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Blog

Nächste Station: ungarische Bahn - Lernen am Arbeitsplatz im Fokus – Interviewserie

27/02/2020
di Anildo Vedovatti
Lingua: DE
Document available also in: HU EN

Originalsprache: Ungarisch

Lesedauer circa 8-10 Minuten – Lesen, liken und kommentieren!

Lernen am Arbeitsplatz im Fokus – Interview mit dem Leiter des Baross-Gábor-Schulungszentrums

Der ungarische und der deutsche Nationale Förderungsdienst EPALE kündigten eine gemeinsame Themenwoche an, in deren Fokus das Lernen am Arbeitsplatz steht. Annamária Kiss, die ungarische EPALE-Botschafterin, führte eine Reihe von Interviews mit fünf Organisationen, die auf dem Gebiet der Ausbildung bzw. Schulung ihrer Arbeitnehmer ernsthafte Anstrengungen unternehmen.

Das Baross-Gábor-Schulungszentrum (im Weiteren: BG-Schulungszentrum) ist eine Organisationseinheit der MÁV[1] Szolgáltató Központ Zrt. (im Weiteren: MÁV-Dienstleistungszentrale). Die MÁV-Dienstleistungszentrale und des Weiteren zwei Großunternehmen, die MÁV Zrt.[2] und die MÁV START Zrt.,[3] bilden größtenteils die Mitglieder der MÁV-Gruppe. Die Aufgabe des BG-Schulungszentrums ist es, die Ausbildungen für die oben erwähnten Gruppenmitglieder zu sichern und zugleich stellt auch die effiziente Entwicklung des eigenen – aus fast 200 Personen bestehenden – Personals ein besonderes Ziel dar. László Dobás, Leiter des Schulungszentrums, stellte das ausgeweitete Tätigkeitsprofil des BG-Schulungszentrums vor.

Seit wann gibt es Ausbildungen im Baross-Gábor-Schulungszentrum?

Das Gebäude war – ausdrücklich zur Schulung der Eisenbahner – vor 130 Jahren eine Schenkung von Gábor Baross an die Ungarischen Staatsbahnen, von diesem Zeitpunkt an läuft hier also die Dienstausbildung. Als Wendepunkt kann das Jahr 2014 erwähnt werden, als das BG-Schulungszentrum aus dem MÁV-Unternehmen herausgelöst wurde und die MÁV-Dienstleistungszentrale entstand, zu der wir auch momentan gehören. Seitdem beteiligen wir uns als Dienstleister an den Schulungen der MÁV-Gruppe.

Welche Schulungstätigkeit versieht die Organisation im Rahmen der MÁV-Gruppe?

Die von uns gesicherten Ausbildungen werden als interne Schulung angesehen, für die es eine gesonderte interne Abrechnung gibt. Bei allen drei Firmen gibt es eine Ausbildungsabteilung, wobei sich ihre Rolle zumeist auf die Zusammenstellung der Bildungspläne beschränkt. Von den Ausbildungsplänen bekommt das BG-Schulungszentrum die Aufgaben, zu deren Realisierung es über entsprechende Ressourcen verfügt. Daraus wiederum wird ein Ausbildungskalender zusammengestellt.

Unsere drei Haupttätigkeitsprofile sind die Grundausbildung, periodische Schulungen und die Tätigkeit als fachlicher Ausbilder und dazu kommt als viertes das E-Learning. Neue Arbeitnehmer müssen an einer obligatorischen Grundausbildung teilnehmen, was die fachliche Ausbildung vor Arbeitsantritt bedeutet. Die Grundausbildungen sind von unterschiedlicher Dauer; sie können drei Monate, aber auch anderthalb Jahre dauern. Im Allgemeinen starten wir die schwereren Ausbildungen gewöhnlich so, dass die neuen Mitarbeiter ein-zwei Wochen Vorbereitung bekommen, um sich mit der Sprache der Eisenbahner bekannt zu machen und erst danach folgt die fachliche Ausbildung.

