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Blog

Homo viator versus digitaler Nomade - über Rucksacktourismus und den andragogischen Sinn des Reisens

25/10/2019
di Monika Sulik
Lingua: DE
Document available also in: PL FR

Bald mache ich mich auf eine Sommerurlaubsreise. Viele von euch erwartet sicherlich das Gleiche. Viele haben dies bereits hinter sich und es gibt noch solche, die sagen, dass ihr ganzes Leben eine ständige Reise ist. Dan Kieran schreibt, dass sich die Menschen heutzutage, wo alles schneller und besser durchdacht ist, weniger Freiheiten herausnehmen. Sie wollen so wenig Zeit wie möglich für die Reise vergeuden und so schnell wie möglich ans Ziel gelangen, denn erst am Ziel können sie ihren Urlaub genießen. In ihrem Streben nach Erholung wirken sie noch gestresster[1]. Dabei offenbart uns die Literatur viele Dimensionen des Reisens. Literarische Helden reisen sowohl buchstäblich als auch metaphorisch. Sie begeben sich an unbekannte und ungewöhnliche, geheimnisvolle Orte. Sie reisen auf der Suche nach sich selbst, auf der Suche nach Wissen, auf der Suche nach der verlorenen Zeit und Werten, die ihrem Leben einen Sinn geben. Sie verlassen ihre Heimat aus verschiedenen Gründen und, wenn sie zurückkehren, sind sie andere Menschen. So wie Homers Odysseus, der unabhängig von Lebenswidrigkeiten nach 20 Jahren in seine Heimat Ithaka zurückkehrt[2].

  

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An dieser Stelle ist es unmöglich nicht auf Gabriel Marcels Konzept des Homo viator zu verweisen, d. h. des gehenden, fokussierten Menschen. Dieses ist an das folgende spanische Sprichwort angelehnt: „Wege steckt man ab, indem man sie zurücklegt“. Der Weg und dessen Wahl stellen eine Art Pilgerfahrt durch das ganze Leben[3]. Es lohnt sich auch, auf das metaphernreiche Konzept von Zygmunt Bauman zu verweisen, der, inspiriert von den Werken Max Webers, verschiedene Persönlichkeitstypologien der Menschen präsentiert. Darunter befinden sich ein Pilger, ein Landstreicher und ein Tourist. Alle verbindet die Reise, obwohl jeder sie anders versteht. Für den Pilger ist es eine Suche nach dem Sinn des Lebens. Zugleich ist das Reisen sein Schicksal, denn das moderne Leben ist eine Pilgerfahrt. Das Modell der Pilgerfahrt dient als Lebensmodell und stellt eine Berufung dar. Das Leben besteht in der sorgfältigen Routenplanung, nüchternen Betrachtung und der Kostenkalkulation. Die Pilgerfahrt wird zum Lebensplan. Bauman stellt jedoch fest, dass das Pilgervorbild in der postmodernen Kultur seine Attraktivität verliert. Und da taucht der Landstreicher auf, der kein bestimmtes Ziel verfolgt und den Weg verliert. Dieser streicht umher, ohne das Reisen als große Lebenserfahrung aufzufassen. Er lebt auf „Haltestellen“, schätzt Abwechslung und Zwischenstopps. Ein anderer Typ ist der Tourist. Dieser stellt eine Art modernen Pilger dar, der normalerweise in einer Gruppe reist und nach Eindrücken sucht. Eindrücke und Geschichten über Eindrücke sind sein einziges Ziel und die einzige Beute, mit der er zurückkehrt und an der ihm liegt. Er ähnelt einen Landstreicher, weist jedoch eine Erwartungshaltung auf. Er erwartet Komfort und Anerkennung und ist nicht obdachlos. Er will neue Erfahrungen sammeln, die sein Leben abwechslungsreicher werden lassen. Laut Bauman sind wir im modernen Leben alle ein wenig Touristen[4].

Bereits Friedrich Nietzsche beschrieb die unterschiedlichen Ziele und Beweggründe von Reisenden. Er meinte, dass man Reisende nach mehreren Graden unterscheiden kann: die des ersten Grades sind solche, welche reisen und dabei gesehen werden, - sie werden eigentlich gereist und sind gleichsam blind; die nächsten sehen wirklich selber in die Welt; die dritten erleben Etwas in Folge des Sehens; die vierten leben das Erlebte in sich hinein und tragen es mit sich fort; endlich gibt es einige Menschen der höchsten Kraft, welche alles Geschehene, nachdem es erlebt und eingelebt worden ist, endlich auch notwendig wieder aus sich herausleben müssen, in Handlungen und Werken, sobald sie nach Hause zurückgekehrt sind[5]. An dieser Stelle hört man den magischen Satz heraus, der besagt, dass „Reisen bildet“.

