, und hätten überzeugend den Einfluss demonstriert, den niedrige Literalitätsniveaus auf Einzelpersonen, Familien, Gemeinschaften und Gesellschaften haben können. Folglich hätten wir mit politischen Entscheidungsträgern in Bereichen wie Gesundheit, Arbeit, Strafjustiz und Sozialhilfe zusammengearbeitet, um Politikkohärenz zu gewährleisten und die Literalität Erwachsener als ernstzunehmendes Thema in der Politik zu etablieren.

Wir hätten verstanden, dass Erwachsenenbildung ein notwendiger und permanenter Teil des Bildungssystems ist. Wir hätten Systeme für effektive Ausbildung und Weiterbildung, sowie für die Qualitätsgewährleistung in allen Bereichen des Erwachsenenlernens geschaffen.

Wir hätten attraktive und motivierende Lernmöglichkeiten kreiert, basierend auf einem besseren Verständnis der Voraussetzungen für Literalität, die nötig sind, um sich aktiv in der Gesellschaft engagieren zu können. Die Forderungen des belesenen Umfelds an jede individuelle Person wären ein zentraler Punkt in der Gestaltung und dem Angebot solcher Lernmöglichkeiten. Genauso wichtig wären informelles Lernen und auch Unterstützung für Erweiterungen der Methoden im Bereich Literalität.

Viele der Erkenntnisse, die notwendig sind für diesen 10-Jahres-Plan, wären von Partnern überall in Europa und darüber hinaus erreicht worden, die zusammengearbeitet hätten, um die Politik zur Literalität Erwachsener in ihren Ländern genauer zu verstehen und sie zu verbessern.

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