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Lernen bei Kaffee und Keksen: Individuell Lesen und Schreiben lernen im Lerncafé

03/12/2019
ag Katrin Wartenberg
Teanga: DE

Lesedauer circa vier Minuten - Lesen, liken und kommentieren!


Karsten sitzt am Tisch und wartet. Er hat schon Papier und Bleistift rausgeholt und schreibt einzelne Buchstaben auf. Leise spricht er sich die Lautnamen der Buchstaben vor. Neben ihm sitzt Alfred, der Wörter in den Computer tippt. Hartmut gießt sich eine Tasse Kaffee ein und schwatzt mit Diana, die gerade gekommen ist. Alle vier sitzen mit einigen anderen im Lerncafé Deutsch und PC des Grundbildungszentrums an der Volkshochschule Potsdam und üben Lesen und Schreiben.

Lerncafés als offenes Angebot

Das Lerncafé findet jeden Mittwoch von 16 bis 19 Uhr statt. Es ist ein sogenanntes offenes Lernangebot, zu dem man einfach vorbeikommen kann. Es ist offen für alle deutschsprachigen Erwachsenen ab 16 Jahren und kostenfrei. Organisiert und angeboten wird es vom Projekt Grundbildungszentrum der Volkshochschule.

Carola ist seit zwei Jahren als ehrenamtliche Lernbegleiterin mit dabei. „Es macht mir viel Freude zu helfen. Und ich bekomme so viel Dankbarkeit zurück, das ist einfach toll! Außerdem lerne ich selbst auch so viel Neues“, sagt sie und geht auf Patrick zu, mit dem sie schon letzte Woche Lesen geübt hat. „Was machen wir heute?“, fragt sie lächelnd und setzt sich neben Patrick an den Tisch.

Ohne Anmeldung und kostenfrei

Das Lerncafé in der Volkshochschule ist eins von insgesamt sechs Lerncafés in Potsdam. Diese Form des Lernangebots ist relativ neu. Normalerweise bietet die Volkshochschule Kurse an, zu denen man sich anmelden muss und an denen man regelmäßig teilnehmen sollte. Die Lerncafés sind ein niedrigschwelliges Angebot, zu dem man sich nicht an- oder abmelden muss. Man kommt so lange, wie man möchte. Der Name ist auch Programm, denn es gibt tatsächlich Kaffee, Tee und Kekse. Im Mittelpunkt steht die Freude am gemeinsamen Lernen und am Austausch. In der Regel besuchen jede Woche zwischen sechs und zehn Lernende das Lerncafé in der Volkshochschule. Es dauerte ein paar Monate bis sich das Angebot herumgesprochen hatte. In den ersten Monaten kam oft auch nur ein Lernender oder auch niemand.

Lernbegleitende als Unterstützung

Vier ehrenamtliche Lernbegleitende unterstützen die Lernenden. „Ohne die Lernbegleitenden wären die Lerncafés so nicht denkbar. Wir sind sehr glücklich, dass sich Potsdamerinnen und Potsdamer bei uns engagieren“, sagt Dr. Myrtan Xhyra, Direktor der Volkshochschule Potsdam. Über das Lernen hinaus werden auch privat Kontakte geknüpft und Lernbegleitende verabreden sich mit Lernenden, um ihnen Potsdam zu zeigen oder im Café zu sitzen und lecker Kuchen zu essen. Die meisten Lernbegleitenden haben keine pädagogischen Vorerfahrungen. Die braucht es aber auch nicht unbedingt, da es sich um eine Nachhilfe für einzelne Lernende handelt. Die Lernbegleitenden erhalten zu Beginn ihres Einsatzes eine Schulung, in der sie das Wichtigste zur Arbeit im Lerncafé und mit den Lernenden erfahren. Regelmäßig werden Fortbildungen und Stammtische für die Lernbegleitenden angeboten.

Individuelles Lernen im eigenen Tempo

Viele Lernende bringen Bücher oder Aufgaben selbst mit. Sie möchten z.B. lernen, wie man Straßennamen richtig schreibt, weil sie das für ihre Arbeit benötigen. Oder sie haben Fragen zu Hausaufgaben aus der Schule, in der sie den 10.Klasse-Abschluss nachholen. Im Lerncafé selbst stehen auch unterschiedliche Lernmaterialien zur Verfügung sowie sieben Laptops, die immer schnell besetzt sind. Das Lerncafé ist auch offen für Erwachsene, die noch keine Erfahrung in der Bedienung eines Computers haben. Die älteste Lernende ist 80 Jahre alt und übt, Mails an ihren Sohn und ihre Tochter zu schreiben.

Ivonne und Uli sitzen gemeinsam an einem Computer. Sie haben sich im Lerncafé kennengelernt und auf Anhieb gut verstanden. Auch außerhalb des Lerncafés treffen sie sich regelmäßig und schreiben dann zusammen ihre Erlebnisse auf. „Wir haben schon 15 Seiten geschrieben,“ sagt Yvonne ganz stolz und überlegt mit Uli, welches Erlebnis sie heute aufschreiben könnten. 

Nach drei Stunden ist die Zeit leider schon um. „Aber nächste Woche ist wieder auf. Da komme ich auch wieder. Und dann schreiben wir weiter an unserem Buch“, sagt Uli und winkt beim Rausgehen.


/en/file/lerncafe-im-grundbildungszentrum-potsdam-christoph-freytagLerncafé im Grundbildungszentrum Potsdam (Christoph Freytag)

Lerncafé im Grundbildungszentrum Potsdam (Christoph Freytag)

Bildrechte: Christoph Freytag



Über die Autorin: Katrin Wartenberg ist Projektleiterin im Grundbildungszentrum an der Volkshochschule Potsdam. Seit 2011 ist sie im Bereich Grundbildung aktiv. Sie war Dozentin in Lese- und Schreibkursen und arbeitete von 2012 bis 2015 als lokale Projektleiterin in Potsdam im Projekt „AlphaKommunal“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes e.V.


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1 - 1 as 1 á dtaispeáint
  • Katrin Echtermeyer's picture
    Ich habe mich sehr über diesen Beitrag gefreut - und war gleichzeitig ziemlich überrascht. Grundsätzlich halte ich sehr viel von solchen niedrigschwelligen Angeboten, wenig formalisiert, dafür mit einer starken sozialen Komponente, wo manchmal das Treffen mit den anderen der Hauptgrund zum Kommen ist. Aber warum auch nicht, deshalb wird ja nicht weniger "gelernt". Was mich jedoch überrascht hat, ist die Erfahrung, dass ein solches Angebot auch im Bereich der Grundbildung funktioniert. Hier liegt die Schwelle, sich zu den eigenen Schwächen zu bekennen, ja häufig besonders hoch. Betroffene leben - oft schon sehr lange - mit dem Bewusstsein, ihren "Mangel" verstecken zu müssen. So fand ich es sehr ermutigend zu lesen, dass sich die Angebote in Potsdam über Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet haben und diesen Zuspruch genießen, dass die Betroffenen kommen und damit (sich und anderen) eingestehen, beim Lesen und Schreiben Probleme zu haben.