       

Bildungswert des Reisens

Sicherlich bringt das Reisen unglaubliche Bildungswerte mit sich. „Während der Reise lernt ein Mensch etwas Neues, etwas Anderes, etwas Fremdes kennen und sieht Bekanntes aus einem anderen Blickwinkel. Reisen können den Reisenden verändern. Nach einer Reise (...) kehrt man (...) als jemand anderes zurück“.[6]Mehr noch „Reisen ändern die Perspektive. Während der Reise kann man etwas über die verschiedenen Lebensstile der Menschen und über die Relativität der eigenen Werte und Normen erfahren”[7].

Grażyna Orzechowska bemerkt folgendes: „Reisen war schon immer ein Bestandteil des menschlichen Lebens, der die menschliche Erkenntnis bereicherte, den menschlichen Alltag attraktiver gestaltete und Menschen auf vielseitige Weise aktivierte, lehrte und erzog, d. h. bildete”[8]. „Aus andragogischer Sicht sind sowohl das Motiv als auch der Zweck der Reise wichtig, ebenso wie die Funktionen, die sie erfüllt hat, insbesondere diejenigen, die einen modifizierenden Einfluss auf die Entwicklung der an ihr beteiligten Person gehabt haben. Darüber hinaus kann Reisen eine Quelle der Selbsterkenntnisbereicherung sein, die in kognitive Inhalte betreffend die Welt und die Menschen, die Entwicklung und Selbstbildung stimuliert (...). Reisen erweitert die Lebensperspektive und erleichtert eine retrospektive Bewertung”[9].

Eine Reise auf der Suche nach sich selbst anzutreten, zeugt von Mut. Es braucht Mut, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, Mut, um sich neu zu erfinden, um sich aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es braucht auch Mut, um sich selbst Fragen zu stellen und bereit zu sein, sich selbst zu hinterfragen. Es gehört Mut dazu, „in den Schubläden unseres Gedächtnisses zu stöbern, in denen alle Ereignisse unseres Lebens von den kleinsten und unbedeutendsten bis hin zu den größten und wunderbarsten”[10].

  

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Wie wär‘s ein Rucksacktourist zu sein

Wenn man über verschiedene Lernkontexte von Reiseerfahrungen spricht, lohnt es sich, auf Agata Wizas äußerst interessante Studien zum Thema Rucksacktourismus, d. h. des individuellen Reisens, hinzuweisen. „Ziel der Studie war die Rekonstruktion des Rucksacktourismusphänomens auf der Grundlage der Erfahrungen von Reisenden zu rekonstruieren. Unter anderem wurde die Bedeutung des Rucksacktourismus für die Wahrnehmung der eigenen Person, der anderen Menschen und der Welt aus der Perspektive der Erzähler analysiert. Einer der Lernkontexte waren Begegnungen mit Einheimischen und Touristen. Zu diesem Zweck wurden das Konzept des lebenslangen Lernens und ausgewählte andragogische Theorien verwendet (...)”[11]. Die Autorin dieser Studie betont, dass „das individuelle Reisen an Wichtigkeit dank dem Sinn und den Bedeutungen gewinnt, die ihm durch die Reisenden verliehen werden. Die umfassenden Auswirkungen dieser Erfahrungen wirken sich auf die Perzeption der eigenen Person und der Perzeption anderer aus“. Nach Ansicht der Befragten stellen Reisen eine unerlässliche Möglichkeit dar, sich mit der Welt auseinanderzusetzen und sich den eigenen Schwächen zu stellen.  Außerdem lehren Reisen, wie Agata Wiza betont, Geduld und Toleranz gegenüber dem Verhalten anderer. Sie lehren die leichte Anpassung an Veränderungen und unvorhersehbare Situationen. Sie erhöhen das Selbstwertgefühl, die Ausdauer und die Selbstgenügsamkeit.

      

Reisen oder arbeiten? Oder wie wär‘s mit digitalem Nomadentum?

Wenn wir schon über Mut und Selbstgenügsamkeit reden, dann muss man auch den „neuen Lebensstil“ erwähnen, der bei Polen immer beliebter wird und das Verbinden von Arbeit und Reisen ermöglicht. Natürlich sprechen wir hier von digitalen Nomaden. Im virtuellen Raum erfahren wir mehr und mehr über diesen neuen Trend. Zeitgenössische Nomaden sind Menschen, die nicht mit einem bestimmten Ort verbunden sind, oft reisen und von jedem Ort der Erde aus arbeiten. Aus dem Bericht von Natalia Hatalska (Expertin für alternatives Marketing, Trendbeobachterin und Gründerin des Forschungsinstituts Infuture) geht hervor, dass Nomadentum heute einer der am schnellsten wachsenden gesellschaftlichen Trends ist und digitale Nomaden junge Menschen sind - 88% der Befragten sind zwischen 25 und 44 Jahre alt. Bis 2035 wird man als digitale Nomaden bis zu einer Milliarde Menschen weltweit bezeichnen können. Heute überwiegen in dieser Gruppe Freiberufler, darunter sehr oft Selbstständige. Es gibt jedoch auch Personen, die bei einem Arbeitgeber angestellt sind, jedoch von überall auf der Welt entfernt arbeiten. Als Nomaden bezeichnen sich auch Unternehmer und Startup-Gründer[12].