Die zweite Kategorie umfasst die periodischen Schulungen. Die Eisenbahn ist ein gefährlicher Betrieb, sodass eine gesetzliche Bedingung für die Bekleidung der damit verbundenen Arbeitsbereiche die jährliche Teilnahme an einer obligatorischen Weiterbildung ist. Zum Beispiel muss ein Weichensteller an einer obligatorischen Schulung von 30 Stunden teilnehmen, um sein vorhandenes Wissen aufrechtzuerhalten. Für uns bedeutet diese Aufgabe die Ausbildung von fast 25.000 Arbeitnehmern, zumeist in Form von Frontalunterricht. Momentan arbeiten wir daran, deren Absolvierung auch im Rahmen des E-Learnings zu ermöglichen.

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Bei unserer Tätigkeit als Ausbilder kommen wir mit Auszubildenden in der direkten Berufsausbildung in Kontakt. Diese Aufgabe bildet in unserem Tätigkeitsprofil die dritte große Kategorie und dabei können sich die Azubis in den Lehrwerkstätten das mit dem gegebenen Beruf verbundene Praxiswissen aneignen.

Über all dies hinaus blickt die gehobene Ausbildung der Dienstangestellten innerhalb der Eisenbahn auf eine lange Tradition zurück. Diese ist nicht Teil des Hochschulwesens, sondern der gehobenen Ausbildung innerhalb der Eisenbahn, die es in diesem Gebäude bereits seit 130 Jahren gibt.

Als vierte Kategorie bezeichne ich gewöhnlich unsere E-Learning-Lehrgänge. Unsere Lehrmaterialien zum Arbeitsschutz, Brandschutz und ähnlichen Themen finden Sie hier: http://bgok.hu/fszt/menu/story_html5.html?lms=1. Das E-Learning ist hauptsächlich im Kreise unserer etwa 10.000 Arbeitnehmer von Bedeutung, die eine Bürotätigkeit ausüben. Für sie stehen auch noch Lehrmaterialien zur Entwicklung digitaler Fertigkeiten – beispielsweise zur Nutzung des SAP-Systems – bereit. Im vergangenen Jahr registrierten wir zu den Ausbildungen bzw. Schulungen mehr als 100.000 Anmeldungen, was doch eine bedeutende Menge ist.

Welche Art Inhalte werden bei den periodischen Schulungen übermittelt?

Die Organisation arbeitet nach dem Weisungsprinzip, weshalb die Aktualisierung der Anweisungen bei uns besonders wichtig ist. Bei den periodischen Schulungen wird im Allgemeinen ein gegebener Teil anhand eines bestimmten Fachgebiets gelehrt. Hierzu gehören auch die Analysen von Unfällen, um die Kollegen darauf vorzubereiten, worauf sie bei der Arbeitsverrichtung mehr achten müssen. Unser Ziel damit ist eindeutig die Vorbeugung von Unfällen.

Wie melden sich die Arbeitnehmer zu den Ausbildungen bzw. Schulungen an?

Der bereits erwähnte Ausbildungskalender enthält im gegebenen Zeitraum die Anfangszeitpunkte der jeweiligen Ausbildungen bzw. Schulungen. Wenn beispielsweise eine Firma einen Weichensteller braucht, informieren wir sie über den Beginn und den Ort der Ausbildung bzw. Schulung. Die Information schicken wir im Allgemeinen per E-Mail und über die IT-Systeme an die Ausbildungsabteilung, welche die Anzahl und die Daten der Bewerber zusammenfasst und an uns weiterleitet.

Wie ist das System zur Unterstützung der Ausbildungen und Schulungen des BG-Schulungszentrums aufgebaut?

Hinsichtlich der Arbeitskräfte verfüge ich über fast 100 hauptberufliche Ausbilder, 30 Lehrgangsorganisatoren, 40 Berufsschulausbilder bzw. 7 Entwickler von E-Learning-Lehrmaterial und Ausbildungsentwickler.

