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EPALE - ríomhArdán d’Fhoghlaim Aosach san Eoraip

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Q&A: Maria Pisani

30/03/2016
ag Maria Pisani
Teanga: DE
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EPALE gendered literacy

Maria Pisani, Nationalbibliothek Malta, Valletta

 

Maria Pisani ist Akademikerin, Aktivistin und Mutter von vier Kindern. Sie hat einen Doktortitel in Erwachsenenbildung der Universität Malta und hält Vorlesungen am Institut für Jugend- und Gemeinschaftsstudien der Universität Malta. Sie ist Mitbegründerin und Direktorin der  Stiftung Integra und arbeitet mit Migranten und Flüchtlingen in  Malta. In diesem Interview spricht sie mit Mahira Mifsud über ihre Vision von einer integrativen Erwachsenenbildung und darüber, wie befriedigend es ist, bei Teilnehmern an Erwachsenenbildung Veränderungen zu erleben.

Erzählen Sie uns etwas über sich selbst und Ihre Arbeit!

Ich bin ganz bestimmt nicht die einzige Frau, die diese Arbeit macht. Aber vielleicht war ich nicht unbedingt das, was man unter „Norm“ versteht … Ich habe mit 16 die Schule abgebrochen und meine Ausbildung erst wiederaufgenommen, als ich bereits eine Familie hatte. In den 12 Jahren meines Studiums habe ich gleichzeitig gearbeitet und meine vier Kinder großgezogen. Ich kann wirklich nicht sagen, dass irgendetwas an mir „originell“ ist!

Sie sind beruflich erfolgreich, Sie sind Mutter und engagieren sich für die Gemeinschaft. Wie haben Sie das alles geschafft, und wie würden Sie eine „erfolgreiche Person“ definieren?

Ich halte mich nicht unbedingt für eine beruflich erfolgreiche Person. Aber alles, was ich erreicht habe, konnte ich erreichen, weil alle Menschen um mich herum mich nach Kräften unterstützt haben: meine Kinder, meine Eltern, mein Partner, meine Freunde und meine Kollegen. Das und Eigenschaften wie Entschlossenheit, Opferbereitschaft und mein Engagement für soziale Gerechtigkeit. Ich glaube, es ist sehr schwierig zu sagen: So sieht Erfolg aus ... Für mich ist eine erfolgreiche Frau eine Frau, die im Einklang mit ihren Entscheidungen ist, mit ihrer Wahl, und natürlich auch ihre Fehler akzeptiert (wir alle machen Fehler und lernen hoffentlich aus unseren Fehlern) in unterschiedlichen Aspekten ihres Lebens  – von der Partnerschaft über die Familie, die Arbeit (zu Hause oder außerhalb), Bildung, Lifestyle und so weiter.

Gibt es Vorbilder, an denen Sie sich orientiert haben?

Ich habe so viele Frauen in unterschiedlichen Umfeldern und zu unterschiedlichen Zeiten meines Lebens kennengelernt, die mich inspiriert haben.  Ich bin umgeben von wunderbaren Frauen, die ohne großes Aufheben von ihrer Arbeit zu machen, vorwärts gehen und wunderbare Dinge tun: meinen Töchtern, meiner Mutter, meinen Freundinnen, Kolleginnen, Frauen, die ich durch meine Arbeit kennengelernt habe, - ganz unterschiedliche Frauen, die mich auf unterschiedliche Art und Weise inspiriert haben.

Wie würden Sie den Begriff „Feministin“ definieren? Ist der Begriff heute überhaupt noch zutreffend?

Ich glaube ja, und ich halte ihn nach wie vor für aktuell. Heute beziehen wir uns auf unterschiedliche Arten von Feminismus: Es gibt unterschiedliche Interpretationen für diesen Begriff. Grundsätzlich ist meiner Meinung nach eine Frau eine Feministin, wenn sie sich für die Gleichheit der Geschlechter in allen Lebensbereichen einsetzt, in der Wirtschaft, im Haushalt, der Arbeit, im sexuellen und sozialen Bereich usw.

Ich bin auch der Meinung, dass man Menschen nicht allein nach dem Geschlecht definieren kann. Das heißt, man muss auch darauf achten, wie Geschlecht mit anderen Faktoren wie Alter, Rasse und Ethnizität, Fähigkeiten oder Behinderung, Gesellschaftsschicht usw. zusammenpasst. Feminismus ist eigentlich ein politisches Phänomen. Er achtet also auf geschlechtsspezifische Machtbeziehungen und strukturelle Hindernisse – er fordert Veränderung und ist immer um Gleichheit bemüht. Von daher bin ich natürlich Feministin …

Was halten Sie von dem „Weltfrauentag”? Brauchen wir heute überhaupt noch einen solchen Tag? 

Solange der Weltfrauentag sich für die Beseitigung der Ungleichheit der Geschlechter einsetzt, hat er seine Existenzberechtigung – und es gibt da noch eine Menge zu tun in Malta und über Malta hinaus. Es gibt viele Frauen auf der Welt, deren Rechte Tag für Tag mit Füßen getreten werden – ich glaube, wir haben die Pflicht, für die Rechte aller Frauen zu kämpfen, wo immer sie leben. Es geht nicht darum, in ihrem Auftrag zu sprechen, sondern vielmehr mit ihnen zu sprechen und die Aufmerksamkeit auf ihre Situation zu lenken, wenn ihre Stimme nicht gehört wird.

