chevron-down chevron-left chevron-right chevron-up home circle comment double-caret-left double-caret-right like like2 twitter epale-arrow-up text-bubble cloud stop caret-down caret-up caret-left caret-right file-text

EPALE

Elektroniczna platforma na rzecz uczenia się dorosłych w Europie

 
 

Blog

Fragen stellen – immer wieder – sich selbst und anderen

09/12/2019
by Carola DIERICH
Tungumál: DE
Document available also in: PL

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken, kommentieren!

Jeden Tag stellen wir uns und anderen unzählige Fragen. Man sagt, es gibt keine dummen Fragen. Und dennoch ist es manchmal wichtig die richtige Frage zu stellen um weiterzukommen. Die Bedeutung des Fragens wurde mir beim diesjährigen Forum Erwachsenenbildung in Warschau mal wieder ins Bewusstsein gerufen.

Fragen im Kopf

Auf dem Weg zum IV. Forum Erwachsenenbildung in Warschau gingen mir viele Fragen durch den Kopf: Werden die Vorträge und Workshops halten, was sie im Programm versprechen? Auf was für Menschen werde ich treffen? Werde ich den Vorträgen und Workshops gut folgen können, schließlich ist Polnisch für mich eine Fremdsprache, die ich nur selten verwende? Eine Antwort auf diese Frage erhalte ich natürlich erst, wenn ich es ausprobiere.

Kritisches Hinterfragen

/lv/file/img8558jpgimg_8558.jpg

Karten mit Anstößen zum kritischen Denken
Oft hinterfrage ich also meine eigenen Fähigkeiten. Allzu oft hinterfrage ich allerdings Informationen nicht, die mir andere vermitteln. Das mag daran liegen, dass täglich eine riesige Flut an Informationen auf uns einstürmt. Dennoch sollten wir uns auch der Verantwortung bewusst sein, wenn wir falsche Informationen ungeprüft weitergeben. Um dies zu verhindern, gab uns Rafał Żak (EPALE Botschafter in Polen) einige Instrumente des kritischen Denkens in Form von Karten in die Hand (siehe Foto) und forderte uns zum Denken auf. Denn wir tendieren dazu, das für richtig oder wahr zu halten, was wir besser kennen oder worüber wir mehr wissen. Daher antwortete auch ein Großteil der Anwesenden auf die Frage „Welche Stadt ist größer – San Francisco oder San Antonio?" mit San Francisco, da es bekannter ist, allerdings nur halb so groß wie San Antonio. Außerdem suchen wir meist nach einer Bestätigung oder einem Beweis für das, was wir für wahr oder richtig erachten. Dabei wäre es häufig hilfreicher zu versuchen eine Information zu wiederlegen bzw. einen Gegenbeweis zu finden. Darüber hinaus sollten wir uns auch immer wieder fragen, welche Informationen oder Daten fehlen, denn ausschlaggebend sind nicht nur die Informationen, die wir bekommen, sondern auch bewusste oder unbewusste Informationslücken.

Anderen Fragen stellen

Beim Workshop mit Tomasz Janiak (World Institute for Action Learning Poland) zum Thema Action Learning, einer Methode des Erfahrungslernens, war es dann an uns, anderen Fragen zu stellen. Grundlage der Methode ist die Annahme, dass nicht in jedem Fall Expertenwissen notwendig ist um ein Problem zu lösen, sondern dass gute Lösungsansätze ebenso in Zusammenarbeit mit Personen entstehen können, die nicht direkt involviert sind und einen Blick von außen auf ein Problem haben. In Kleingruppen unternahmen wir erste praktische Schritte im Umgang mit der Methode – frei nach dem Prinzip „learning by doing“. Gearbeitet wurde an einem realen Problem einer Teilnehmerin, das wir zunächst durch gezieltes Fragenstellen herausarbeiteten. Durch wiederholtes Nachfragen gelangten wir zum Kern des Problems und konnten Lösungsansätze erarbeiten. Auch hierbei spielten Fragen eine Rolle, da wir aufgefordert waren Lösungen als Fragen zu formulieren, wie beispielsweise „Habt ihr das bereits versucht? Oder jenes schon ausprobiert?“. Auf diese Weise erhält man immer mehr Einblick in die Thematik und formuliert gleichzeitig konkrete Ideen, die auf den Punkt gebracht werden müssen. Der „Problemgeber“ erhält neue Impulse durch Fragen, die er sich so möglicherweise noch nicht gestellt hat, um zur Lösung des Problems zu gelangen. Eine wichtige Rolle beim Action Learning spielt zudem das Reflektieren über den Prozess, indem man sich von Zeit zu Zeit innerhalb der Gruppe Fragen stellt wie: „Wie gut läuft es in unserer Gruppe?", „Haben wir das Problem verstanden?" oder „Kommen wir einem Lösungsansatz näher?".

Fragen beantworten

/lv/file/img8499jpgimg_8499.jpg

Evaluationswand
Manchmal ist die richtige Frage auch eine Frage der Form. Wer kennt sie nicht, die langen Fragen am Ende einer Veranstaltung oder die Aufforderung einem Link zu folgen, um online ausführliches Feedback zu geben, dessen Erkenntniswert durchaus zuweilen zweifelhaft ist. Beim Forum wurde man allerdings während des ganzen Tages dazu aufgefordert im Vorbeigehen kurze Reflektionen und Meinungen in visueller Weise an einer Evaluationswand festzuhalten. „Was nehme ich mit?", „Was fehlte?", „Wurden die Themen getroffen?", „Was war überflüssig?" und „Welche Inhalte sollte es mehr auf EPALE geben?" - manchmal reichen diese kurzen und prägnanten Fragen aus um sich ein Bild zu machen. Außerdem konnte auf diese Weise jeder die Veränderungen über den gesamten Tagesverlauf beobachten.

Am Ende des Tages waren einige meiner Fragen beantwortet, aber es hatten sich auch neue Fragen aufgetan, die es zu beantworten galt. Und ich war auch ein bisschen stolz auf mich. Ich hatte am Workshop zum Thema Action Learning richtig teilgenommen und nicht nur zugeschaut. Ich hatte innerhalb meiner Kleingruppe sogar eine Frage gestellt, die für den weiteren Verlauf relevant war. Ich hatte mich getraut. Lebenslanges Lernen heißt also auch oder vor allem sich zu trauen Fragen zu stellen – um immer wieder neu dazuzulernen. 

Bildunterschriften:
Bild 1 - „Denk! – Werkzeuge zum kritischen Denken"
Bild 2 - „Evaluationswand“

Bildrechte: Carola Dierich


Über die Autorin: Carola Dierich ist Projektleiterin für EU-Projekte bei der Wisamar Bildungsgesellschaft gemeinnützige GmbH in Leipzig, die im Bereich berufliche, kulturelle und Erwachsenenbildung tätig ist.


Lesen Sie auch die anderen Beiträge zum Forum der Erwachsenenbildung in Polen 2019!
Share on Facebook Share on Twitter Epale SoundCloud Share on LinkedIn