Neben unserem Zentralgebäude in Budapest verfügen wir über Ausbildungsstellen in fünf weiteren großen ungarischen Städten: in Debrecen, Miskolc, Pécs, Szeged und Szombathely. Außerdem haben wir in Budapest und Miskolc auch Unterkünfte, so ist gewährleistet, dass wir die Mitarbeiter auch bei einem über längere Zeit laufenden Lehrgang unterbringen können. Zur Infrastruktur gehört, dass wir in mehreren Städten wie Budapest, Szolnok und Újszász auch über Lehrwerkstätten verfügen. An der Bildungsinfrastruktur arbeiten wir auch gegenwärtig. Im vergangenen Zeitraum renovierten wir unsere Ausbildungsstellen, in denen wir wirklich in einem Umfeld des 21. Jahrhunderts lehren können.

Die Verwaltung der Schulungen wird durch IT unterstützt. Wir nutzen das SAP-System und innerhalb dessen das Learning-Solution-System. Hier sind alle mit den Ausbildungen unmittelbar verbundenen Dokumente zu finden bzw. stehen auch unsere Auftraggeber in Verbindung mit diesem System. Wenn wir eine Ausbildung starten, erscheint sie auf der Oberfläche und die Registrierung wird von der Ausbildungsabteilung der MÁV Zrt. und der MÁV START Zrt. vorgenommen. Aus den Daten der registrierten Teilnehmer können wir die Bildungstagebücher, Erwachsenenbildungsverträge usw. erstellen.

In welcher Form wird die Schulung der Ausbilder realisiert?

Wie wir bereits erwähnten, wird ein Großteil der internen Ausbildungen und Schulungen innerhalb der Unternehmensgruppe von den in unserer Organisation arbeitenden 100 Ausbildern durchgeführt, weshalb ihre Ausbildung ein besonderer Entwicklungsbereich für uns ist. Im Allgemeinen beauftragen wir Universitäten mit der Abwicklung der Schulung der Ausbilder. Die Thematik stellen wir innerhalb der Organisation aufgrund der Erhebung der Zufriedenheit der Teilnehmer und der Auftraggeber bzw. ihrer Feedbacks zusammen. Anhand der Thematik der Schulung werden im Allgemeinen methodische, pädagogische und IT-Kenntnisse vermittelt, daneben wurde im Bereich der Kompetenzentwicklung bisher eine besondere Betonung auf die Selbstbehauptung und das Zeitmanagement gelegt. Die Schulungsdauer beträgt im Allgemeinen eine Woche.

Für die Ausbilder gibt es ebenfalls eine gesetzlich festgelegte obligatorische Weiterbildung, an der sie teilnehmen müssen. Das ist eine einmalige Schulung von acht Stunden. Auch über die obligatorischen Ausbildungen hinaus besteht die Möglichkeit zum Lernen. Diese wählbaren Optionen sind ebenfalls im Bildungsplan enthalten und das kann beispielsweise die Teilnahme an einer Fachkonferenz oder einem Training sein.

Kommt es vor, dass externe Partner bei der Abwicklung einer Ausbildung bzw. Schulung helfen?

Es gibt auch Schulungen – wie z. B. eine IT-Ausbildung oder eine andere spezielle Ausbildung –, bei denen wir externe Dienstleister heranziehen. In einem solchen Fall schließen wir mit der jeweiligen Schulungsfirma oder einem Anbieter der Erwachsenenbildung einen Auftragsvertrag. Darüber hinaus wird die Bestellung der von uns nicht angebotenen Schulungen und Konferenzteilnahmen von den Ausbildungsteams der MÁV-Gruppe vorgenommen.

Was für Aufstiegsmöglichkeiten haben die Arbeitnehmer bei der MÁV nach der Grundausbildung?

An der Ausgestaltung eines Laufbahnmodells der Eisenbahn wird gerade gearbeitet. Es verfolgt das Ziel, dass der Arbeitnehmer sehen kann, wie er – sowohl horizontal als vertikal – innerhalb der Organisation von einem Arbeitsbereich in den anderen kommen kann. Zumeist ist das möglich, wenn eine neue Grundausbildung oder eine Dienstausbildung absolviert wird. Die Mitglieder der MÁV-Gruppe unterstützen auch die Absolvierung eines Hochschul- oder Universitätsstudiums. Gleichzeitig ist die Erstellung der individuellen Bildungspläne nicht unsere Aufgabe, dafür sind die HR-Abteilungen der Mitglieder der MÁV-Gruppe verantwortlich.

