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Demokratisch-politische Bildung im digitalen Medienzeitalter: Wie wir kompetent und kritisch, streitlustig und gewaltfrei miteinander ins Gespräch kommen können

01/07/2020
Tino BOUBARIS
Kalba: DE

Lesedauer ca. 6 Minuten - Lesen, Liken, Kommentieren!

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EPALE Audio-BlogDieser Beitrag ist als EPALE Audio Blog verfügbar. Erfahren Sie mehr über EPALE Audio Blogs!

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.Wer Angebote zur politischen Bildung und Demokratieerziehung entwickelt und durchführt, steht vor wachsenden Herausforderungen in der sich schnell und stetig verändernden Mediengesellschaft. Die Zahl derjenigen Menschen, die der weit verbreiteten populistischen Hetze wissensbasierte Informationen entgegenstellen und einen konstruktiven politischen Dialog führen wollen, nimmt zu - ebenso jedoch die Zahl derjenigen, die Medieninhalte unkritisch aufnehmen und teilen und so mitverantwortlich für die Weiterverbreitung von Fake News und unangemessenen Inhalten sind.

Die Erwartungen, die diesbezüglich an den gesamten Bildungssektor von der Schule bis ins Erwachsenenalter gestellt werden, sind hoch:

  • Die Menschen sollen - am besten von Kindesbeinen an - kompetent auf den Umgang mit digitalen Medien vorbereitet werden.
  • Damit sie das können, müssen sie nicht nur die Instrumente beherrschen, sondern auch in die Lage versetzt werden, Medieninhalte kritisch zu hinterfragen und differenziert einzuordnen.
  • Wenn sie sich (hoffentlich) aktiv in Debatten einbringen, dann soll das in einer Streitkultur ohne Einsatz von Gewalt und undemokratischen Mitteln geschehen.
  • Um all dies tun zu können, sollten freie, gegen Missbrauch weitgehend geschützte Räume für demokratischen Dialog zur Verfügung stehen.

Die Palette der Angebote zur Förderung von Medienkompetenz, zum kritischen Denken und zur Demokratieerziehung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene nimmt stetig zu, und auch auf EPALE gibt es bereits eine Vielzahl an Ressourcen und Methoden, die für den jeweiligen Bedarf zielgruppengerecht eingesetzt werden können:

Informationskompetenz - Der Umgang mit Informationen aus dem Netz

Susanne Witt beschreibt in ihrem Blog, wie wichtig Informationskompetenz als Schlüsselqualifikation für den Umgang mit Informationen in der heutigen Mediengesellschaft ist. Dazu wurde vom mit Deutschen Bibliotheksverband gemeinsam mit dem Verein Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare ein „Referenzrahmen Informationskompetenz“ entwickelt, in dem die Abfolge der Lernschritte bei der Wissensaneignung in fünf Teilkompetenzen (Suchen, Prüfen, Wissen, Darstellen und Weitergeben) beschrieben wird:

https://epale.ec.europa.eu/de/blog/informationskompetenz-der-umgang-mit-informationen-aus-dem-netz

Medienkompetenz – die Kulturkompetenz für das 21. Jahrhundert

Gerhard Bisovsky stellt in seinem Blogbeitrag das kritische Denken in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Ziel ist seiner Meinung nach eine aufgeklärte und mündige Bürgerschaft, die falsche Informationen identifizieren, verhindern und abblocken kann. Er weist auf die Problematik der „lauten Minderheit“ hin, in der von wenigen Nutzer*innen massenhaft wertende Kommentare in sozialen Medien produziert werden, die so ein Bild von einer real nicht existenten Meinungsführerschaft entstehen lassen. Letztendlich geht es für ihn um den Fortbestand und die Weiterentwicklung von Demokratien:

https://epale.ec.europa.eu/de/blog/media-literacy-literacy-21st-century

Wie sag ich’s? Demokratie und Streitkultur

Maren Lohrer widmet sich in ihrem Beitrag den methodischen Grundlagen der Diskussions- und Streitkultur und greift dabei auf klassische Modelle der Konflikttheorie und der gewaltfreien Kommunikation zurück. Wolf und Giraffe – die von Marshall B. Rosenberg in den 1950er Jahren entwickelten Sinnbilder für Kommunikationsverhalten lassen sich ohne weiteres auf die heutige Zeit übertragen:

