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Wie erreiche ich die Richtigen in der politischen Erwachsenenbildung?

02/10/2019
Marie Baumgarten
Valoda: DE

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


EPALE Barcamp

„Wie erreiche ich die Richtigen - Politische Bildung auf dem Land“ wurde als Inhalt einer Session auf dem EPALE Barcamp angeteasert. Ein Thema, welches in Zusammenhang mit der mangelnden Teilnahme von Menschen in der politischen Bildungsarbeit immer wieder stark diskutiert wird. Es sollen möglichst alle erreicht werden, egal mit welcher Einstellung, welchen Alters oder welchen Berufs. Häufig funktioniert das leider nicht.

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Barcamp?!

Eine kleine Erläuterung vorweg: Ein Barcamp ist ein neues und offenes Format der Bildungsarbeit; insbesondere der Erwachsenenbildung. Das Prinzip ist folgendes: Eine Gruppe von Menschen trifft sich zu einer ausgewählten Thematik (in diesem Fall: „Politische Erwachsenenbildung“). In vorgeschriebenen, aufeinanderfolgenden Time-Slots (in diesem Fall jeweils 45 Minuten) können Themen/Fragestellungen/Lerneinheiten etc. besprochen und vorgestellt werden, welche die Teilnehmenden selbst einbringen. Nach einer sogenannten öffentlichen „Session-Planung“ geht die Gruppe in ihre frei gewählten Veranstaltungen. So ist jedes Barcamp sehr individuell und vielfältig aufgebaut und lebt von der Partizipation der Teilnehmenden.

Politische Bildung im ländlichen Raum

Die zunächst auf mich allgemein wirkende Fragestellung einer Sessionvorstellung , „Wie erreiche ich die Richtigen - Politische Bildung auf dem Land“,  bekam schnell eine neue Dynamik: aufsuchende politische Bildungsarbeit in ländlichen Regionen, genauer gesagt, in einem Landkreis von Sachsen. Für mich als einen in der Großstadt lebendenden Menschen scheint die beschriebene Realität weit entfernt. Ich selbst nutze viele Angebote der politischen Bildungsarbeit und habe schon in einigen Projekten mitgearbeitet. Diese Angebote sind allerdings größtenteils durch die städtische Infrastruktur gut angebunden und werden gut besucht. Der Aspekt des Aufsuchenden scheint eine ganz andere Perspektive in die Situation zu bringen. So lauschte ich mit zunehmend gespannter Aufmerksamkeit der Berichterstattung des alltäglichen Arbeitsgeschäfts der Session-Inhaberin.

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Aufsuchende politische Bildungsarbeit

Die zunächst nicht institutionell verankerte aufsuchende politische Bildungsarbeit fokussiert die Fragestellungen „Was sind die Bedürfnisse der Menschen? Was sind die Bedarfe? Wie sieht die Lebenswelt der Menschen vor Ort aus?“, wie die Session-Anbieterin beschrieb. Man versucht, die Menschen dort abzuholen, wo sie leben, um einen persönlichen Zugang zur Motivation für eine Teilnahme zu finden. Das Wort „Politik“ taucht in diesem Zusammenhang bewusst wenig auf, um keine Menschen zu verschrecken.

Bestehende Strukturen nutzen

„Den etablierten Strukturen wird nicht mehr vertraut“: ein Phänomen, welches längst zur anerkannten Normalität in Deutschland geworden zu sein scheint. Gerade deshalb scheint es besonders notwendig, an die bestehenden Strukturen anzudocken und diese zu nutzen, um an die Menschen heranzutreten. Besonders gut als Anknüpfungspunkt anbieten würden sich Vereine, Gemeinden oder Mehrfamilienhäuser. Als Format konnten bisher mit Filmabenden, Self-Made-Aktionen sowie thematischen Tauschbörsen gute Erfahrungen gemacht werden.

Unterschiedliche Bedürfnisse in verschiedenen Regionen von Deutschland

Was sich zusätzlich schnell herauskristallisierte, war, wie unterschiedlich die Schwerpunktthematiken in den jeweiligen Regionen in Deutschland sind. Es fiel auf, wie die Bedürfnisse von Ost- und Westdeutschlandvariieren können, wie im Folgenden dargestellt wird. So kam in der Diskussion zum Teil ein Unverständnis des Umgangs mit beispielsweise der Thematisierung von Zuwanderung auf, was im weiteren Verlauf der Diskussion in einen bereichernden Austausch überging.

Thema „Zuwanderung“

Insbesondere an das Thema „Zuwanderung“ traue sich in Sachsen kein Mensch heran. Es gäbe viele Hass- und Drohbriefe, sodass es scheint, sowohl die Einrichtungen als auch potenzielle Referent*innen haben zu große Angst, um eine Veranstaltung durchzuführen. Auch diese Einstellung der politisch Bildenden in der Region löste vereinzelt Unverständnis bei den Teilnehmenden aus anderen Regionen Deutschlands aus. Ihr Argument war, dass man doch genau an diese schwierigen Thematiken anknüpfen müsse und als pädagogisches Personal nicht den Mut verlieren dürfe, auch brenzlige Themen zu Inhalt von Veranstaltungen zu machen.

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Eigenes Fazit

Dass es schon so weit gekommen ist in Deutschland und dass einige politische Thematiken keinen Raum mehr finden, hat mich zutiefst beschäftigt und geschockt. Wie man dem entgegenwirken kann, ist auch für mich noch ein großes Fragezeichen. Sobald eine Person befürchten muss, für eine Veranstaltung angegriffen zu werden, sollte keine Veranstaltung durchgeführt werden. Und dennoch, fiel es mir sehr schwer, dies als unsere Realität für den Moment anzuerkennen. Dass „Politik“ als Ansprache von Menschen zu Veranstaltungen vermieden wird, geht mir noch weiter im Kopf umher. Theoretisch scheint mir doch alles in unserem Alltag politisch, ob wir es so benennen oder nicht. Ob es dabei um das Thema von Zuwanderung in Sachsen, einer Begegnung der AFD mit den Grünen in Freiburg oder der Errichtung einer Spielstraße geht, es sollte doch bitte erstrebenswert sein, alles in Zukunft noch thematisieren zu dürfen.


Zur Autorin: Marie Baumgarten studiert im Master Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und arbeitet nebenbei schon in verschiedenen Bereichen der politischen Erwachsenenbildung, zum Beispiel bei der GEW.


Bildrechte: NA beim BIBB


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