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Kommunale Integrationsprozesse managen: Von europäischen Partnern lernen 

13/11/2019
Tino BOUBARIS
Valoda: DE
Document available also in: EN

Lesedauer: circa fünf Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Das Management von Migration und die Integration von Migrant*innen gehören in vielen Regionen Europas zu den zentralen Herausforderungen dieser Zeit. Dabei geht es auf der Ebene der Kommunen um die Lösung von Problemen für vielfältige Aspekte des Lebens von der Erstaufnahme bis zur Wohnung, von der Kinderbetreuung über die Schule bis zur Aus- und Weiterbildung, von der neuen Sprache über die Berufsorientierung und die Anerkennung von Qualifikationen bis zum Arbeitsplatz, von der Gesundheitsversorgung über soziale Betreuung bis zur aktiven gesellschaftlichen Teilhabe. Um Antworten auf diese vielfältigen Fragestellungen zu finden, bedarf es umfangreicher Ressourcen, Wissen und Austausch, und nicht zuletzt einer Menge guten Willens.

Integrationsprozesse: von europäischen Partnern lernen 

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Teilnehmer einer Konferenz liegen im Kreis, um Ideen zu generieren
Viele Kommunen haben eigene Konzepte, um entlang der jeweiligen lokalen Besonderheiten Lösungen für akute Herausforderungen ebenso zu finden wie längerfristige Strategien zur Integration und Stärkung von Migrant*innen und Flüchtlingen zu entwickeln. Diese sind häufig von nationalen oder regionalen Einflüssen wie Rechts- oder Finanzierungsrahmen beeinflusst. Doch wie gehen Kommunen in anderen europäischen Ländern mit den Herausforderungen um? Was können wir von unseren europäischen Partnern lernen?
Zu diesem Zweck hat sich 2016 ein Bündnis aus Kommunen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus mehreren europäischen Ländern zusammengetan, um gemeinsam an dem Thema Integration zu arbeiten, neue Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, Erfahrungen über Integrationspraktiken auszutauschen und neue Lösungen für Integrationsherausforderungen auf europäischer und lokaler Ebene zu finden. 

Vom grenzüberschreitenden Bündnis zum Projekt mit europäischer Förderung

Mit Hilfe des Programms „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ war es möglich, den Austausch zwischen den Partnern in einem gemeinsamen Projekt zu intensivieren. Das European Local Authorities Integration Network (ELAINE) besteht nunmehr seit 2016 und ist bereits in seiner zweiten Runde. Aktuelle Projektpartner sind Hässleholms Kommun (Schweden), Skane Nordost (Schweden), VIFIN / Vejle Kommune (Dänemark), Koge Kommune (Dänemark), Concello de Catoira (Spanien), East of England Local Government Association (Vereinigtes Königreich), der Gemeindebund Steiermark (Österreich) sowie der Verein Niedersächsischer Bildungsinitativen (VNB, Deutschland).

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Angeregte Diskussionen von Konferenzteilnehmern
Im Projekt werden internationale Konferenzen, kombiniert mit Workshops, Seminaren und Studienbesuchen zu Schwerpunktthemen der Integration, in allen teilnehmenden Ländern durchgeführt. Teilnehmende sind haupt- und ehrenamtliche Vertreter*innen aus Politik und kommunaler Verwaltung ebenso wie aus Nonprofit-Organisationen. Damit ist gewährleistet, dass für den Austausch zwischen den Teilnehmenden möglichst viele am Integrationsprozess beteiligte Gruppen repräsentiert sind. 

Die Zahl der Teilnehmenden in den Konferenzen ist konstant hoch: Jeweils ca. 40 internationale sowie weitere 40 nationale Gäste konnten in den bisherigen Veranstaltungen begrüßt werden. „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ heißt dabei auch, dass nicht nur ausgewiesene Expert*innen in den Konferenzen vertreten sind. Vielmehr geht es darum, Lernprozesse zwischen allen am Integrationsprozess beteiligten Personen in Gang zu setzen, und zwar unabhängig von ihren jeweiligen Erfahrungen und Kompetenzen. Dabei zählen natürlich auch Migrant*innen – sie sind ebenso Bürger*innen wie Expert*innen in eigener Sache. Eine wichtige Rolle spielen auch Entscheidungsträger*innen aus der Kommunalpolitik, die für das Gelingen von Integration eine Schlüsselfunktion innehaben. 