https://epale.ec.europa.eu/de/blog/wie-sag-ichs-demokratie-und-streitkultur

Räume für demokratischen Dialog im Netz

facebook oder twitter war gestern – zumindest für die jüngeren Nutzer*innen sozialer Medien. Mittlerweile hat sich ein großer Teil ihres politischen Dialogs im Netz in zumeist geschlossene Gruppen in Nachrichtendiensten wie facebook Messenger oder WhatsApp verlagert. Adrienne Fichter nennt dies in ihrem Beitrag auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) die "Messengerisierung" der Politik, in der politische Fragen zunehmend bilateral kommuniziert werden. Sie weist ebenso wie Gerhard Bisovsky darauf hin, dass es für eine funktionierende Demokratie eine gemeinsame öffentliche Kommunikationssphäre mit Kenntnis aller vorhandenen politischen Positionen braucht, um über die Diversität von Meinungen zu einem gemeinsamen Problemverständnis zu kommen.

Um der "Messengerisierung" und der Filterblasenbildung etwas entgegen zu stellen, gibt es – insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene - unterschiedliche Ansätze mit dem Ziel, Räume für einen demokratischen Dialog im Netz zu schaffen. Hier einige Beispiele:

Streitkultur 3.0

Das Modellprojekt der Berghof Foundation / Friedenspädagogik Tübingen ermutigt Jugendliche, die digitale Welt als positiven Gestaltungsraum wahrzunehmen und ihre eigene Rolle dort zu definieren. Mittels einer Lern-App werden Informationskompetenzen von Jugendlichen gestärkt und Handlungskompetenzen entwickelt. Dies soll sie befähigen, Medien kritisch zu nutzen und zu demokratischen Werten und Gewaltfreiheit im Netz beizutragen. In fünf unterschiedlichen Themenbereichen („Dialoglabore“) setzen sich Jugendliche damit auseinander, wie man Hass im Netz begegnen kann, wie manipulative oder gefälschte Inhalte erkannt werden können, und wie Meinungsbildung multiperspektivisch gelingen kann:

https://www.digitale-streitkultur.de/

Diskutier mit mir / Talking Europe

„Diskutier Mit Mir“ ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Hilfe von digitalen Diskussions-Tools den demokratischen Diskurs in Deutschland und Europa zu stärken. Anders als Streitkultur 3.0 baut „Diskutier Mit Mir“ auf das Prinzip, geschützte digitale Räume zu schaffen und Menschen mit gegensätzlichen politischen Ansichten über ein Online-Matching-System in einen Dialog zu bringen. Es handelt sich hierbei also um den Versuch, eine positive Diskussions- und Streitkultur in geschlossene Chaträume zu implementieren - sozusagen eine Weiterentwicklung der bilateralen Kommunikation:

https://www.diskutiermitmir.de

Auf dem gleichen Prinzip basiert auch das Projekt „Talking Europe“, das vom Verein „Diskutier Mit Mir“ gemeinsam mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) (Link) und weiteren europäischen Partnern entwickelt wurde, um Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten in ganz Europa zu verbinden:

https://www.talkingeurope.com

Themendossier „Kritische Medienkompetenz und Erwachsenenbildung“

Im Dezember 2018 kamen rund 60 Erwachsenenbildner*innen aus ganz Europa in Berlin zusammen, um sich zum Thema kritische Medienkompetenz auszutauschen und entsprechende Projekte zu entwickeln. Für die weitere Reflektion hat EPALE Deutschland ein Dossier zur Verfügung gestellt. Die Broschüre enthält eine umfangreiche Zusammenstellung an weiterführenden Materialien zu zentralen Fragestellungen, die zum Vertiefen der Thematik anregen soll:

https://epale.ec.europa.eu/de/resource-centre/content/kritische-medienkompetenz-und-erwachsenenbildung-ein-dossier

Eine Social-Media-Strategie für Organisationen der Erwachsenenbildung

Bevor sich Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung damit beschäftigen, ihre Lernenden in der Entwicklung ihrer Medien- und Informationskompetenz zu unterstützen, tun sie gut daran, die eigene Rolle im Umgang mit sozialen Medien kritisch zu hinterfragen und zu definieren. Dabei kann die Entwicklung einer organisationsinterne Social-Media-Strategie sehr hilfreich sein. Maximilian Welter gibt dazu in seinem Blog wichtige Hinweise:

https://epale.ec.europa.eu/de/blog/eine-social-media-strategie-fuer-organisationen-der-erwachsenenbildung

Auf dem Weg zu einer digitalen Agora?

