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Blog

Achtsamkeit als Perspektive auf Teamentwicklung

16/12/2019
po Julia Rösch
Jezik: DE

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Achtsamkeit ist in aller Munde. Neben Angeboten für das Privatleben bieten Bildungseinrichtungen Seminare und Weiterbildungen an, die sich mit Achtsamkeit im beruflichen Kontext beschäftigen. Dabei wird auch die Verbindung von Achtsamkeit und Teamentwicklung diskutiert.

Vor dem Hintergrund interdisziplinärer und multiprofessioneller Zusammenarbeit beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe des Bamberger Forums am 23. November 2019 mit dem Potential von Achtsamkeit in der Teamarbeit. Angela Müller, selbstständige Team- und Kulturentwicklerin aus Köln, leitete den Workshop und gab dazu Impulse.

Emotionale Intelligenz

Zu Beginn erarbeiteten die Teilnehmenden Chancen und Herausforderungen interdisziplinärer Teams. Die Referentin merkte an, dass vor allem emotionale und soziale Kompetenzen eine wesentliche Anforderung an die Zusammenarbeit darstellen. Auch die Kenntnis und der reflektierte Umgang mit Emotionen und Beziehungen sowie Empathie gehören dazu. Nach einem Modell von Daniel Golemann lassen sich die genannten Kompetenzen unter dem Oberbegriff emotionale Intelligenz zusammenfassen.

Achtsamkeit – Was ist das?

Nach einer anonymen Abfrage der Erfahrung mit Achtsamkeit in verschiedenen Kontexten wurde deutlich, dass sich bereits alle Teilnehmenden mit Achtsamkeit und Meditation beschäftigt haben. Gleichzeitig besteht eine große Heterogenität im Hinblick auf die private und berufliche Anwendung. Um auf einen ähnlichen Wissensstand zu kommen, erfolgte eine Klärung der Konzepte durch die Referentin.

In den Ausführungen der Referentin wurde deutlich, dass Achtsamkeit als Form der Aufmerksamkeit Training erfordert. Das Training Mindfulness-Based-Stress-Reduction, kurz MBSR, kann dabei unterstützen. Auch Meditation kann helfen, den eigenen Geist zu schulen und mit der Komplexität der alltäglichen Anforderungen umzugehen.

Effekte und Befunde

Um eine Grundlage für die weitere Diskussion herzustellen, zeigte die Referentin in einem kurzen Impulsvortrag wissenschaftliche Befunde von Achtsamkeit und Meditation auf. Dabei wies sie vor allem auf die Steigerung des psychischen Wohlbefindens sowie von Empathie und Mitgefühl hin. Diese positiven Effekte im Gehirn können im Hinblick auf emotionale und soziale Kompetenzen zu einer sensibleren Selbstwahrnehmung und einem differenzierteren Wertebewusstsein führen. Damit ist gemeint, dass man sich der eigenen Bedürfnisse und Werte bewusst ist und mögliche Stressfaktoren frühzeitig erkennt. Ressourcen und Stärken können so gezielter eingesetzt werden. Das Bewusstsein der eigenen Gefühle kann zu wertschätzender Kommunikation führen, da eigene Bedürfnisse transparent kommuniziert werden. Und sobald man sich der eigenen Bedürfnisse und Wünsche vergegenwärtigen und sie verbalisieren kann, kann es leichter fallen, Empathie und Mitgefühl für andere Menschen zu entwickeln und andere Meinungen und Professionen zu akzeptieren. 

Wirkung auf Zusammenarbeit

In der gemeinsamen Diskussion wurde deutlich, dass Achtsamkeit auf interdisziplinäre und multiprofessionelle Teamarbeit durchaus positiv wirken kann. Verschiedene Erfahrungen einzelner Seminarteilnehmer flossen ein und ergänzten die Gedanken von Angela Müller. Kern der Ergebnisse waren das wertfreie Zuhören und eine Offenheit gegenüber anderen Ideen und Professionen. Beides kann dazu führen, dass im Team insgesamt eine vertrauensvollere Beziehung aufgebaut wird.

Achtsame Haltung als Schlüssel für erfolgreiche Zusammenarbeit – Toolbox

Vor allem der ganzheitliche Ansatz kann durch eine achtsamere Haltung und Praxis unterstützt werden. Darin waren sich die Teilnehmenden am Ende der Arbeitsgruppe einig. Gleichzeitig birgt gerade der Begriff Achtsamkeit die Schwierigkeit, dass ihm manche Menschen von vornherein mit Widerstand begegnen. Wichtig ist dafür immer ein abwägen: Schaffe ich Transparenz, oder würde das zu neuem Widerstand führen? Lebe ich eine Haltung vor oder leite ich verschiedene Methoden an?

Vor diesem Hintergrund wurde eine Toolbox in der Gruppe erarbeitet, um aktiv achtsame Teamarbeit zu fördern. Beispiele sind Perspektivwechsel, die Klärung der unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen sowie der Ziele der Zusammenarbeit. Auch eine einminütige Stille-Übung zum Ankommen zu Beginn des Seminars oder Assoziationskarten sind Mittel, um eine achtsame Haltung im Team und für den einzelnen Menschen zu fördern.

Angela Müller gab der Gruppe am Schluss diesen Gedanken mit auf den Weg: Eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist möglich. Dabei ist Achtsamkeit nicht die Lösung, aber ein möglicher Schlüssel.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Referentin, die freundlicherweise ihre Präsentation für die Verfassung des Blogs zur Verfügung stellte.


Lesen Sie auch die Blogbeiträge zu den anderen Arbeitsgruppen auf dem III. Bamberger Forum für Erwachsenen- und Weiterbildung 2019.
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