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Blog

Öffentliche Bibliotheken und ihr Beitrag zu Inklusion und Lernen

14/01/2020
po Claire Roberts
Jezik: DE
Document available also in: EN SK FR IT PL ES

Originalsprache: Englisch


The small village of Tvindefossen in Voss, Norway

Unsere kurze Studienreise, die von unseren Gastgebern Henrik Arvidsson und Marit Lødemel von der staatlichen norwegischen Agentur Diku organisiert worden war, befasste sich mit der Rolle von Bibliotheken als Zentren für Inklusion und Lernen.

Die erste Begegnung fand in Bergen statt und bot die Chance, mit anderen Bibliothekaren über die Unterschiede und Ähnlichkeiten bei Einstellungen, Praktiken und Erwartungen im Bibliothekswesen zu sprechen.

Die Teilnehmenden kamen aus Dänemark, Estland, Irland, Italien, Kroatien, Litauen, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schottland, Schweden, der Slowakei, Spanien und der Tschechischen Republik.


Tag 1: Die Rolle von Bibliotheken in Norwegen und die Praktiken in europäischen Bibliotheken

Nach einer Begrüßungs- und Kennenlern-Session erläuterte Elin Golten (Bibliothek der Provinz Hordaland), wie das norwegische Bibliotheksgesetz von 2014 den Schwerpunkt von Bibliotheken verändert hat: Sie wurden von Orten materieller Sammlungen zu unabhängigen Treffpunkten für Gespräche und Diskussionen – ein Wandel von Kollektion zu Kommunikation. Elin erklärte, wie norwegische Bibliotheken die Herausforderung gemeistert haben, zu offenen Foren für alle zu werden.

In kleinen Gruppen besprachen wir die Praktiken und Einstellungen in unseren eigenen Ländern. Dies reichte von begrenzten Öffnungszeiten, die die Zugänglichkeit reduzieren, über den Einsatz von Freiwilligen, um den Service von Bibliotheken zu erweitern, und das damit verbundene Risiko, die Rolle qualifizierter Bibliothekare herabzustufen. Weitere Themen waren Workshops für digitale und sprachliche Kompetenzen und ähnliche Veranstaltungen in Bibliotheken sowie Angebote zur Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen und bei der Nutzung staatlicher Dienste, die nur online zur Verfügung stehen.

Bergen library interior showing the first and second floors


Öffentliche Bibliothek Bergen als Lern-Arena

Wir besuchten die Offentlige Bibliotek in Bergen und erfuhren auf einem Rundgang, wie sich das beeindruckende Gebäude dem aktuellen Bedarf angepasst hat. Neben mehreren umfangreichen, einzigartigen Sammlungen gibt es zahlreiche leserorientierte Räume, darunter einen Hörsaal, ein Café, eine Musik- und Theaterbühne sowie umfassende EDV-Angebote.

Fachkräfte der Bibliothek und mehrerer Zweigstellen sprachen begeistert über ihre Arbeit bei der Bereitstellung, Veranstaltung oder Organisation von Lernaktivitäten für Nutzer: neue Staatsbürger mit Bedarf an Sprachunterricht, Teenager, die an Programmierclubs teilnehmen, und Technologieseminare für ältere Menschen. Dabei stehen oft auch Kaffee und Kuchen bereit. Wie in ganz Norwegen fungieren die Bibliotheken von Bergen auch als Veranstaltungsorte für Schulungen und Lernerlebnisse, beispielsweise für das Rote Kreuz, das Hausaufgabenhilfe und Sprachcafés anbietet.


Tag 2: Besuch in der Bibliothek von Voss – ein Eindruck von den Praktiken dort und in anderen Teilen Norwegens

Eine Eisenbahnfahrt durch herrliche Landschaften führte uns in die wunderschöne Gemeinde Voss, bekannt für Winter- und Extremsportangebote, aber auch für Kunst und Kultur. Die Bibliothek ist im selben Gebäude untergebracht wie der Bereich Erwachsenenbildung und bietet ein Kino, einen Vorlesungs-/Diskussionsbereich, ein Theater, ein Tanzstudio sowie Konferenzräume.

Nach einer Führung durch diese attraktive Einrichtung sprachen Fachkräfte aus anderen norwegischen Bibliotheken über Aktivitäten, die Bürger und die Gemeinschaft insgesamt in Bibliotheken einbeziehen. Dabei geht es häufig darum, Gespräche anzuregen, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, die sich normalerweise nicht begegnen würden, und eine Mischung alter und neuer Kulturen widerzuspiegeln (Geschichtenerzählen, traditionelles Handwerk, Folklore und Volksmusik sowie Programmierung, Beratung zur Handhabung eigener Geräte und Pokémon).


Abschlusstag: Meinungs- und Erfahrungsaustausch

Nach einigen weiteren Beiträgen von norwegischen Bibliotheken wurde in kleinen Gruppen diskutiert, welche Ansätze wir in unseren eigenen Ländern ausprobieren könnten. Die meisten Gruppen konnten auf ähnliche Aktivitäten bei technischer und sprachlicher Unterstützung verweisen. Der Aufbau von Verbindungen bzw. die Aufnahme von Gesprächen mit anderen Organisationen ist offenbar entscheidend – wenn Bibliothekare keine Hilfe und Unterstützung liefern können, sind sie zumindest oft in der Lage, einen praktischen und neutralen Veranstaltungsort anzubieten und manchmal auch als Verbindungsglied für ungewöhnliche Partnerschaften zu fungieren.