Politik ist Kommunikation. Schon auf der Agora in Athen wurde - im Schatten des Machtzentrums der weit darüber liegenden Akropolis - im Wortsinne basisdemokratisch diskutiert. In der digitalen Ära braucht es zusätzliche Fähigkeiten bei allen Beteiligten, um den für eine Demokratie notwendigen Dialog kompetent, kritisch und gewaltfrei fortsetzen zu können. Erst dann kann in der digitalen Ära eine digitale Agora entstehen.

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Bild des Benutzers Tino BOUBARISZum Autor:

Tino Boubaris ist als Projektkoordinator im Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. in zahlreichen europäischen Projekten und Netzwerken im Erwachsenen- und Berufsbildungsbereich tätig. Darüber hinaus berät er Vereine und Initiativen u.a. in Organisations- und Finanzierungsfragen. Er engagiert sich ehrenamtlich im Flüchtlingsrat Niedersachsen sowie als Vorsitzender des Vereins Bildungslabor e.V., der innovative Projekte an der Schnittstelle Kunst/Kultur/Bildung entwickelt und implementiert. Seit Sommer 2017 ist er als deutscher Botschafter für die e-Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) aktiv.

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  • Maximilian Welter portretas
    Hallo Tino, das ist eine sehr hilfreiche Ansammlung an Informationen und weiterführenden Materialien. Danke für die Übersicht und Zusammenstellung! 

    Zum Thema "Digitale Kompetenzen" möchte ich noch einen OER-Ressource hinzufügen. Dieser Sammelband beschreibt ab Seite 31 sehr anschaulich, dass Medienkompetenz nur ein Teil von digitalen Kompetenzen sind und der Begriff ganzheitlicher betrachtet werden muss. 

    Das hat zwar nur auf den zweiten Blick mit Demokratiebildung zu tun, ist aber sicher eine gute Grundlage für die Auseinandersetzung mit Digital Literacy und Digital Citizenship!  
  • Tino BOUBARIS portretas
    Die digitale Transformation setzt jetzt vor allen Dingen diejenigen Träger der (politischen) Erwachsenenbildung unter Druck. die sich bisher aus unterschiedlichen Gründen nur mäßig mit digitalem Kompetenzerwerb auseinandergesetzt haben. Trotzdem ist es notwendig, den ersten vor dem zweiten Schritt zu machen und die Zeit (soweit sie vorhanden ist) zu nutzen, um Versäumtes nachzuholen und die eigene digitale Strategie zu entwickeln. 
  • Michael Sommer portretas
    Man sieht eben daran, wie gut die politische Bildung in Deutschland entwickelt ist. Überall, in kleinen Bildungswerken oder großen Volkshochschulen wird off- und online aktive Demokratiebildung betrieben, manchmal als krasse Antirassismus-Arbeit mit der entsprechende Zielgruppe, mal spielerisch-kreativ. Da hat Tino eine interessante Aufstellung gemacht, Danke!
  • Tino BOUBARIS portretas
    "Krasse" politische Statements sind Ausdruck der Meinungsvielfalt. Leider tendieren manche Beiträge zu einer übertriebenen Polemik bzw. werden nur der Polemik wegen verfasst.. Auf der anderen Seite werden kritische Fragen schon einmal leichtfertig als hatespeech unqualifiziert. Beispiel gefällig? #PostvonBen
  • Heike Kölln-Prisner portretas
    Hallo, das finde ich gut: so einen Rahmenblog, der die verschiedenen Facetten beleuchtet, die das Thema hat. 
    Eine Ergänzung: ich fand/finde auch  das Experiment der ZEIT "Deutschland spricht" gut, bei dem sich immer 2 Personen treffen, die eigentlich grundverschiedene Positionen haben, aber trotzdem bereit sind, zu reden. Eine Bildungsveranstaltung im Verhältnis 1:1. Beide bilden (sich). 
    Ansonsten stimmt aber, dass man sich immer mehr nur mit denen umgibt, deren Meinung man "verdaulich" findet, und da verlernt man das richtige Streiten auch. Ich folge daher auf Twitter AKK und FDP-Lindner, das ist immer gut als kalte Dusche. 
    Heike
  • Tino BOUBARIS portretas
    Es gibt viele gute Ansätze des demokratischen Dialogs im Netz - ich würde mich freuen, wenn hier in den Kommentaren noch einige hinzu kommen. Daher: the floor is yours ;)