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Blog

Der Bericht zum Arbeitsangebot 2016: Hoch Qualifizierte lernen mehr, gering Qualifizierte weniger

17/11/2016
di Simon BROEK
Lingua: DE
Document available also in: EN FR NL

Alle zwei Jahre veröffentlicht das niederländische Institut für Sozialforschung (Sociaal en Cultureel Planbureau) – eine Regierungseinrichtung, die Forschung zu den sozialen Aspekten aller politischer Bereiche durchführt – den Bericht zum Arbeitsangebot (Aanbod van Arbeid). Die Ausgabe für 2016 befasst sich mit Arbeit, Betreuung und Weiterbildung auf einem flexiblen Arbeitsmarkt. Der Bericht stützt sich auf das Arbeitsangebotsforum (Arbeidsaanbodpanel), eine Langzeitstudie über etwa 4.500 erwerbstätige und nicht erwerbstätige Personen in den Niederlanden. Dieser Blogeintrag enthält einige Schlussfolgerungen und Überlegungen speziell in Bezug auf die Erwachsenenbildung.

  • Arbeit, Betreuung und Weiterbildung vereinen: Obwohl die Regierung möchte, dass die Menschen mehr arbeiten, andere stärker betreuen und sich vermehrt weiterbilden, ist das Ausmaß, in dem diese Tätigkeiten vereint werden können, sowohl physisch als auch zeitlich begrenzt. Dies gilt vor allem für ältere Arbeitnehmer, die weniger Schulungen durchlaufen, eine geringere Mobilität auf dem Arbeitsmarkt zeigen und in einem schlechteren Gesundheitszustand als ihre jüngeren Kollegen sind, sowie gering qualifizierte Arbeitskräfte, die ebenfalls weniger geschult werden, sowohl formell als auch informell.
  • Keine Änderungen der Teilnahme an Schulungen: Noch besorgniserregender ist die Tatsache, dass trotz der großen Bedeutung, die Schulungen von staatlicher Seite beigemessen wird, keine deutlichen Entwicklungen im Bereich des Lernens zu beobachten sind: Etwa 40 % der Arbeitnehmer hatten in den beiden der Studie vorangehenden Jahren an einer Schulung teilgenommen und dieser Anteil blieb während des gesamten Zeitraums 2004-2014 relativ konstant. Gruppen mit einer schwachen Position auf dem Arbeitsmarkt (gering qualifizierte Arbeitskräfte, ältere Arbeitskräfte, Flexi-Worker und Menschen mit Gesundheitsproblemen) durchlaufen relativ wenige Schulungen.
  • Lebenslanges Lernen scheint für gering qualifizierte Arbeitskräfte immer noch unüblich zu sein: Es wurde herausgefunden, dass Menschen, die viele formelle Schulungen durchlaufen auch diejenigen sind, die am Arbeitsplatz viel lernen. Formelles und informelles Lernen ergänzen sich also nicht und ein Mangel an formellen Schulungen wird nicht durch informelles Lernen aufgewogen. Schulungen hängen oft mit Änderungen der Arbeit zusammen. Hochqualifizierte Arbeitskräfte durchlaufen viel häufiger Schulungen (57 %) als gering qualifizierte Arbeitskräfte (24 %).

Außerdem hat nicht jeder die gleichen Möglichkeiten, Arbeit, Betreuung und Weiterbildung miteinander zu vereinen. Für manche Gruppen, zum Beispiel Angestellte mit flexiblen Verträgen, Zeitverträgen (nicht nur von Berufseinsteigern, sondern auch im späteren Karriereverlauf genutzt), gering qualifizierte und ältere Arbeitskräfte ist es schwieriger, Arbeit, Betreuung und Weiterbildung zu vereinen, und diese Gruppen leiden unter einer geringeren Sicherheit ihrer Arbeitsplätze sowie einer im Allgemeinen geringeren Lebenszufriedenheit.

Ein Grund zur Besorgnis?

Der Bericht zeigt eine besorgniserregende Entwicklung der Chancen von Angestellten, Unterstützung bei der Vereinigung von Arbeit, Betreuung und Weiterbildung zu erhalten. Besonders im Bereich E-Learning ist der Matthäus-Effekt zu spüren, denn „die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer“. Diejenigen, die es sich leisten können (Hochqualifizierte) haben Möglichkeiten, an Schulungen teilzunehmen; Diejenigen, die es nicht können, jedoch am dringendsten bräuchten (z. B. gering Qualifizierte) haben weniger Möglichkeiten zur Teilnahme an Schulungen.

Angesichts der zunehmenden Flexibilität des Arbeitsmarktes, der zunehmenden Eigenverantwortung der Menschen für ihre Karriere, der zugegebenen Notwendigkeit, Kenntnisse und Fähigkeiten zu aktualisieren/erweitern, des Schwerpunkts auf nachhaltiger Entwicklung in politischen Strategiedokumenten und der jüngsten Kritik des niederländischen Rechnungshofs an der Strategie zur Bekämpfung des funktionalen Analphabetismus haben die Niederlande in Bezug auf bereits umgesetzte Strategien noch einen weiten Weg vor sich.

Hoffentlich führt der Bericht dazu, dass die Niederlande aufwachen, und vielleicht auch andere Länder: Erleichtern die bestehenden Strukturen denjenigen das Lernen, die es dringend brauchen oder denjenigen, die bereits in einer bevorzugten Position sind?

 

Simon Broek war an mehreren europäischen Forschungsprojekten zu Bildung, Arbeitsmarktfragen und dem Versicherungswesen beteiligt. Er hat die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und europäische Agenturen zu Fragen in den Bereichen Bildungspolitik, lebenslanges Lernen und Arbeitsmarkt beraten und ist geschäftsführender Gesellschafter am Ockham Institute of Policy Support.

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