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Abenteuerreise im Internet - WebQuests als didaktisches Modell

05/11/2019
Dagmar Wenzel
Valoda: DE

Lesezeit circa vier Minuten - Lesen, liken, kommentieren!


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Bild: AEWB Weiternildung zu WebQuests

Fakten oder Fake News?

Patrick Gensing zeigt in seinem Buch „Fakten gegen Fake News“ auf, dass sich Erwachsene bei Medienkompetenz und einem kritischen Blick auf Quellen in digitalen Medien zuweilen durchaus überschätzen. Er vergleicht auch den Umgang mit den digitalen Medien zwischen den Generationen. Eine meines Erachtens wichtige Aussage lautet: „Jugendliche und junge Erwachsene müssen – und wollen – lernen in Sachen Internet. Und das unterscheidet sie von vielen Erwachsenen, die glauben, sie hätten im Laufe ihres Lebens ausreichend Medienkompetenz erlernt – Medienkompetenz aus einer untergegangenen Epoche wohlgemerkt.“ (Gensing, S. 41)

Es macht also Sinn, einen bewussten Umgang mit den digitalen Medien stärken zu wollen. Wenn wir aber mit dem Wissen über die wahrscheinliche Selbstüberschätzung Erwachsener in Sachen Medienkompetenz in der Erwachsenenbildung tätig sind, genügt es nicht, einfach ein medienkritisches Veranstaltungsangebot zu machen. Es wird aller Voraussicht nach wenig angenommen. Erwachsene erreicht man bei ihren Interessen. Ohne ein gewecktes Interesse wird niemand einen materiellen oder virtuellen Ort aufsuchen. Daher kann es eine Lösung sein, Medienkompetenz in die verschiedensten Veranstaltungen der Erwachsenenbildung zu integrieren.

Medienkompetenz integrieren – aber wie?

Eine Möglichkeit bietet der didaktische Ansatz des WebQuests – ein handlungsorientiertes Modell, das auf viele fachliche Themen anwendbar ist. WebQuests sind geleitete Internetrecherchen mit Aufgaben, die zu einem gemeinsam erarbeiteten neuen Produkt führen. Das kann eine Diskussion oder abwägende Entscheidung sein, die Planung und Vorbereitung einer Reise, ein kreatives Produkt als Text oder Bild und vieles mehr. In die Arbeit an den Inhalten kann die Reflexion über die Aktualität, Relevanz und Wahrhaftigkeit der gefundenen Information integriert werden.

WebQuests – gestern und heute

Der didaktische Ansatz des WebQuests wurde schon Mitte der 90er Jahre von den US-Amerikanern Bernie Dodge und Tom March entwickelt. Um das Jahr 2000 herum kam der Ansatz in den deutschsprachigen Raum, wo er in den ersten zehn Jahren immer wieder aufgegriffen und verbreitet wurde, so beispielsweise für die Schule von Heinz Moser und Wolf-Rüdiger Wagner, für die Hochschule von Sonja Gerber. Auch die Erwachsenenbildung machte hier und da von dem Ansatz Gebrauch. Aber erst mit der zunehmenden WLAN-Ausleuchtung der Unterrichtsräume in den letzten Jahren gewinnt das Modell an Reiz, zusätzlich zu den Möglichkeiten der ortsunabhängigen kollaborativen Erarbeitung des Ergebnisses in den verschiedenen Tools des Webs.

Aufbau von WebQuests

In der klassischen Struktur sind WebQuests eher starr, aber nicht nur am Anfang lohnt es sich, diese Struktur einzuhalten: Die Einführung weckt das Interesse und stellt die Situation dar. Die Aufgaben werden problemlösungsorientiert formuliert. Der Erarbeitungsprozess klärt z.B. den Zeitrahmen und schlägt eine Sozialform vor. In den Ressourcen findet man die Links, aber auch Hinweise auf Printmedien etc. Die Evaluation beschreibt die Kriterien für ein qualitativ hochwertiges Resultat. Der Abschluss beinhaltet die Präsentation der Ergebnisse, er kann ein Fazit enthalten und in die nächste Lernsituation überführen. Nach dieser Struktur ist auch der deutschsprachige WebQuest-Wizard aus der Schweiz aufgebaut.

Es ist vorteilhaft, die WebQuests kurz zu halten. Nur dann können die Lernenden das komplexe Gefüge leicht erfassen und das Resultat entsprechend erarbeiten. Während in den Anfangszeiten des Webs alle zu verwendenden Quellen vorgegeben wurden, kann heute je nach Zielgruppe und Thema die individuelle Suche nach Quellen Teil der Aufgabe sein. Die Abenteuerreise im Internet, wie ein WebQuest zuweilen genannt wird, wird freier.

Medienkritik

An dieser Stelle setzt die Bewertung der gewählten Quellen durch die Lernenden an. Mit Hilfe des Plakats „How to Spot Fake News“ der International Foundation of Library Associations können Informationen im Internet leicht auf Wahrhaftigkeit, Perspektive und Aktualität geprüft werden. Das Plakat ist bereits in viele Sprachen der Welt übersetzt und steht für Verwendung und Übersetzung frei zur Verfügung. So kann es auch als Diskussionsimpuls in Sprach- und Fachkursen eingesetzt werden.

Wenn wir in der Erwachsenenbildung Medienkompetenzen entwickeln wollen, ist es notwendig, sie thematisch sinnvoll zu integrieren. WebQuests, die in allen Fach- und Programmbereichen einsetzbar sind, bieten eine solche Möglichkeit, z.B. hinsichtlich des Aspekts Medienkritik bzw. Informationskompetenz. Wie würden Sie vorgehen?


Über die Autorin: Dagmar Wenzel ist in der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB), Hannover für das Querschnittsthema Digitalisierung verantwortlich. Die AEWB ist seit 2006 der zentrale Dienstleister und Service-Anbieter für die Erwachsenenbildung in Niedersachsen für alle anerkannten, öffentlich geförderten Einrichtungen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Lesen Sie hierzu auch:

Allgemeinbildung für eine Gesellschaft in der digitalen Welt

Informelle Lernräume in Einrichtungen der Erwachsenenbildung – oder: Lernen und Arbeiten in Zeiten des digitalen Wandels


Bildnachweis: Pixabay / Mohamed Hassan

Literatur:

Gensing, Patrick: Fakten gegen Fake News oder Der Kampf um die Demokratie. Berlin 2019.

Gerber, Sonja: Webquest. Letzte Änderung am 05.09.2016. Unter: https://www.e-teaching.org/lehrszenarien/pruefung/pruefungsform/webquest (Zugriff: 2019-05-18)

Lermen, Markus; Wieckenberg, Uwe: WebQuests in der Erwachsenenbildung. Zu Methode und didaktischem Mehrwert gezielten Internet-Einsatzes. In: DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung. 3/2003. https://www.die-bonn.de/zeitschrift/32003/lermen03_01.htm (letzter Zugriff: 2019-11-04)

Merkt, Martin (2018): Fake News im Internet. Welche Herausforderungen ergeben sich für die Erwachsenenbildung? In: weiter bilden. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung. Fakt und Fake. 4/2018. S. 22-25.

Moser, Heinz: Abenteuer Internet. Zürich 2000. (2. Auflage 2008)

Wagner, Wolf-Rüdiger (2009): „WebQuest & Co“. Die Digitale Chance für Lernkultur und Medienbildung. Hildesheim, 2009. S. 63-64. Verfügbar auf der Seite: http://www.nibis.de/nibis.php?menid=7998 (letzter Zugriff: 2019-11-04)

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