Die Bildungspläne für die im BG-Schulungszentrum arbeitenden 200 Mitarbeiter verhandele ich mit den Mitarbeitern der HR-Abteilung der MÁV-Dienstleistungszentrale. Ein großer Vorteil des Laufbahnmodells wird darin bestehen, dass wir in Zukunft genau sehen werden, in welche Arbeitsbereiche die einzelnen Arbeitnehmer gehen. Aufgrund dieser Daten wird es leichter zu planen, welche Art von Lehrgängen wir starten müssen, bzw. unterstützt es auch bedeutend das interne Personalmanagement.

Welche Vorteile könnten Sie uns nennen, warum es für die Arbeitgeber Sinn macht, das Lernen am Arbeitsplatz zu unterstützen?

Die Sicherstellung einer laufenden Weiterbildung hat für die Arbeitnehmer langfristig zur Folge, dass sie als Arbeitskraft gehalten werden. Wenn der Arbeitnehmer sieht, dass er vorankommen kann und er die fachlichen Schulungen bekommt, die dazu notwendig sind, dann hat das eine stark bindende Wirkung. Dazu ist eine qualitativ hochwertige Ausbildung bzw. Schulung, die wir bieten, unerlässlich.

Wie werden die Mitarbeiter zum Lernen motiviert?

Die Ausbildungs- und Schulungsgebühren werden in den meisten Fällen von uns übernommen, die Arbeitnehmer müssen also keine finanziellen Lasten tragen. Im Allgemeinen schließen wir mit dem Arbeitnehmer auch einen Ausbildungsvertrag ab. Motivierend wirkt auch die Aufstiegsmöglichkeit selbst. Zuletzt ist ein neues Motivationsinstrument erschienen, da wir, wenn der Arbeitnehmer eine Prüfung mit einem guten Ergebnis ablegt, daran auch eine Auszahlung koppeln.

Die Absolvierung erfolgreicher Ausbildungen unterstützen wir mit unseren eigenen Lehrbüchern. Das Spektrum der Teilnehmer an unseren Ausbildungen und Schulungen ist sehr durchsetzt, es gibt sehr junge Teilnehmer und solche mittleren Alters. Jeder Auszubildende kommt von woanders her, hat andere Fähigkeiten und da die Eisenbahnprüfungen schwierig und streng sind, haben wir auch eine die Lernmethoden zusammenfassende Publikation erstellt.

Wir arbeiten sehr daran, dass unsere Ausbildungen und Schulungen praxisorientiert sind; in unserer Lehrwerkstatt in Budapest verfügen wir über einen Loksimulator bzw. einen Sicherheitsanlagensimulator. Hier haben wir in unserem Unterrichtsgebäude auch eine Eisenbahnplatte, wo wir mit kleinen Lokomotiven üben können. In Zukunft möchten wir die bahnfachlichen Ausbildungen auch in Form eines Lernmaterials für E-Learning zugänglich machen.

 

Lesen Sie auch die anderen Beiträge der Themenwoche
"Work-based Learning - treibende Kraft für das Lebenslange Lernen?"

 

[1] MÁV ist die ungarische Abkürzung für Ungarische Staatsbahnen.

[2] Ihre Aufgabe ist die Betreibung und Instandhaltung des Gleisnetzes der Eisenbahn.

[3] Ihre Aufgabe ist die Sicherstellung des Personenverkehrs auf der Schiene und der damit verbundenen Leistungen.

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  • Ritratto di Eszter KARVAZY
    Ebben az évszázadban kétségkívül a munkavállalók a legértékesebbek egy szervezet számára. A szervezetben dolgozók a sikeres működés kulcstényezői. A versenyképesség érdekében a szervezetnek folyamatosan gondoskodnia kell arról, hogy az alkalmazottai megfelelő szintű kompetenciákkal rendelkezzenek, és ezek fejlesztésében is részesüljenek. A megszokott fejlesztési igények mellett ma már felmerülnek újabb kihívások is. A technikai haladás rákényszeríti a szervezetet a folyamatos átalakulásra és az alkalmazkodásra, így kiemelten kell kezelni a munkavállalói továbbképzések témakörét.