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Blog

Fallstudie: Das WorkMentor-Projekt – Betreuung am Arbeitsplatz in der beruflichen Bildung

16/12/2016
di Rumen HALACHEV
Lingua: DE
Document available also in: EN ES FR IT PL LT

 

Können Sie uns etwas über sich selbst und Ihre Arbeit erzählen?

Mein Name ist Jóhannes Árnason. Ich bin von Hause aus Biologe und habe einen Master-Abschluss in naturwissenschaftlicher Ausbildung. Seit 1990 arbeite ich am Akureyri Berufsbildungscollege (VMA) in Island. Dort unterrichte ich in der Regel Biologie und damit zusammenhängende akademische Themen. Ich habe mich immer schon besonders für potenzielle Schulabbrecher interessiert. Zwei Jahre lang habe ich als Verwalter an meinem College gearbeitet, und ich habe eine Reihe von Projekten entwickelt. Ich liebe den direkten Kontakt zu den Schülern, und ich helfe ihnen gern dabei, ihre Interessen und Stärken herauszufinden. Anders als viele Lehrer und Erzieher in Island, die in der Regel nur auf die Fächer schauen, bei denen die Schüler Probleme haben (Durchfallen bei Prüfungen und Kursen), versuche ich, die positiven Erfahrungen der Schüler zu verstärken.  

 

Können Sie uns etwas über das WorkMentor-Projekt erzählen? Wer hat daran teilgenommen?

WorkMentor war Teil einer Reihe von Projekten, die alle auf der Idee basieren, dass bei der beruflichen Bildung drei Gruppen eine Rolle spielen: die Schüler, die Schule und der Arbeitsplatz. Das WorkMentor-Projekt hat sich auf die dritte Komponente konzentriert – die Mentoren und Betreuer der Auszubildenden am Arbeitsplatz. Wir dachten auch, dass es sehr wichtig ist, die Mitarbeiter von Betrieben einzubeziehen, da sie mit den Schülern zusammenarbeiten. Bei dem WorkMentor-Projekt ging es vor allem darum, ein größeres Verständnis für die Kompetenzen zu wecken, die für die Betreuung in der beruflichen Bildung notwendig sind. Dies würde zu mehr Effizienz, Nachhaltigkeit und besserer Leistung der Berufsschüler und zu besseren Chancen bei der Suche nach einem Arbeitsplatz führen. Wir glauben, dass die Unterstützung der Berufsschüler bei ihrer Ausbildung dazu beiträgt, dass weniger Schüler ihre Ausbildung abbrechen und mehr in diesem Sektor arbeiten wollen.

 

VMA-Lenkungsgruppe

 

Alle unsere Partner hatten sehr viel Erfahrung mit der Ausbildung von Jugendlichen in Betrieben und ihrer Betreuung. An dem Projekt haben Personen aus den Bereichen Landwirtschaft, Krankenpflege, Metallarbeit, Baugewerbe usw. mitgewirkt. Im VMA haben wir uns auch auf Schüler konzentriert, bei denen zu befürchten war, dass sie die Ausbildung abbrechen würden, und darauf, wie wir ihnen am Arbeitsplatz helfen konnten.

 

Warum ist berufliche Bildung wichtig?

Die Gesellschaft braucht nicht nur Akademiker, nicht nur Menschen, die Ideen haben und darüber schreiben, die rechnen oder zeichnen können – sie braucht auch Menschen, die mit ihren Händen arbeiten. Wir brauchen Arbeiter, die mit Werkzeug umgehen können, die etwas herstellen oder reparieren können, die sich um Menschen oder um Maschinen kümmern. Ich glaube, in Island werden wir in absehbarer Zeit nicht genügend Personen haben, die Arbeiten übernehmen können, für die kein Universitätsabschluss erforderlich ist, wenn wir uns nicht jetzt darauf konzentrieren, Menschen für diese Arbeit auszubilden. Meiner Meinung nach wird die berufliche Bildung in Island vernachlässigt. Vielleicht nicht gerade in den traditionellen Bereichen wie dem Baugewerbe, aber sehr wohl bei den neuen Jobs in den Bereichen Verkehr, neue Technologien und Tourismus. Ich glaube, dass Projekte wie WorkMentor wichtige Fortschritte in der Entwicklung der beruflichen Bildung in Island bringen.

 

Arbeiter bilden Schüler in der Metallverarbeitung aus

Wie haben Sie herausgefunden, welches die wichtigsten Probleme sind, und wie haben Sie den Handlungsverlauf festgelegt? Wie sind Sie damit umgegangen?

Als erstes haben wir im Rahmen des Projekts eine Umfrage für Arbeitgeber zu der Frage gestartet, welche Unterstützung am Arbeitsplatz angeboten wird. Unsere Umfrage richtete sich an etwa 100 Arbeitgeber. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Umfrage war, dass Arbeitgeber die Notwendigkeit für eine Ausbildung von Arbeitsmentoren anerkennen und dass sie durchaus bereit waren, ihre Mitarbeiter zu einem Workshop über Arbeitsmentoring zu schicken. Als Nächstes haben wir festgestellt, welche zentralen Probleme im Workshop behandelt werden sollten, und schließlich haben wir unsere Workshops organisiert, an denen rund 50 Personen teilgenommen haben. Wir erhielten ein überaus positives Feedback von allen Teilnehmern.

 

Lernen am Arbeitsplatz

 

Haben Sie besondere Instrumente oder Ressourcen bei Ihrem Projekt genutzt?

Wir haben das Konzept für die Mentoring Workshops und Material von unserem Partner in Wales übernommen. Sie hatten bereits Methoden für viele Arten von Unterstützungssystemen ausgearbeitet. Wir sahen uns die besonderen Aspekte an, die sich auf den Arbeitsplatz als einen Platz für Betreuung beziehen, und dann haben wir daraus ein Ausbildungspaket für Mentoren am Arbeitsplatz und ein Arbeitsbuch für Qualität und Kompetenzen für die Betreuung am Arbeitsplatz zusammengestellt.

 

Können Sie uns etwas über die Schwierigkeiten und Probleme sagen, auf die Sie während des Projekts gestoßen sind?

Die berufliche Bildung ist in den einzelnen Staaten völlig unterschiedlich organisiert. Aus diesem Grund war es manchmal schwierig, einen Standardansatz abzuleiten. Die Aufgaben am Arbeitsplatz können sich zwischen den einzelnen Ländern erheblich unterscheiden. Trotzdem hat die Partnerschaft gut funktioniert, und wir hatten keinerlei Probleme mit den Projektpartnern. Von Anfang an erlebten wir eine sehr positive Resonanz von allen, die an den Arbeitsplätzen und beteiligten Schulen gearbeitet haben.

 

Workshop in Nantes

 

Wie haben Sie persönlich von diesem Projekt profitiert?

Ich habe sehr viel bessere Einblicke in die komplexen Zusammenhänge von beruflicher Bildung und Ausbildung erhalten. Ich habe sehr viel gelernt von Menschen, die ein umfangreiches Wissen darüber haben, wie Arbeitsplätze als Orte für die Ausbildung von neuen und vorhandenen Mitarbeitern funktionieren. Und ich konnte auch meine Englischkenntnisse verbessern und habe gelernt, wie man mit Menschen zusammenarbeitet, die unterschiedliche Ansichten haben.

 

Wenn Sie mehr über das WorkMentor-Projekt und seine Ergebnisse erfahren möchten, besuchen Sie doch die WorkMentor Website.

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