Themenvielfalt und –relevanz führt zu konstant hohem Interesse

Wichtig für den Erfolg des Projekts sind die Vielfalt und Relevanz der Themen in den Konferenzen. Hierzu einige Beispiele:

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ELAINE Logo
Im Oktober 2018 fand eine Konferenz zum Thema „Minderjährige unbegleitete Flüchtlinge“ in Cambridge, England, statt. Ziel der Konferenz war es, Beispiele guter Praxis zwischen Akteuren auszutauschen, die an der Betreuung unbegleiteter Minderjähriger beteiligt sind. Ein zentraler Aspekt war dabei neben psychosozialen Fragestellungen die Erörterung von Möglichkeiten der politischen Einflussnahme zur Verbesserung der Lebenssituation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen. Die österreichische Konferenz zum Thema "Bildung nachhaltiger und inklusiver Gemeinwesen" im Februar 2019 in Graz zeigte verschiedene Wege auf, wie Integration vor Ort in die Kommunen gelingen kann. Ein zentrales Ergebnis der Konferenz war die Erkenntnis, dass erfolgreiche Integration nicht auf eine bestimmte Gemeindegröße beschränkt ist. In einer Konferenz im Juni 2019 in Catoira/Spanien wurde der Fokus auf das Thema Migration und Gender gelegt. In den Präsentationen wurden ganz unterschiedliche Fragen bearbeitet, von den besonderen Herausforderungen von Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt über die Situation von LSBTI*-Geflüchteten bis zu dem Verhältnis von Macht und Gewalt und dessen Auswirkungen auf verschiedene Gruppen von Migrant*innen. Das Thema der Konferenz in Vejle / Dänemark im Oktober 2019 war „1+1=3: Migration, kulturelle Werte und Normen und wie schaffen wir ein neues gemeinsames Wir?“. Hier ging es in erster Linie darum, mit Migrant*innen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Wertesystemen zu diskutieren. Dazu wurden viele methodische Ansätze vom Design Thinking bis zu meditativen Übungen eingesetzt. Ein kurzer Film zur Konferenz zeigt einige Impressionen (https://www.facebook.com/vifindk/videos/425904564739191/).

Nächste Konferenz im März 2020 in Hannover

Der VNB wird im Rahmen dieses Projektes am 18. März 2020 in Hannover gemeinsam mit der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung Niedersachsen (AEWB) eine internationale Konferenz zum Thema “Innovative Methoden der beruflichen und sprachlichen Qualifizierung von Migrant*innen” durchführen. Hierzu können noch Themenvorschläge gemacht werden. Zum Abschluss des Projektes wird es im Mai 2020 eine Konferenz aller beteiligter Partner mit Vertreter*innen von europäischen Institutionen geben. 
Allen Beteiligten ist bewusst, dass es sich bei der Integration von Migrant*innen um ein vielschichtiges Thema handelt, für das keine Standardlösungen zur Verfügung stehen. Der durch das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ ermöglichte Austausch unterschiedlicher Akteure liefert jedoch einen wichtigen Beitrag zu einem besseren und vertieften Verständnis für die Situation in den jeweiligen Partnerländern und Kommunen, und hilft bei der Reflexion des eigenen Denkens und Handelns.

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Europe for Citizens Logo

Zum Autor: Tino Boubaris ist seit 20 Jahren als Projektkoordinator im Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. in zahlreichen europäischen Projekten und Netzwerken im Erwachsenen- und Berufsbildungsbereich tätig. Darüber hinaus berät er Vereine und Initiativen u.a. in Organisations- und Finanzierungsfragen. Er engagiert sich ehrenamtlich im Flüchtlingsrat Niedersachsen sowie als Vorsitzender des Vereins Bildungslabor e.V., der innovative Projekte an der Schnittstelle Kunst/Kultur/Bildung entwickelt und implementiert. Seit Sommer 2017 ist er als deutscher Botschafter für die e-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) aktiv.


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