Sehen Sie einen Unterschied zwischen dem Geschlecht und dem Zugang zu Bildung für Erwachsene in Malta und Europa?

Das ist seltsam, in meiner ersten wissenschaftlichen Arbeit zum Abschluss meines Studiums habe ich mich mit der Frage befasst, ob junge Frauen die Freiheit haben, sie selbst zu sein. Das war vor 20 Jahren. Ich hatte im Bus ein Gespräch mitgehört, bei dem eine Mutter die Entscheidung ihrer Töchter in Frage stellte, zu studieren. Sie hielt es für Zeitverschwendung, da ihre Tochter sehr wahrscheinlich einmal heiraten und Kinder bekommen würde.

Die Dinge haben sich inzwischen sicherlich geändert, und zwar so sehr, dass Frauen, die sich dafür entscheiden, zu Hause zu bleiben und sich um ihre Familie zu kümmern, belächelt werden. Daher würde ich immer noch die Frage stellen: Hat eine Frau die Freiheit, sie selbst zu sein? Dieselbe Frage kann natürlich dem Mann gestellt werden – es geht bei Genderfragen nicht nur um Frauen, und alle Stereotypen und geschlechtsspezifischen Erwartungen müssen in Frage gestellt und umgewandelt werden.

Ich würde also sagen, dass von den Personen, die sich für Erwachsenenbildung entscheiden, Frauen eher auf geschlechtsbezogene Hindernisse stoßen, z.B. Kinderbetreuung, Betreuung von pflegebedürftigen Familienmitgliedern, niedrigeren Löhnen und unregelmäßigen Arbeitszeiten usw.

Sie sind die Gründerin der Stiftung Integra. Könnten Sie uns etwas über die Arbeit von Integra erzählen, vor allem im Zusammenhang mit Frauen mit Migrationshintergrund in Malta?

Nun, Integra funktioniert dank der Unterstützung eines Teams von Freiwilligen. Wir bieten eine Reihe von Diensten einschließlich Englisch-Kursen und Kursen in maltesischer Sprache  und eine Anlaufstelle für Migranten und Flüchtlinge an. Wir engagieren uns auch für die Belange der Flüchtlinge und führen Forschungsarbeiten in diesem Bereich durch. Was Frauen anbetrifft, so haben wir vor kurzem in Zusammenarbeit mit Kopin ein Projekt zu prä- und postnataler Betreuung abgeschlossen.  Die Zusammenarbeit mit Flüchtlingen und den Hebammen von Mater Dei hat sehr gut funktioniert – es war eine sehr reiche Lernerfahrung für uns alle.

Wie sehen Ihrer Meinung die Trends für die Zukunft in diesem Bereich aus, also Frauen und Erwachsenenbildung?

Also, ich glaube, es wird in Zukunft immer mehr Frauen geben, die sich für die Rückkehr zur formalen Bildung entscheiden. Ich halte Vorlesungen über Jugend und Gemeinschaftsstudien, und viele unserer Studenten und Studentinnen sind älteren Semesters – die meisten davon Frauen.   Das kann eine durchaus beängstigende Erfahrung sein, vor allem für die Frauen, deren Schulbildung schon sehr lange zurückliegt. Ich finde, vielen dieser Frauen fehlt es an Selbstvertrauen. Es ist ein Privileg, diese Lernerfahrung mit ihnen zu teilen, zu sehen, wie sie sich verändern.

Sie stellen rasch fest, dass sie über einen Reichtum an Wissen und Erfahrungen verfügen, die einen Beitrag zu unseren gegenseitigen Lernerfahrungen leisten können. Zeugnisse sind wichtig, um in einer bestimmten beruflichen Laufbahn weiterzukommen. Aber für mich ist formale Bildung nicht einfach Mittel zum Zweck. Für mich geht es dabei vor allem um den Weg zum Ziel, und gerade Erwachsenenbildung kann – und das halte ich für sehr wichtig – den Freiraum und die Chance bieten, alles in Frage zu stellen, was wir bisher gelernt haben, es zu vergessen und offen zu sein für andere Perspektiven und Realitäten.

Welche Botschaft können Sie allen Frauen da draußen mit auf den Weg geben?

Ich weiß nicht, ob ich so etwas wie eine Botschaft für „alle Frauen“ habe. Dazu sind unsere Lebensumstände zu unterschiedlich. Vielleicht könnte ich all den Frauen, die in der Lage sind, den Weltfrauentag zu feiern, sagen: Feiern Sie das, was Sie sind, mit Stolz, erkennen Sie die Tatsache an, dass Sie in der Lage sind, zu feiern, wer Sie sind, und vergessen Sie die Frauen nicht, denen diese Möglichkeit verwehrt bleibt.

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1 - 1 as 1 á dtaispeáint
  • Elena Galifianaki's picture

    This is a very interesting interview of Maria Pisani, thank you for posting it here.

    Remember next week EPALE is hosting Migrant Education Week 25-29 April (/node/20789).

    There will be 3 LIVE discussions taking place on Tue 26th, Wed 27th and Thu 28th April (Experiences, Challenges and Solutions). Join in the discussions and share on social media with the hashtag #epale2016.

    To get an email alert as the live discussions start, go to the EPALE Soonfeed and click "Join" for each discussion: /blog/epale-soonfeed.

    See you online next week!

    Eleni