Inklusion bedeutet, jene Menschen einzubeziehen, die sich ausgeschlossen fühlen oder sich ihres Platzes in einer Bibliothek nicht sicher sind, diesen Menschen die Tür zu öffnen und ihnen das Selbstvertrauen und die Kompetenzen zu geben, um den Zugang effektiv zu nutzen. Hierzu zählen Flüchtlinge/Asylanten und neue Staatsbürger, die ihren Weg in der Gesellschaft suchen, Menschen mit geringen Kompetenzen, ältere Menschen, die aufgrund des immer schnelleren technologischen Wandels unter Isolation oder Ausgrenzung leiden, sowie ältere Teenager, die sich von Bibliotheken abwenden, bis große Veränderungen in ihrem Leben (Elternschaft oder Arbeitslosigkeit) sie wieder anziehen.

Viele der norwegischen Delegierten berichteten von Aktivitäten, die junge und ältere Menschen zusammenführen, um sich gegenseitig zu unterstützen (Sprachunterricht und Hilfe bei Technologie), wobei engere Gemeinschaften und generationsübergreifende Freundschaften entstehen. Veranstaltungen zur Förderung traditioneller Handwerke und Kulturen helfen neuen Staatsbürgern, sich zu integrieren und Barrieren zu überwinden. Kontakte zu Organisationen, die Menschen mit psychischen Problemen betreuen, bauen Brücken und steigern Selbstbewusstsein und Partizipation. Regelmäßig wird gemeinsam gegessen – selbst wenn es nur Kaffee und Kuchen sind: Diese Gelegenheiten helfen den Menschen, sich zu entspannen und miteinander zu reden.

Voss library with a view of beautiful mountains through high windows behind a man reading

Abschlussgedanken

Natürlich gibt es auch manchmal Unstimmigkeiten: Gespräche an öffentlichen Orten sind schließlich ziemlich laut! Etablierte Nutzer können sich von Veränderungen an den Rand gedrängt oder eingeschüchtert fühlen. Daher ist es wichtig, allen zuzuhören und dafür zu sorgen, dass der verfügbare Raum von allen rücksichtsvoll geteilt wird. Bibliotheken sollten gemeinschaftlich genutzte Räume unter Umständen flexibler gestalten, um ihr Angebot zu erweitern – auch die Kosten sind also ein Faktor, der berücksichtigt werden muss. Und schließlich: Maßnahmen werden umgesetzt, indem man sich an andere Menschen und Organisationen wendet, ihre Meinung einholt und wirklich zuhört.

Die Botschaft norwegischer – und anderer – Bibliothekare ist klar. Um Bibliotheken wirklich attraktiv zu machen, braucht es Flexibilität, Unterstützung und Anpassungsfähigkeit. Wer die Isolation bekämpfen und Menschen zu Kontaktaufnahme und Kommunikation anregen möchte, muss anpassbare physische Räume bereitstellen. Um Bibliothekare auf diese neue Umgebung vorzubereiten, sind Unterstützung und Schulungsmaßnahmen erforderlich, denn in Zukunft werden sie als Moderatoren, Organisatoren sowie Kommunikatoren fungieren und müssen gut zuhören können. Außerdem benötigen sie Kenntnisse über die Technologien, die diese Aufgaben unterstützen.

Bibliotheken sind hervorragend aufgestellt, um Menschen, Organisationen und Services miteinander in Verbindung zu bringen. Wir müssen die Werbetrommel dafür rühren, was wir tatsächlich tun bzw. tun könnten. Die Antizipation von gesellschaftlichem und technologischem Wandel und die Reaktion darauf haben dafür gesorgt, dass Bibliotheken weiter relevant sind. Und das wird auch in Zukunft ebenso wichtig bleiben.

Claire Roberts

Claire Roberts ist Bibliothekarin mit Schwerpunkt Informationskompetenzen und arbeitet in der Abteilung für Bibliotheksdienste am City of Glasgow College in Schottland. Sie leitet den Bereich Leserentwicklung und unterstützt den Aufbau von Referenzierungs- und Recherchekompetenzen. Gleichzeitig arbeitet sie mit Studierenden von Englisch als Zweitsprache und sonderpädagogisch geförderten jungen Menschen, die Berufspraktika in der Bibliothek absolvieren. Das City of Glasgow College ist mit rund 15.000 Studierenden (Vollzeitäquivalent) die größte Fachoberschule in Schottland.

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Claire Roberts

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  • Slika korisnika Viviana Vitari
    Dear Claire, 
    this report is very effective indeed. It is a quick and realistic description of public libraries since the Unesco Manifesto was published. There’s also a new aspect that you are emphasizing, that I like. In Norway there is even an Act to support a mission and a vision at a time. I suggest a document entitled “COMPETENCES FOR DEMOCRATIC CULTURE. Living together as equals in culturally diverse democratic societies “. On the internet: rm.coe.it 
    It is a product of the Council of Europe in 2016. It says that we all have to cultivate a “culture of democracy”. They do not use the word “democracy”. "This is to emphasise the fact that, while democracy cannot exist without democratic institutions and laws, such institutions and laws cannot work in practice unless they are grounded in a culture of democracy, that is, in democratic values, attitudes and practices". So it is necessary for citizens to acquire a range of competences to participate effectively in a culture of democracy, but at the same time these competences are not enough to realize it, because democratic participation also requires appropriate institutional structures. We all need both: personale competences and governments/institutions.
    The example you wrote about seems to be within this framework. So, we can say that libraries create futures, while Governments give the democratic roadmap and together they develop social inclusion.  

    Thanks a lot for your report.