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EPALE

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Blog

Was soll die Frage nach dem Nutzen der Erwachsenenbildung?

20/03/2017
by Simon BROEK
Tungumál: DE
Document available also in: EN FR RO HR

Der EPALE-Themenschwerpunkt im Februar 2017 lautet Der Nutzen der Erwachsenenbildung. Wir hoffen auf viele Beiträge und Diskussionen zu der Frage, welche Wirkung das Lernen im Erwachsenenalter auf die Lernenden, die Gesellschaft, die Wirtschaft und Organisationen haben kann. Aspekte sind hierbei unter anderem:

  • Persönlichkeitsentfaltung
  • Gesundheit
  • Erweitertes Wissen und verbesserte Fähigkeiten und Kompetenzen
  • Gesteigertes Selbstbewusstsein
  • Produktivität
  • Sozialer Zusammenhalt

Das CEDEFOP wird in Kürze einen Bericht veröffentlichen, der die möglichen Vorteile einer (potenziellen) politischen Vorgehensweise aufzeigt, die die Anzahl an gering qualifizierten Erwachsenen in der EU in den nächsten zehn Jahren verringern soll. Zum CEDEFOP-Bericht. (en)

Vor allen Dingen muss vermittelt werden, dass die Erwachsenenbildung einen großen Beitrag zu der Gesellschaft und der Wirtschaft leistet. Diese „Pluspunkte“ können Gesetzgeber, Politiker, Arbeitgeber und sogar Privatpersonen dazu veranlassen, mehr in die Erwachsenenbildung zu investieren.

An dieser Stelle möchte ich jedoch eine grundlegendere Frage aufwerfen, die bei dem starken Fokus auf den Nutzen der Erwachsenenbildung untergehen kann:

Sollte man die Erwachsenenbildung als ein Mittel zum Zweck sehen, oder ist sie von größerem Wert?

Den letzten Teil dieser Frage beantworte ich mit einem entschiedenen „Ja“. Das begründe ich vor allem mit zwei Punkten:

Ein (Grund-)Recht?

Werfen wir kurz einen Blick auf die Schulbildung: Das Bestreben, jedem eine Grundschulbildung zu ermöglichen, ist vor allem der Erkenntnis geschuldet, dass es sich hier um ein Menschenrecht handelt und nicht etwa um ein Mittel zum (ökonomischen) Zweck. Gleiches gilt für die Erwachsenenbildung.

Das Ganze ist vielleicht einfacher zu verstehen, wenn wir die Frage in einem anderen Kontext stellen: Fragen wir nach dem Nutzen der Gleichberechtigung? Nach dem Nutzen des Gesundheitssystems? Oder dem Nutzen der Alterspflege? Oder sollten wir diese Bereiche für sich allein genommen als wichtig erachten und es für sinnvoll halten, dass wir als Gesellschaft in sie investieren? Ich bin der Meinung, dass diese Denkweise auch auf die Erwachsenenbildung übertragbar ist.

Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Sich nur auf den möglichen Nutzen der Erwachsenenbildung zu konzentrieren, ist gefährlich – das hat die Vergangenheit bereits gelehrt. Dieses Denken kann dazu führen, dass abgewägt wird, ob der tatsächliche Nutzen, der aus der Erwachsenenbildung gezogen werden kann, die finanziellen Mittel, die für sie aufgewendet werden müssen, rechtfertigt, und die Entscheidung letzten Endes von der „Rendite“ abhängig gemacht wird. Studien belegen, dass der Gewinn im Verhältnis zu der getätigten Investition im Bereich der Schulbildung und der frühkindlichen Erziehung und Bildung größer ist als bei der Erwachsenenbildung. (Siehe dazu beispielsweise die Studie über den Gewinn im Verhältnis zu verschiedenen Investitionsarten im Bereich Aus- und Weiterbildung aus dem Jahr 2005.) Zur Studie  "The returns to various types of investment in Education and Training” (en)

Der Einzelne profitiert am meisten?

Manchmal ist es der Fall, dass der bloße Zugang zur Erwachsenenbildung in der Politik nicht als wertvoll erachtet wird und ihr Nutzen auf kleine, einzelne Aspekte  – bessere Kompetenzen, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und eine bessere Bezahlung – reduziert wird. Das kann dazu führen, dass die Kosten der Erwachsenenbildung auf den Einzelnen umgewälzt werden (Privatisierung). In den Niederlanden hat man die schmerzhafte Erfahrung gemacht, dass die Privatisierung von Erwachsenenbildung für die Gesellschaft keinerlei Vorteile schafft. Zur Integrationsrichtlinie (nl)

Kurz gefasst:

Natürlich sollen die weiterreichenden Vorteile der Erwachsenenbildung betont werden. Allerdings muss zuerst anerkannt werden, dass sie bereits einen Wert an sich darstellt ­­– genau wie die Schulbildung.

