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Blog

Free Thinking: Was wir von Überlebenden moderner Sklaverei lernen können – Teil 1

06/01/2020
by Jane Williamson
Tungumál: DE
Document available also in: EN FR IT PL ES

A student's hands holding up the Northern College wristband with her thumbs forming a heart below

„Heute kann ich sagen, dass ich eine stärkere Person bin, mit viel Motivation. Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, ich habe mehr Selbstvertrauen und will unabhängig sein.“

Kursteilnehmerin und Überlebende von Menschenhandel, Juli 2019

 

Free Thinking ist ein Schulungsprogramm für Überlebende von moderner Sklaverei und Menschenhandel. Der Kurs ist der erste seiner Art und wurde 2018 vom Northern College in der englischen Region South Yorkshire entwickelt. Seitdem haben 40 Studierende das Programm abgeschlossen und der langfristige Nutzen wird zunehmend deutlich: Viele Absolventinnen und Absolventen haben heute einen festen Arbeitsplatz oder setzen ihre Ausbildung fort.
 

Das Programm umfasst verschiedene Themenbereiche mit sehr praktischen und kreativen Elementen wie Erste Hilfe und Digitalfotografie. Daneben werden wöchentliche Module zu Arbeitsplatzkompetenzen und IT angeboten. Ebenfalls wöchentlich findet der Kurs „Leben in Großbritannien“ statt, der sich bei den Teilnehmenden als äußerst beliebt erwiesen hat. Diese Seminare behandeln Themen wie Geschichte und Geografie der britischen Inseln, Staatsbürgerschaft, Regierung und Demokratie, öffentliche Dienste und (besonders wichtig) Arbeitnehmerrechte. Das Programm soll Studierenden helfen, ihr Umgangsenglisch zu verbessern, Selbstvertrauen aufzubauen und Kompetenzen zu entwickeln, um in Großbritannien zu leben und zu arbeiten. Es handelte sich um eine völlig neue Initiative und abgesehen von Englischunterricht hatten die Teilnehmenden kaum Erfahrung mit dem breiteren Sektor der Erwachsenenbildung. Wir fingen also praktisch mit einem unbeschriebenen Blatt an, doch im Lauf der Zeit entwickelten sich die Kursinhalte weiter, vor allem aufgrund des Feedbacks von Studierenden.


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Northern College logo

Von Anfang an holten wir Rat bei Fachleuten ein und erhielten enorme Unterstützung von der Polizei, akademischen Experten und insbesondere vom freiwilligen Sektor, der seit vielen Jahren mit Überlebenden zusammenarbeitet. Die in South Yorkshire angesiedelten Organisationen City Hearts, Ashiana und Snowdrop Project überweisen ihre Klienten nicht nur an Free Thinking, sondern standen dem Lehrpersonal am College auch mit unschätzbarem Rat, Unterstützung und Training zur Seite. Mit ihrer Hilfe konnten wir ein Programm gestalten, das den Bedürfnissen der Studierenden angemessen ist, aber andernorts verfügbare Schulungs- oder Therapieangebote nicht reproduziert.

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Outer facade of Northern College

Das Northern College bietet auch Unterkünfte an – die Teilnehmenden des Programms übernachten zweimal pro Woche hier. Die Studierenden gelten als äußerst gefährdet. Gute Beziehungen zu den überweisenden Organisationen waren daher entscheidend, damit Risikobeurteilungen bei allen Überweisungen als Priorität behandelt wurden. Diese enge Arbeitsbeziehung bedeutete auch, dass Studierende das College vor der Einschreibung kennenlernten und dort geeignete Unterstützung erhielten.
 

Doch kein Ausmaß an Planung und Vorbereitung hätte uns je so viel lehren können wie die Studierenden selbst. Als Organisatorin und Haupttutorin des Programms hatte ich das Vergnügen, alle Studierenden persönlich kennenzulernen, ebenso wie die vielen engagierten Fachleute, die im Bereich der Prävention moderner Sklaverei arbeiten. Hier die drei wichtigsten Punkte, die ich in den letzten 18 Monaten gelernt habe.


 

1. Sklaverei ist noch immer eine Wachstumsbranche

Wie die meisten Menschen hatte ich keinerlei Vorstellung vom Ausmaß des Menschenhandels und der modernen Sklaverei in Großbritannien. Hierzu zählen sexuelle Ausbeutung und Zwangsprostitution, Sklaverei im häuslichen Bereich, Zwangsheirat, Ausbeutung der Arbeitskraft sowie kriminelle Ausbeutung durch erzwungenes Betteln, Einbrüche und Betrugs- oder Drogendelikte. Mit zunehmendem Bewusstsein in Organisationen wie der Polizei und dem Gesundheitsdienst, aber auch in der Öffentlichkeit, ist die Zahl der verzeichneten potenziellen Opfer jedes Jahr gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden 6993 Menschen von staatlichen Hilfsdiensten betreut. Da Menschenhandel im Verborgenen abläuft, sind diese Zahlen nur die Spitze des Eisbergs. 2016 lebten in Großbritannien nach einer Schätzung des Global Slavery Index an jedem beliebigen Tag 136.000 Menschen in moderner Sklaverei. Die Website der Human Trafficking Foundation (externer Link) bietet zahlreiche Informationen zum Thema Menschenhandel, darunter auch dazu, wie man ihn erkennt und dagegen vorgeht. 
 

Teil 2 dieses Blog-Beitrags finden Sie hier (externer Link).

 



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Jane Williamson

Jane Williamson 

Jane Williamson ist Tutorin/Organisatorin für den Fachbereich Moderne Sklaverei am Northern College.
Sie entwickelt, koordiniert und unterrichtet das Programm Free Thinking.
Um sich über die Initiative auf dem Laufenden zu halten, folgen Sie Jane auf Twitter unter @jwilliamson0204 (externer Link).

 

 

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