  

Das wäre kurz und bündig alles zum Thema Reisen. Nur so viel oder sogar mehr? Es ist an der Zeit, sich auf den Weg zu machen, um sich mit neuen Erfahrungen zu konfrontieren. Lasst mich wisse, wo ihr euch auf „eurer Lebenslandkarte“ befindet.  

        

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dr Monika Sulik - Doktorin der Geisteswissenschaften, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dozentin. Sie entwickelt ihre Wissenschafts- und Forschungsinteressen vor allem auf dem Gebiet der Fragen der Entwicklung von Erwachsenen in einer interdisziplinären Perspektive, mit besonderem Schwerpunkt auf biographischen Zusammenhängen. Sie leitet Autorenkurse zum Thema Biographie in der Bildung, in deren Rahmen sie Workshops zur Anwendung der biographischen Methode in der Andragogik und Erwachsenenbildung führt. Zertifizierte Trainerin und akademische Mentorin.


[1] D. Kieran: O wolnym podróżowaniu. Opole 2012.

[2] B. Bugajska, C. Timoszyk -Tomczak: Podróż w czasie. Warsztat rozwoju osobistego osób starszych. Szczecin 2014, s. 14.

[3] Podróże jako projekt edukacyjny. Red. O. Czerniawska, B. Juraś-Krawczyk, Wydawnictwo Wyższa Szkoła Humanistyczno-Ekonomiczna w Łodzi., Łódź 2001, s. 9

[4] Podróże jako projekt edukacyjny. Red. O. Czerniawska, B. Juraś-Krawczyk, Łódź 2001, s. 9.

[5] A. Wiza: Nieformalne obszary uczenia się dorosłych – edukacyjne konteksty podróżowania. W: Dyskursy Młodych Andragogów 18. Zielona Góra 2015, s. 52

[6] H. M. Griese: Podróżowanie jako socjalizacja dorosłych i projekt uczenia się. W:  Drogi edukacyjne i ich biograficzny wymiar. Red. E. Dubas, O. Czerniawska. Warszawa 2002, s. 251.

[7] Tamże, s. 253.

[8] G. Orzechowska: Edukacyjne wartości podróży. Słuchacze uniwersytetu o swoim podróżowaniu. W: Drogi edukacyjne i ich biograficzny wymiar. Red. E. Dubas, O. Czerniawska. Warszawa 2002, s.259.

[9] K. Zawadzki: Edukacyjne funkcje podróży w życiu seniorów. W: Drogi edukacyjne i ich biograficzny wymiar. Red. E. Dubas, O. Czerniawska. Warszawa 2002, s.268.

[10] Martine Lani-Bayle: Historie życia jako edukacja. [w] Wybrane obszary badawcze andragogiki. Red. B. Juraś-Krawczyk, Wydawnictwo Wyższa Szkoła Humanistyczno-Ekonomiczna w Łodzi., Łódź 2007, s. 66.

[11] A. Wiza: Nieformalne obszary uczenia się dorosłych – edukacyjne konteksty podróżowania. W: Dyskursy Młodych Andragogów 18. Zielona Góra 2015, s. 53.

[12] https://businessinsider.com.pl/rozwoj-osobisty/kariera/cyfrowi-nomadzi-kim-sa-i-czym-sie-zajmuja/rtj6jnq

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  • Ritratto di Monika Sulik
    Dzięki Moniś ! Twój głos, a jeszcze w temacie podróżowania, traktuję zawsze z ogromną radością! Lubię słuchać jak z pasją opowiadasz o podróżach albo planach wyjazdowych! Na książkę Agaty Wizy natknęłam się właśnie podczas pisania tego tekstu - wcześniej znałam tylko artykuł w Dyskursach. Nie mniej jednak dziękuję z całego serca za polecenie - mam nadzieję, że przyda się też innym osobom tutaj zaglądającym. Ja ze swojej strony szczególnie polecam - D. Kieran: O wolnym podróżowaniu. Świetna książka - o podróżowaniu w duchu uważności i "slow". Moc serdeczności przesyłam :) Czekam z radości na wieści z podróży :) 
  • Ritratto di Monika Gromadzka
    Moniczko, dodam jeszcze, ze Agata Wiza napisała swoja habilitację o podròżowaniu (Uczenie sie w podróży w narracjach turystow indywidualnych), ktörą szczerze polecam zainteresowanym. Autorka przywołuje wyniki swoich badań (z tego co pamiętam, to jakościowych) i bardzo szczegöłowo omawia temat backpackingu. Jako były backpakers (w duchu ciągle :)) chętnie przeczytałam tę publikację i choć nie zawsze sie zgadzam z niektórymi wnioskami/przemyśleniami (ale to naturalne w badaniach jakościowych), to fajnie sie czyta o ludziach, którzy podążają za swoją pasją.