Dementsprechend könnte man die Frage so umformulieren:

Unter welchen Bedingungen kann aus der Erwachsenenbildung der größtmögliche Nutzen gezogen werden?

Hier geht es dann nämlich um Folgendes:

  • Qualität der Lernumgebung
  • (Passendes) Verhältnis zwischen dem Lernenden und der Lernumgebung
  • Kompetenz des Lernbegleiters
  • Art und Umfang der institutionellen Regelungen und Vorschriften, etc.
  • Möglichkeiten, den Nutzen und Erfolg zu messen, so dass die Ergebnisse für die Erwachsenenbildungspolitik und Erwachsenenbildungsprogramme verwertet werden können

 ___________________

Simon Broek ist an zahlreichen europaweiten Forschungsprojekten in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarktfragen und Versicherungswesen beteiligt. Er beriet die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und Agenturen der Europäischen Union zu den Themen Bildungspolitik, Lebenslanges Lernen und Arbeitsmarktfragen und ist geschäftsführender Gesellschafter am Ockham Institute of Policy Support.

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  • Gilles Pinte's picture

    Réflexion effectivement très intéressante. Paul Santelmann il y a quelques années, posait la question de savoir si  la formation continue était un nouveau droit de l'homme. Les apports de la formation professionnelle continue en termes de bénéfices pour l'emploi sont à relativiser également puisque de nombreuses études montrent que seules les formations longues (au moins supérieures à 4 mois) permettent des perspectives de retour à l'emploi, de promotion professionelle ou de reconversion... En France, la plupart des formations sont des formations courtes et très adaptées au poste de travail.

    Effectivement, le principe d'éducation permanente est à repenser au regard de la prise en compte de l'expérience des adultes dans les dispositifs de formation pour une véritable formation tout au long de la vie.

  • Mario Cardona's picture

    I totally agree with you Simon on this. Adult Education is to be seen as an entitlement within the paradigm of Lifelong Learning. If learning is understood in its essence as enabling ourselves and others to reach human fulfillment, then it is a basic human right, not only in childhood but throughout our lives.

    On the basis of this I'm very sceptical (if not angry) at the fact that presently the EU has drifted away from conceptualising Adult Education in terms of employability. Education is for life, and employment is only one part of it. Education is for being and not only for knowing (in terms of knowledge, skills and competences). What if Adult Education was also for empowering communities all across the Union to re-envisage democratic life as we know it? And then, picking up upon your own suggestions, making sure that this kind of Adult Education was one of quality?

  • Thierry Ardouin's picture

    Merci pour la réflexion très intéressante. Cet article pose bien la question des différents niveaux de bénéfices. Et le risque est sans doute de ne penser la formation des adultes qu'en bénéfices individuels dans son  utilité pour l'emploi et l'employabilité. Cela correspond à un "bien privé individuel".Cela est nécessaire mais pas suffissant.

    L'élévation du niveau global de formation d'une population participe au niveau de développement social, culturel, sanitaire et économique. Dans ce sens, la formation des adultes est un "bien public", élément d'un "droit universel " comme nous l'indique Simon Broeck, au service de la communauté et du dévelopement de la culture générale. Et l'accès à tous est recherché.

    Cela rejoint, nous semble -t-il, le principe d'éducation permanente auquel je suis très attaché.

  • Simon BROEK's picture

    I can't agree more with you Paul and of course see the practical and political value of listing the benefits.

    The issue is that adult learning probably won't 'win' from initial education in terms of benefits and that by going the pathway of convincing governments by listing benefits we run the risk of forgetting that adult learning is a valuable provision in its own right for all.

    Maybe it is better to list of benefits of quality adult learning, not questionning the intrinsic value of adult learnning in it self.

     

  • Paul HOLDSWORTH's picture

    Good question (and answer!).

    On the other hand, public education (and other) budgets are being squeezed very tighly in many countries.

    Often, adult learning is the part of the education budget that is seen as 'easiest' to cut. (after all, who's going to complain if adult learning is cut? but think how many will complain if the funds for childcare or schools are cut? - another reason why the adult learning sector could benefit from being more organised!)

    So, organisations in several countries have found it useful to be able to list the many advantages of adult learning as a way of justifying continued support from national / local government. If you can show that adult learning might actually reduce expenditure on health care, for example, the authorities might listen....